Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 548 (15.5.1936)
- Date
- 1936-05-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Mt« 4 Oll «T1MMB m - m TM 1950 Die Geldfrage Wenn man in jüdischer Gesellschaft auf Palästina zu sprechen kommt, dann ist immer wieder die Frage au hören: „Ja, kann denn das jüdische Palästina überhaupt gelingen?" Es folgen dann gleich eine Anzahl von Hilfsfragen zur Unterstützung der ersten rethorischen Frage, die der Fragende innerlich im voraus mit „nein“ beantwortet hat. Diese Hilfsfragen sind je nach Laune oder Stand des politischen und wirtschaftlichen Barometers verschieden: „Werden die Engländer es zula/ssen?“ „Und die Wirtschaftskrise?“ „Geht das überhaupt, wenn so viele Leute in der Stadt und so wenige am Land sind?“ „Und die Spekulation?“ Um schließlich die scheinbar allersohwienigste Frage zu stellen: „Ja, und die Araber?“ Auf alle diese Fragen gibt es eine einzige, einfache Antwort: Zum Kolonisieren gehört wie zum Kriegführen Geld, Geld und wie denim Geld. Wäre genügend Geld vorhanden, dann wären alle Schwierigkeiten erstaunlich ledoht zu überwinden. Denn an dem Willen zum Kolonisieren, an dom zentrifugalen Hmsfcröonen der aktivsten Energien der Judenheiten nach Erez Israel zweifelt doch wohl heute niemand mehr. Beginnen wir mit der Schwierigkeit der richtigen Verteilung des Jisobuws auf städtische und Landwirtschaft! Wollen wir ein Drittel oder gar 40% des Jischuws aufs Land bringen, dann brauchen wir um so und so viel Boden matw. Dieser Boden ist da und wartet darauf, gekauft zu werden. Wenn die Juden dem Ruf des Keren Kajemeth folgen und in den nächsten zwei Jahren eine Million Pfund zur Verfügung stellen, dann ißt diese Frage restlos gelöst. Nun zu den Engländern. Die Engländer geben uns noch völlig freie Hand für jene Familien, die 1000 Pfund zur Einwanderung mitbringen können. Hätten wir — utopistieohe Vorstellung! — eine nationale Kasse, die jährlich so und so vielen Familien ein Ansiedlungsdarlehen von 1000 Pfund gegen langfristige Rückzahlung zut Verfügung stehen könnte, dann könnten wir auch die Einwanderung nach unserem Belieben regeln. Brauchen wir erst zu sagen, daß die sogenannte Wirtschaftskrise auch nur eine Geldfrage war? Daß sie vornehmlich davon abhing, welcher Teil der jüdischen Ersparnisse von der Allgemeinheit dirigiert wird und welcher nur spekulativen Interessen dient nnd vor jedem Schatten an der Wand die Flucht ergreift? Jener Teil der Wirtschaft des Jischuw, der auf eigenem Boden oder auf Volksbodeu sitzt, der gemeinsohaftsbewußt ist, sah die Krise mit Gleichmut an nnd überwand sie ebenso. Noch mehr Geld an die Fonds und der Jischuw wird noch krisenfester werden. Bleiben die Araber übrig. Bisher scheint man völlig übersehen zu haben, daß es sich auch da um eine eminente Geldfrage handelt. Die Araber weiden immer wieder gegen uns „aufgewiegelt“. Die Technik des Aufwiegelns, die gedruckte und die gesprochene Propaganda, erfordert Geld und wieder Geld. Die politischen Agenten und Agitatoren arbeiten selten umsonst. Sie werden von irgend einer Gegenseite bezahlt. Hätten wir selbst Geld für ähnliche Zwecke, daun könnten wir bei den Arabern eine Gegenpropaganda entfalten, wir könnten wieder „abwiegeln“, was die anderen „aufwiegeln“. Wobei wir noch den Vorteil hätten, nur die Wahrheit zu sagen und Hilfe und Freundschaft anzubieten, während die anderen mit der Lüge und dem Haß arbeiten und letzten Endes nichts Konstruktives anzubieten haben. Wo bleibt die von unseren Gegnern so viel beredete Weltmacht, die „jüdische Presse“ heißt? Sie existiert gar nicht, und „jüdische“ Zeitungen sind nicht einmal bereit, um die Juden über unsere Kernprobleme zu informieren. Denn sonst wäre es unmöglich, daß immer