Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 538 (6.4.1936)
- Date
- 1936-04-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« Z OIE SUMME Nr. 538 — 6. April 1988 alles inoinander, so wie das hübsche Lied am Ende von Schuld und Sühne es erzählt: Der Todesengel tötet den Metzger, der den Ochsen schlachtete, der das Wasser austrank, das das Feuer löschte, das den Stock verbrannte, der den Hund geprügelt, weil er die Katze biß, die das Lämmchen zerrissen ... Ostern in Kaltcntculgcbcn Z-itsemäße Fixarrangements der KurhBussr Kaltaniouigeban A. P, Chefarzt Prof. Dr. Alois Strasser. sarotl. Kuren und Diäten. Idealer Aufenthalt für Kranke und Er* holunsrsbedUrflige. Auskünfte: KaJtenieutgeben, Tel. 3, nachmittags Stadthüro: U 45-4-34 Epilog zur Unterhausdebatte Ein Leser schreibt uns: Die Debatte im Unterhaus über den Gesetzgebenden Rat hat die erfreuliche Tatsache gezeitigt, daß die Redner aller Parteien den jüdischen Standpunkt verteidigt haben, wonach die Einsetzung des Gesetzgebenden Rates ein Unrecht an den Juden und eine Verletzung des Mandates wäre. Für kontinentale Leser bedeutete die Unterbausdobatte auch aus einm anderen Grunde eine Überraschung. Im ehemaligen österreichischen Parlament zum Beispiel konnte man sicher sein, daß jede von chrietlichsozialcr Seite geäußerte Ansicht die Or.nosition der Sozialdemokraten her vor rief und umgekehrt. Es muß als typisch englisch bezeichnet werden, daß zum Beispiel ,.Manchester Guardian“, ein bekanntlich links gerichtetes Blatt, der Rede des Konservativen Winston Churchill lebhaften Beifall zollt. Weiters: „C h u r c h Time s“ (Kirchen- Times), das führende kirchliche Blatt Englands bekämpft mit den Argumenten der Zionisten den Gesetzgebenden Rat. Derratjres bat man in kontinentalen Parlamenten kaum jemals erlebt. Wo gab es eine Einigkeit, außer wenn es gegen die Juden ging? In England traten alle Parteien für die Juden ein. Gewiß, es wäre verfrüht zu frohlocken. Die Anständigkeit der Gesinnung aber, die in der Unterhausdebatte zum Ausdruck kam, hat sicher in allen jüdischen Kreisen Genugtuung hervorgenifen und dio Dankbarkeit von '•'17 Millionen Juden ist sicher keine quantitS negligeable. Cafe Franz-Josefs-Kai Wien, I., Franz-JosefS’Kai 45 wie alljährlich streng pJDS ‘W Unter Leitung des Herrn M. RAPPAPORT Die Zahl der Wahlberechtigten in Palästina London, 5. April. (JTA.) Im Unterhaus fragte Greech- Jones den Minister für die Kolonien, welcher Prozentsatz der Bevölkerung Palästinas, und zwar Araber, Juden und Sonstige, bei Wahlen zu Stadt- und Ortsräten wahlberechtigt sei. In einer schriftlichen Antwort gab Minister Thomas bekannt, daß 1934 die eingetragenen Wähler bei den Arabern 2.57% der arabischen Bevölkerung, bei den Juden 14.71% der jüdischen Bevölkerung ausmachten. Die Zahl der Wähler der übrigen Gemeinschaften sei sehr klein. In diesen Ziffern seien die Ortsräte des Norddistrikts nicht berücksichtigt, über die augenblicklich keine Informationen zu erlangen seien; der Prozentsatz würde aber durch die Berücksichtigung dieses Wählerteils keine wesentliche Änderung erfahren. In einer weiteren Anfrage verlangte Greech-Jones Auskunft darüber, ob durch die städtische Wahlordnung von 1934 die Zahl der Wähler gegenüber 1927 vergrößert oder verringert worden sei. Kolonienminister Thomas antwortete, die Zahl der Wahlberechtigten auf Grund der Municipal Corporations Ordinance vom Jahre 1934 sei erheblich größer als die Wählerzahl 1927, sowohl in den damals bestehenden Wahlkreisen, als auch für den früheren Ortswahlkreis Tel-Aviv. Die Wählerzahl betrug in Jerusalem 1927: 3276, 1934: 8602; in Jaffa 1927: 2766, 1934: 4859; in Haifa 1927: 4590, 1934: 8602; in Tel-Aviv 1927: 11.860, 1935: 25.070. In der Praxis hätte sich nirgends eine Verringerung der Wählerzahl gegenüber 1927 ergeben. Die Erfordernisse für das Wahlrecht bei städtischen Wahlen auf Grund der