Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 543 (28.4.1936)
- Date
- 1936-04-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Oll STIMM! Seite 5 Was leistet die Wiener Kultusgemeinde für die judisdie Jugend ftie steh unter Ibn Saud zu organisieren verfluchen. Deshalb verfolgt England in Palästina da« Prin&ip: „Teile und herrsche!“ Hundeite deutscher Juden nach Palästina abgereist Aus Berlin, 24. April, meidet die 1. T. A.: Ungeachtet der Ereignisse in Palästina haben sich gestern einige hundert deutsche Juden an Bord des Dampfers „Tel- Aviv“ mit dem Ziele Haifa eingeschifft. In Klar Saba ein Jude erschossen? Aus Jerusalem, 24. April, meldet JTA: Der Mord an znved Arabern, der am Freitag in der Nähe der Kolonie Rfar Saba stattfand, und der den Agitationssfcoff für die Unruhen in Jaffa lieferte, hat eine sensationelle Aufklärung gefunden. Es hat sich herausgestellt, daß cLer angebliche Araber ein jüdischer Einwanderer aus Ägypten ist und Mordechai Almani heißt. Almani wurde mit dem anderen arabischen Opfer dies Doppelmordes auf dem mohammedanischen Friedhof in Jaffa begraben. Mutige Tat von Rabbi Uslel Tel-Aviv, 24. April. (JTA.) Eine mutige Tat des sephardischen Oberrabbiners von Tel-Aviv, Rabbi U s i e 1, wird jetzt bekannt: Als Araber die kleine Synagoge in der jemenitischen Vorstadt von Tel- Aviv, Neve Schalom, in Brand steckten, stellte sich Rabbi Usiel den Angreifern entgegen und beteiligte sich persönlich an der Löschung des Brandes und an der Rettung der Sifre Tora und der anderen Ritualien. Ludwig Hardt rezitiert: SamBtag, 2. Mai: „Heinrich Heine“ Sonntag, S. Mai: „Franz Kafka“ Montag, 4. Mai: „Peter Altenberg* Freitag, 8. Mai: „Aus der Bibel und biblißohe Geschichten“ Jüdische Kulturstelle, I., Kai 3. Tel. R 28-2-86 Beginn der Vorlesungen 10 Uhr 15 Arabischer Aufruf Jerusalem, 24. April. (JTA.) Die arabische Reformpartei fordert in einem Aufruf, daß die Abreise der arabischen Delegation nach London verschoben werden soll, damit die arabischen Führer im gegenwärtigen Augenblick die arabische Politik im Lande selbst leiten. Unsere Führer, so heißt es in dem Aufruf, müssen das vergossene Blut für die nationalen Zwecke nutzbar machen. Eine Abordnung arabischer Jugendführer aus Gaza sprach beim Distriktskommissar Crossbie in Jaffa vor und forderte die Entwaffnung der Juden in Gaza, andernfalls die Bewaffnung der Araber. In Jaffa trafen Araber aus Tulkarem ein, um, wie sie erklären, den Moslems beizustehen, falls religiöse Stätten angegriffen werden. In J e n i n veranstalteten Araber eine Demonstration und schickten Frauen an die Spitze des Zuges, um einem polizeilichen Eingreifen vorzubeugen. Der High Commissioner ordnete an, daß die landwirtschaftliche Jahresaue Stellung. die in Gaza am Donnerstag hätte eröffnet werden sollen, infolge der Unruhen verschoben werde. Die in Jerusalem wohnenden amerikanischen und englischen Juden überreichten dem High Commissioner emen Protest gegen die Tolerierung der arabischen P r e s b e h e t z e, die die Lage verschärft. Nicht alle Araber« Mehrere Fälle arabisch-jüdischer freundschaftlicher Beziehungen werden jetzt bekannt. Während der arabischen Angriffe auf die Juden in Jaffa und Tel-Aviv am 19. und 20. April waren mehrere arabische Notabein und Kaufleute in Jaffa ihren jüdischen Freunden, beziehungsweise Kunden beigestanden und hielten sie bei sich verborgen, bis die Gefahr vorüber war, oder begleiteten die Bedrohten