wieder über die Engländer, über den Boden, die Krise, die Araber, das Klima und tausend anderes geseufzt wird, während es in Wirklichkeit nur eines zu beseufzen gibt: daß wir nicht genügend Geld für das Kolonisationsproblem „Erez Israel“ beistellen. Jenen vielen Juden, die treuherzig versichern, diaß sie unbedingt für Erez Israel sind, daß aber da doch die Engländer, die Araber, die Krise usw. scheinbar unüberwindbare Hindernisse sind, sollte von nun ab nur eines gesagt werden: wenn du dich wirklich zum neuen, aufbauenden Judentum bekennen willst, dann besteuere dich freiwillig zugunsten der Fonds! Nachher kannst du dann seufzen, so viel du willst! Für den jüdischen Sport! Es ist heute nicht mehr möglich, den gesunden Einfluß und die Bedeutung der Körperkultur für die Erziehung und Ertüchtigung des jungen Juden in Abrede zu stellen Kraft., Mut, Entschlossenheit und kämpferischer Wille sind Eigenschaften, die zum großen Teil durch sportliche Betätigung, durch sportliches Training erzielt werden. Aber viel zu wenig Jugendliche, viel zu wenig Begeisterte sind bis heute in den Reihen der Hakoah, des mächtigsten und kampfstärksten jüdischen Sportklubs der Welt Und gerade heute tnuß dieses mangelnde Interesse, diese indifferente Haltung, über wunden werden, teils durch eine Intensivierung der Propaganda, teils durch große Ver anstallungen und Kundgebungen, durch die auch Menschen, die dem jüdischen Sport ferner stehen, seinen Sinn und seitle Bedeutung kennen lernen können. Die Hakoah hat sich entschlossen, nunmehr sozusagen offensiv votrzugehm, um die jüdischen Massen für den jüdischen Sport zu aktivieren. Es sind zunächst zwei Ver anstaltimgen, die diesem Zweck dienen sollen. Das Sportfest am 17. Mai Gemeinsam mit der Zionistischen Sektion I Vormittag des 17. Mai, um %10 Uhr, den und der WIZO-Prater hatte der große, jüdi-1 jüdischen Sporttag einleitend, auf dem Ha sehe Sportklub bekanntlich schon für den 1. Mai ein großes Sportfest in der Krieau geplant. Es mußte wegen schlechten Wetters abgesagt werden und findet nun am 17. d. statt. Es zeigt sich, erfreulich, großes Interesse in den Wiener jüdischen Kreisen für diese Veranstaltung, so daß man mit Recht auf einen vollen Erfolg hoffen kann. Zu dem Sportfest trifft, wie schon seinerzeit mitgeteilt wurde, die Makkabäa aus Bratislava ein, deren erste Mannschaft mit der ersten Hakoah-Mannschaft zum Match antritt, das der Höhepunkt des Tages sein wird. Nachträglich wurde aber auch die Tennismannschaft des Bratislava er jüdischen Klubs nach Wien eingeladen. Sie spielt am koah-Platz in der Krieau gegen Tennis Hakoah-I. K. I. Das Programm des Nachmittags bleibt un verändert, wie es für den 1. Mai geplant war: lA2 Uhr: Fußballmatch Jungmannschaft der Hakoah gegen Jungmannschaft Has monea. H3 Uhr: Aufmarsch der Mannschaften mit abschließender Aufstellung in der Form des Mögen David 3 Uhr Match der ersten Hakoah-Mann schalt gegen erste Mannschaft der Makka bäer-Bratislava. In der Halbzeit Leichtathletik und turnerische Vorführungen von Damen und Herren Tag der jüdischen Jugend Die zweite große Veranstaltung der Hakoah findet am 14. Juni unter der Devise „Tag der jüdischen Jugend“ statt. Fast alle Wiener Jugendbünde werden teils als Aktive, teils als Zuschauer zur Stelle sein, die prominentesten Führer des Zionismus werden Ansprachen halten. Im Mittelpunkt der sportlichen Ereignisse steht der Leichtathletikländerkampf der Makkabikreise Deutschland und Österreich. Die Makkaibim aus Deutschland, die zu Hause MÖBEL.WINTER für Gelegenheltskäufe Wien, VIII., Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A 21-5-31 vollkommen isoliert Sport betreiben müssen bei keinem öffentlichen Meeting antreten dürfen und trotz allen Schwierigkeiten