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Die Stimme · 1936-05-05 · Heft 545 (5.5.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 545 (5.5.1936)
Date
1936-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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~ m. 545 — 5. Mai 1936 DIE STIMME Seite 3 Todesanzeigen der jüdischen Opfer <m den Wänden der Häuser. Araber haben sie beschädigt. crfayr:! HIT“! ■!/U;; tii ü w y y ©ny«* *?«*■** <?srw stration in Nazareth verhafteten Araber sind gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. Wie gemeldet, wurden bei der Auflösung dieses Demonstrationszuges vier englische Polizisten und ein Offizier schwer verletzt. Ein vorläufiges Grundbuchamt wurde in Tel-Aviv eingerichtet. In Grundbuchgeschäften war bisher immer Jaffa für Tel-Aviv zuständig. Es soll nunmehr vermieden werden, daß die Juden sich nach Jaffa in Grundbuchangelegenheiten begeben müssen. Nahum Goldmann über die Lage in Palästina Donnerstag hielt in Wien der Vertreter dier Jewish Agency beim Völkerbund., Doktor Nahum Goldman n, einen V oirtrag über die Lage in Palästina, wie er sie nach Iden letzten Unruhen beurteilt. Goldmann siebt keine Veranlassung z u Besorgnissen für die weitere Entwicklung des Landes. Man könne die Ereignisse dieses Jahres unter keinen Umständen mit der Aktion dies Jahres 1929 vergleichen. Nach einer ungeheuerlichen Hetze ist es zu den Zusammenstößen in Jaffa gekommen, aber sonst hat es nur einzelne Terrorakte und keineswegs eine wirkliche arabische Massenaktion gegen die Juden gegeben. Charakteristisch ist, daß eine Demonstration, die für den Freitag nach den ersten Unruhen angesagt und von der Regierung legalisiert, vom Mufti aber sehr intensiv propagiert worden war, abgesagt werden mußte, weil die Beteiligung minimal war. Die internationale Presse hat aus den Vorgängen eine Sensation gemacht, und wenn die Dinge ins nichtige Licht rückte, bekam man merkwürdige Antworten. Ein Basler Blatt hat darauf hingewiesen, daß man in jüdischen Kreisen großen Lärm mache, wenn in Polen drei Juden ums Leben kommen, und daß man da gleich von Pogrom rede, während man 23 Tote in Palästina nicht als alarmierendes Zeichen anekennen wolle. Das ist eben, meinte der Vortragende, der Unterschied: Wenn in Palästina 23 Juden ums Leben kommen, so müssen wiir bei aller Trauer, die uns erfaßt, eines feststellen, daß es nämlich in Pa lastii n a keino n Pogrom gdb t, daß es dort nur nationale Kämpfe geben kann. Die sind aber nur so lange möglich, bis die Juden so stark sind, daß den Arabern schließlich die Lust auch an nationalen Kämpfen vergeht. Der Unterschied zwischen heute und 1929 aber ist: Erstens, daß wir heute viel stärker sind als damals, denn beinahe ein Drittel der Bevölkerung Palästinas äst jüdisch. Aber es ist nicht nur dio Zahl ausschlaggebend, sondern auch dio Qualität. Das haben wir gerade wieder jetzt feststellen können. Der einfache Fellach weiß, daß man ein Drittel der Bevölkerung nicht mehr so behandeln kann, wie man uns früher behandelt hat. Darum hat er an dier Aktion diesmal nicht teilgenommen. Es sieht auch jeder, daß wir am Beginn einer menen großen Expansiionso p o c h e stehen. Der zweite Unterschied ist, daß die Masse der Araber schon eingesehen hat, was tmserg Amwesenihgit £© £#£& fik fee*1 deutete. Sie spüren jeden Tag die Veränderung gegenüber früher, und ein