Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 543 (28.4.1936)
- Date
- 1936-04-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054243-3054299--5846-3061627- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit« 2 Olfi STIMM« Nr. 648 — 28. April 1938 großer Teil der transjordanischen Grenztruppen nach Palästina beordert wurde. Polizei sucht die Straße J e r u s a 1 e m— Hebron nach des Waffenschmuggels verdächtigen Arabern ab. Arabische Organisationen in Jerusalem behaupten, daß die arabischen Demonstranten in den arabischen Städten Gaza, Akko und Nablus unter ungeheurer Beteiligung vor sich gingen. In Akko installierte die Polizei Maschinengewehre auf dem Dache des Polizeigebäudes, nachdem der Mob im Gebäude die Fenster eingeschlagen hatte. Die Polizei setzt die Verhaftungen von Kommunisten, Arabern und Juden fort. Am Freitag sind in Jaffa und Tel-Aviv 14, in Jerusalem 10 Kommunisten verhaftet worden. Die Polizei schreibt die gemeldeten zahlreichen Brandstiftungen den Kommunisten zu. Den jüdischen Kolonisten ist es gelungen, die von Arabern gelegten großen Brände im H e r z 1 - W a 1 d und auf den Feldern von Ben Schemen zu löschen. Bei Bet Alpha wurde das Getreide auf 200 Dunam jüdischen Bodens vernichtet. Die 125 jüdischen Familien in Hebron wurden bereits nach Jerusalem überführt. In der Peripherie von Tel-Aviv, in der Schechunat Marginia, wurde eine zweite Synagoge — nach derjenigen in Nevej Schalom — in Brand gesteckt. In Jaffa befinden sich 30 Juden in Haft. 9 0 svar nlsht nach Adam Biese, aber nach X £ — 0 Möbel-Winter, VIII- Stadtbahn* viadnkt 23, bei Lerohenfelderstrafie-GOrtel, denn Jeder Schilling hat bei ans den doppelten Wert Widerhall der Palästina- Unruhen in Transiordanien Jerusalem, 26. April. (JTA.) Die arabische Tageszeitung „El Liwaa“ meldet aus A mian, daß in Transjordanien Sympathiekundgebungen für die Araber Palästinas und Demonstrationen gegen den Zionismus veranstaltet worden seien. Die Polizei habe die Demonstranten zerstreut. Es habe mehrere Verwundete sowohl bei den Teilnehmern der Kundgebung als auch bei der Polizei gegeben. Der High Commissioner sei aus arabischen Kreisen Transjordaniens darauf aufmerksam gemacht worden, daß „eine weitere Verletzung der arabischen Rechte ernste Folgen haben werde“, Verurteilungen auf Grund des Belagerungszustandes Jaffa, 2a April. (JTA.) In J a f f a wurden mehrere Araber zu je 15 Piaster Geldstrafe von einem britischen Richter verurteilt, weil sie Dolche getragen hatten. In derselben Verhandlung wurden mehrere Juden, die nach Eintritt der Polizeistunde noch auf der Straße angetroffen wurden, zn Geldstrafen von je drei Pfund verurteilt. kFür'unsere Leser nur: . Neudegger Fährsdiulen Wien; VIIL, Neudcggerg. T8 Te I, B 46- 5-72; und'lnzersdorf (Nieder-Öäterreich) ' Prüfungserleichterurig durch: . H Laufendes Auto im Lehrsaal!! Weitere Terrorfälle Aus Jerusalem, 24. April, meldet die JTA.: Ee wird jetzt bekannt, daß am Donnerstag der 70jährige Jude Benjamin Weiß in einer deutschen Kolonie von Arabern angegriffen und verletzt wurde. In einer Vorstadt von Haifa wurde eine sep bardische Jüdin durch einen Araber getötet. Die Polizei erklärt, daß dier Täter, der verhaftet wurde, aus persönlichen Motiven gehandelt hat. Im Hadassa-Gebäude zu Hebron sind die Juden aus Hebron und Umgebung untergebraoht. Sie können nicht mehr verpflegt werden, weil die Araber sich weigern, ihnen Lebensmittel zu verkaufen. Sie werden von den Behörden nach Jerusalem überführt werden. In T i b e r i a s ist die Stimmung unter den Arabern infolge der unter ihnen verbreiteten falschen Gerüchte eine erregte; demgemäß ist auch die Lage der Juden eine gespannte. Die Bewohnerschaft von zwei arabischen