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Die Stimme · 1936-05-01 · Heft 544 (1.5.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 544 (1.5.1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 544 - i. Mai 1936 DIE STIMM! Seite 3 Fortschreitende Beruhigung in Palästina Eigenbericht der „Stimme" Jerusalem, 28. April. Die Lage in den Städten hat sich weiterhin beruhigt. In Tel- Aviv haben die Polizeibehörden den aus den .Vorstädten in die innere Stadt geflüchteten 'Juden mitgeteilt, daß sie nun wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können. Die 'Juden des Florentin-Viertels und der Vorstädte Hatikva und Awoda sind denn auch :n ihre Häuser zurückgekohrt. In verschiedenen Distrikten des Landes haben die arabischen Landwirte jüdische Kolonien besucht und den Juden ihr Bedauern über die Unruhen in den Städten sowie die Hoffnung ausgedrückt, daß in Zukunft Friede zwischen Juden und Arabern herrschen werde. Einige kleine Brandstiftungen werden aus verschiedenen Punkten des Emek Jesreel gemeldet. In den arabischen Vierteln Jerusalems ruht der Verkehr in den Straßen Leicht Variete ‘Vrater zum Teil infolge des Streiks, die meisten Läden sind geschlossen, doch rechnen Eingeweihte mit einem Abflauen des Streiks. In Migdal in der Nähe von Petach Tikwa betraten zwei jüdische Arbeiter in geschäftlichen Dingen ein arabisches Haus, dort wurden sie von Arabern überfallen und verletzt. In einer Reihe Orte des Emek wurden auch Obstgärten von unbekannter Hand beschädigt. In den Kwuzot Rodges und Bet Alpha wurden Hütten in Brand gesteckt. In der Altstadt von Jerusalem wurde in einem jüdischen Restaurant Feuer gelegt. In Tel- Joseph wurde die Wasserstation in Brand gesteckt. Alle diese Brandstiftungen kamen um das Wochenende und zu Beginn dieser Woche vor; in den allerletzten Tagen haben sich die Brandstiftungen infolge erhöhter Wachsamkeit der Polizei und der jüdischen Kolonisten erheblich vermindert,, so daß man um die Erhaltung der Ernte auf den jüdischen Feldern nicht mehr so besorgt ist wie bisher. In Jaffa explodierten am Montag vormittags zwei Bomben, die von unbekannten Tätern gelegt wurden. Ein Schaden entstand durch diese Explosion nicht. Verhaftungen wurden bis jetzt nicht vorgenommen. In der Nacht zum Montag wurde die Ernte in der Kolonie Tel-Adaschim, in der Nähe von Nazareth, sowie in Shita in Brand gesteckt. Dizengoff an die Araber Tel-Aviv, 29. April. (JTA.) In der Sitzung des Stadtrates von Tel-Aviv am Montag wies Bürgermeister Dizengoff energisch den ihm von den Arabern gemachten Vorwurf, er habe das ganze arabische Volk „Wilde“ genannt, zurück und erklärte: Als „Wilde“ bezeichnete ich nur jene, die friedliche, unschuldige Juden töteten. Wo aber blieben die arabischen Edelleute? Warum beruhigten sie nicht die Menge, warum retteten sie nicht die arabische Ehre? Ich lebe hier seit vierzig Jahren, und immer bevorzugte ich ein Leben Billigst Urlaubsmöglichkeit am schönsten Meeresstrand der Adria CRIKVENICA Orth. ■*» Pension ENGEL Billige Arrangements Bezahlung In Wien möglich Auskunft: Willy Donner (B 30-5-22) der friedlichen Arbeit. Es war mein Traum, mit den Arabern eine Verständigung zu erreichen; es ist nicht mein Fehler, wenn das nicht gelang. Dizengoff erinnerte daran, was während des Erdbebens die jüdische Stadt Tel-Aviv für die arabische Stadt Nablus, was jüdische Institutionen für Hebron und S a f e d taten, und schloß: Immer war es unser Ziel, in Frieden mit den Arabern zu leben. In der gleichen Sitzung beschloß der