Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 547 (12.5.1936)
- Date
- 1936-05-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DU 8T1MMB Nr. 547 — 12. Mai 1936 Konferenz der Jischuw-Führer Tel-Aviv, 8. Mai. (JTA.) Über 200 Führer des Jischuw versammelten sieh im ,,HerzIia“-Gymnä6ium zu Tel- Aviv, um über die Lage zu beraten. Anwesend waren unter anderem die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency mit Präsident Dr. Chaim Weizmann und David B e n G u r i o n an der Spitze, der Präsident des Aktionskomitees und des Keren Kajemeth M. M. U s s i s c h k i n, die Mitglieder des Waad Leumi und der städtischen und dörfischen Munizipalitäten. Der Vorsitzende des Waad Leumi J. B e n Zwi leitete die Sitzung. Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Mosche S h e r t o k berichtete über die Ereignisse und die durch sie geschaffene politische Lage. Z i s 1 i n g aus Ejn Charod berichtete über die Schäden, die arabische Saboteure in den jüdischen Siedlungen des Emek angerichtet haben, und teilte unter anderem mit, daß allein in Ejn Charod die Ernte auf 3000 Dunam Boden vernichtet und 1000 Bäume ausgerodet wurden. Der Redner schilderte eingehend die Akte des arabischen Vandalismus und machte tiefen Eindruck auf die Versammlung. Es sprachen dann der Misrachiführer Rabbi M e i r Ber- 1 i n, die Führer aller jüdischen politischen Parteien und die Vertreter aller Distrikte. Alle Redner betonten die mutige und geschlossene Haltung des Jischuw, der überall Standhaftigkeit und Disziplin bewiesen hat. Gegen die Regierung wurde die Klage erhoben, daß sie infolge mangelnder Entschlossenheit es nicht vermocht hat, die seit zweieinhalb Wochen dauernden Ungesetz- Sonderfahrt müder Czern. Alf g. Zeitung Polen und Czernowitz Abfahrt: 24. Mai. Rückfahrt: 9. Juni 1936 Anmeldungen „ausschließlic h‘ Reisebüro iMarlenbrUcke", I., Rotenturmstr. 26 Telephon R 24 - 2 - 86/87 lichkeiten zu unterbinden. Eine Reihe Redner legte Nachdruck auf die Notwendigkeit der Stärkung der jüdischen Landwirtschaft, die in diesem kritischen Moment ihre Unent behrüchkeit für die Selbsterhaltung des Jischuw erwiesen hat. Zum Schluß referierten David Ben Gurion und Mosche Shertok über die politische Tätigkeit der Exekutive. Die Konferenz beschloß, eine Abordnung, die den gesamten Jischuw repräsentiert, an den High Commissloner zu entsenden, die ihm die Forderungen der palästinensischen Judenheit hinsichtlich der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung und der Stärkung der jüdischen Arbeitspositionen unterbreiten soll. Die Abordnung wird durch den Waad Leumi ausgewählt. Die Konferenz beschloß weiter, einen Aufruf an den Jischuw zu erlassen und ihn aufzufordern, volle Einheit und Disziplin zu hinter die nationalen stellen. Jewish Agency (ordert ver stärkte Einwanderung London, 10. Mai. Rev. M. L. P e r I z w e i g erklärte dem JTA.-Vertreter, die in einigen ausländischen Zeitungen erschienene Meldung, daß zwi chen der Jewish Agency und dem Commissloner Verhandlungen über Be schränkung der jüdischen Einwanderung etatt-fTnden, sei vollkommen grundlos Niemals wird die Jewisch Agency einer Be schränkung der jüdischen Einwanderung zustdmmen, sondern sie wird im Gegenteil sich mit ihrem ganzen Gewicht dafür »in setzen, daß der Prozeß der jüdischen Ein Wanderung in Palästina beschleunigt wird Im Monat April sind 3200 Juden nach Palästina eingewandert. Damit hat eich die Zahl der jüdischen Einwanderer seit Jänner dieses Jahres auf über 11.000 erhöht wahren und Institutionen sich zu Mehrheit sefardische Revisionisten. Die Menge bereitete ihnen eine Ovation, als sie das Gericht anif dem Wege »um Gefängnis verließen. Englische Militärverstärkungen Jerusalem, 11. Mai. Ein Bataillon Füsiliere und eine Kompagnie leichter Tanks sowie Panzerwagen sind mit der Bahn und auf dem Luftwege aus Ägypten zur Verstärkung der Garnisonen ln Palästina eingetroffen, um die Ordnung schützen zu helfen. Die Truppen werden auf mehrere Städte verteilt. Den Araberführem wurde erklärt, daß die Jeden Sonntag ,Francopol'-Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz Billigste Pfingstrelse: Abfahrt 24. Mai, Rückfahrt 9. Juni 1936. — Poln. Verkehrsbüro „Francopol“, III., Schwarzenbergpl. 