Dörfern bei Tiberias zog aus Furcht vor angeblich vorbereiteten jüdischen Angriffen nach Tiberias. In Safe d wird die arabische Streikparole von den Arabern zu einem großen Teil befolgt In der Nähe der Kinderkolonie Ben Schemen stehen Felder in Brand; es gelang mit Hilfe von Feuerwehr und Militär die Brände zu lokalisieren. Für die Sicherheit der Kinder in der Kolonie ist gesorgt, ■*, Regierungserklärung im englischen Unterhaus London, 25. April. Die Ereignisse in Palästina haben nun auch im englischen Unterhaus ein Echo gefunden. Graham White richtete an den KolonienmLnister die Frage, ob er über die Unruhen in Paläetina irgendwelche Erklärungen abzugeben habe. Kolonlernnlnister J. H. Thomas erwiderte. es werde dem Hause ein Bericht Über die Unruhen vorgelegt werden, in dem 16 jüdische und 5 nichtjüdische Tote, sowie 75 jüdische und 72 nichtjüdische Verletzte verzeichnet sind. Er wolle diese Gelegenheit benutzen, um zum Ausdruck zu bringen, daß die Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung in Palästina ausschließlich Sache der Regierung sei, und daß gegen diejenigen, die das Gesetz verletzen, alle Machtmittel werden eingesetzt werden. Die Regierung werde sich davon weder durch Aufruhr noch durch irgendwelche Drohungen abbringen lassen. Auf die Frage des Unterhausmitgldeds SUverman. ob die jüngsten Ereignisse in Palästina die Administration nicht davon überzeugt hätten, daß der Zeitpunkt für die Einsetzung einer gesetzgebenden Körperschaft jetzt nicht reif sei, erwiderte Kolonionministcr Thomas, er hoffe nicht, daß der Abgeordnete mit seiner Frage zum Ausdruck bringen wollte, daß eine Entscheidung oder eine Äußerung, die im Unterhaus gefallen sei, für die Unruhen verantwortlich sei. Der Minister schloß: „Weit mehr bin loh daran interessiert, jedermann in Palästina zu sagen, daß die Regierung entschlossen ist, Gesetz und Ordnung aufreohtzuerhalten, und daß sie dies auch tun wird.“ Colonel Wedgwood fragte, ob der Kolonienminister wisse, daß die von den Arabern hauptsächlich gebrauchte Waffe das Messer sei, und ob die Regierung veranlassen wolle, daß die Entwaffnungsaktion sich auch auf diese Waffenart erstreckt. Minister Thomas erwiderte: „Ich habe keine Erfahrung mit Messern, aber ich werde die Sache untersuchen.“ Die zweite Totenliste Außer den bereits in der letzten Ausgabe der „Stimme“ angegebenen sind folgende Namen von getöteten Juden bekanntgeworden: Schlomo G a r b 1, Nabum H ada d, Cbaim Ki8ch 1 er, Schlomo Kr emer, Schlomo Mar* soo, Schlomo M e r i 8 a n d, Isäac Rabinowitz, Szelikow, Israel Zeitlin, Uriel Prusak und sein Bruder Jakob Prusak (beide in Jaffa erschossen). Der in der ersten Liste (am 24. April) mitgeteilte ermordete Maurer Chaim Kornfeld ist aus Preßburg. Sturmtage in Erez-Israel Wir bringen unseren Lesern zwei mit Flugpost eingelangte Situationsberichte unseres Tel-Aviver J. S.-M i t a r b e dt e r s, die ein beredtes Zeugnis von der Erbitterung und der mutigen Entschlossenheit dee Jieohuw ablegen. Tel-Aviv, 20. April Die arabische Hetze beginnt ihre Früchte zu tragen. Nachdem die arabischen Terroristen, von reichsdeutschen Nazis gut organisiert, eine Reihe von Morden ausgeführt hatten (Polizist Rosenfeld, Ain-Charod; britischer Konstabler Mott; eine Frau auf einem Spaziergang von Athlith nach Haifa; Gahrthman im Autobus NahaLal—Tulkarem; und endlich am 15. April der Mord bei Nablus an Israel Chazan), schritten sie gestern zu einer größeren Unternehmung, indem sie in Jaffa ein Judenmassaker veranstalteten, dem bisher neun jüdische Tote und 39 Verwundete, darunter elf Schwerverwundete mm Opfer gefallen sind. Die Judenschaft ist empört über das Versagen der Behörden. Es scheint sogar, daß dies«, wenn auch