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Die Stimme · 1936-04-10 · Heft 539 (10.4.1936) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 539 (10.4.1936)
Date
1936-04-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Dil STIMME Nr. 630 — 10. April 1086 Herz- und Frauenheilbad Tatzmannsdorf 8uM«nlan< Mineral*, Mooruni) natürliche Kohlen sSure-Sprudelbäder. — Kurbeginn 5. April. ZaltgamaBe Pensionspreise. AusIjUnfte o. Prospekte b. d. Kurdirektion o. t>. d. Seneralvertretung.Wlen, l.,Koblmarkl 8, i el. U-25-104. — Moorpackungen, Mooromprsssen In MlenApnlheken erhält.loh. Die Schächtverbotsfrage Aus Warschau wird gemeldet: Der Vizekultusminlster, Pater Zongollowltz, der ln der Verwaltutigskomraission des Sejm den Schäclitverbotantrag als verfassungswidrig bezeichnet hatte, sah sich infolge der gegen ihn seitens der antisemitischen Presse eröifneten Kampagne gezwungen, seine Demission zu geben. Die Posener Wojwodschaft hat einer Reihe Stadtverwaltungen, die ein Schächtverbot beschlossen hatten, mitgeteilt, daß solche Beschlüsse ungültig seien und daß das Schächten nach jüdischem Ritus nicht gehindert werden soll. Schächtverbote beschlossen die Städte Kartuz, Zdunska Wola, Ruda Fabianice und Puck. Anderseits haben die Stadtverwaltungen in Szamotuly (Samter) und Pniewy in Posen beschlossen, das rituelle Schächten zu erlauben. Der Warschauer amerikanische Konsul hat vom Außenministerium im Washington den Auftrag erhalten, einen Bericht über die Schächtfrage zu senden. Aus den Kreisen der Karäer in Wilna und Troky wird erklärt, daß das geplante Schächtverbot in Polen bei den Karäern in der ganzen Welt starke Beunruhigung hervorgerufen hat. Die Gewerkschaft der Schlaclithausarbeiter, in. der Christen und Juden vereinigt sind, protestierte gegen den Schächtverbotantrag und erklärte in einer Resolution, mit dem Schächtverbot sei beabsichtigt, die jüdischen Arbeiter aus ihren Arbeitsplätzen zu verdrängen und die Wirtschaft im allgemeinen zu schädigen, dies nur, um den antisemitischen Instinkten zu schmeicheln. Ottern in Kaltenleutgeben Zeitgemäße Fixarrangements der Kurhäuser Kaltenleutgeben A. 8. Chefarzt Prof. Dr. Alois Straeser. Sflmtl. Kuren und Diäten. Idealer Aufenthalt für Kranke und Erholungsbedürftige. Auskünfte: Kaltenleutgeben, Tel. 3 nachmittags Stadtbüro: U 45-4-34 „Manchester Guardian" warnt polnische Regierung London (J. T. A.): „Manchester Guardian“ schreibt: Es ist wahr, daß die polnische Regierung, im Gegensatz zur deutschen, nicht selbst ein Instrument antisemitischer Verfolgung ist; daß sie versucht bat, die Verfolgung zu unterbinden; daß sogar die Polizei auf antisemitische Huligans geschossen hat, was in Deutschland unvorstellbar wäre. Aber die polnische Regierung, die, wenn sie nur will, stark sein kann, wird schwach, wenn sie es mit den Antisemiten zu tun hat. Das Schicksal der drei Millionen Juden in Polen droht ebenso tragisch zu werden, wie das der knappen halben Million in Deutschland. Schon bat eine Flucht von Juden aus Polen eingesetzt, die zu dem Strom der vor den hätleri8tischen Verfolgungen flüchtenden Juden hinzukommt. Im Hinblick auf die sorgenvollen Zelten, die vor uns liegen, und angesichts der pangermanischen Bewegung kann Polen es sich nicht leisten, die Sympathien Westeuropas zu verlieren. Es befindet sich jetzt jedoch auf dem besten Wege dazu. „Herr, mach uns frei!“ ▼ KREDITE billigst FINKLER & SOHN ■MSI /., Doi otheergasse 6 Telephon R 23-2-30 Telephon R 23-2-30 /., Doi otheergasse 6 Das Alt niederländische Dankgebet wurde, wie man sich noch erinnert, am Abend vor der „Reichstagswahl“ über alle deutschen Sender verbreitet und Doktor Go-obbel.s hatto daneben auch noch angeordnet, daß die Teilnehmer an Gemeinschal'tswnpfängen der vorhergegarigenen Esaener- Hitler-Reclo sich bei des Liedes Schlußworten „Herr mach uns frei!