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Die Stimme · 1936-05-01 · Heft 544 (1.5.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 544 (1.5.1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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m 8«tt« 4 Oll STIMM! N.-. S44 -- 1. Mai lf>.?6 Die Arbeit geht weiter Von Erich Gottgetreu Jerusalem, 28. April. Fürchterliche Nachrichten haben in den letzten Tagen die gesamte jüdische Welt erschüttert. Eine Horde aufgehetzter, tei weise nicht-palästinensischer Araber, insbesondere li a u r a n i s e h e s L u m p e nprolctariat aus dem Hafenviertel von Jaffa, überfiel eino große Zahl einzelner harmloser Juden, die friedlich ihrem Gewerbe nachgingen, und metzelten sic auf eine grausame Weise nieder. Zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, steht fest, daß bei dem Pogrom von Jaffa siebzehn Juden getötet und weit über 50, zum Teil schwer, verletzt wurden. Die Rahe im Lande ist wiederhergestellt. Das Leben, der Alltag, die Arbeit gehen weiter. Aber das schmerzliche Ereignis der letzten Tage hat dem jüdischen Volk eine Lehre hinterlassen. Wir sind um wuchtige Erkenntnisse reicher geworden. Wenn wir in Zukunft nach diesen Erkenntnissen handeln, so werden wir den Opfern von Jaffa, so beklagenswert ihr Tod ist und so sinnlos ihr Schicksal erscheint, viel zu verdanken haben. $ Als das Land durch die ersten Meldungen in Alarmzustand versetzt war, da legte sich lähmender Schrecken auf alle Gemüter. Viele fürchteten eine Wiederholung der Tage von 1929. Trotzdem entstand keine Panik. Wußte man doch, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas seit jenem Unglücksjahr in jedem Betracht stärker und selbstsicherer geworden war und daß eine weit intensivere städtische und ländliche Konzentration eine hervorragende Verteididigung bot. Dieses Bewußtsein fand auch seine Rechtfertigung. Die Pogromverbrecher haben es vorgezogen, nicht eine einzelne Kolonie zu -überfallen, sondern vergriffen eich nur an isolierten Opfern, an Passanten und Reisenden der Straße, sowie an einer größeren Anzahl armer Juden, die das Unglück hatten, ständig unter ihnen zu wohnen oder doch am Tage des Pogroms in ihrer Mitte zu weilen. Die neue jüdische Stadt aber und die jüdische Kolonie als solche nnd die Armee jüdischer Menschen, die mit diesem Aufbauwerk verbunden ist, wurde durch die Pogromisten, die damit ebensoviel „Heldenmut“ bewiesen haben wie die intellektuellen Urheber ihres Frevels, in keiner Weise berührt. Selbstverständlich liegt in dieser Feststellung noch keinerlei Trost für den Verlust der sechzehn jüdischen Mensch e n 1 e b en, die aus unserer Mitte gerissen worden sind, und für die Schmerzen der vielen Verwundeten. Ebensowenig liegt darin eine Gewähr dafür, daß sich solch eine Tragödie nicht noch einmal wiederholen könnte. Der Verlust, der der jüdischen Gemeinschaft und den unglücklichen Angehörigen der Jaffaer Opfer zugefiigt worden ist, bleibt nicht nur zu beklagen, sondern auch mit der unnachsichtliehen Strenge des Gesetzes gegenüber den Tätern und ihren Hintermännern zu vergelten. Und die Sorge dafür, daß sich derartige Katastrophen nie wiederholen, ist vor allem Sache der staatlichen Exekutive, von der erwartet worden muß, daß sie ihre Polizeiorgane nicht nur zu strengem Vorgehen im Augenblick der Katastrophe anhält, sondern auch zu vorbeugenden Maßnahmen in normaler Zeit. Aber die verflossenen Schrcckenstagc haben uns gelehrt: diostärkste Waffe in den Händen der Juden und die der Jaffaer Pogrom nicht, nur in einem ganz falschen, mehr oder weniger antijüdischem Licht dargestellt ward, sondern die auch den Eindruck erwecken mußten, als ob ganz Palästina in