7, U10-4-90 „Cedok“, I., Kftrntnerstraße 82, R 28-4-88. Gerngroß, VII., Mariahilferstraße 42, B 38-2-68 Entsendung der Truppen nicht als Druckmittel aufzufassen sei. In Regierungskreisen hält man d i e kommende Woche für die kritischeste, die das Mandatsgebiet bisher durchzumachen hatte. Keine weiteren Zwischenfälle Wauchope warnt die Araber Jerusalem, 11. Mai. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat die Führer der arabischen Parteien zu sich geladen. Die Unterredung dauerte nur zehn Minuten und soll außerordentlich stürmisch verlaufen sein. In einem offiziellen Communique wird mitgeteilt, der High Commissioner habe die arabischen Führer aufgefordert, den Generalstreik abzubrechen und die geplante Delegation nach London zu entsenden. Er warnte sie davor, zu Terroraktionen zu ermutigen und verlangte, daß sich der Nationale Ausschuß, bezw. das oberste Streikkomitee öffentlich und ohne Verzug von ungesetzlichen Handlungen distanziere und von der Abhaltung öffentlicher Kundgebungen und Demonstrationen absehe. Soweit der offizielle Bericht. Inoffiziell verlautet, daß der High Commissioner die arabischen Führer aufmerksam gemacht habe, daß er im Falle der Fortdauer der Terroraktionen außerordentlich strenge Maßnahmen ergreifen werde. Er warnte die arabischen Führer davor, sich zu der nach Jaffa einberufenen Kundgebung zu begeben, von der eine Aufforderung an die arabischen Regierungsbeamten und -angestellten ausgehen solle, sich dem Generalstreik anzuschließen. Die arabischen Führer verließen das Regierungsgebäude in sehr deprimierter Stimmung. MÖBEL- |^|f INTER für GelegenhetakJufe Wien, VIII., Stadtbahnviadukt 23 bei LerdienfelderstraBe Telephon : A 21-5-31 Aber die Hetze geht weiter Inzwischen wird von arabischer Seite weiter versucht, die Generalstreikbewegung über die von ihr bisher erfaßten Kreise hinaus auszudehnen. Der Großmufti selbst versucht, alle Patriarchen in Palästina zu überreden, sich dem Streik anzuschließen. Wie es heißt, soll der römische Patriarch Barlassiano, der bereits bisher wegen seiner antijüdischen Haltung bekannt war, den Plan des Qroßmufti unterstützen. Der arabische „Nationale K r i e g s r a t“ sandte nach Syrien und Ägypten Abordnungen, die den Auftrag haben, zu verhindern, daß Lebensmittel nach Tel- Aviv verschifft werden. Gestern, Samstag, unternahmen Mitglieder des zentralen arabischen Streiks, usechusses Agitationsreisen durch ganz Palästina. Sie forderten die Aufrechter haltung des Generalstreiks bi« zur Erfüllung der folgenden B e d i n g u ng c n: Sperrung der jüdischen Einwanderung, Verbot des Bodenvcrknufh an Juden, Einsetzungeiner arabischen Nationulreg-ierung. Die Vereinigung arabischer Fr a u e n hat an König Eduard von England ein Telegramm gerichtet und ihn ge beten, sich für die Erfüllung der arabischen Wünsche eiwzusetzen. Dem High Commissioner wurde ein neues arabisches Memorandum übergeben, in welchem darauf hiingewiesen wird, daß sich seit der Übernahme der Verwaltung Palästinas durch England die Zahl der Juden dm Lande von 50.000 auf 400.000 erhöht hat. Sollte die jüdische Einwanderung anhalten, so werden die Juden schon in kurzer Zeit die Mehrheit im Lande haben. Schließlich wird in dem