Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1936-04-17 · Heft 540 (17.4.1936) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 540 (17.4.1936)
Date
1936-04-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054243-3054296--5824-3061602
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 540 17. April 1036 Dlfi STIMM! Seite 3 Uraufführung des eisten jüdischen Jugendfilms: „Wir jungen Juden" Eg ist das Vordienst des Jugend/bunde« Gdiud-Ziriim, der Wiener jüdischen Öffentlichkeit in prägnanter Weise das Leben der nationalen jüdischen Jugend vor Augen geführt zu halben. Dieser jüdische Jugendfilm ist vom ersten bis »um letzten Bild eine ebenso inter- Machaneh Gideon. MWtij w; essamte wie spannende Schilderung der Arbeit dieser Jugend, der Jugend, die die Ketten der Galuth von sich abgestreift und am Beginn einer neujüdischen Epoche steht. Landschaftlich herrliche Aufnahmen vom Sommerlager im Salzkammergut, das wohl zu einem gewaltigen Erlebnis für die jugendlichen Teilnehmer wurde. Uralte Werte unseres Volkes nehmen hier neues Leben am. Eine Sprache lebt neu auf. Aber nicht nur das kulturelle Leben wird uns hier gezeigt, wir sehen auch die heranwaohsende neue jüdische Generation bei Sport und Spiel an der körperlichen Vorbereitung für das Leben in Erez- Israel. Sehr schön und eindrucksvoll ein Fußballkampf, Rettungsschwimmen der Schwimm- Jofim beim Kochen. WM abteilung in der Traun, Übungen der Maohanoth, die zur militärischen Ertüchtigung der Jugend dienen. Der zweite Teil des Film« ist eine Reportage aus dem Leben der jüdischen Jugend in Wien. Eine weitverzweigte Organisation mit Jugendheimen in allen Wiener Bezirken, in denen die Jugend für das ehaluzisehe Leben in Erez-Israel geistig geschult, und von dem hervorragenden Pädagogen S. Perlmutter in der hebräischen Sprache unterwiesen wird. Zum Schluß zeigt uns der Film, daß die Arbeit dieser Jugend nicht nur im Spiel besteht, sondern daß hier auch an die Verwirklichung geschritten wird. Wir sehen einen Stadtkibuz, den sich die Jugend aus eigener Kraft geschaffen hat, und in dem sich 50 junge Ghaluzim für das Leben und die Arbeit in Erez-Israel vorbereiten. Aus ehemaligen Studenten und kaufmännischen Angestellten werden Schlosser, Tischler, hier wird daran gearbeitet, die abnormale und für Erez- Israel unbrauchbare Berufsschichtung wieder zu normalisieren. pes. Liebenswürdige Hausfrauen klagen nicht dem müde heimkommenden Manne über ihre aufreibende häusliche Tätigkeit. Sie wissen, daß Uebermüdung wirksam bekämpft wird durch den ständigen Gebrauch von DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Tägliche Massage mit DIANA erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege. Ueberall erhältlich. „Bas Land der Verbalssung“, der große Palästinafillm, ln Linz Sonntag, 26. April, im Mping>Kino (Langgasse 13) Im Rahmen einer FestauSSührung gezeigt. harten zu 80 g, S 1.20 und S 1.60 bei Karl Huppert, Landstraße 25* Tel. 5368 sowie im Zion. Büro, Landstraße 71, Tel. 2136« auch xMHseft&tt die 2a unef dring! mi! seiner keimtötenden und antiseptischen Kraft in die verborgensten Falten der Mundhöhle. ODOL erhält daher Zähne und Mund gesund und ist der beste Schutz gegen Infektionen aller Arfr verhindert Gärung s- und Fäulnisvorgänge Im Munde und beseitigt unangenehmen Mundgeruch. ODOL erfrischt und belebt. ZAHNPASTA MUNDWASSER 0.83). .ist da* Kennzeichen für ein weiter vervollkommnetes ODOL, dessen antisepfische Wirkung in hervorragendem Maße gesteigert worden ist. Bakteriologische und klinische Versuche haben die überlegene bakterizide Wirkung wissenschaftlich erwiesen. Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zahnärztlichen und pharmakognostlschen Institute der Universität In Wien. Oberrabbiner Br. Feuchtwang: Bie Juden und der Antisemitismus Am Schlußtage des Pessaohfestes setzte sich Oberrabbiner Doktor Feuchtwang in dem überfüllten Hauptteimpel in der Seitenstättengasse in großangelegter Rede mit dem Problem «Die Juden und der Antisemitismus“ ausführlich ausenmnder. Es wäre unaufrichtig und mutlos, wollte man nicht von verantwortlicher Stelle aus unsere Lage so dar st eilen, wie sie wirklich ist. Die Juden sind heute in einer Situation wie am Roten Meer, als eie aus Ägypten auszogen, hinter sich den Feind, vor sich die unendlichen Fluten; auf beiden Seiten also von Gefahren bedrängt. Ee wäre unklug, es zu leugnen,. daß man von allen Seiten gegen uns anstürmt. Mit Gewalt tun es die einen, die uns physisch zu vernichten drohen: daß sind die offenen Feinde. Und mit gespielter Freundschaft versuchen es andere, die uns geistig vernichten wollen, indem sie uns bekehren möchten. Dean Judentum aber wohnt, wie jedem Individuum und jedem Volke, der unüberwindliche Wille zum Leben inne, jener Wille zum Weiterleben, der uns Jahrtausende hindurch erhalten hat. Fragen wir aber nach den Unsachen der Feindschaft, so kann es niemals unsere Macht sein: Was sind gegen zwei Milliarden die 16 Millionen zerstreute Juden, die bisher überall eine Minderheit waren? Aber gerade dies ist ein Fingerzeig. Weil wir eine Minderheit sind, scheint ihnen der Kampf wenig gefährlich. Sie kümmern sich beständig um uns und lassen uns nicht zur Ruhe kommen. Wir haben ein Recht zu leben, weil wir niemand angreifen. Wer aber sind die, die uns am allerheftigsten angreifen? Sand' es nicht gerade diejenigen, denen man vorwirft, daß sie auch sonst mit Gewalt in fremde Rechtskreise eindringen wollen? Es sind nicht die Friedfertigen, nicht die Vertreter der Menschenliebe, die sich am schärfsten gegen uns wenden. Nicht unsere Macht und nicht vielleicht unser Wissen stehen unseren Feinden im Wege, sondern unsere Tradition, unsere sittlichen Vorzüge. Wir sind ein lebendiges Beispiel dafür, daß die Sittlichkeit ein Volk durch Jahrtausende lebendig erhalten hat. Nichts galt im Judentum — diesem „Volk des Buches“ — die Gelehrsamkeit, wenn sie nicht mit Tugend verbunden war. Unsere Religion bedeutet Menschenliebe, Friedensliebe, Erbarmen, und deshalb stechen wir jenen in die Augen, die nichts von diesen Tugenden besitzen. Sie wollen uns vernichten, weil wir eine lebendige Mahnung an das Gewissen der Völker darstellen. An diese seine Traditionen aber wird sich das Judentum halten müssen, wenn es inmitten der Gefahren den Willen zum Leben bewahren will: Kenntnis des Judentums ist daher für die Juden selbst die Voraussetzung ihres weiteren Bestandes. Zum Schluß der Rede, die tiefen Eindruck machte, forderte der Redner zu eifriger Unterstützung der jüdischen Schulen auf, da sonst die Jugend die Beziehung zum Judentum und damit die Kraft des Widerstandes gänzlich verliert. Hallo - Hallo! _ _ . KT .. Nicht vergessen, im U ggf Nachtmahl zu essefl ■ Ba Vis-a-vis dem Schweden-Kino