nach Tel-Aviv. Anderseits haben auch viele Juden in Tel- Aviv Araber, die sich dort aufhielten, vor Angriffen beschützt und sie bis zur Stadtgrenze nach Jaffa begleitet. Jahrzehntelange Assimilation hatte es mit sich gebracht, daß nahezu alle jüdischen Feste und Bräuche aus dem Elternhause verschwunden waren und die Jugend keine Möglichkeit und kein Vorbild fand, die im Religionsunterrichte erhaltenen Lehren auch in die Tat umzusetzen. Wenn der Schüler vom sechsten bis zum achtzehnten Lebensjahr an 8abbathtagen die Schule besuchen muß, und an jüdischen Feiertagen, selbst wenn sie gesetzlich frei sind, nnr ungern der Schule fern bleibt, oder durch die Eltern gar zum Besuche veranlaßt wird, ist es ganz begreiflich, daß eine so erzogene Generation jeden Kontakt mit dem jüdisch-religiösen und nationalen Leben verliert. Ee war daher ein Gebot der Stunde, daß die Kultusgemeinde auch diesen Teil der Erziehungspflichten übernahm, der von den Eltern gar nicht oder sehr mangelhaft erfüllt wurde. Die Schulverwaltung der Kultusgemeinde, insbesondere das über Anregung des gegenwärtigen Obmannes der Unterrichtskommission Br. Isidor K1 a b e r geschaffene Jugendreferat machte es sich zur Aufgabe, durch Einführung besonderer Veranstaltungen anläßlich aller Fest- und Gedenktage die Jugend zur aktiven Mitarbeit an denselben heranzuziehen. Mit der Durchführung dieser schwierigen Aufgabe wurde gleich bei Errichtung des Jugendreferates Herr Inspektor ö h 1 e r betraut, der schon früher wiederholt Beweise seines organisatorischen Talentes auf dem Gebiete der Jugenderziehung erbracht hatte. Das Jugendreferat hat immer wieder durch neue schöpferische Ideen diesen Zweig des jüdischen Erziebungswesens in einer dem jugendlichen Geiste zusagenden und dem großstädtischen Geschmack entsprechenden Weise zu propagieren verstanden. Es ist ein wohldurchdachtes System geschaffen worden, um den in den öffentlichen Schulen so karg zugemessenen Religionsunterricht zu vertiefen, zu ergänzen und die Auswirkungen desselben in die Familien, die diesen Dingen sonst fremd und gleichgültig gegenübexstehen, zu verpflanzen. 8000 Scbuler bei den Gottesdiensten Wenn man bedenkt, daß an den Jugehdgottesdiensten, die von der Kultusgemeinde in 18 Synagogen veranstaltet werden, allwöchentlich etwa 8000 Schulkinder teilnehmen und ßo die Sabbathfeiem nicht nur für eich erleben, sondern auch ihre Angehörigen zur Teilnahme veranlassen, so kann der Wert dieser Institution nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dazu kommt, daß alle diese Kinder allwöchentlich durch die in den Gotteshäusern verteilten Kalenderblätter mit dem jüdisch-religiösen Leben vertraut gemacht werden und hiedurch auch ihre Eltern und Gesohwister an dieser Belehrung teilneInnen lassen. Das Jugendreferat läßt es sich angelegen sein, auch auf diesem Gebiete fast allwöchentlich Neues zu schaffen und sucht durch die Heranziehung von akademischen Malern, die hiezu vom Jugendreferate die notwendigen Anleitungen erhalten, den Inhalt der Merkblätter in kindertümlicher und doch künstlerischer Weise zu veranschaulichen. Eine ganze Anzahl auswärtiger jüdischer Gemeinden haben in Erkenntnis der erfolgreichen Wirkung dieser Einrichtung von der Wiener Kultusgemeinde die Zusendung von Kalenderblättern erbeten und diese erhalten. Man kann ruhig sagen, daß die Wiener Kultusgemeinde auf diesem Gebiete beispielgebend ist und von keiner zweiten Gemeinde erreicht wird. 