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Die Stimme · 1936-04-10 · Heft 539 (10.4.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 539 (10.4.1936)
Date
1936-04-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. m 10. April 1936 Dü STIMM! Salt« 3 An alle Zionisten Unter dieser Überschrift veröffentlichten wir in unserer Ausgabe vom 3. April eine Zuschrift aus unserem Leserkreise. Der Einsender forderte darin alle Zionisten auf, die vom Bund jüdischer Frontsoldaten versendetem Fragebogen zur Anlegung von Hausli'stcn aller Juden über 16 Jahre nicht a u s z u f ii 11 e n, solange der Zweck dieser Aktion nicht klar sei. Der Bund jüdischer Frontsoldaten sendet uns nun eine längere Mitteilung, aus der wir entnehmen, daß die Hauslisten den Zweck haben, „anläßlich des in Wien stattfind'änden Weltkongresses sämtlicher jüdischer Frontkämpferorganisationen eine neue große Werbeaktion des Bundes durchzuführen und gleichzeitig die Anlage eines jüdischen Wohnkatasters, der bisher noch nicht existiert, zu ermöglichen“. Wir haben dies unserem Einsender mitgeteilt, der uns folgendes antwortet: „Es ist für mich unerfindlich, was Jugendliche, die zur Zeit des Weltkrieges noch nicht geboren waren, und was Frauen, Mädchen und Greise mit einem Kongreß von Front Soldaten oder mit einem Bund von Front Soldaten zu schaffen haben. Die Anlage eines jüdischen Wohnkatasters schließlich muß abgelehnt werden, da dies gerade in der jetzigen Zeit Anlaß zu gefährlichen Mißdeutungen geben würde. Die vom Bund jüdischer Frontsoldaten erteilten Aufklärungen verstärken daher meine Bedenken und ich fordere hiemit alle Zionisten auf, die Fragebogen nicht aus zufülle n.“ sy. Palestine - Shipping - Co Haifa Zur Levante-Messe mit Luxusdampfer „T el Aviv“ ’ * 207. Rabatt Auskünfte und Anmeldungen: „Universal“. Wien, I., Kärntnerring Nr. 3 und in allen Reisebüros Absage des Londoner Stadtrates an Berlin Der Stadtrat von London hat den Beschluß gefaßt, für den Kongreß der Internationalen Union der städtischen Selbstverwaltung, der im kommenden Juni in Berlin und München stattfindet, keine Vertreter zu entsenden. Es liegt hier eine Analogie zu den Absagen sämtlicher englischer Universitäten vor, die 500-Jahresfeier der Universität Heidelberg zu beschicken. In der Begründung des Londoner Stadtrates wird erklärt, daß er sich zwar in die inneren deutschen Angelegenheiten nicht einzumisohen beabsichtige, daß er aber feststellen müsse, daß die Selbstverwaltung in Deutschland zu bestehen a.ufgehört habe, die freie Äußerung von Meinungen sei in Deutschland unterdrückt, was für die Vertreter des Londoner Stadtrates Schwierigkeiten hervorrufen könnte. Außerdem führe die deutsche Regierung und die öffentlichen Institutionen einen antisemitischen Feldzug, was den Londoner Stadtrat verhindern würde, seine Vertreter zu dem Kongreß der Internationalen Union in voller Freiheit zu wählen. Leicht Variete "Prater Jüdisches Kanonenfutter Die deutscho Regierung erließ eine Order, wonach Juden, die im Militärdienstalter stehen, aus Deutschland nicht auswandern dürfen; es sei denn, daß ihnen eine besondere Erlaubnis seitens der Militär- und der Zivilbehörden zur Auswanderung gegeben wird. Laut den Nürnberger Gesetzen sind Juden bekanntlich vom aktivou Militärdienst ausgeschlossen. Sie werden aber, wie vor oinigon Tagen offiziell verlautbart wurde, in die Ersatzreservo II eingeroiht; Juden im Militärdienstalter wurden aufgefordert, sich gleich den Nichtjuden den Assent-Kommissionen zu stellen. Über die Art der Verwendung der Ersatzreservo II ist bisher nichts verlautbart worden. (Wahrscheinlich als Kanonenfutter, Die Red.) hat die keimtötende Wirkung des ODOL einwandfrei bestätigt. ODOL ist daher als antiseptisch und bakterizid anerkannt. Wer ODOL zur f8gliehen Mundpflege verwendet, schützt seine Gesundheit; darum gilt für alle der Spruch: Halte mit Odol gesund — Zähne,Mandeln,Hals undMundl MUNDWASSER ZAHNPASTA _ ' ist das Kennzeichen für ein weiter vervoilkommnetes ODOL. dessen antiseptische Wirkung in hervorragendem Maße gesteigert worden ist. Bakteriologische und klinische Versuche haben die Oberlegene bakterizide Wirkung wissenschaftlich erwiesen. Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnarzt« Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zahnfirztllch«n und pharmakognostisch«n Institut« d«r Universität in Wien. Steigende Einfuhr aus Palästina Von Rechtsanwalt Df* |fugo Groß, Geschäftsführer der österreiohisch-palästinenei sehen Igirtscbafts- und Handelskammer, Wien. in den Sprechstunden Montag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 12 Uhr vormittags, in den Räumen der Wirtschaftsstelle, Wien, I., Marc- Aurel-Straße 5, eingeholt werden. Aus der österreichischen Statistik geht hervor, daß die Handelsbilanz Österreichs mit Palästina im Jahre 1935 einen erfreulichen Aufschwung der palästinensischen Importe aufzuweisen hat. Orangenimport: 1935 1934 insgesamt 1696 Waggons 1813 Waggons Palästina 100 „ 10 „ Cedratfrüchte (Grapefruits): insgesamt 8-5 Waggons 8*3 Waggons Palästina 7-6 „ 4-2 „ Daraus ist zu ersehen, daß die Einfuhr palästinensischer Orangen nach Österreich im Jahre 1935 sich gegenüber dem Jahre 1934 trotz der handelspolitischen Bindungen Österreichs mit Italien verzehnfacht hat. Der Bedarf an Grapefruits in Österreich wurde im Jahre 1935 fast zur Gänze von Palästina gedeckt. Die Einfuhr von Kalisalzen und Düngemitteln der Potash Ltd., welche in Österreich vertreten ist, hat sich im abgelaufenen Jahr 6ehr gehoben und der Bedarf Österreichs an diesen Artikeln könnte, falls die Dispositionen des Kalitrusts nicht Nahrungsmittel 1679 q Rohstoffe und Halbfabrikate 2468 „ Fertigwaren 35 „ Die Bestrebungen der Kammer haben sich in der Richtung bewegt, die Einfuhr von Citrusfrüchten besonders anzuregen, und der Erfolg, welcher im Jahre 1935 erzielt wurde, beweist, daß unsere Bemühungen nicht vergeblich gewesen sind. Die Herabsetzung des Grapefruitzolles um 50% wird sich bestimmt gut auswirken. Im übrigen setzen wir unsere Anstrengungen fort, das Handels- und Finanzministerium zu einer Herabsetzung des Zolles für Orangen, beziehungsweise für die Konzedierung der Netto Verzollung palästinensischer Früchte zu gewinnen. Die Kammer bat überdies durch Vermittlung von Vertretungen dem Wunsche vieler palästinensischer Kaufleute entsprochen. Wir glauben daher, ohne unbescheiden zu sein, behaupten zu können, daß wir auch vom Standpunkte der palästinensischen Wirtschaft gewisse positive Erfolge erzielt haben. In Österreich wird die Kammer von offiziellen Stellen in allen palästinensischen Fragen für Auskünfte herangezogen und die österreichische Kaufmannschaft hat sich bereits gewöhnt, die Dienste der Kammer voll in Anspruch zu nehmen. Die österreichisch-palästinensische Handelskammer in Wien steht sowohl mit den kompetenten Regierungskreisen in Österreich, als auch mit den palästinensischen Produzenten in enger Verbindung und bemüht sich, die Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Palästina auszugestalten, einerseits den Absatz Österreichischer Waren in Palästina zu förgeändert werden, aus Palästina zur Gänze gedeckt werden. Die Einfuhr von Olivenöl aus Palästina im Jahre 1935 ist allerdings mengenmäßig um 20 q gegenüber 1934 gesunken und betrug bloß 52 q im Werte von S 13.000. Die Einfuhr von Blasen und Därmen hat sich im Jahre 1935 um 29 q gehoben und betrug 37 q im Werte von S 30.000. Im Jahre 1934 wurden 107 hl Wein im Werte von S 5000, im Jahre 1935 75 hl im Werte von S 4000 importiert. In Österreich besteht bekanntlich ein striktes Verbot für Einfuhr von Wein; sogenannter Koscher- Wein wird auch im Burgenland produziert, daher sind Einfuhrbewilligungen für Wein aus Palästina nur schwer zu erlangen. In diesem