Stadtrat, die Regierung dringend aufzufordern, einen eigenen Hafen für Tel-Aviv zu bauen, damit die Stadt nicht wirtschaftlich von Jaffa abhängig bleibe. Eine Abordnung wurde gewählt, die dem High Commissioner diese Forderung der Stadt Tel-Aviv übermitteln soll. Die Stadtverwaltung von Tel-Aviv registriert fortlaufend all die Schäden und Verluste an Leben, Gesundheit und Eigentum, die Juden im Verlaufe der Unruhen erlitten haben. Nach Feststellung des Schadens sollen Schritte unternommen werden, um die Regierung zu veranlassen, daß sie die jüdischen Opfer der Unruhen entschädige. Amtliche Behauptungen zurückgezogen Tel-Aviv, 28. April. Eine Abordnung des Stadtrates von Tel-Aviv ersuchte den Distriktskommissär Croßbie, die unklaren Punkte in den Communiques der Regierung richtigzustellen, wobei insbesondere auf eine Mitteilung hingewiesen wurde, daß in der Nacht zum Donnerstag im Florenti n-V iertel zu Tel- Aviv Juden auf Polizei geschossen hätten. Auf Grund der Vermittlung Croßbies willigte die Regierung ein, daß diese in einem Regierungsoommuniquö verlautibarto Mitteilung durch Radio zurückgezogen werde. Ebenso soll eine Reihe anderer die Juden belastender, unrichtiger Mitteilungen zurückgezogen j werden. I Es verlautet, daß noch 18 Juden und 14 Araber, die bei . den Unruhen verwundet | wurden, in Krankenhäusern gepflegt i werden. . | Die Regierung stellte dem Tel-Aviver Magistrat 625 Pfund für die Jaffa-Flüchtlinge zur Verfügung und ordnete eine Besteuerung der Tel-Aviver Bevölkerung zugunsten der Jaffaer und der Hebroner Flüchtlinge an, wobei dio Regierung ihrerseits für jeden Hebron-Flüchtling 30 Mil und die Jerusalemer Jüdische Gemeinde 10 Mil pro Kopf der Hehroner Flüchtlinge dem Department für sozialen Schutz beim Waad Leumi zuftlhren. Der Führer der nationalistischen arabischen Arbeiter in Jaffa, Michael Metri, wurde verhaftet. Die Druckerei der nationalistischen Zeitung „Al Islamia“, diie kürzlich für 14 Tage verboten wurde, weil sie zur Verteidigung der angeblich von Juden bedrohten Aksa-Mosehoo amfgerufen hatte, ist nunmehr versiegelt worden. Laut Mitteilung der Stadtverwaltung befinden eich jetzt in Tel-Aviv 9509 j ü d ifiche Elüefy£lisige aas Jaffa. iE&ne Abordnung des Waad Leumi, bestehend aus Ben Zwi und Berl Katzenelson, forderte den Schatzeekretär der Palästina- Regierung, Johnson, auf, Mittel zur Versorgung der geflüchteten Juden bereitzus teilen. Unentbehrlich ist zur rationellen Körperpflege ein verläßliches Mittel. Dieses finden Sie in dem seit Jahrzehnten? bewährten DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Bestes Einrelbemlttel, hervorragend zur Mund-, Zahn- und Rachenpflege aowie zu mannigfachen anderen Zwecken. In jedem besseren Geschäfte erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana“ and nehmen Sie nur „Diana“. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurQckzuwelsen. Die Vorgänge im arabischen Lager b.-g., Jerusalem, 28. April. Wie vorauszusehen war, hat die Einladung der englischen Regiorung an die arabischen Parteien, eine Gesandtschaft nach London zu senden, den Familien- und Parteienkampf im arabischen Lager wieder mächtig augefacht. Das Wettrennen um die Teilnahme an dieser Delegation hat begonnen und wird, wie die arabische und insbesondere die christlicharabische Presse berichtet, mit großer Erbitterung durchgeführt. Jede Gruppe will möglichst viele Familien-, respektive Parteimitglieder nach London mitnehmen — so die Miiftiiipartei nicht allein, den Mufti und den Sekretär Jemal ei