Verordnung von 1934 seien fast in allen Einzel heiten identisch mit denjenigen der früheren städtischen Wahlordnung von 1927 und der Wahlordnung für Tel-Aviv mit zwei kleinen Ausnahmen, die eino Veränderung, aber im Sinne einer Vergrößerung der Wähler zahl, erfahren hätten. Kolonien und Hakenkreuz In der Unterhaussitzung vom 1. April richtete Geoffrey Mander an den Außenminister Anthony Eden die Anfrage, ob es nicht ratsam wäre, bei etwaigen Verhandlungen mit der deutschen Regierung über Hitlers Vorschläge inderKolonialfrage der deutschen Regierung klarzu-j machen, daß, solange sie ihre eigenen Bürger aus politischen, religiösen und rassischen Gründen verfolgt, aller Wahrscheinlichkeit nach irgend ein Abkommen getroffen werden dürfte, demzufolge weitere menschliche \yesen der Kontrolle der deutschen Regierung entzogen werdensollten. Außenminister Eden erinnerte Mr. Mander an die Antwort des Premierministers an Colonel Wedgwood in der Unterhaussitzung vom 18. März, in der versichert wurde, daß kein britisches Territorium und kein britischem Protektorat oder Mandat unterstehendes Territorium aus britischer Souveränität oder Autorität übertragen werden würde, ohne daß die Interessen aller Bevölkerungsteile in dem betreffenden Territorium im vollsten Maße Berücksichtigung finden. Diese Erklärung hat in allen politischen Kreisen großes Aufsehen erregt. Bisher hat England immer betont, daß Irgend eine; Diskussion über Abtretung britischen Gebietes oder Mandatslandes ausgeschlossen ist. England scheint diesen Grundsatz aufgegeben zu haben. Es dürfte geneigt sein, den Deut-! sehen das Gebiet von Tankanika, das unter britischem Mandat steht, zurückzugeben. In einer geschlossenen Versammlung der konservativen Partei Ist dies von Lord Stanhope angedeutet worden. Damit wäre ein bedeutsames Präjudiz geschaffen. KIRJATH SCHMU EL (Erez Israel) itiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Landwirtschaftliche Mittelstandssiedlung fertig ausgerüstete Wirtschaften, direkt an der Asphalt-Chaussee, Elektrisches Licht, trockenes gesundes Klima, wassereich. - Verkauf von landwirtschaftlichen Böden und Bauparzellen in Stadt und Land. - Günstige Zahlungs-Bedingungen. SCHMUEL ZYSKIND POWEMBROWSKY, TEL-AVIV, Nadilath Benjamin Street 67, P.O.B. 818, Tel. 1608 Eduard VIII. empfängt jüdische Abordnung London, 6. April. (Z. T. A.) Der König von England empfing eine Abordnung britischer Juden im Buckingham-Palast, . die vom Präsidenten des Board of Qeputies of British Jewis, Neville L a s k i, geführt wurde, und aus dem Präsidenten der Anglo Jewish Association, Leonard M o n t e f i o * e, Sir Osanond d’Avigdor G o 1 d s m i d, Lady S p i e 1 m a n, Sir Isidore S a 1 m o n und Lionel de Rothschild bestand. Lionel de Rothschild verlas im Aufträge der Abordnung eine Huldigungsadresse an den König. König Eduard übergab der Deputation eine schriftliche Antwort, Ln der es unter anderem heißt: „Ich bin erfreut, Ihre loyale und ehrerbietige Adresse zu empfangen, die die Sympathie meiner jüdischen Untertanen in allen Teilen des Empire zu dem schmerzlichen Verlust zum Ausdruck bringt, den ich durch den Tod meines lieben Vaters erlitten habe. Ich danke Ihnen auch für Ihre Glückwünsche zu meiner Thronbesteigung und für Ihre Versicherung einer unveränderten Ergebenheit. Ich hoffe, daß Segen und Glück mir bei Bewahrung des Friedens und der Einheit und Wohlfahrt meines Volkes beistehen werden.