Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1936-04-17 · Heft 540 (17.4.1936) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 540 (17.4.1936)
Date
1936-04-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3053752-3054243-3054296--5825-3061603
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 OIE STIMME Nr. 5JO — 17. 'April Vom Hechaluz zum Chaluz in Erez Israel An der Zuider-See hat die holländische Ibgierung ein Gelände für die ehaiuzisehe Ausbildung deutscher Juden zur Verfügung gestellt. Wir veröffentlichen einen Bericht über das Leben dieser Hachschara. Amsterdam, im April. Es regnet wieder einmal. Es regnet eigentlich immer in der holländischen Niederung, die keine Berge und unendlich viel Flußläuie hat. Man sollte eigentlich einmal die Brücken zählen, wenn man in dreistündiger Autofahrt von Amsterdam über Zandam, Alkmar zum Werkdorf „Nieuwesluis“ der „Stichting joodsehe arbeid“ fährt. Die Straße, die über den Ringkanal nach Slootdorp führt, teilt cs. Auf der einen Seite stehen sechzehn Holzbaracken strahlenförmig im Halbkreis um einen Neubau, der von den Chaiuzim unter Leitung eines Baumeisters aufgeftihrfc wird. Auf der anderen Seite die Scheune und die Schmiede. Die Gegend ist eintönig, flach und ohne Wälder, brachgelegtes Meer. Man ist jeden Morgen gleich frisch an der Arbeit. Und Arbeit gibt es ungeheur viel. 140 Hektar Land hat die holländische Regierung im März 1934 im „Wieringermeer poldcr“ (Eindeichung) zur Verfügung gestellt. Zweck dieser Arbeitsgemeinschaft, die der Arzt Hans 1/ubinski leitet, ist: jungen Juden aus Deutschland, die nach Palästina oder in eines der anderen wenigen Länder, die noch offenstehen, auswandem wollen, Gelegenheit zu geben, einen Beruf zu erlernen, der ihnen das ermöglicht. Also Einordnung des einzelnen in die Gesinnungs- und Wirtschaftsgemeinschaft. Als im Oktober 1934 die Arbeitsgemeinschaft in Anwesenheit des damaligen Hohen Kommissars für Flüchtlingspflege, James MacDonald, eingeweiht wurde, standen nur vier oder fünf Holzbaracken. Außer den sechzehn, die heute stehen, soll der neue Backsteinbau einen Eßsaal, einen Erholungssaal, Stundenräume und Vorratsscheunen tsmfassen. Wenn man in eine Wohnbaracke kommt, steht man erst in einem kleinen, sehr sauberen Aufenthaltsraum, in dem jeder der : sechs. Bewohner ein eigenes Fach zum Auf- " bewahren seiner Sachen hat. Zur Mitte ist der Schlafraum, nach der anderen Seite wie derholt sich die Aufteilung. In den anderen Baracken ist die Tischlerei, wird gewaschen, geplättet, gekocht, gebacken.- 1 dingung gemacht, als sie für zwei Jahre kostenlos „Wieringormecr“ zur Verfügung stellte, daß die Produkte nicht auf den holländischen Agrarmarkt gebracht werden dürften, der sowieso schon überschwemmt sei. Das hat sich aber inzwischen geändert, da die vorschriftsmäßige Pacht gezahlt wird und die Gartcnbauproduktc wie überhaupt alles für eigenen Gebrauch zu viel ist und doch nicht vernichtet werden kann. Die Arbeitsgemeinschaft ist angcsehlossen an die Krisenzentrale für das Agrarwcscn. Weil man selber nicht mahlen kann, wird der Weizen abgegeben. Dafür wird dann die benötigte Quantität Mehl angekauft. Außer Hühnerzucht und Bienenzucht will man in diesem Jahr nun auch versuchen, Blumenzwiebeln zu züchten. Unter Leitung eines holländischen Lehrers können etwa sechzig Schüler theoretisch und praktisch Landwirtschaft und Viehzucht erlernen. Die häuslichen Arbeiten worden von den zwanzig Mädchen gemacht, die aber außerdem auch Gartenbauunterricht bekommen und Hühnerzucht, Melken und Buttern lernen. In der Tischlerei und in der Schmiede wird unter Leitung von Fachleuten gearbeitet. Bei dem Bau des Gemeinschaftsgebäudes Neu renoviert Restaurant „zum Braten ll.9 Negerlegasse 2 T\JD streng orthodox Reichhaltige Menüs S 1*30 bis 2*30 Gute Küche. Billigste Preise. II werden noch eine weiten! Anzahl von etwa dreißig Schülern für den Baubetrieb aus gebildet, der allerdings nach Beendigung de: Hauses eingestellt wird. Ende 1935 sind die ersten ausgewandert. 