Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 542 (24.4.1936)
- Date
- 1936-04-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 542 — 24. April 1035 Oll ITIMMI Seite 5 KREUZ-KINO Ulrsinla Bruce, Ricardo Cortez UerMerMnde 4 Tote — kein Täter Glauben an clie Sache, die sie vertreten, den Sieg garantieren. Zu diesen wenigen Menschen gehört Dr. Ehrlich. „Der Zionismus wird siegen“ Der nächste Redner, Dr. Joeef Löwenherz, erinnerte in seiner Ansprache an die Zeiten, da der Wiener Zionismus den Weg der Kompromisse verließ und entschlossen zum entscheidenden Kampf unter der zionistischen Fahne antrat. Dr. Jakob Ehrlich wurde an die Spitze der zionistischem Liste gestellt. Er hatte schon vorher in der Kultusgemeinde gearbeitet, als nur zwei Zionisten einer geschlossenen Front von 34 Feinden des Zionismus und der jüdischen Wiedergeburt gegenüberstanden. Der Zionismus ist von Sieg zu Sieg geschritten und er wird in dem bevorstehenden Kampf auch wieder seine Kraft zeigen. An uns liegt es, die jüdischen Menschen dieser Stadt Wien unter die zionistische Fahne zu rufen und zu beweisen, daß das jüdische Wien und daß das Judentum nur dann erhalten bleiben wird, wenn es zionistisch sein wird. Der Zionismus ist keine Partei, der Zionismus bat die Aufgabe und die Bestimmung, das ganze Judentum zu erfassen. Was außerhalb des Zionismus steht, bat nur ephemere Bedeutung, das mag im Rahmen der Tagesgeschichte auch interessant sein, aber für Ewigkeitswerte kämpft der Zionismus. Nach der mit großem Beifall aufgemommenen Rede Dr. Löwenherz würdigte Oberbaurat Robert Stricker, Vizepräsident der Kultusgemeinde, die Verdienste Dr. Ehrlich« um die Kultusgemeinde und um den Zionismus. Menschen wie Dr. Ehrlich erweisen dem Zionismus schon durch ihr bloßes Hiersein und durch das Beispiel ihrer Person einen ungeheuren Dienst. Der noble Charakter Dr. Ehrliche müsse jedermann Achtung abringen. Dr. Ehrlich über zionistische Pflicht Nun ergriff Dr. Jakob Ehrlich das Wort. Er dankte, sichtlich ergriffen, für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen. Wer ins Goldene Buch eingetragen ist, der lebt im Zionismus weit über sein eigenes Leben hinaus, denn sein Name bleibt verbunden mit einem uns heiligen Land, mit Erez Israel Nachdem der Redner noch den Damen der Bezirkssektion Leopoldstadt und des Klubs „Erez Israel“, die sich um das Zustandekommen dieses Festes mit Erfolg bemüht hatten, seinen Dank ausgesprochen hatte, führte er weiter aus: Der Zionismus ist das jüdische Zentralproblem. Er war es schon in dem Augenblick, als er entstand und er wird es noch sehr lange bleiben. Der Zionismus allein kann uns das jüdische Leben lebenswert machen. Es wurde heute hier schon gesagt, daß die meisten jüdischen Bewegungen außerhalb des Zionismus nur ephemeren Charakter haben. Aber da solche Tageserscheinungen in unser Leben eingreifen, kann es wichtig sein, daß wir uns auch in anderen Organisationen betätigen, um den Zusammenhang mit allen Erscheinungen des jüdischen Lebens herzustellen. Da kann oft an uns die Frage herantreten, wie wir uns außerhalb der zionistischen Organisation zu verhalten haben. Doch der Zionist, der diesen Namen verdient, wird, wenn solche Fragen an ihn herantreten, nie schwankend werden auf dem Weg, der ihm durch die zionistische Gesinnung eindeutig vorgeschrieben ist. Man spricht jetzt sehr viel von der Notwendigkeit der Einigkeit und von der Notwendigkeit der Schaffung einer Einheitsliste für die bevorstehenden Gemeindewahlen. Ich glaube, es ist gut, bei jeder Gelegenheit auf diesen Gegenstand zurückzukoromen. Der Standpunkt der Zionisten ist gegeben: Der Zionismus ist ja der Gedanke der Einheit und Zusammenfassung des jüdischen