eine gewaltige Organisation aufgebaut haben der heute 25.000 Mitglieder angehören, bekamen vom Reichssportführer ausnahms weise Starterlaubnis für Wien und werden mit ihrer starken Mannschaft, die auch bei der letzten Makkabiah so erfolgreich war, antreten. Es ist wohl eine Ehrenpflicht jedes Zionisten, auch an dieser Veranstaltung, die der Makkabikreis Österreich und die Hakoah unter den schwersten finanziellen Opfern ermöglicht, teilzun©Innen und so die Idee unseres jüdischen Sportes zu unterstützen. k | Für unsere Leser nur: Neudegger Fahrschulen Wien, VIII., Neudeggerg. 18 Tel. B 46-5-72 und'lnzersdorf (Nieder-Österreich) Prüfungserleichterung durch!! taufendes Auto im UHpfial l! Aufruf Schalom Aschs Jerusalem, 13. Mai. Vor seiner Abreise mit dem Dampfer „Marietta Pasha“ richtete Schalom Asch gestern in einer Ansprache einen Aufruf an den Jishuw, das Wiederaufbauwerk fortzuführen. Er sagte, ,Je eine Macht in der Welt kann den Aufbau Palästinas als Heimat für das gesamte jüdische Volk aufhalten“. Optiker RUDOLF HAAS&<.. WIEN. II., PRATERSTR. 32 SPEZIALIST FÜR BRILLENOPTIK Minister Thomas Ist bereit... Jerusalem, 11. Mai (Palcor.). Die arabische Zeitung „Falastin“ meldet, der Oberkommissar habe vor Eröffnung der arabischen Konferenz am 7. Mai den Mufti und Nashashibi von einem Telegramm in Kenntnis gesetzt, in dem Kolonialminister Thomas seine Bereitwilligkeit ausdrücke, mit der arabischen Delegation in London nicht nur die Frage des Gesetzgebenden Rates, sondern auch die Fragen der jüdischen Einwanderung und des jüdischen Bodenkaufs zu erörtern. Die indischen Opfer von Jaffa ins Goldene Buch des Nationalfonds Saloniki, 11. Mai. (JTA.) In allen Saloniikier Synagogen wurden Trauerandachten für die jüdischem Opfer der Unruhen in Jaffa abgehalten. In einer von allen zionistischen Parteien beschickten Konferenz wurde beschlossen, die Tätigkeit für die nationalen Fonds zu verstärken und die jüdischen Toten von Jaffa-Tel-Aviv in da« Goldene Buch des Keren Kajemeth Lejisrael cinzutra^en. Beschlossen wurde ferner, die Vorbereitungen zur baldigen Schaffung eines zionistischen Territorialverbandes für Griechenland gemäß den Beschlüssen des Zionistenkongresse« in Luzern zu Reffen. EabiomIiaImi lm Waldviertel, S 4.50 tSgl., ■ CriCnIIUIIEli 5 Mahlz., pädag. Leitung, Referenzen, Prospekte, Kammer. I., Gonzagagasse 13, U 22-9-82. Wirtschaftsjahrbuch für Palästina Im Wirtschaftsverlag A. G. Basel ist soeben ein Wirtschaftsjahrbuch für Palästina von Dr. Artur Katz-Förstner, dem Herausgeber des „Archiv für Internationale Wirtschaftskunde“, erschienen. Das vornehm ausgestattete und mit 56 Abbildungen versehene Buch gibt einen interessanten Überblick über das Wirtschaftsleben Palästinas. Sämtliche Ar tikel (in deutscher und englischer Sprache) stammen von ausgezeichneten Kennern des Landes und seiner Wirtschaft. Wer über die Palästinawirtechaft verläßliche Daten braucht, wird sie in diesem soliden Werk finden. Das Verkehrswesen, Währung, Kredit und Bankwesen, das Versicherungswesen, die Zitrusindustrie und die übrigen Industrien, die zionistischen Fonds, Landwirtschaft und Kolo nisation sowie neue Siedlungsformen werden von ausgezeichneten Kennern der Materie klar und übersichtlich behandelt. Zahlreiche Wirtschaftsnachrichten beschließen das ausgezeichnete Buch, dae jedermann benützen sollte, der sich wirtschaftlich oder politisch mit den Fragen Erez Israels befaßt. Restaurant w: Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs ä S 1"90 u. 2*60 II., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Schälerkonzert des Chajesgymnaslums Das Ghajes-Roalgymnasium veranstaltet Donnerstag, den 21. Mai 1986, M8 Uhr abends, im Großen Saal des Ingenieur- und Architektenvereins, I., Eschenbaohgasee 9, ein Schttlerkonzert, bei dem unter anderem auch Chor- und Instrumentalwerke von Salojnone Rossi Ebreo, Hugo Kauder, und eine Gruppe hebräischer Lieder zur Aufführung gelangen. Karten zu S 1.50 und S 1.05 im Sekretariat des ChajesltealgymnasiumB, XX., Staudingergasso 6, und an cha Abemdkaase« Fürs füdfsdie Kind Da* I. Ferienheim „ATI D" in Spital am Semmering (820 m) für 6- bis 16-jährige, Pädag. Leiter A. Taglicht Idealste Höhenlage, mod. gepflegtes Heim. Ständig« flrztl. Aufsicht, Indlv. pädag. Beeinflussung. 