Memorandum erklärt, daß die arabische Delegation nicht nach London geben werde, bis nicht die jüdische Einwanderung eingestellt ist. Im übrigen wird über die Morde, B r a nd Stiftungen und Sabotageakte — zum erstenmal von offizieller arabischer Seite — das Bedauern ausgesprochen, aber erklärt, daß die Verantwortung hiiefür auf die Politik der Regierung fällt. Steuerstreik einstimmig beschlossen Jerusalem, 7. Mai. (Palcor.) Die heute nachmittagis abgehaltenen Konferenz aller arabischen Streikkomitees Palästinas unter Vorsitz des Mufti war kurz. Fast ohne Debatten wurde nach den Reden der Vorstandsmitglieder einstimmig beschlossen, Nichtzahlung von Steuern ab 15. April au proklamieren, falls bis dahin die Regierung* die arabischen Forderungen nicht erfüllt. Mitglieder des Obersten Rates werden verschiedene Orte des Landes besuchen zwecks Ermunterung der Bevölkerung. Sie werden zunächst Haifa besuchen, um die Hafenarbeiter zu beeinflussen, eich dem Streik anzuschließen. Kerker und Ausweisung gegen Juden Tel-Aviv, 7. Mai. (Palcor.) Das Tel-Aviver Bezirksgericht fällte heute in dem Prozeß gegen die Führer der Demonstration anläßlich des Begräbnisses von Israel Khasan am 17. April, welche den Anlaß zum Zusammenstoß mit der Polizei gab, das Urteil. I z c h a k i, der vor zwei Jahren aue Polen nach Palästina kam, wurde zu d r e imonatlichor Gefängnisstrafe und Landosverweisüng verurteilt; er fiel in Ohnmacht als das Urteil verkündet wurde. Franco, ein Sofarrlo, wurdo zu einem Jahr, vier andero zu fünf Monaten, einer zu zwei Monaten und einer zu <inem Monat Gefängnis verurteilt. Die Jerusalem, 8. Mai. (JTA.) Zum erstenmale seit siebzehn Tagen ist es am Mittwoch, den 6. Mai, in ganz Palästina zu keinerlei Zwischenfällen gekommen; es wurde auch keineeinzige Brandstiftung mehr gemeldet. Dagegen hat die politische Spannung dadurch eine Erhöhung erfahren, daß die Antwort der arabischen Führer auf die Mahnung des High-Commissioner, den Generalstreik abzubrechen und die Delegation nach London zu entsenden, durchaus negativ ausflei. Die arabischen Führer gaben ihren Entschluß bekannt, den Generalstreik fortzusetzten und die Delegation nach London nicht eher zu entsenden, als bis die jüdische Einwanderung vollkommen gestoppt worden ist. Ungeachtet der ernsten Mahnung des High Comtnissioners haben sie erklärt, öffentliche Versammlungen und Kundgebungen fortsetzen zu wollen. In der „Palestine Gazette“ ist eine Verordnung des High Commissioners erschienen, die die direkte oder indirekte Aufforderung zur Steuerverweigerung mit Strafen bis zu sechs Monaten Gefängnis oder 50 Pfund oder beide Strafen zusammen ahndet. . Auf Grund einer Verfügung der Behörden sind die Waffen- und Munitionslager in den Kolonien Raanana und Kfar Saba entsiegelt und die Waffen unter den jüdischen Siedlern verteilt worden. Das Leben in Jerusalem Von unserem b. g. Berichterstatter. Jerusalem, 6. Mai. Das Leben in Jerusalem beginnt wieder allmählich seine gewohnten Bahnen einzuschlagen, das heißt natürlich nur im jüdischen Teil der Stadt. In der A11 s t a dt sind nach wie vor die arabischen Geschäfte geschlossen und Gruppen von Streikagitatoren im zartesten Jünglingsalter wachen über die strikte Durchführung der Streikbeschlüsse. In den Straßen sicht man ziemlich viele Polizeipatrouillen mit oder ohne Gewehr, die aber wenig Interesse für die Tätigkeit der arabischen Streikagenten an den Tag legen. Es hat immer mehr den Anschein, als wollte die Regierung den Streik auslaufen lassen. Von Zeit zu Zeit tauchen Reinigungsautos der Stadtgemeinde in den Straßen auf, die die von den arabischen Jungen ausgestreuten Nägel beseitigen, um die Straßen für Autos passierbar zu machen. Einzelne jüdische Autos haben