“ zu erheben und den Hitler-Gruß zu leisten hätten. Holländische Blätter erinnern jetzt daran, daß dieses Gebetlied bereits zur Zeit der Kreuzzüge entstanden ist und sein Text von dem niederländischen Juden Vale n i u s stammt. Erst 1877 ist eine deutsche Textlibersetzung erschienen, und zwar hergestellt von einem anderen Jud e n, J o s o f W e i 1. Es ist die auch heute noch benutzte Fassung. Hiernach dürfte das Altnierlerlänrii-sche Dank gebet wohl fortan im Dritten Reich von jeglicher öffentlichen Aufführung ausgeaohlos&en werden, Leib Jaffe in Polen Warschau, Anfang April. Der fast halbjährige Aufenthalt, des Direktors der Zentrale des Keren Ilajessod in Jerusalem, des Herrn Leib Jaffe, in Polen war gewiß der einzige Lichtpunkt im traurigen Bild der von Tag zu Tag sich verschlechternden Lage der Juden in Polen. Leib Jaffe hat seine. Mission als Emissär des jüdischen Aufbatifonds voll und ganz erfüllt und konnte mit einiger Befriedigung die Stätte seiner weit ausgreifenden Tätigkeit verlassen, um da« Pessachfest im Lande der Verheißung zu feiern. Er brachte Trost und einen Strahl der Hoffnung in die allgemeine Depression, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch seelisch die polnischen Juden niederdrückt und seine, vom poetischen Hauch erfüllten Ansprachen zauberten vor den Hörern die Vision einer besseren Zukunft hervor. . Aber nicht nur als Redner und Sammler ha.t Leib Jaffe Hervorragendes geleistet. Seine Bemühungen gingen viel weiter, denn er setzte sich zum Ziele, die Lücke der Führerlosigkeit des polnischen Judentums durch seine machtvolle Persönlichkeit auszufülleu und gediegene zionistisch-politische Arbeit durchzuführen. Leib Jaffe wurde von den höchsten Instanzen des polnischen Staates als berufener Rep rase nt a n t des werdenden jüdischen Staatswesens in Palästina empfangen und hatte Gelegenheit, anläßlich seines zweiten Besuches beim Staatsoberhaupt M o £ c i c k i in Gegenwart der maßgebenden Persönlichkeiten den neueq Film des Keren Hajessod: „Das Land der Verheißung“ vorzufUhren und mit seinem lichtvollen Kommentar zu versehen. So wurde zwischen dem königlichen Schloß in Warschau und dem jüdischen Pioniertum in Palästina ein würdiger Kontakt angeknüpft und eine Brücke über die vorhandenen Mißverständnisse und Gegensätze geschlagen. Noch viel wichtiger war der Besuch Leib Jaffes beim polnischen Außenminister Joseph Beck, der zu einem wichtigen Staatsakt, und zwar zu einer Deklaration des Leiters der polnischen Außenpolitik zugunsten des jüdischen Aufbauwerks in Palästina geführt hat Um die innerpolitisobo Situation-der-polnischen Juden einigermaßen zu klären, hat Leib Jaffe auch mit dem Innenminister und dem Ministerratspräsklium einen ständigen Kontakt unterhalten und hatte auch da Gelegenheit, nicht als Bittsteller oder Intervenient, sondern als Vertreter einer werdenden Staatsmacht mit einer bestehenden Staatsvertretung und Exekutive zu verhandeln und berechtigte Forderungen zu stellen und zum Teil durehzusetzen. Leib Jaffe erkannte ganz richtig, daß der Mangel einer gemeinsamen Aussprache zu den meisten Mißverständnissen geführt hat und daß in den letzten Jahren von unsichtbaren Händen eine Scheidewand zwischen der jüdischen und polnischen Gesellschaft aufgerichtet wurde, welche dazu bestimmt Fahrräder 1936 Nähmaschinen gegen Teilzahlung IX., LiechtenstelhstraBe 27 IV.. Wledner HauntKtraöflj^ ist, eine Jahrhunderte währende Tradition zu brechen, um an Stelle eines erträglichen modus vivendi eine Atmosphäre des Hasses und des Vcrnichtungswillens den Juden gegenüber zu erzeugen. Und Leib Jaffe scharte um sich die Vertreter der polnischen Intelligenz, predigte die Grundlagen des Judentums, erzählte vom zionistischen Werk in Erez Israel, besprach jüdische Kulturwerko und trachtete, neue Freunde für Palästina auch unter den Niohtjuiden zu werben. Diese Tätigkeit war immer von Erfolg begleitet. Dieselbe