53 Blbelidiulen Nicht geringer ist die vorbildliche Wirksamkeit der Wiener Kultusgemeinde auf dem Gebiete der Gemeinde-Bibelschulen, die dazu dienen, den öffentlichen Religionsunterricht zu erweitern und zu vertiefen. An 32 Stellen bestehen solche Schulen, an denen 54 Lehrkräfte unterrichten und die eine Frequenz von nahezu 3000 Kindern aufweißen. Die Intensität der Bestrebungen, jüdisches Wissen unter der Schuljugend zu verbreiten, äußert sich am besten in der Tatsache, daß zur Zeit der Errichtung des Jugendreferates zwei Gemeinde-Bibelschulen bestanden, während im heurigen Schuljahr ihre Zahl 32 beträgt. An dem Unterricht nehmen Schüler von der ersten Volksschulklasse bis zur 8. Mittelschulklasse teil. Der Unterricht erfolgt unentgeltlich und umfaßt: Modernes Hebräisch, Lithurgie und Pentateuch. Für besonders befähigte Schüler bestehen auch Kurse für Misohnah, beziehungsweise für Talmud. Hiezu kommen noch 21 Vereinsbibelschulen, die von der Kultusgemeinde subventioniert werden und eine Schülerzahl von 1643 aufwedsen. Man kann daher mit gutem Gewissen behaupten, daß jedem jüdischen Kind in Wien die Möglichkeit geboten wird, sein jüdisches Wissen, seiner Einstellung und der seiner Eltern entsprechend, zu vervollkommnen. Das theoretische Wissen wird durch die im Aufträge der Kultusgemeinde vom Jugendreferat eingeführten und organisierten besonderen Veranstaltungen anläßlich der Chamischah-Assar-Feier und des Ohamikkah- und Purimfestes in die Tat umgesetzt, und die Krönung dieser Bestrebungen manifestiert sich alljährlich in der Veranstaltung eigener Sederfeiern für die Schuljugend. Wer einer solchen Sederfeier beigewohnt hat, vergißt niemals den tiefen Eindruck, den dieses weihevolle Fest auf die Kinder und ihre Begleiter macht. Die Kinder-Sederfeiern Bei der Eröffnung der Sederfeier im „Doktor- Krüger-Heim“, in dessen großem Saale sich 170 Kinder, zumeist aus der Inneren Stadt eingefunden hatten, berichtete Inspektor Ohler, der die Anwesenden im Namen der Kultusgemeinde begrüßt hatte, daß Bieben Sederfeiern seitens der Kultusgemeinde für jene Schulkinder veranstaltet wurden, die sonst keine Gelegenheit gehabt hätten, einer solchen Feier beizuwohnen. Die Kultusgemeinde, sagte der Referent, habe hiedurch die Absicht, den Kindern das Muster eines Sedere zu bieten, damit im kommenden Jahre im Eltemhause im Kreise der Familie eine solche Feier abgehalten werde. Diese Feiern erfreuen sieh von Jahr zu Jahr einer größeren Beliebtheit. Während vor ziwei Jahren die Teilnehmerzahl 400 betrug, stieg sie im Vorjahre auf 680 und erreichte heuer 880. Es war Vorsorge getroffen worden, daß auch schwerhörige und taubstumme Kinder eine eigene Feier abhalten konnten. Für die Letzteren wurde sogar eine eigene Hagadah verfaßt. Besonders würdevoll war die Feier im „Dr.-Krüger-Heim“. Der Saal bot einen erhebenden Anblick. Man merkte an der künstlerischen Ausschmückung des Saales die fachkundige Hand der Präsidentin. Frau Dr. Hermine Krüger. Eine Sehenswürdigkeit bildete die vom Jüdischen Museum zur Verfügung gestellte Sederschüssel, den Auszug aus Ägypten und die 12 Stämme darstellend — ein Meisterwerk der Schmiedekunst. Doch alle äußere Pracht übertraf das freudige Aufleuchten der Kinderaugen, wenn sie dem geisvtollen Vortrage des M'ssaders Prof. Dr. Lehmann, oder den vom Chor des Leopoldstädter Tempels unter Leitung des Dirigenten H e i m a n n vorgetragenen Gesängen folgten. Die Kinder freuten