an die Kotflügel der Vorderräder Besen angebracht, um sich dadurch vor Schäden durch die Nägel zu schützen. Am Abend ist die Stadt noch ruhiger als sonst, die Kaffee* häuser sind schwach besucht und die Straßen nach acht Uhr wie ausgestorben. Bis nun hat der arabische Streik weder auf das Geschäftsleben noch auf die Versorgung mit Lebensmitteln im jüdischen Teil der Stadt, wie auch im übrigen Land kaum einen Einfluß geäußert. Die Lebensmittelpreise sind nicht gestiegen, doch erleiden die Fellachen in der Umgebung der Städte, besonders im Umkreis von Jerusalem bereits e m p-i f i n d 1 i c h e n S c h a de n, da sie ihT Ge-; milse nicht absetzen können. Die Stadtgemeinde Tel-Aviv bekam: in der letzten Zeit wiederholt Angebote von Kauf 1 euten in Amman (Transjordanien) auf große Mengen von Lebensmitteln. Die arabische Presse beklagt sich, daß trotz des arabischen Streikes die eyrli sehen Kaufleute fortfahren, ihre jüdi-: sehen Geschäftsfreunde in Palästina zu beliefern. So kommen, wie die arabischen Zeitungen behaupten, sehr große Mengen von Grünwaren und Eiern an jüdische Kaufleute. Aber nicht nur Syrier, sondern auch Kaufleute in — Jaffa liefern an Tel-Aviv Lebensmittel. ' I i:': -^Füriunsere-Lcser Neudegger Fahrschulen Wien, Vfll.f Neudcggcrjg. 18'Telv B 46*5^72 und 'Inzersdörf^^ledöNÖ^rfölcti)^‘if %:■; Prüfungserleichte^!! Laufendes Auto Im ^etirsaa^i) Oie nächste A.-K.-Sitzung Wie die „Stimme“ erfährt, findet die nächste Sitzung des Aktionskomitees in der zweiten Augusthälfte in der Schweiz statt. Als Ort der Tagung dürfte Zürich gewählt werden. Freuttdschaftsvertrag Ägypten — Hedschas Kairo, 8. Mai. Ein Ftfeundschaftsvertrag eiwisohen Ägypten und Hedsdhas wurde in der Nacht zum Freitag durch den Untersfcaateßekretär für Auswärtiges der Hedschasregierung, Fuad Harnso Bey, und des ägyptischen Außenministers, Ali Mäher Pascha, unterzeichnet. Der „Deutschstämmige“ Die „Frankfurter Zeitung“ vom 6. Mai veröffentlicht einen Bericht des Deutschen Nachriohtenbureaus aus Addis Abeba über die Vorgänge in der Stadt nach der Flucht des Ncgus. In dieser Meldung heißt es u. a.: „Eine Kolonne unter Führung des unermüdlichen deutschstämmigen polnischen Staatsangehörigen Nadel rettete am Dienstag früh den bereits totgeglaubten Abgesandten des Internationalen Roten Kreuzes Dr. J u n o t - Genf und den französischen Journalisten Sommeres vom „Journal des Däbats“, die sieb drei Tage lang mit Abessiniern im Keller eines zusammengestürzten Hauses gegen plündernde Banden verteidigt hatten, und brachten sie auf die französische Gesandtschaft.“ Dieser „doutsolistärrnrnge“ Retter ist einer der vom Hitler-Deutschalnd verfemten Ostjuden. Er stammt aus Galizien, lebte eine Zeitlang in Wien und war, ehe er sich zur Reise nach Abessinien entschloß, Direktor der „Aigirumaria“ in Triest. Er hat als Mensch und Jude gehandelt und wird dafür als „Deutschistämmiger“ für das Dritte Reich annektiert. Aktion „Rettet die Jugend" Herr Dr. Oskar Grünbaum eröffnet eine neue Kette und lädt zu Spenden «in: Frau Sabine Paßweg; Max Morgenstern; Paul Riemer; Heinrich Ohaimowitz; Isidor Kerber; Julius Klein; Alexander Loher; Dr. Albert Braun; Siegfried Glück; Dr. Otto Mährischl; Rudolf Böhmer; David Fränkel; Josef Hohenberg; Dr. Karl Bondy. Herr J. Oedenburger erttffnete eine Kette mit S 3.— und lädt zu Spenden ein: Bernhardt Weiß; David Weiß, Edmund Eisenstein; Max Stappler; Moritz Stappler; Isidor Beinhacker; Alfred Kraushaar; Theodor Lederer; Siiinon Weiß; Julius Stappior. Herr N. Lapsehütz antwortet auf Ai« Aufforderung des Herrn Markus Grauer mit S 5.— und lädt zu Spenden ein: Jakob Groß; Otto Eisen; Dr. Josef Kawaler; Dr. Jakob Fisehler; Josef Safier; Oaiiae Hofötäditor; Merw del Vogel mann. *