die Ausschreitungen nicht gefördert, so doch zumindest nicht gehindert zu haben. Und das kam so: Boi der Bestattung Cbazans war die Bevölkerung schon sehr nervös, als sich die Polizei zweimal dem Leichenzug entgegen- ■ stellte. Man muß wissen, daß die Tel- Aviver Polizei früher rein jüdisch war und mit der gesamten Bevölkerung auf bestem Fuße stand. Die Regierung sah darin aber eine Gefahr (warum, weiß kein Mensch, da noch nie Juden Araber überfallen hatten) und verwandelte diese gute Polizeitruppe in eine gemischte englisch-jüdische, in der die Juden natürlich nicht die Hauptrolle spielen konnten, was zahlreiche jüdische Polizisten zum Austritt veranlaßt«. Die Bevölkerung dachte mit liecht, daß die Polizei lieber den Terroristen und ihren Drahtziehern, den reichsdeutschen Nazikolonien zu Leibe rücken sollte, and attackierte die Poliei, die sich dem Leiohenzug entgegen warf, was aber nur unbedeutende Raufereden ergab. Am 18/ April wurden zwed Araber (Polizeispitzel) in der Nähe von Petaob-Tikwah von Arabern ermordet und diese Tat den Juden in die Schuhe geschoben, (Man erkennt die geschickt und raffiniert arbeitende Naziregie.) Die Araber, durch die Ereignisse in Ostafrika, Ägypten und Syrien, sowie durch die intensive Nazipropaganda schon aufs äußerste erregt, ließen sieh von ten Äejtungea geqjfi IWMWßrfcjs dauerte es stundenlang, bis die Agitatoren die Menge so weit haranguiert hatten, daß sie Blut roch und auf die unvorbereiteten Juden einstünnte. Was tat aber die Polizei zu deren Schutz? Sie riegelte die Straßen zwischen Tel-Aviv und Jaffa ab und verhinderte es, daß die Juden von da ihren bedrängten Brüdern zu Hilfe eilten. Sie beschränkte sich auch weiterhin darauf, die Juden in Tel-Aviv zn bewachen und mit Gewehren und Stahlhelmen durch unsere ruhigen Straßen zu patrouillieren, wahrscheinlich, um die Parität zu wahren und die Araber nicht zu erregen! Unterdessen hatten die Araber in Jaffa ruhig Zeit, die Juden zu massakrieren, da selbst nach dem amtlichen Communiquö erst nach 5 Uhr die Polizei in Jaffa Herrin der Lage war. Auch heute früh wurden neuerlich in Jaffa Überfälle auf Juden ausgeführt und deren etliche verwundet. In Tel-Aviv herrscht aber ohne jeden Grund Belagerungszustand. Tel-Aviv, 22. April. Der Überfall vom 15. d. hat inzwischen ein weiteres Todesopfer gefordert. Der schwerverwundete Tamuenberg äst seinen Verletzungen erliegen. Nun zum Verhalten der Regierung. Als sich in Haifa vor zirka einem halben Jahr bei der Bestattung der arabischen Gangster die Menge gegen die Polizei wandte, wurde diese sofort zurückgezogen, in Tel-Aviv dagegen wirkte die Polizei beim Begräbnis am 17. d. (Freitag) geradezu provokatorisch. Laut Aussage des britischen Hafenoffizicre in Jaffa, wußte dieser bereite am 17. d. von den bevorstehenden Unruhen, die die „Frankfurter Zeitung“ sogarschon vor zirkadrei Wochen gemeldet hat und es wußte auch sonst das ganze Land, daß etwas in der Luft lag. Am 18. April war der Mufti von Jerusalem in Jaffa* und was es bedeutet, wenn die arabische Zeitung „Al-Liva“, die schon seit Wochen zum Pogrom hetzte, und dieser Judenfeind zusammen einheitlich am Werke sind, war hier jedem klar, ausgenommen der Regierung, die — als die Unruhen schon ausgebroohen waren — mit einem naiven Dementi die Gemüter zu beschwichtigen hoffte. Daß die britische Polizei den ganzen Sonntag in Tel-Aviv untätig herumstand und es ruhig zuließ, daß in Jaffa das Blut in Strömen floß, ist unverständlich. Da die "erregte Menge in Jaffa eich aber bW b/ut an Jude» sergriiff| BOü&d&o» «ach den schwedischen Konsul Larsson, ferner zwed Engländer, Park und Maude, verletzte, verständigten diese selber die naheliegenden britischen Truppen in Sarafand, die