Angriff auf uns ist schließlich ein Angriff auf die eigenen Interessen der Araber. Es kommen andauernd aus den arabischen Nachbarländern Abordnungen, die jüdische Kolonisten in ihrem eigenen Land haben möchten, sie kommen aus Trans Jordanien und aus Syrien, und wenn man jenseits der Grenze unsere Arbeit richtig wertet, ist cs klar, daß die Araber Palästinas, die unmittelbar alles mitorlcben, um so mehr Verständnis für die Dinge auifbringon. Anders ist die Lage gegenüber 1929 auch vom englischen Gesichtspunkt. Der Vertreter der Mandats macht hat Fehler begangen, aber da er schließlich positiv zum Mandat eingestellt ist, kann man annehmen, daß er gerade aus diesen Unruhen die Erkenntnis schöpfen kann, daß man mit den bisherigen Methoden alles eher erreichen kann, nur keine Lösung der jüdisch-arabischen Spannung. Die Ereignisse der letzten Zeit haben bewiesen, daß die arabische Bewegung schließlich mehr eine antienglische als eine an ti jüdische Politik ist. Die Engländer wissen dio Bedeutung Palästinas heute richtig einzus oh ätzen. Sie wissen, daß Palästina heute vielleicht mehr bedeutet, als der Suez-Kanal. Nahum Goldmann schloß mit der Aufforderung an die Zionisten, aus den Ereignissen die eine Lohre zu ziehen, die wir aus jedem Unglück ziehen müssen: Mit vervielfachter Kraft am Aufbau von Erez Israel zu arbeiten und diesem einen Ideal alles zu opfern. Der Vortrag wurde mit großem Beifall angenommen. Die Versammlung schloß mit der Absingung der Tikwah. Eigenbericht der „Stimme“. London, Ende April. Herr Israel Cohen, der Sekretär der Zionistischen Organisation, empfing den Londoner Vertreter der „Stimme“ zu einer Unterredung über aktuelle zionistische Fragen. Die Unterredung nahm den folgenden Verlauf: Frage: Die beklagenswerten Ereignisse der letzten Tage in Palästina, dio so zahlreiche Todesopfer gefordert haben, bewegen uns naturgemäß alle aufs Tiefste. Sind Sie der Ansicht, daß diesen Ereignissen eine planmäßige Aktion der arabischen Führung zugrunde liegt, um der Mandatsmacht ihren Willen auf zu zwingen? Antwort: Zweifellos sind die bedauerlichen, tragischen Ereignisse dio Folge der ständigen antijüdischen Agitation der arabischen Extremisten, die zu dieser furchtbaren Explosion geführt hat. Ob eine planmäßige Aktion mit bestimmten politischen Zielen vorliegt, kann ich endgültig weder bejahen noch verneinen. Die Untersuchung der Vorfälle durch die Regierung wird vielleicht mehr Aufklärung darüber bringen. Soweit ich aber aus den vorliegenden Nachrichten schließen kann, glaube ich nicht recht an eine planmäßige Aktion, wie sie den Unruhen des Jahres 1929 zugrunde lag. Wenn es ©ich um eine planmäßige Aktion mit politischen Absichten handeln . würde, dann wären doch sicherlich überall, vor allem auf dem Lande, Unruhen ausgebrochen, wie es auch 1929 geschehen ist. Deshalb erscheint mir eine spontane Explosion als Folge der ständigen Agitation der arabischen Extremisten die wahrscheinlichere Erklärung zu sein. Eine Reihe von Morden — wahrscheinlich ohne politischen Hintergrund — führten zur Auslösung der durch die Agitation erzeugten Spannung. Nach dem Mordüberfall auf einige Juden in Tulkarem, von denen zwei gestorben sind, hieß es plötzlich, daß zwei Araber aus Rache von den Juden getötet worden seien — und die Unruhen begannen. Dabei hat sich jetzt herausgestellt, daß der eine angeblich ermordete Araber ein