Husseini, sondern auch einen ihrer Partei nahestehenden christlichen Vertreter — was „Falestin“ natürlich sehr erregt, da die Opposition als christlichen Vertreter den Chefredakteur dieses Blattes Issa el issa nominierte. Überaus interessant ist die Stellung des Mufti, der als Regierungsbeamter persönlich für den Gesetzgebenden Rat sein muß, während gleichzeitig seine Partei dagegen ist, weil sie fürchtet, daß ein Parlament die Stellung des von ihr beherrschten Obersten Muslimischen Rates gefährden, wenn nicht ganz untergraben würde. „Falestin“ behauptet, daß die Juden sehr dafür 6eden, daß an der Delegation möglichst viele Muftileute teilnehmen, weil diese das Parlament ablehnen würden. Im übrigen meint ein Teil der arabischen Presse, daß diese Einladung nach de-n Debatten im englischen Parlament kam, beweise, daß die britische Regierung den Plan der Gesetzgebenden Versammlung bereits wieder fallen gelassen habe. * In einem im'„Falestin“ erschienenen offenen Brief an den High-Commissioner wird des Planes eines Parlaments, den Sir Herbert Samuel seinerzeit vorgeschlagen hatte, gedacht, wobei Sir Herbert „ein jüdischenglischer Gentleman“ genannt wird, wie er heute unter den englischen Beamten beinahe gar nicht mehr vorkommt. * In Nebi-mussa, dem angeblichen Grab Moses, kam es anläßlich der alljährlichen arabischen Pilgerfahrt zu umfangreichen Schlägereien zwischen den Nashashibileuten und. den Anhängern des Muftis von Jerusalem. Um zwölf Uhr nachts noch mußte eine starke, mit Stahlhelmen und Gewehren ausgerüstete Polizeiabtei- Heue Millionen-Gewinstchance In Sicht! Schon am 12. Mai d. J. beginnt die neue Klassenlotterie, bei der wieder außer dem Millionenhaupttreffer weitere namhafte Haupttreffer und Gewinne, und zwar solche im Betrage von S 200.000, S 100.000, S 60.000, S 50.000, S 40.000 und S 30.000 usw. im Gesamtwerte von über 9Vz Millionen Schilling zur Verlosung gelangen. Es ist daher höchste Eile geboten, im altbekannten Haupttreffer-Bankhaus Schelhammer & Scliattera a,m Stephansplatz, oder seiner Filiale in Hietzing, Hadikgasse 60a, ein Los zu erwerben, denn im Besitze eines Schelhammer-Loses ist auch für Sie das Glück in Sicht. Dortselbst wurde das letztem«! der Millionen-Haupttreffer mit einem in 8 Anteilen verkauften Los gewonnen. E lung aus Jerusalem nach Nebi-mussa, um weiteres Blutvergießen zu verhüten. Während der Rückkehr nach Jerusalem mußten die streitenden Parteien auf Veranlassung der Polizei gesondert ziehen. Jüdischer Trauermonat proklamiert Jerusalem, 28. April. (JTA.) Das Oberrabbinat proklamierte einen Monat der Trauer um die Opfer der Unruhen. In allen Synagogen sollen spezielle Gedenkgebete bei Nennung der Namen der Mordopfer gesprochen werden. Der Distriktskommissar ordnete an, daß Gruppen, die an der Klagemauer . für die Opfer der Unruhen beten wollen, hiezu um Erlaubnis ansuchen. Hallo - Hallo I Nicht vergessen, im H.K das Nachtmahl zu essen Vis-a-vis dem Schweden-Kino Reichhaltige Auswahl In Mittag-und Abend-Menüs und kalte Speisen bis 1 Uhr nachte. — Bier und Wein vom Paß. Inh. Rudolf Stepan, II., Taborstraße 4 Zionistische Manifestation in Wien Am 28. April fan-d aus Anlaß der Ereignisse in Erez Israel im Kadermänn-Saal eine Massenversammlung aller zionistischen Grup pen statt. Lange vor Beginn der Versammlung war der Raum überfüllt. Der Präsident des zionistischen Landeskomitees Dr. Oskar Grünbaum eröffnet» die Versammlung mit einer Trauerkundgebung für die in Palästina gefallenen jüdischen Opfer der Exzesse. Die