auch prompt zur Hilfe eilten, während die drei britischen Kriegsschiffe, die in der vergangenen Woche vor Jaffa lagen, am kritischen 19. April leider spurlos verschwunden waren. Erst als Montag, den 20. d., neuerlich fünf Tote in Jaffa gezählt wurden und gleichzeitig auch französische und syrische Offiziere und Pilger in Jennin überfallen wurden, bekam die Regierung aus London Gegenorder und die britische Polizei wurde aus Tel-Aviv zurückgezogen und lieber für den Straßendienst im Inneren dos Landes verwendet. Vor dem Abzug der Polizei „säuberte“ sie aber noch den Merkaz Soloweitschi k, nicht etwa von Arabern, sondern von Juden. Die Forderung an die jüdischen Fabrikanten, ihre Betrieb offen zu halten, die von den englischen Behörden wiederholt gestellt wurden, war durch derartige Maßnahmen natürlich durchkreuzt, da dort sehr viele Betriebe liegen. Große Kreise der jüdischen Bevölkerung sind heute gegen England aufgebracht, das die Nazimethoden Mer duldet. Alto Palästinenser erklären, daß es nicht einmal zur Zeit der türkischen Herrschaft derartige Pogrome gegeben habe; es sei der britischen Divide et Impera-Politik Vorbehalten geblieben, solche Resultate zu zeitigen. Von den Arabern haben der Mob und die Hauraner am Aufstand teilgenommen. Es ist interessant, daß die jüdischen „Illegalen“ für nichts und wieder nichts nach dem Akkoer Gefängnis geschickt werden, die illegalen hauranischen Aufrührer aber unbehelligt dm Lande bleiben dürfen. Von den führenden Klassen der Araber haben sich die meisten nicht nur fern gehalten, sondern vielfach Juden bei sich vem steckt, sie verpflegt oder zur Polizei geleitet, kurz, wirklich anständig gehandelt Der „strategische Rückzug“ der extremistischen arabischen Führer auf den Generalstreik — um das Vorbild von Damasr* kus auch hier getreulich zu kopieren —- wird weiter nicht ernst genommen, da hier ja die Verhältnisse ganz anders liegen und ein derartiger Streik glänzende jüdische Arb eits chancen ergebon würde. Trotzdem erfordern die auf Nazigrundlage organisierten arabischen Jugendlichen weiter größte Aufmerksamkeit, war doch auch bei diesem Pogrom die Organisation made in Germamy. Wie ist nun die Stimmung 4m Jisohoiw? Sie äst erbittert und entschlossen, überall hört man sagen: Wir Juden verlangen: Für jeden Toten 1000 Zertifikate, für jeden Verwundeten 1000 Dunam neuen Boden und — um Vorsorge für die Zukunft zu treffen — stärkere Durchsetzung der Ordnungs- und Sicherheit» truppen mit Juden, sowie Bestrafung aller an den letzten Unruhen Beteiligten, sei es der Täter, der Drahtzieher oder der fahrlässigen Exekutivorgane. Und weiter hört man sagen: Wir lassen ans nicht unterkriegen. Wir werden den Boden erlösen and aus Palästina wird Erez Israel entstehen. Jüdischer Opfermut im Jischuw und in der Galuth werden alle Hindernisse niederreißen. Freude im Dritten Reich Aus Bor Ido* 24. April, meldet die JTA.: Di« nationalsozialistische Presse nützt die Palästina-Ereignisse zu verschärfter antijüdischer Propaganda aus. Sie überschreibt die Palästina-Nachrichten mit Riesen titeln, wie „Pogrome wie nie zuvor“, „Araber brennen jüdische Häuser nieder“, „Araber gegen jüdische Parasiten“ usw. Die Blätter erklären, .da ßEnglandsich gar nicht beeilt, die antijüdischon Angriffe abzuwehren und daß „das Schlimmste noch kommen wird“. Der „Angriff“ sagte voraus, daß der Kampf mit einem Siege deT Araber enden wird, und fährt fort: England, das sicher in der Lage ist, die Ordnung herzustellen, läßt die Dinge treiben, weil es mit den Juden unzufrieden ist; einige zionistische Führer bemühen sich nämlich, gute Beziehungen zu Mussolini herzustellen, weil sie Roms Herrschaft derjenigen Englands vorziehen würden. Anderseits ist