Reichhaltige Auswahl in Mittag-und Abend-Manila und kalte r, _ , „ Speisen bis 1 Uhr nachts. — Bier und Wein vom Paß. Inh. Rudolf Stepaitf flv Taborstraße 4 Großes jüdisches Sportfest in Wien Dr. N. Frey, der Leiter der Zionistischen Bezirkssektion Prater, hat die Initiative zur Veranstaltung eines großen jüdischen Sportfestes in Wien ergriffen. Die Sektion, eine der aktivsten und rührigsten von Wien, hat sich gern in den Dienst der Aktion gestellt. Es ist die erste derartige Veranstaltung in Wien, die so organisiert sein wird, daß sie nicht nur das eigentliche Sportpublikum, sondern die weitesten jüdischen Kreise erfassen soll. Es ist wohl nicht notwendig, noch einmal besonders von der Wichtigkeit der körperlichen Ausbildung der jungen jüdischen Generation zu sprechen. Das jüdische Sportleben wird aber nie die Entwicklung nehmen, die im Interesse des Volkes notwendig ist, wenn der jüdische Sport auf den engen Kreis der Fachleute begrenzt bleibt. Die Spiele, die nun für Wien geplant sind, werden geeignet sein, zu einem wirklichen jüdischen Fest zu werden. Die Veranstaltung ist für den 1. Mai geplant. Sie findet auf dom Hakoah- Platz in der Krieau statt .und gipfelt in einem FußbaLlmatch der Hakoah gegen Makkabäa-Bratißlava. Anfang um 2 Uhr, Ende gegen abends. Zuerst wird ein turnerisches Vorspiel gezeigt, dann folgen leichtathletische Vorführungen. Die Hakoah hat sich die größte Mühe gegeben, ein Programm auszuarbeiten, das Zerstreuung und sportliche Leistung ver- Palestine - Shipping - Co Haifa Zur Levante-Messe mit Luzoedampler „T el Aviv“ ’ ’ 307. Rabatt Auskünfte und Anmeldungen: „Universal“. Wlon. I., Kärntnerring Nr. 3 und in eilen Reisebüros einigt. WäT werden über die Einzelheiten noch Mitteilungen machen. Karten können schon jetzt geltauft werden: Bei der Hakoah in der Uraniastraße 2 (Tel. B 51-0-90), in der Bezirkssektion Prater, Stuwerstraße 1 (Tel. R 40-1-86 L), und bei Optiker Karl S e i dn e r, I., Franz-Josefs-Kai 33 (Telephon Nr. U 28-9-66), Tausend jüdische Arbeitslose in Frankfurt Aus Frankfurt meldet die JTA: Aus einem im Frankfurter Gemedndeblatt veröffentlichten Aufruf des Jüdischen Arbeitsnachweises geht hervor, daß üiber 1000 Arbeitsuchende beim Jüdischen Arbeitsnachweis gemeldet sind und auf Unterbringung warten. Cafe Fürstenhof II., Praterstraße 25 Otto Abeies, Begegnung mit Juden Verlag R. Löwit, Wien-Jerusalem. Das neue Werk des Autors der Bücher „Flüchtlinge“, „Die Genesung“, „Besuch in Erez-Israel“, „Zehn Jüdinnen“ nennt er im Vorwort ein „Lesebuch“. Es sind Begegnungen mit Juden und jüdischem Schicksal in Ostgalizien und Siebenbürgen, im Burgenlaud und iim Banat, in Krakau und Wien. Diese Anekdoten, Porträts, Dialoge und „bittere Schwänke“ ergeben in ihrer Knappheit ein Sittenbild des Judentums der Gegenwart und stellen es vor eine Entscheidung. Abeies doziert nicht, er gestaltet. Die heroische Kraft der jüdischen Selbstbejahung ist der optimistische Grundton des Buches. Aber auch au dor Schande jüdischer Ohnmacht und Wehrlosigkeit, an der sklavischen Sucht der „Angleiohung“ geht er nicht vorbei, er onthüllt sie ohne Rücksicht. Dieses „Lesebuch“ soll den Leser anregen den jüdischen Zeitgenossen in die Augen zu sehen, die Größe und das Leid, das Ethos und die Krankheit dieser Generation zu erkennen und s ich selbst wiederzufladieu,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.