Volkes. Darum brauchen aber wir Zionisten von niemandem Belehrungen über die Wichtigkeit der Einigung des Judentums entgegenzunehmen. Diese Wahrheit haben wir längst erfaßt, und ich glaube, daß wir gerade deshalb Gegenstand der ärgsten Anfeindungen waren, als wir diesen Gedanken in die jüdische Welt getragen haben. Als Herzl sein bekanntes Buch mit den Worten begann: „Wir sind ein Volk“, da hat ihm das Wutgeheul jener geantwortet, die so gern bei jeder Gelegenheit von Einigkeit und Frieden sprechen. Dem Verräter reicht man nicht die Hand Es ist heute modern geworden, vom Frontgeist zu sprechen. Dazu ist zu sagen, daß man an der Front dom Verräter nicht die Hand gegeben hat, man hat den Verrat vielmehr niedergeschlagen. Das weiß jeder, der wirklich an der Front gewesen iist. Ich GROSSFLEISCHHAUEREi SIEGM. KORNMEHL ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 TEIEPHONNUNIM E U A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen t. n^-Flelsdi unto> Aufsloht des Ehrwürdigen Rabblnats der Israelitischen Kultus* gemeinde Wien Autoauetellung Kostentos IX., Berggasse 16, XVIII., WähringerstraOe 71 will kein Mißverständnis hervorrufen und nicht neuen Zündstoff anhäufen, was ich während meiner ganzen Tätigkeit vermieden habe, aber ich bin auch niemals der Wahrheit aus dem Weg gegangen. Wir wollen nichts tun, was unnötigerweise einen Konflikt mit dem Bund jüdischer Frontsoldaten herbeizuführen geeignet wäre. Aber wir müssen verlangen, daß der Bund bei der Betretung jener Angelegenheiten bleibt, die ihm nach seiner Verfassung nach den Intentionen seiner Gründer und auch nach unseren Intentionen, die wir dem Bund beigetreten sind, natürlicherweise zukommen. Es gibt auch für uns Zionisten eine Disziplinpflicht dem Bund gegenüber. Wenn wir beispielsweise aufgerufen würden, als Selbstschutz zur Zeit der Gefahr anzutreten — und dies ist eine vornehme Aufgabe des Bundes — wird jedes Mitglied, ob Zionist oder nicht, dem Ruf gerne folgen. Auch auf anderen Gebieten, die dem Bund zugewiesen sind, hat er Anspruch auf Einhaltung der Disziplin. Wir haben den Bund aber nicht zu dem Zweck gegründet, damit wir eine neue Partei bekommen, die uns in der Austragung des Entscheidungskampfes gegen die Assimilation entgegentritt. Und in diesem Punkt muß ich die Zionisten im Bund auf ihre zionistische Pflicht aufmerksam machen und ihnen sagen, daß es durchaus nicht im Interesse des Bundes und auch nicht im Interesse des Zionismus liegt, wenn man mnttätig ist bei der Heraufbeschwörung der Gefahr eines Konflikts. Einige Zionisten arbeiten aber in diesem Sinn, wie ich hoffe, unbewußt. „Erobert die Gemeinden!“ Theodor Herzl bat die Parole ausgegeben: Erobert die Kultusgemeinden! Er hat die Notwendigkeit des Besitzes der Verwaltung der Gemeinden durch die Zionisten erkannt und er hat sich nur an die Zionisten gewendet und an niemand anderen. Nun haben wir wohl die Mehrheit in der Jüdischen Gemeinde von Wien erobert, aber unser Besitz muß befestigt werden, , denn wenn es möglich ißt, daß sich elf Menschen finden, die bei einem nichtigen Anlaß ihre Mandate zurücklegen und wenn man dann noch zum Bürgermeister von Wien läuft, um ihm zu sagen, er solle einen Regiierungskommisöär einsetzen, weil bloß die Unionjuden in ihren Reihen die guten Österreicher zusammengefaßt haben, wenn das geschehen kann, dann ißt der Beweis erbracht, daß wir in Angelegenheit der Kultus g e m e i n d e noch manches zu besorgen haben. Und deswegen wäre es ein Verbrechen, wenn uns ein Zionist zu muten würde, das Vermächtnis Herzls zu verraten, und die Früchte eines jahrzehntelangen Kampfes preiszugeben in dem Augenblick, wo wir endlich in der Gemeinde jenen Zustand herbeiführon können, den ziu