aus Ägypten stammender Jude war. Er und der Araber sind nach Aussagen von ortsansässigen Leuten ermordet worden, weil sie Schmuggler bei der Polizei angezeigt hatten. Also ein Vorgang, der nichts ERÖFFNUNGSANZEIGE Das Restaurant Stefanie II., TABORSTRASSE 12 wird heute, Dienstag, 5. Mai, durch das bekannte Ehepaar Hugo und Julie Herlinger, geb. Zöllner, eröffnet. Für erstklassige Speisen und Getränke bei zeitgemäßen Preisen (reichhaltige Menüs) garantieien die Namen Hugo Herlinger Julie Herlinger, geb. Zöllner mit Politik zu tun hatte. Aber die Agitation bemächtigte sich des falschen Gerüchtes. Und das Ergebnis sind viele Tote und Verwundete. Frage: Glauben Sie, daß die Unruhen die Frage des Legislative Council irgendwie beeinflussen werden? Antwort: Es scheint sicher, daß infolge der Unruhen in der Frage des Legislative Council eine Verzögerung edntreten wird. Der Kolonialsekretär Thomas hatte die Araber eingeladen, eine Delegation nach London zu schicken, um über die Frage des Legislative Council zu beraten. Infolge der Unruhen haben die Araber beschlossen, die Abreise der Delegation hiriausausebieben. Es ist aber wohl ausgeschlossen, daß ein Legislative Council endgültig errichtet wird, bevor die Verhandlungen zwischen Kolonialministerium und Araberdelegation Stattgefundenhaben. So ist also eine Verzögerung sicher. Übrigens waren die Araber sich ja auch nicht einig, wie die Delegation zusammengesetzt sein soll. Es gibt ja auch bei den Arabern zahlreiche Parteien, die untereinander uneinig sind. Außerdem spielen auch persönliche Gegensätze bei ihnen eine Rolle. Frage: Glauben Sie, daß die Debatten im Unter- und Oberhaus über den Legislative Council auf die Regierung Eindruck gemacht haben? Beide Häuser des Parlaments haben eich doch nahezu einstimmig gegen die Errichtung des Legislative Council im gegenwärtigen Augenblick ausgesprochen? Antwort: Sicher haben die Debatten ihren Eindruck nicht verfehlt. Ob diese Meinungsäußerung der Volksvertretung, deren Bedenken durch die Vorfälle der letzten Tage ja noch unterstrichen wurden, die Regierung zu einer Revision ihrer Stellung veranlassen werden, kann ich natürlich nicht sagen. Immerhin gibt es einen Präzedenzfall, auf den sich die Regierung berufen könnte. Sie werden sich vielleicht daran erinnern, daß im Jahre 1929 der damalige High Commission er Chancellor ebenfalls ein Legislative Council errichten wollte. Als dann die Unruhen a u s ib r aehen, nahm er seinen Vorschlag zurück. Frage: Hat die Tatsache, daß ein wesentlicher Teil der Exekutive nach Palästina verlegt ist, Einfluß auf die Formen der Verhandlung mit den englischen Behörden? Werden jetzt die Verhandlungen mehr an Ort und Stelle mit der Palästinaregierang geführt? Bestellt nicht die Gefahr, daß bei gleichzeitigen Verhandlungen in London und in £ter ffltfpchg MztßrWßUküngreg w Tel-Aviv. 23 Vereine mieteten 3B y°rsteHun3en Jüdisches Kulturtheater, I , Kai 3, Tel. R 28-2-36 Jerusalem Mißverständnisse mul Überschneidungen entkS tehen? Antwort: Diese Gefahr besteht nicht. Zunächst ist ja nur dio 0 r g a n i s ationsaibteilung nach Palästina verlegt worden, die politische Abteilung unter Professor B r o d e t z k y ist nach wie vor in London. Selbst wenn eine Reihe der politischen Führer wie zum Beispiel Dr. W e i zmann meist in Palästina sind, so besteht doch ein dauernder Kontakt. Die rein lokalen Dinge