Aufruhr wäre, das jüdische Kolonisationswerk in Flammen Stände und zwischen Juden und Arabern ein allgemeiner Krieg tobte. Die palästinensische Judenhcit verurteilt diese Entgleisungen einer sensationslüsternen Berichterstattung. Nicht, nur, daß nicht eine einzige jüdische Kolonie angegriffen worden ist und daß in Tcl-Aviv jenseits der Gefahrenzone an der Jaffaer Grenze vollständiger Frieden herrschte, ist das gute Einvernehmen, das heute, nach jahrelangen Bemühungen der Annäherung, schon in einer Reihe von Fällen zwischen einzelnen Juden und einzelnen Arabern, insbesondere dort besteht, wo man auf der Grundlage beruflicher Beziehungen miteinander zu tun hat, nicht getrübt worden. Ein erheblicher Teil der arabischen Bürgerschaft lehnt unbeschadet ihrer politischen Einstellung zur englischen Politik und zum ■Zionismus das Geschehene ab. Selbstverständlich wissen wir, daß eine verlogene nationalistische Propaganda auch in den Reihen der palästinensischen Araber viel Anklang gefunden hat, und daß insbesondere in den Kreisen der Jugend die Judenverfolgung Sympathie besitzt. Es bleibt da noch ein unendliches, auf Jahrzehnte zu berechnendes umfangreiches Werk der Annäherung und der Verständigung zu tun, und es ist gar keine Frage, daß zur Befriedung der Atmosphäre beizutragen in einem sehr erheblichen Maße gleichfalls die Aufgabe der Regierung istj * ' Es verbleibt somit eine doppelte Aufgabe und doppelte Pflicht. Es ist Aufgabe und Pflicht der Judenheit Palästinas, in geschlossener lokaler Konzentration das Aufbauwerk fortzusetzen, das im übrigen durch den Po groin von Jaffa, w e der unter b roclin n o e li b e e i n t, r ä o h t. i g t. worden ist Wie weit allerdings der Aufbau unserer Wirtschaft-, wie er besonders konkret in der Leistung der beiden nationalen Fonds zum Ausdruck kommt, nicht, nur ein ökonomi scher und politischer Sicherheitsfaktor ist sondern auch eine Brücke der Verständigung zu unserem arabischen Nachbarn zu schlagen vermag — das muß der Zukunft überlassen bleiben. Daß aber jedes neue Stück Boclen und jede neue Siedlung in Palästina dazu beiträgt, den Schutz unseres Lebens und unserer nationalen Existenz zu garantieren — das steht einwandfrei fest und wurde erst in diesen Tagen wieder deutlich unter Beweis gestellt. Die zweite Aufgabe und Pflicht, dio als Lehre des Pogroms von Jaffa resultiert, ist von der Judenhcit der ganzen Welt zu erfüllen. Es ist ihre Aufgabe und i li r e Pflicht, Ivercn K a. j c m et h Keren IT a j e s s o d und überhaupt das palästinensische A ii f b a uw e r k, das von hier aus jetzt mit einer doppelten Aktivität und Kraft durchgcführt werden wird, da erfahrungsgemäß nach solchen Rückschlägen der allgemeine Lebens- und Arbeitswille sich ver doppelt, mit allen ihr zu Gebote stehenden Möglichkeiten zu unterstützen. Die Juden der Welt werden eines Tages nichts ohne Palästina sein, Palästina ist schon heute nichts ohne die Juden der Welt. Wenn dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit sich formt zur gemeinsamen konstruktiven Tat — dann sind die Opfer des Pogroms von Jaffa nicht umsonst gefallen. Seinem hochverehrten Präsidenten Herrn Heinrich Käufer gratuliert anläßlich seines 6o. Geburtstages im blamen aller Mitglieder Der Vorjland des Bethausvereines "*|dt* apr rv> Jüdischer Ärzte-Weltkongreß geschlossen ihre kräftigste gung ist ihre Konzentration, meinschaft, die in Städten, Kolonien Israels lebt, ist der jüdischen Existenz in Selbstvcrtoidigeograpbische Eine jüdische Gejiidisch ver waltoton und Kwu/zoth Erez sicherste Garant der Palästina überhaupt. Bedauerlicherweise sind in eiuem großen Teil der ausländischen Presso eine Reihe faI s oh c r und vollkommen verlogener