schaffen uns Theodor Herzl aufgetragen hat. Ich richte einen Appell an alle Zionisten in jenen Organisationen, die sich überarteilich nennen -— ich meine nicht bloß en BJF, sondern auch andere Organisationen —, daß sie sich dort ihrer Pflicht als Zionisten erinnern. Diese Pflicht gebietet ihnen auch, dafür zu sorgen, daß das jüdische öffentliche Leben von den Verrätern der Einheit gesäubert werde. Zionistische Einigung! Zum Schluß kam Dr. Ehrlich auf die Frage einer Einigung im Zionismus zu sprechen. Et sagte: Gerade diie letzten Ereignisse in Erez-Iörael haben uns gezeigt, wie notwendig der Zusammenschluß aller zionistischen Gruppen ist. Wenn man von Einigkeit und Einheitsliste spricht, so sage ich: Vor allem Zusammenschluß der Zionisten zu gemeinsamer Tat. Das ist heute wichtiger als je. (Langandauernder Beifall.) Wir müssen den Weg finden, es wird nicht schwierig sein. Wenn auch nicht alle Gegensätze beseitigt werden können, so müssen sie doch auf ein erträgliches Maß herabgesetzt werden. Wenn wir auch in manchen Dingen verschiedener Meinung sind, dürfen wir doch nicht vergessen, daß wir Weggenossen bleiben, und daß wir demselben Ziel zustreben. Wenn wir das nicht vergessen, werden sich manche unerfreulichen Erscheinungen nicht wiederholen, die wir früher in Wien zu beklagen hatten. So lassen Sie mich mit dem Hinweis auf diesen Gedanken der Einiim Zionismus schließen. Wenn Sie mir en wollen für die bescheidenen Dienste, die ich der Bewegung geleistet habe, werden Sie es am besten in der Weise tun, wenn Sie dem Gedanken der Einigung der Zionisten, des Zusammenschlusses aller zionistischen Kämpfer im Interesse unseres großen Ideals dienen. Der Rede Dr. Ehrliebs, die immer wieder durch lebhafte Kundgebungen der Zustimmung unterbrochen worden war, folgte langer stürmischer Beifall. Mit der Absingung der Tikwah schloß die Feier, die sich zu einer machtvollen zionistischen Demonstration gestaltet hatte. * FRED WQ/Jf GINGER ROGfßf IRVINGilltu/f W g^4-5-50-B£GINN--V45*? *V410h An dem Fest nahmen über 180 Personen teil. Es waren erschienen alle maßgebenden führenden Persönlichkeiten des Wiener jüdischen Lebens: Die Repräsentanten der Kultusgemeinde, die leitenden Funktionäre des zionistischen Landesverbandes, der zionistischen Sektionen, der Gruppen und Vereine. Jüdische Kredithilfe Die Wiener Kreditkasse für Kleingewerbe und Kleinhandel hielt dieser Tage ihre 13. ordentliche Generalversammlung ab. Den vom Direktor diese Instituts M. Henisch erstatteten Tätigkeitsbericht pro 1935 ist zu entnehmen: Von den eingelaufenen Kreditgesuchen erledigte der Vorstand 529 in positivem und 63 in negativem Sinne. Von den bewilligten Darleihen gelangten in der Beriohtsperiode 430 zur Auszahlung, davon 81 Darlehen an neue Darlehensnehmer. Die Gesamtsumme der ausbezahlten Darlehen berug S 226.550, was pro 1935 einen Monatsdurohischinitt von 36 Darleihen mit S 18.880 ergibt. Die Höhe der Einzeldarlehen betrug in 79 Fällen unter S 500, in 250 Fällen je S 500 und in 101 Fällen von S 500 aufwärts. Nach Berufskategorien gegliedert, entfallen auf Kleinkaufleute 328 Darlehen, auf Handwerker 69 Darlehen, auf kleinindustrdelle Betriebe 23 Darlehen und auf Angehörige freier Berufe 10 Darlehen. Die Gesamtsumme der Darlehensrüokzaihlungeai betrug S 239.580, sie überstieg somit die auisibezahlte Darlehenssumme um S 13.000. Um diesen Betrag verringerte sieh auch der Gesamtdarl-ehensstand, der mit Jahresende S 140.000 betrug. Ende 1935 betrug das eigene Betriebskapital (Anteile und Reserverfonds) Schilling 120.000. Das Restdarlehen der Joint- Foundation belief sich auf S 85.000. Die Zahl der Genossenschafter betrug mit Jahresende 1945, mit 9219 voll eingezahlten Anteilen ä S 10. Sei $rftä(timgsftranfef)eiteit, rf)eumaiifdjeit unb gtd>ti[djen SBefdjtoerben bringt Sogol rafcfye unb bauetnbe $ilfe. $ein anbeteS äljn* * lidjeS ißrfyarat, «tag ifynt audj itocf) fo biel nacfygetüljmt ioetben, bejtfet über 6000 fdjrift* Iidje Slergiegutadjtett. @tn SBerfudj überzeugt! Qfn affen $tj>otI>efen etfjältlicfy. 