ersprießliche Methode wandte Leib Jaffe auch bei den Nichtzionisten an und d,io wachsende Zahl der neuen Spenden für den Keren Hajessod, die Leib Jaffo zusammen mit dem Stabe seiner Mitarbeiter zustande brachte, stammte gerade aus den Kreisen, die unserer Bewegung bisher fernstanden. Der Dichter Leib Jaffe versteht es ausgezeichnet, auch die Sprache der Ziffern und der Statistik dort, wo es nottut, amzuwenden und auch die jüdischen Finanzkreiso heranzuziehen. Beim Abschiedsabend zu Ehren des Gastes fanden sich auch zum ersten Male jüdische Geldmensc.hen ein und einer von ihnen prägte ein neues Wort von jüdischen Finanz-Chaluzim. Nicht nur das Wort, sondern auch sein Sinn wird hoffentlich Schul« machen. Auch Schriftsteller, Historiker und Statistiker verstand Leib Jaffe für sein Werk zu gewinnen und schuf direkt eine Propagandasohule, die die Lehre des Meisters in fruchtbringende Taten umwandeln wird. Zum ersten Male nach vielen Jahren der inneren Parteizerwürfnisse innerhalb des polnischen Zionismus ist es Leib Jaffo gelungen, die Vertreter aller parteiischen Schattierungen zu einer gemeinsamen Arbeit zu vereinigen. Dieses Großtat wird noch bedeutende Folgen zeitigen und eine Sammlung aller Kräfte im Dienste des Zionismus vorbereiten. Wenn schon jetzt die Fragen einer gemeinsamen politischen Vertretung des polnischen .Judentums und die Vorbereitung des jüdischen Kongresses aktuell geworden sind, so ist das als Verdienst-der viel umfass^enden Tätigkeit Leib Jaffes zu werten. Zur Vollbringung all dieser Werke war eine ungeheure Energie und Beharrlichkeit notwendig. „Die Triebkraft“, erklärte Jaffe in seinem Schlußwort beim Abschiedsabend, an dem über 400 Personen teilge.nom.men haben, „waren einerseits die traurige Lage im Lande und anderseits die wenig erfreulichen Nachrichten aus Erez Israel. Und deshalb war es notwendig, alle Kräfte zusammenzunehmen, um gewisse Resultate zu zielen.“ Di ose Resultate „seien aber nichtig in Anbetracht der jüdisch en Tragödie und der allgemeinen Judenno t“. Es sei noch hervorgehoben, daß die Tätigkeit Jaffes in Polen von seinen ebenfalls aus Palästina entsandten Mitarbeitern Dr. N. M. Gelber und A. S. Juris mit viel Eifer und Erfolg ergänzt und unterstützt wurde. Dr. Arnold Fried mann. Die Wlrtschaftsstelle des Palästina*Amtes meldet: Die Levante-Messe In Tel-Aviv Die Bedeutung der letzten Tel-Aviver- Mesee war dank der überaus großen Beschickung sowohl durch die Randstaaten als auch durch die europäischen Wirtschaftsgebiete so groß, daß dieselbe als viertgrößte Messe der Welt seitens der Vereinigung der internationalen Messen bezeichnet wurde. Als Vorbereitung für die im heurigen Jahr vom 30. April bis 30. Mai tagende Messe wurde am 11. März unter Anwesenheit des Bürgermeister« Dizengoff eine Sitzung des vorbereitenden Komitees abgehalten, in welcher die außergewöhnliche Wichtigkeit der Levantomesso in Tel-Aviv betont wurde. Es wurdo auf dieser Tagung durch die maßgebenden Faktoren die Notwendigkeit festgestellt, möglichst alle Kreise der Industrie und Landwirtschaft heranzuziehen. Die Bedenken, die infolge der Kampfhandlungen in Abessinien geäußert wurden, wonach eine mögliche Verschiebung der diesmaligen Messe angezeigt wäre, wurden fast einmütig abgewiesen. Der Aufschwung in Palästina sowohl in der Landwirtschaft als auch in Handel und Industrie erfordert dio unbedingte Abhaltung der Messe, sogar in weit größerem Maße als ee bisher durchgeführt werden konnte. Da« Hauptgewicht wird auf die Landesprodukto gelegt worden, und die Landwirte sollen durch Prämiena/usschreibungen angespornt werden, sich entsprechend an der Messe zu beteiligen. Weiters wurde mit den Hoteliers ein Abkommen getroffen, um durch entsprechende Preisermäßigung speziell die Besucher der Nachbarländer zu gewinnen. In besonderem Maßo weiden an der Messe die Zweige der palästinensischen Landwirtschaft