eich ganz besonders, wenn sie ihr Wissen durch Vorträge schöner Gedichte und traditioneller Gesänge bekunden konnten. Die Präfektin Frau Otti Reich trug viel zum Gelingen des Abends bei. Wie einem Berichte des Jugendreferenten der Kultuflgemeinde zu entnehmen war, sind auch die Feiern des Vortages in allen Bezirken in der würdigsten und feierlichsten Weise vonstatten gegangen. Im Helm der Zionistischen Bezirks Sektion und WIZO IV/V und im Sitzungssaals des Tempelgebäudes IX., Müllnergasse 21, wurden heuer zum ersten Male von der Kultusgemeinde Sederfeiern veranstaltet. Um die Feier im IV. Bezirk, wo Doktor L. Brüll den Seder gab, hatten sich besonders die Damen Anna und Sidonie Zwirn und Fräulein Helene Garfunkel verdient gemacht, während im IX. Bezirk die Arbeit in den Händen der Damen Klara Lilienfeld und Sarah Ginsberg lag. Im Heime XV., Herklotzgasse 21, waren 130 Kinder erschienen, die ein vollständiges Nachtmahl erhielten. Hier bemühten sich um das Gelingen des Festes Kommerzialrat Arthur A1 b e r s und Gemahlin sowie deren Tochter Frau Lily Schönfeld, ferner die Vorstandsdame des Ausepeisevereines, Frau Rosa W einer. Ihnen standen tatkräftigst die Damen Franziska und Paula Josef, Mirjam B1 e i e r und Fräulein Rosa Eckstein zur Seite. Im Heime der Zionistischen Bezirkssektion und WIZO XVTIT., Weimarerstraße 7, oblag daß Arrangement der Sederfeier den Damen der WIZO unter Leitung Frau Dozent Olga W i 1 h e i m und dem Währinger Frauenverein unter Leitung Frau Med.- Rat Winter. Die größte Besucherzahl wies die Feier im Heime der Kultusgemeinde, XX., Othmargasse 46, auf, wo 300 Kinder ein vollständiges Nachtmahl erhielten. Hier hatte Rabbiner Dr. Murmelstein die Leitung des Sedeis übernommen, und ihm standen die Lehrkräfte Isaak Herzberg, Siegfried Huber, Taube H o c h b e r g, Manja Engelberg und eine Anzahl von Hospitantinnen des Kindergartens zur Seite. Bemerkt muß werden, daß über Ersuchen des Kultusvorstandes die Religionslehrer bemüht waren, zahlreichen Schulkindern auch in Privathäusern Einladungen zu Sederfeiern zu verschaffen, so daß mit Recht gesagt werden kann, daß die Kultusgemeinde auch diese überaus wichtige Aufgabe der jüdischen Jugenderziehung nach bestem Wissen und Gewissen gelöst hat. Die schulentwachsene Jugend Die Kultusgemeinde läßt ihre erzieherische Fürsorge indes nicht allein bei der schulpflichtigen und in den öffentlichen Anstall <n befindlichen Jugend bewenden, sondern sie ist auch bemüht, im Wege des Jugendreferates die schulentwachsene jüdische Jugend tunlichst zu erfassen. Zu diesem Behuf wurde ein Kataster angelegt, der eine Übersicht ül er die vorhandenen Jugendverbände bietet. Die Kultusgemeinde hat auch, soweit es ihre Mittel ermöglichen, Bestrebungen dieser Bünde durch Subventionen gefördert. Insbesondere wurde darauf Wert gelegt, daß keine Vereinigung neben der körperlichen Ertüchtigung ohne geistige Belehrung bleibe. Es gibt auch kaum einen dem Jugendreferat angeeohlosserum Eine der von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstalteten Sederfeiern für die Schuljugend r ,,,: ■f V lüsten Ilü SÜ1 jjpKlhri ij mm?«■ i' IS» ros II'W mm gjp:;i wmm iMlia» (SK i m mm Was geht In Palästina vor? Dienstag den 28. April, Vz9 Uhr abends, findet eine Versammlung aller zionistischen Gruppen in den Sälen des Restaurant JKadermann f Prater, statt« Es sprechen die Vertreter aller zionistischen Gruppei über die letzten Ereignisse in Palästina