41 Männer und Frauen. 30 nach Palästina, 7 nach Argentinien, 4 nach Südafrika und anderen Ländern. Sehr bald wird wieder eine Gruppe ausgelernt haben, von der 11 nach Palästina gehen, 13 nach Südamerika, Südafrika usw. Die Anzahl der Anfragen für die Arbeitsgemeinschaft sind aber größer als die Anzahl der freigewordenen Plätze. Das gesamte gesellschaftliche Leben im Werkdorf steht unter dem Einfluß des dortigen Snif Hechaluz. Er vereinigt seine Chawerim und Chawcroth zweimal wöchentlich zum Hebräischlemcn, während au einem anderen Abend palästinakundliche und zionistische Bildungsarbeit geleistet wird. Zwischen *den Mitgliedern des Hechaluz und denen, die nach anderen Ländern gehen, besteht ein kameradschaftliches Verhältnis, das besonders in der Gestaltung des Alltags im Leben des Werkdorfes zuin Ausdruck gelangt. Es ist erstaunlich, in welcher Weise die Atmosphäre ausgleichond auf die Gegensätzlichkeiten zwischen den einzelnen wirkt, die immer einer Geracinschaftsgostaltimg in ihren Anfängen hinderlich sind. Auch die Beziehung zu der holländischen Bevölkerung ha4 sich im Laufe der Zeit zu einer überaus herzlichen entwickelt. Man hat wirklich das Gefühl, daß da mitten in der brachgelegten Zuider-Sco eine Insel ist, von der junge Menschen mit frischer Kraft und ganzem Können ausgehen, um ihr Leben neu zu gestalten. Palästina-Fragen im Grete Wallach. Neue unabhängige Filmproduktion in Wien ZUR LEVANTE «MESSE 40% REDUKTION AÜP DEN RUMÄNISCHEN SCHIFFEN AB KONSTANTZA REISEBÖRO SCHEDIWY / YVR. REISEKLUB—AUSTRO-ILOYD, 1. BEZIRK, WEIHBUR8QASSE NR. 27, TELEPHON R 28-0-69 120 Jungen und 20 Mädchen sind augenblicklich dort, die außer dem Beruf, den sie erlernen, alle ihre bestimmten Arbeiten haben, um die Kolonie instandzuhalten. Man müßte vergleichen können, wie sie waren, bevor sie kamen. Heute hat man das Gefühl, daß alle wirklich Boden unter den Füßen haben und froh sind. Nur die wenigen, die nicht nach Palästina gehen, werden nie wirklich irgend wohin gehören und fühlen sich wohl auch hier fremder. Um die pädagogische Führung zu erleichtern, ist man dazu übergegangen, möglichst nicht einzelne aufzunehmen, sondern Gruppen, die geistig vorbereitet sind. 140 Menschen sind gerade der richtige Durchschnitt, um die Wirtschaft möglichst rentabel zu machen. In einer größeren Kolonie würde auch der persönliche Kontakt und die Möglichkeit, die geleistete Arbeit zu prüfen und dabei Führung zu geben, bedeutend kleiner sein. Dem Boden der brachgelegten Zuider-Sec wird das Salz entzogen, wie man es in den Versuchseindeichungen schon ausprobiort hat. Es wird vor allem Weizen gebaut, auch Gerste, Roggen und Klee. Der Boden ist außerordentlich fruchtbar. 26 Milchkühe stehen in nach den modernsten Vorschriften eingerichteten Ställen. Wer Melkdienst hat, muß früh vor Tag heraus. 65 Hektar sind Weideland. 