5ßret3 S 2.40. Nach den vorgenomimenen Ergänzungs- Wahlen setzt sich der Vorstand aus folgenden Herren zusammen: Aron Barschak, Max E i s n e r, Direktor Ernst Goldschmidt, Hirsch Intrator, Dr. Siegfried Kantor, Dr. J. H. K o e r n e r, Dr. Leo Landau, Dr. Michael Steinb e rg und Oberbaurat Ing. Robert Stricker. Dem Aufsichtsrat gehören an die Herren: Ing. Eugen Buchbinder, Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Rabbiner Dr. Armand Kamin ka, Kammerrat Moritz Kolm, Dr. Josef Löwenherz, N. M. Racker, Max Schiffmann und Salomom T ü r k 1. Der Revisäonsausschuß besteht aus den Herren: Ing. Samuel Ehrlich, Max Eisenklam und Moses Marian. * In den 13 Jahren ihres Bestandes .gewährte die Kreditkasse insgesamt 8272 Darlehen im Gesamtbeträge von S 4,126.750. Mit diesen Krediten konnte die Kasse viel Ersprießliches leisten, vielen kleinen Leuten zu einem anständigen Erwerb verhelfen, viele jüdische Existenzen vor dem Zusammenburch bewahren oder neu begründen helfen. Die Leitung der Kreditkasse ist selbstverständlich bemüht, ihre Kredithilfstätigkeit nicht nur fortzusetzen, sondern auch entsprechend zu erweitern und auszubauen, und ladet die in Betracht kommenden Kreise des jüdischen Mittelstandes ein, eich gegebenenfalls vertrauensvoll an sie zu wenden. Die Kreditkasse erwartet aber auch die erforderliche Unterstützung der jüdischen Kreise sowohl in materieller als als auch in moralischer Beziehung. Cate Fürstenhof II., Praterstraße 25 Letzter Gruß an Dr« Hiflel Sußmann Der unbarmherzige Tod war es, der mich diesmal an den teuren Freund und aufopfernden zionistischen Mitstreiter aus der ostgalizisoben Heimat erinnerte; zweiundzwanzig Jahre haben wir uns nicht gesehen, und nun ist Hill el Sußmann nicht mehr. Die Nachricht von seinem Ableben überraschte mich durch die „Chwüa“; Sußmann wurde am 9. April in Wien beerdigt. Eine tückische Krankheit hat den prachtvollen Mann hinweggerafft, kaum, daß er das sechzigste Lebensjahr Überschritten hatte. Mit Hillel Sußmann ist einer der idealsten Alt-Zionisten Ostgalizienß dahingegangen. Schon als Student schloß er sich der Bewegung an, der er sich in aufrichtiger Hingabe und selbstloser Tatkraft widmete. Hillel Sußmann entstammte einer angesehenen Drohobyczer Familie, die sich in Stauislau niederließ. Diese Stadt wurde Hillela Heimat. Sein Vater war wohlhabend und gab seinem Sohne eine jüdische Erziehung, so daß Hillel zum Zionismus bereits als fertiger Jude kam. Er war um die Frage des Judentums nie in Gewissenszweifel verstrickt und man darf ihn nicht zu deu „Büßenden und Umkehrenden“ zählen. Hillel Sußmann gehörte zu den führenden zionistischen Persönlichkeiten Stanislaus und war auch außerhalb Galiziens sehr bekannt. Aber so bescheiden und anspruchslos er im Leben war, so still begrub man ihn. Nur die nächsten Verwandten gaben ihm auf seiner letzten Fahrt das Geleit. So möge denn durch diese Zeilen eine Dankesschuld gegenüber Hillei Sußmann entrichtet werden. Sein Heimgang wird von zahllosen Menschen aufrichtig beklagt werden. Inniges Mitgefühl gilt seiner Gattin und seiner in Palästina lebenden einzigen Tochter. Jehi siohro baruch! Chajim Bloch. Führer8chule des „Haschomer Hadati“. Montag, den 27. April, beginnt eine Führerschule des Haschomer Hadati unter Leitung von Doktor Tartakower, Prof. Bronner, Prof. Doktor J. Weinstook und Josef Hochberger (Ere® Israel).