Nachrichten gelangt, durch Für unsere Loser nur: INeudesser Fahrschulen Wi«n,VI!f./Neudcgg«r9.18 TeJ. B 46*5-72 HLaüfefides Jerusalem, 29. April. (JTA.) Der Weltkongreß jüdischer Arzte, der programmgemäß seine letzten Sitzungen nicht mehr in Tel-Aviv, sondern in den Räumen der Hebräischen Universität zu Jerusalem abhielt, ist soeben mit Ansprachen des Direktors der Universität Dr. J.L. Magnes und des Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds M. M. Ussischkin zu Ende gegangen. Ussischkin führte in seiner ergreifenden Ansprache unter anderem aus: Wir bauen hier das wieder auf, was Titus vor 1900 Jahren zerstört hat. Palästina unterscheidet sich von der Diaspora dadurch, Geschichte des Ittdiichen Volkes in Schlagworten und übersichtlicher Roltform vom .Jahre 1 bis 5695. — Preis 1 Schilling. Buchhandlung Belt. 1., Habenstelg 8» daß es in der Diaspora ein jüdisches Problem, in Palästina aber ein arabisches Problem gibt. Die Diaspora wünscht weniger Juden, wir mehr. Unsere Leiden hier sind die einer Mutter, die neues Leben gebärt. 1920 erhielten wir das Versprechen von San Remo, 1921 bauten wir Tel-Aviv, 1929 das jüdische Haifa, jetzt erlösten wir den Boden von Emek Chefer. Wir hegen weitere große Pläne, die, sobald das Land wieder zur Ruhe gekommen ist, sofort verwirklicht werden sollen. Der Kongreß beschloß die Gründung einer Medizinischen Fakultät an der Hebräischen Universität zu Jerusalem. Diese und andere Resolutionen des Kongresses wurden auf Pergament geschrieben, von allen Delegierten unterzeichnet und dann feierlich der Universität übergeben. Anläßlidi des ÖO, Geburtstages des Herrn Heinrich Käufer gratulieren herzlidiß Herr und Frau Damd Steigmann. Erfüllet eure Kinder mit dem Geiste Palästinas! Die Leiter der Keren-Kajcmet-h-Abtcilungen haben unter Führung des Büros in ü?ez Israel ein Komitee gegründet, das sich besonders damit zu befa/ssen hat, dio Kinder in der Diaspora z.ur Korrespondenz mit den Kiimern in Erez Israel anzulcitcn. Die Aufgabo dieses Komitees wird es im besonderen sein, Fragen über die Frobleim Palästinas zu beantworten, dio von den Kin dem in der Galutli gestellt werden. Sie könnei in ihrer Landessprache schreiben, wenn sie cnoch nicht in Hebräisch können, erhalten abe: eine Antwort in hebräischer Sprache. Das Komitee wird sehr genau diese Koni' spondenz selbstverständlich überwachen. Dio hebräisch geschriebenen Briefe wen! m unseren palästinensischen Schulkindern zur sofortigen Beantwortung übergeben. Die Briefe sind zu richten an: Vaad Arzi Shel llakeren Ilakajemeth Leienel. P. 0. B. 738, Tel-Awiw. Jüdische Eltern! Jüdische Kinder! Ergreifet die Gelegenheit, Auskünfte und Ansichten vom Geiste Palästinas zu erhalten und auszutauschen. Fragt, was Ihr wissen wollt! Lernt die Sprach" Erez Israels erfassen und selbst zu euren Schwestern und Brüdern so zu sprechen. Ein Luftstrom aus unserem Lande wird so herüberwehen in die Diaspora. Moriz Fleischmann. das JidiscUc Spoetfed 'Am Freitag treffen sich die Juden Wiens in der Krieau auf dem Sportplatz der Hakoahl , Das Programm: u«2 Uhr: Fußballmatch Jung ■mann- Schaft der Hakoah gegen Jungmann- Schaft Hasmonea. i/U3 Uhr: Aufmarsch der Mannschaften mit abschließender Aufstellung in der Form des Mögen David 3. Uhr: Match der ersten Hakooh-Mann- Schaft gegen erste Mannschaft der Makkabäer-Bratislava. ln der Halbzeit Leichtathletik und turnerische Vorführungen von Damen und Herren. Antisemitische Demonstration in PreBburg gegen den „Golem"-Film Bratislava, 28. April. (JTA.) Am Freitag abends kam es in den Prcßbnrger Kinos „Tatra“ nnd „Motropal“, in denen der französische Film „Golem“ vergold hrt wird, zu Demonstrationen slowakischer Studenten. Im „Metropol“ mußte die Vorstellung unterbrochen werden und konnte erst nachts fortgesetzt werden. Von diesem Kino zogen mchrcro Demonstranten in die Judengaeso, wo einem jüdischen Händler dio Fenster mit Steinen e i n g e s c h l agen wurden. Der Polizei vorgcfUhrt wurden 2t Personen, unter ihnen der slowakische Tenor Stephan Ho za. Nach Meldung* des „Sozialdemokrat“ waren auch II enl ein-L eu to an den Demonstrationen beteiligt. Es wurde festgestellt, daß für die Vorstellung des „Metropol“-Kinos ciu Unbekannter 220 Karton gekauft hat. Die Ilenlciai-Zeitung „Die Zeit“ stellt fest, daß die Demonstrationen ihren Höhepunkt bei den Bildern fanden, in denen der Auszug der Juden aus dem Ghetto diargeistellt wird. In den Abendstunden des Samstag und Sonntag setzten »ich in verschiedenen Stadtteilen Prcßburgs Demonstrationen von Studenten gegen den „Golem“-Film fort. Montag vormittags griffen an der philosophischen und medizinischem Fakultät der Preßbnrgcr Universität nationalistische slowakische Studenten jüdische Hörer an, es kam zu Zusammenstößen; die Vorlesungen wurden an beiden Fakultäten unterbrochen. Gegen Mittag versuchten die Studenten, vor dom Theater zu demonstrieren, wurden aber von der Polizei ainseinandergetriehen. Restaurant Rillet ^3 Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs a S V90 u. 2*60 ll.,Hammerpurgstal!gasse3 (nächst Salztorbrücke) Schalom Asch angegriffen Jerusalem, 29. April. (JTA.) Der Dichter Schalom Asch wollte am Montag auf seiner Palästinafahrt auch die Stadt Nazareth, den Geburtsort Christi, die fast nur von christlichen Arabern bewohnt wird, besuchen, Während er In der Stadt weilte, wurde sein Auto von Arabern mit Steinen beworfen. Die Polizei schritt ein und befreite den Dichter aus seiner gefährlichen Lage und sorgte auch für seine weitere Sicherheit. Schalom Asch blieb unverletzt. 2x2=8 zwar nicht nach Adam Riese, aber nach Möbel-Winter, VIII., Stadtbahnviadukt 23, bei Lerchenfelderstrufle-Gürtel, denn jeder Schilling hat bei udb den doppelten Wert Aktion „Rettet die Jugend" Herr Apobli. Ignatz Großibcrg antwortet auf die Aufforderung de« Herrn Dr. Hermann Ebner mit. S 5.— und lädt zu Spenden ein: Dr. Wilhelm Offen berger; Hof rat, Ing. Artur Brucknor; Dr. Eugen Österreicher; Magister Ignaz Landau; Samuel Kcrraisch; Magister Moritz Obe rw eger. Herr Erich JoUinck antwortet auf die Aufforderung dos Georg Freilich mit S 3.— und lädt zu Spenden ein: Jaquos Kurt; Viktor Knie; Stefan Stengel; Ignaz Ödenburger, Dr. S. Jung; Adolf Tichlcr; Mag. Jakob Krcidcr; David llorowitz. Herr Dr. Josef Borger antwortet, auf die Aufforderung des Herrn Börsenrat. 1 II. Walltueh mit S 10.— und lädt zu Spenden ein: Dr. Richard Glas; Dr. Karl Jcllhiek; Dr. Egon Molde r. Herr Carl Diener antwortet auf die Aufforderung des Herrn Leon Friedländ'r mit S 3.— und lädt zu Spenden ein; Leo Bauinamr, Ing. Wilili. Fingerhut; Max Gilrlner; Leopold Engeliberg; Moritz Schwarz; Michael Brimmer; Josef Eltes; Julius Goldfinger; Alfred Halm; Ernst Klima; B. Lowinter; Michael MarguHes; Dr. Norbert Monio; Michnik; Karl Roscnbcrg; Salomon Sailer; Adolf Süßmann. Lese- und RedeliaUe jüdischer Hochschülcr. Am Samstag, den 2. Mai, findet, im Rahmen unseres Konvents ciu Vortrag des Aron Beller« über „Die Juden Abessiniens'1 in unserem Heime, IX., Türkenstr, 9, statt. Beginn 8'15 Uhr. Gästo Willkomm en. Wir erhalten folgende Zuschrift. „Mein Solm Josef Liobormanu, ehemaliger Fußballspieler der Hakoah Wien, ist nicht getötet wordon, sondern sein Namensvetter in Jaffa. Mein Sohn befindet «ich gottloib wohlauf in Tel-Aviv. Mit Ziomgruß und aller Hochachtung Sigmund Liebermanu,“ ■HP

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