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Sonntag vormittags waren der große Sitzungssaal und die anschließenden Räumlichkeiten der Israelitischen Kultusgemeinde von den Delegationen aller großen Wiener jüdischen Körperschaften überfüllt. Staaterat Dr. Friedmann feierie als Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde die hervorragende Wirksamkeit Dr. Kaminkas, die er seit 36 Jahren als Rabbiner, Prediger und Lehrer in Wien innerhalb der jüdischen Gemeinde entfaltet. „Wir dürfen sagen“, so schloß er seine Rede, „Dr. Kaminka gehört zu denjenigen, die das Verdienst haben, jenes geistige Profil des jüdischen Wien mitgeformt zu haben, auf das wir alle stolz sind.“ Der Präsident der Israelitischen Allianz, Dr. Jakob Ornsten, entwarf ein Bild von der vielfältigen Tätigkeit Kaminkas der Israelitischen Allianz, deren Generalsekretär er im Jahre 1901 wurde. Der Obmann des Verwaltungskomitees des Maimonides-Instituts, H. Intrator, knüpfte an den Ritus der Omer-Zahlung an, mit der für die jüdische Gesamtheit die Vorschrift des Jubeljahres verbunden war und brachte im Namen der Mitglieder und der zahlreichen Zuhörerschaft der Vorträge des Maimonides-Instiuts dem Jubilar das Gefühl der Dankbarkeit und Anhänglichkeit zum Ausdruck. Studienrat Rabbiner Dr. M. B a u e r sprach als Zweitältester Dozent der Maimonides- Institute über die Lehrtätigkeit des Leiters des Instituts und Vorsitzenden des Dozentenkollegiums. Seine Arbeitskraft werde nur durch seine Arbeitsfreudigkeit ttberboten und nur dadurch sei es ihm möglich geworden, den großen Schatz seines Wissens in seinen Vorträgen und in seinen Schriften weitesten Kreisen nutzbar zu machen. Dozent Rabbiner M. Z i c k i e r hielt eino hebräische Rede, in welcher er die zahlreichen Werke Dr. Kaminkas in vier Gruppen teilto: wissenschaftliche, dichterische Werke, ferner publizistische Schriften und Übersetzungen aus dem Griechischen und Lateinischen, insbesondere Marc Aurels und Seneeas. Dozent Dr. Salomon Rappaport sprach eingehend über Kaminkas Forschungen zum Buche Jesaja, zum Hohen Liede, ferner über seine ungemein scharfsinnigen Studien zur griechischen Bibelübersetzung (Septuaginta) und zu den Apokryphen, insbesondere zur Esra-Apokalypse, dann über seine Edition des Tachkemoni von Aleharisi und des Salomo Bonfed, schließlich über die philosophischen Schriften Senecas, welche er übersetzt und mit lehrreichen Anmerkungen versehen hat. Universitätsprofessor Dr. Hugo Stern verlas aus der unübersehbaren Anzahl der eingelaufonen Begrüßungen einige telegraphische und briefliche Glückwünsche. Es sprachen dann noch als Vertreter der Gefangenhausverwaltung im Landesgericht Direktor M. Birnstein, der dem Jubilar für die seit 35 Jahren als Seelsorger der Strafgefangenen mit tiefem Verständnis für die ethischen Aufgaben und mit großer Hingebung geübte und dem Bundesministerium für Justiz bekannte geistliche Tätigkeit dankte, und Dr. S. Goldstern, Präsident des UnterstützungsvereineB für russische Juden, dem der Jubilar stets ein treuer Förderer gewesen sei. Rabbiner Dr. Kaminka dankte hierauf ergriffen in einer Schlußrede für die ihm sowohl bei der Tempelfeier sowie in der Festsitzung erwiesenen Ehrungen.