werden natürlich in Palästina erledigt, aber in allen politischen Fragen, bei denen Verhandlungen mit dem Kolonial amt notwendig sind, besteht ständiger Kontakt zwischen unserer Führung in Jerusalem und in London. Es finden ja schließlich nicht jeden Tag Verhandlungen mit den hiesigen englischen Behörden statt. Jedenfalls hat die örtliche Zweiteilung der Exekutive nicht zu den geringsten Schwierigkeiten geführt. Waad Leumi gegen Minister Thomas Am 23. April gab, wie berichtet, Kolonienminister Thomas im Unterhaus über die Unruhen in Palästina eine Erklärung ab, in der er ausführte, er wolle zum Ausdruck bringen, daß die Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung ausschließlich eine Angelegenheit der Regierung sei und daß alle Machtmittel gegen denjenigen eingesetzt werden würden, der das Gesetz verletze. Die Regierung werde sich von dieser Politik nicht durch Aufruhr oder irgend welche Drohungen abbringen lassen. Im Verlaufe der Sitzung bemerkte Kolonienminister Thomas weiterhin, er, sei daran interessiert, jedermann in Palästina zu sagen, daß die Regierung entschlossen sei, Gesetz und Ordnung aufrechtzuerhalten und daß sie dies auch tun werde. Diese Erklärung des Kolomenministers, die sowohl den arabischen Führern als auch Dr. Chaim Weizmann von High Commissioner Sir Arthur Wauchope abschriftlich zur. Kenntnis gebracht wurde, hatte sogleich, nachdem sie bekannt wurde, erhebliches Aufsehen und Bedenken im Jischuw erregt. Am 29. April vormittags ist, wie uns aus Jerusalem gemeldet wird, eine Delegation des Waad Leumi, des Jüdischen Nationalrates, beim High Commissioner Sir Arthur Wauchope erschienen und überreichte ihm einen feierlichen Protest gegen die Erklärung des Kolonienministers. In der Protesterklärung wird zum Ausdruck gebracht, daß die Äußerung des Kolonienministers geeignet sei, den falschen Eindruck zu erwecken, als sei sie auch gegen die Juden gerichtet. Die. Abordnung verlangte vom High Commissioner Sir Arthur Wauchope, daß er die Protesterklärung der englischen Regierung nach London übermittle, damit unverzüglich die Erklärung des Kolonienministers ent-; sprechend berichtigt werden könne. „zweites Palästina" Auf der Tagung der OZET (private Gesellschaft zur Förderung der jüdischen Kolonisation in der Sowjetunion) in Minsk teilte der Generalsekretär von OZET mit, daß das autonome jüdische Gebiet Biro- Bidschan „kein zweites Palästina“ sei und daß es seine Aufgabe n i c h t ist, die jüdischen Massen im Ausland zu „rettend Die Hauptaufgabe besteht darin, in gewissen verlangten Fächern ausgebildete jüdische Arbeiter für den Aufbau in Biro-Bidschan zu werben. Biro-Bidschan als ein wichtiger Teil des russischen Fernen Ostens — so erklärte er weiter — habe eine große Bedeutung für den Schutz der Sowjetunion; man müsse darum bei der Auswahl der Einwanderer, besonders von solchen aus dem Auslande, vorsichtig sein. Man finde jetzt in Rußland schwerlich Menschen, die aus Not nach Biro-Bidschan gehen wollen; es handelt sich bei denjenigen, die dorthin gehen, um Idealisten, die unter Opfern das jüdische Land aufbauen wollen. In den letzten zwei Jahren hat sich die jüdische Bevölkerung von Biro-Bidschan von 8000 auf 16.500 erhöht. Die Ausgaben für Volkbildung erhöhten sich von 2A Millionen Rubel im Jahre 1934 auf über 8 Millionen Rubel im Jahre am

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