8 Pferde, 60 Schafe, bilden den Tiorbestand, die Hühner und Bienen nicht zu vergossen. Die Regierung hatte ursprünglich zur Be- Die Wiener FiimindustrieUen, die ihr Geld konsequent in Arier-Filme gesteckt haben — wir müssen beschämt hinzufügen, daß an der Spitze der gleicbgeechalteten Gesellschaften Juden stehen —, haben immer behauptet, man könne nicht anders, denn ein Film, der auf den deutschen Markt verzichte, könne nicht rentabel sein. Wir meinen natürlich, daß auch das keine Begründung dafür wäre, daß Juden für und mit Nazi-Deutschland arbeiten: es ist ja niemand gezwungen, sein Geld just in Filme m stecken. Aber die Tatsachen haben diesen Leuten auch sachlich unrecht gegeben. Dort, wo man die richtigen Methoden angewendet hat, wie in der Gaal-Produkt i o n, haben sich auch für unabhängige Filme die großen geschäftlichen Erfolge eingestellt. Darum wird jetzt die Gaal-Produktion in Wien auch weitorgeführt. Es gab eine lebhafte Konkurrenz um diesen Star, in dem schließlich der Wiener Koppelmann siegte. Es wird bereits an einem neuen Drehbuch für die Gaal gearbeitet, mit dessen Herstellung Rudolf Österreicher betraut wurde, während die Produktionsleitung in Eugen Kürschners Händen liegt. Die Regie soll Max Ncufeld führen, mit dessen Namen der Erfolg des Films „Csibi“ verknüpft ist. Gleichzeitig aber wurde eine zweite unabhängige Produktion gegründet, und zwar von der bisher größten Stütze der Wiener Universal-Produktion, von dem tüchtigen, rührigon R. Rapaport, der bis vor kurzem dem Verleih der Universal Vorstand. Direktor Rapaport hat sich daß rumänische Wunderkind M i r c h a als Star verpflichtet, das vor zwei Monaten im Ronacher mit großem Erfolg auftrat. Das Drehbuch schreibt nach einer Novelle von Felix Joaohimson Max Kolpe, während ein neuer ungarischer Regisseur, Bola Gaal, den Film mit Szöke Szakall, Otto Wallburg und der Soubrette Lizzi Balla inszenieren wird. Dieser „Raro“-Film wird bereits Ende April in den Budapester Ateliers begonnen werden; aus allen Ländern liegen bereits die günstigsten Verleihangobote vor. Es entstehen übrigens, da die Filme aus Deutschland nach dem Weggang der besten Künstler ganz und gar ungenießbar geworden sind, auch sonst im Ausland neue Filmproduktion en. Die Schweiz geht daran, eine eigene Industrie auf die Beine zu stellen. Auch Holland, Norwegen, Schweden und Polen denken nicht daran, sich die Nazi-Diktatur in Besetzungsfragen gefallen zu lassen. Ungarn arbeitet längst selbständig. Es ißt zu begrüßen, daß überall die Filmdiktatjur der Nazi abgelehnt wird. Die Unterstützung der unabhängigen Produktion wird uns umso leichteT fallen, da ja nur sie — nicht zuletzt mit Hilfe der in Deutschland abge lehnten Künstler ■—> qualitativ befriedigen kann. Pein. Restaurant Rillet iw Restrenommierte Küche Reichhaltige Menüs ä S V90 u. 2a60 ll.,Hammerpurgsta!!gasse3 (nächst Salztorbrücke) Erfolge jüdischer Künstler im Ausland Der in London lebendo Wiener Pianist Stephan Bergmann erzielto neulich bei seinem Klavierabend in Paris wiederum einen durchschlagenden Erfolg, das zu einem En gagement für eine größero Tournee geführt hat. Die beim Internationalen Wettbewerb prämiierte 13jährige Pianistin Evi W ä c h t o r spielte vor einigen Tagen zuin dritten Male in Prag mit ganz großem Erfolg beim Publikum und Presse unter anderem das Chopin-Konzert. E-Moll, und wurde für einigo Konzerte in dor nächsten Saison verpflichtet. Der 12jährige Heinz Ewald Prem ingor errogto mit dor brillanten, temperamentvollen Wiedergabe der schwierigen Ungarischen Fantasie für Klavier mit Orchester von Liszt berechtigtes Aufsehon. Allo obenerwähnten sind Meisterßchüler des berühmten Pianisten Prof. Juliusz W o 1 f s o h n. »«, t fiir den XVI. Bezirk, Wien, XVI., Friedrich-KaiserKasse 21, um '/ß abends, statt. Anschließend daran findet die Uraufführung des ersten J U d i a c lioo Jugendfilmes 99 Wir Jungen. Juden Festrede: Rösch Ichuth Mendel Telff. €€ für den XVJ. Bezirk, statt. Karten erhältlich: Zion. Bez.