als auch des Siodlungswosens in allen seinen Formon hervorgehoben werden. Weiters wird der diesmaligen Messe eine Bauausstellung angegliedert, in welcher sowohl die Vorals auch Nachteile deß Bauwesens in Palästina demonstriert worden und ein Wettausschreiben für Architekten und Ingenieure veranstaltet werden, verbunden mit einer Architekton-Tagung, zu der besonders die ausländischen Vertreter eingeladen worden. Ebenso wie in den europäischen Messen werden diesmal auch im Rahmen der Levantemcsso Festspiele veranstaltet werden, in denen den Besuchern Leben und Aufbau Palästinas nahegobracht werden soll. Zu diesem Zwecke wird das Amphitheater in Tel-Aviv verschiedcntliche Vorstellungen geben. Dio Anmeldung für die Ausstellung seitens der ausländischen Staaten ißt dank der richtigen Propaganda eine außergewöhnlich großo, so daß diesmal bedeutend mehr Staaten alß bisher vertreten sein werden. Bei den Interc&Bentengruppen findet schon OcDlariom SPEZIAL-INSTITUT I. Annagass« 1 Bestimmung der richtigen Augengläser kostenlos. Leitung Augenarzt Dr» Poborski Brillen von 8 4*— aufwSrt*. CD CD jetzt die beabsichtigte Spezialausstellung für Schiffahrt und Flugwesen daß regste Interesse, dio größten internationalen Fluguin-d Schiffahrtsgesellschaften haben ihre Teilnahme angekündigt. Gleichzeitig wird dadurch die Aufmerksamkeit auf den Ausbau der Zml-Luftschiffahrt im Palästina gelenkt. Die Bedeutung der Levantemosse wird durch die Tatsache bewiesen, daß an der Tagung des vorbereitenden Komitees die Spitzen der politischen und wirtschaftlichen Behörden teilgenommen haben. Sämtliche Kreiße in Palästina sind sich dessen bewußt, daß die Levantemesse nicht nur größten Einfluß auf dio Entwicklung des ganzen Landes hat, sondern auch jedem einzelnen Aussteller entsprechende wirtschaftliche Vorteile zu bieten vermag. Daher ist es Aufgabe der außerhalb Palästinas bestehendön jüdischen Wirtschaftsfaktoren, für die Propagierung der palästinensischen Messe entsprechend Sorge zu tragen. PI. ÜUUqsI: Kcäutec erstklassige Drogen, Chemikalien, Seifen, Rum, Gewürze, Parfüme* rien, Verbandstoffe, Haushaltungs* artikel aller Art, Photoausarbeitung fgSana"-Drogerie (A. 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Set fatardjoltföen Slffeffiotten bet £ufttt>ege ftetS nur ffteblQuet Baron James Rothschild In Palästina Die hebräische Presse Palästinas begrüßt sehr warm den Präsidenten der Palestine Jewish Colonization Assoziation (PICA), Baron James de Rothschild, anläßlich seines jetzigen dritten Besuches in Palästina und hebt hervor, daß dieser Besuch mit wichtigen sozialen und kolonisatorischen Aufgaben, an denen der Jischuw, die PICA und die anderen jüdischen öffentlichen Institutionen interessiert sind, verbunden ist. Wie die JTA bereits gemeldet hat, wurde eine Verständigung zwischen der PICA und dem Keren Kajemeth hinsichtlich gewisser Bodenkäufe erzielt. Jetzt heißt es, daß aus Anlaß der Anwesenheit von Baron Rothschild ein engerer Kontakt zwischen der PICA und den zionistischen Institutionen im Sinne einer verstärkten kolonisatorischen Tätigkeit der PICA in Palästina geschaffen worden ist. Man hofft, daß Baron Rothschild die PICA aus ihrer bisherigen Passivität herausreißen und sie in den Dienst der großen kolonisatorischen und sozialen Aufgaben in Palästina stellen wird. Der Besuch James de Rothschilds steht auch in Zusammenhang mit der Überführung der sterblichen Reste seiner Eltern, Baron Edmond de Rothschild und Baronin Adelaide, nach Palästina. Cate Fürstenhof II., Praterstraße 25 Orangenfest in Palästina Dio Stadt Petach Tikwah bereitet anläßlich der nahen Beendigung der Orarigenernte zum ersten Male oin „Orangenfest“, verbunden mit einer Zitrusfrucht-Ausstellung, vor. Es wird geplaut, diesen Festbrauch bei den Juden in den verschiedenen Ländern einzufUhren,

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