Jahre hat unsere Kammer in einigen Fällen für die Einfuhr von Wein für Pessach erfolgreich interveniert. Die Einfuhr von künstlichen Zähnen ist im Jahre 1935 gesunken. Sonstige Produkte werden bekanntlich aus Palästina nicht ausgeführt. Die österreichische Einfuhr aus Palästina nach Kategorien stellt sich im Jahre 1934 und 1935 folgendermaßen dar: 1934 S 85.000 „ 83.000 „ 46.000 1935 11.069 q S 383.000 13.263 „ „ 312.000 41 „ „ 34.000 dem, anderseits den Verbrauch palästinensischer Produkte in Österreich nach Tunlichkeit zu heben, wobei die schwierige handelspolitische Lage Österreichs gegenüber seinen Nachbarn und gewisse politische Bindungen immerhin zu berücksichtigen sind. Die österreichische Regierung hat sieh im diesem Jahre entschlossen, offiziell und in repräsentativer Weise am der Messe im T e 1 - A v i v fceilzunehimen und es besteht die Hoffnung, daß Palästina sich auf der nächsten Frühjahrsmesse in Wien mit einer Sonderausstellung palästinensischer Produkte revanchieren wird. Wir sind daher der Ansicht, daß diese Kammer Anspruch auf Unterstützung seitens aller an Palästina interessierten Persönlichkeiten erheben kann. Die Wirtschaftsstelle des Palästina - Amtes meldet: Da in allerkürzester Zeit die Inskriptionsfrist für die palästinensischen Fach-, Mittel¬ und Hochschulen abläuft, ist es von Wichtigkeit, die genauen Bestimmungen für die Aufnahme ausländischer Studenten einzuhalten. Die großo Anzahl von Bewerbern bringt os mit sich, daß nur diejenigen Gesuche Erledigung finden, die allen Erfordernissen, insbesondere die Garantie, die für die Erlangung einer Einreise notwendig sind, restlos entsprochen. Derartige Anfragen wollen gefälligst entweder schriftlich (Rückporto beilegen), oder Mir schadet kein Wetter und midi ermüdet nichts denn ich verwende ständig DIANA- FRANZBRANNTWEIN mit Menthol Für alle Zwecke der Körperpflege: Einreibungen (Massagen), als Mundwasser, zur Haarpflege bestens bewährt Soll in keinem Haushalt fehlen In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Dian a“ und nehmen Sie nur „Diana“. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. Die Not der jüdischen Akademiker In einer gemeinsamen Kundgebung der intellektuellen Berufe wurde Samstag abends die Lage und die Aussichten der Akademiker in Österreich erörtert. Zunächst besprachen die Wortführer der Ärzt e schaft Dr. J e 11 i n e k und der Vizepräsident der Vereinigung jüdischer Ärzte, Dr. Siegfried P1 a s c h k e s, die in der letzten Zeit eingetretene Verschlechterung der Lage sowohl der bereits in der Praxis stehenden wie der noch in Ausbildung begriffenen. Besonders schwer ist die Lage der „Jungärzte“, seitdem die Hilfsärzte in den Krankenhäusern nicht mehr von den Primarärzten, sondern vom Sozialministerium bestellt werden. Seither sind praktisch die Juden von der Ernennung ausgeschlossen. Der Schaden ist nicht bloß wirtschaftlich, sondern sie sind auch an der Ausbildung behindert, und das wird besonders bei der Etablierung als „Facharzt“ ein Hindernis sein. Der drohende Abbau der Kassenärzte wurde nicht durchgeführt, dagegen drohen Gefahren aus der Art der Pensionierung, weil die Pensionen auf Kosten der noch Arbeitenden gehen, Vizepräsident Dr, P1 a s c h k e s hob insbesondere die Notwendigkeit der Erweiterung des Rothschildspitals als einer Stätte vorzüglicher Ausbildung von Jungärzten hervor. Die Ärzte warnen vor dem Studium der Medizin, leider erfolglos. — Chefarzt Doktor G o 1 d s t e i n wies auf die hohen Leistungen jüdischer Gelehrter zum Ruhme der Wiener medizinischen Schule hin: Namen, wie Neumann, Pollitzer, Kaposi, Zuckerkandl, Hajek, haben Weltruhm. Die Welt wird es nicht verstehen, wenn man in Wien die Juden aus der Medizin zurtickdrängt. Er verwies auch aul die sozialen Leistungen der Juden, denen .viele Spitälei Exbtens verdau* 0 >]>

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