Versammelten hörten den Nachruf stehend an. Dr. Grünbaum behandelte sodann die Ereignisse in einer längeren Rede, in der betonte, daß kein Grund zu irgend einer Mutlofigkeit bestehe. Jeder Freiheitskampf erfordert Opfer. Wir haben keine Rachegefühle gegenüber den Arabern, die verhetzte Objekte sind. Wir müssen aber darauf bestehen, daß die Schuldfrage geklärt wird, daß die Schuldigen bestraft werden und daß bessere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Wir müssen weiter für die Erlösung des Bodens die notwendigen Mittel aufbringen und unsere Anstrengungen verdoppeln. In demselben Sinne sprachen die weiteren Redner, Oberbaurat Stricker, Doktor Mendel Rosenberg, Dr. Leopold Plaschkes und J. Manoach aus Dagania. In allen Reden kam der unerschütterliche Wille zum Ausdruck, das Aufbauwerk fortzusetzen und dem Keren Kajemeth neue Mittel durch eine besondere in Wien einzuleitende Aktion zuzuführen. Diese aus dem Kreis der Bezirkssektion VI/VH kommende Anregung wurde mit großem Enthusiasmus aufgenommen. Die Versammlung schloß mit der einstimmigen Annahme der folgenden Resolution: Die im Kadermann-Saal versammelten Zionisten Österreichs verneigen sich in Ehrfurcht vor den jüdischen Märtyrern, die in Palästina gefallen sind, und protestieren mit Schmerz und Empörung gegen die blutigen Angriffe auf die am friedlichen Aufbau arbeitende jüdische Bevölkerung. Die Versammelten grüßen die jüdischen Brüder und Schwestern des Jischuw, die ungebeugt ihr Werk um die Erlösung des Landes und des Bodens fortsetzen, und vereinigen sich mit dem ganzen jüdischen Volke in der Kundgebung des unerschütterlichen Willens, dem jüdischen Aufbauwerk Treue zu bewahren und es mit allen moralischen und materiellen Mitteln zu fördern. Einmütig wollen wir dem Ruf der Zionistischen Exekutive folgen und mit vervielfachter Energie für die nationalen Fonds werben. Nach Abbazia im Autocar ab 0. Mal jeden Samstag 7 Uhr früh. Fahrpreis tourretour S 70*—. Vorteilhafte Arrangements für eine oder mehrere Wochen. HRED1 AURff Antomobll-Relse- und f|UDtlU.MnW Betrlebsges. m. b. H., I., Burgring Nr. 1. Telephon A 35-5-45, A 33-0-33. Liste der Toten und Verwundeten Tel-Aviv, 28. April. (JTA.) Von jüdischer Seite in Tel-Aviv wurde die folgende Liste der bisher amtlich festgestellten 22jüdischenToten und der noch in Spitalsbehandlung befindlichen Verwundeten aufgestellt: Tot: Mordechai Friedmann (20 Jahre), David Scharabudall, Chaim Kornf eId (29 Jahre), Jizchak Fränk e 1, Jisrael Pczegoda (25 Jahre), Elieser Bischitzky (40 Jahre), Schambar let (28 Jahre), Josef Liebermann, Daniel Cohen, Jacob Prus8ak, Jizchak Rabinowitsch, Schimkowicz, Jisrael Friedmann, Jehuda Simantow (60 Jahre), Selig Lewinsohn, Schlomo M e r i s a n d, Schlomo Kramer, Schlomo G a r b i, Chaim Chatzkiwitz, Nahum H a d a d, Chaim K i s c h 1 e r, Daniel P r u s s a k. (Die bei Tulkarem getöteten zwei Juden Israel Chazan und Zwi Tannenberg sind hier nicht eingerechnet.) Verwundet: Herzl Sch echt (20 Jahre), Schoschanna Mordchowicz (23 Jahre), Siegmund B e c k e r (36 Jahre), Elieser L i p p s o h n (26 Jahre), BI a c hmann (25 Jahre), Schalom Bad ad, Arje Meirowicz, Elieser Leib, Dr. David Weinberg, Lilli Rothenberg, Ascher Towim, Rüben Liebermann, Jisrael Schnitzer, Rechtsanwalt Jizchak Eisen, Arje Mattlis, Jakow Reich, Joseph Rosenberg, Schlomo Cohn, Minna Walddorf, Abraham und Meir Seil k o w i c z, Mordechai Freimann, Elisabeth Weigel, Arje Sega 11 und Schlomo Radhob^r.

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