-Sektion XVI./XVII. XVII., Frauengasae 0; Ilestaurant Qrün, XVI., Friedrich- Kaisergasse 2t und in den Heimen des Q’dud Zirim, II.. Lassingleitnerplatz2; II., InnstraBeR; VI., Loquaiplatr, 11; VII., Kaiserstraße 30; IX., llürlgasse 13; XV., Schanxstraße 32; XVI., Friedrich-Kuisergasse 21; XV1L, Ueheluigasso 10; XX., Denisgassc 33. Aiiß London meldet die JTA: Im Unk" haus fragten Colonel Wedgwood un Vivinn Adams den Kolonieiiminjisfor, < die Regierung in Berücksichtigung d gegenwärtigen Verhältnisse nunmehr h schlossen habe, dio Pläne hinsichtlich d geplanten Verfassung i'tir Pal ßtina ruhen zu lassen. Kolomeimnister Thomas erwiderte,<1seit der letzten Debatte er Grund gehn habe, zu glauben, daß dio Vertreter <1 Araber in Palästina diu Gelegenheit b grüßen würden, ihren Fall der Regien;! Seiner Majestät, gegenüber vorzubringen. : Anbetracht, der Tatsache, daß er vor zw Wochen eine offizielle Deputation empf.; gen habe, dio dio jüdischen Interessen vr trat, sei es nur natürlich, daß den A r; bern c in o gleiche Möglich kr! gebot o n w o r d e. Demgemä ß habe < dem High Commissi oner angewiesen, offizic die arabischen Führer oinzuladen, eine U< putafcion nach London zu entsenden. Das .-*) nun. gesell oben, und die Einladung ec i a? genommen worden. In der Zwischen zc seien keine weiteren Schritte zur Erriohtm; eines Legislative Council in Palästina <• griffen worden. Herr Morgan fragte, ob in dem Falle, d: die Einsetzung eines Legislative Council; naher Zukunft sich als nicht realisier!); erweise, der Kolonienminißter die Mögliohki einer Erweiterung munizipal ( Verantwo rtlieüik eit in den Stadt- Jerusalem, Tel Avorv, Haifa und Jaffa n Auge fassen werde. Minister Thomas erwiderte: Irgend ei; Erweiterung der bestehenden Machtbcfu' nisso der Munizipalitäten in Palästina nn von verschiedenen lokalen Momenten in besondere von der finanziellen Lag jeder Munizipalität abhängig gernae! werden. Colonel Wedgwood fragte, olb im Gefän; nis von Akko Juden in den Hungerstre getreten seien; wenn ja, wie viele, welch) Vergehens schuldig und zu welchen Straf) verurteilt. Minister Thomas: Ich werde den Hi" Commiseioner um die erbetene Info , ination ersuchen. Jüdische Frontsoldaten he! Aus Jerusalem wird gondelet: Der Hig Commissi on er empflng am 8. April eine Di legation jüdischer Frontsoldaten, mit der i in halbstündiger Aussprache die Ans!cdlun von Frontsoldaten und die Erweiterung d< •bestehenden Kolonie Avichail sowie dl Frage unbesehr ä n k t c r E i n w a i d o r u n g von F r o n t s o 1 d a t e n m örterte. Der Delegation gehörten auch Mische StmiUuisky und Benzvi an. Der aan Abend des 7. April stattgofumlr nen Konferenz der Frontsoldaten wohnte: Baron James do Rothschild, Dr. Chaini Welz mann sowie der Vertreter des High Conunksionen bei. PENSION ECKSTEIN-Sw«! und das Palästina-Werk Aus New York wird uns gemeldet: Der Staatssekretär Cordell Hüll übermittelte Dr. Wise ein Schreiben, in dem er den Bestrebungen der U. P. A., 3K Millionen Dollar für Palästina aufzubringen, seine Anerkennung ansdrückt. In dem Schreiben heißt es unter anderem: ,,D,io Existenz eines Jüdischen Nationnlhoims in Palästina ist für viele Juden, die in dieser schworen Zeit Zuflucht suchen müssen, eine Quelle dor Ermutigung und des Trostes. Allo sind sich darin einig, daß es ein äußerst selbstloses und nacliahmungswortes Werk ist, Zuflucht für heimatlose Juden im Heiligen Lande zu schaffen. Es ist ineino aufrichtige Hoffnung, daß Ihre Bemühungen in diesem lobenswerten Unternehmen erfolgreich sein werden.“ Pessach-Iiaussammluns des Keren Kajemeth Sonntag, den 19. und Montag, den 20. April Ziel: Die österreichische Kernsiedlung in Erez Israel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.