“ Eine Ergebenheitsadresse der britischen Juden wurde auch an dio Königin-Witwe gerichtet, in der ebenfalls dio Anteilnahme der britischen f Juden zum Tode König Georgs versichert wird. Die Königin-Witwe hat durch ihren Privatsekretär in einem Dank- und Anerkennungsschreiben geantwortet. Arabische Führer nach London eingeladen Aus Jerusalem meldet die JTA.: Der High Commissloner Sir Arthur Wauchope empfing eine Delegation arabischer Partei- Änderung der Transferbestinamungen in Deutschl and Berlin, 6. April. Der Leiter der Reichs- Stelle für Devisenbewirtschaftung hat unter Aufhebung der bisherigen Erlässe eine Zusammenfassung der Devisenbestimmungen, die dio Auswanderung nach Palästina betreffen, vorgenommen. Die Transferierung von Auswandererguthaben nach Palästina ist dadurch möglich, daß deutsche Waren von dem dortigen Abnehmer ans diesem Auswanderungsgrithabon bezahlt worden, während dor von palästinensischen Käufern zu zahlende Devisenbetrag dem Auswanderer zugute kommt. Eventuelle Verluste, die bei diesem Verfahren entstehen, sind von dem Auswanderer selbst zu tragen. Mit Rücksicht auf dio beführer und übermittelte ihnen eine Einladung des Colonial Office, eine arabische Deputation, vojj sechs Mitgliedern nach Londoit zu . senden, um difcekte Verhandlung& im Züsanfmenhiang mit dem geplanten Legislative CounciJ zu führen. Der High Commissioner informierte weiterhin die arabischen Führer darüber, daß die Frage der Landverkäufe und Einwanderung ebenfalls Gegenstand der Unterhandlungen sein werde. Die arabischen Führer nahmen die Einladung an und baten, daß auch ein christlicher Araber die Delegation begleiten könne. Die arabische Abordnung wird in London in einigen Wochen erwartet Der Empfang der Araber hat nach einem längeren Interview Ben Gurions mit dem High Commissloner stattgefuiiden, bei dem die nachdrückliche Opposition der Juden gegen den Legislative Council besprochen wurde. Neuzeitliche Gaststätte (ehemalige Oggauer Woinhalle) Täglich ab 8 Uhr Öberösterreichische Bauernkapelle II., Praterstraße 50 Das Nebi-Musa-Fest Aus Jerusalem wird gemeldet: Anläßlich des bevorstehenden mohammedanischen Nebi-Musa-Festes, das in diesem Jahre mit dem christlichen und dem jüdischen Osterfest zusammenfällt, bestehen Befürchtungen wegen politischer Demonstrationen. Namentlich glaubt man, daß die arabische Jugendbewegung dieses Fest zu solchen Demonstrationen benutzen wird. Die Palästina-Regierung hat Vorkehrungen getroffen. Polizei und Militär befinden sich in Bereitschaft, um bei eventuellen Zwischenfällen sofort einzugreifen. schränkte Aufnahmefähigkeit des palästinensischen Marktes sind dio Transformögliohkeiten jedoch sehr begrenzto. Um diese begrenzte Möglichkeit der Auswanderung einer möglichst großen Anzahl jüdischer Auswanderer nutzbar zu machen, ist eine Herabsetzung der zum Transfer zuzulassende Höchstboträge erfolgt, Ausplünderung der Auswandernden. Durch oino geeignete Ausgestaltung des Genehmigung verfahren^ soll dazu beigetragen werden, dio Erfüllung der steuerlichen Verbindlichkeiten der jüdischen Auswan derer sichorzwstellon. Es handelt sich hier um eino Maßnahme zur Siehorstellung der sogenannten R o i c h s f 1 u c h t s t e u o r, die ein großes V e r m ö g e h s o pferfürden Auswanderer bedeutet. Die Mitnahme von Waren wird Auswanderern nur dann gestattet, wenn diese Waren für den eigenen Bedarf bestimmt sind. Für unsere Leser nur.:, er undlrixcrtdorf; f! laufendst Autb lm Lehrtaal U „DU Stimme!* erscheint mit einem neuen Kopf, womit eine wichtige technische Umgestaltung des Blattes abgeschlossen ist. Durch drucktechnische Maßnahmen, die für den Leser äußerlich unmerkbar blieben, haben wir es zuwege gebracht, den Inhalt des Blattes reichhaltiger zu gestalten, ihn sozusagen zu verdichten. Durchschnittlich bekommt der Leser jetzt in jeder Nummer 300 Zeilen, das sind zwei Artikel von mittlerem Umfang, mehr zu lesen als früher. Durch die Einführung eines neuen, kleineren Kopfes wurden weitere 60 bis 70 Zeilen in jeder Nummer fiftr den Text freigemacht. Wir hoffen, mit diesen Maßnahmen den Beifall unserer Leser gefunden zu haben. Die Änderung des ihnen vertraut gewordenen Kopfes mögen sie in Kauf nehmen für den Vorteil, den ihnen diese Neuerung bietet. Den neuen Kopf der „Stimme“ hat der jüdische Graphiker Franz Keisz gezeichnet, einer der begabtesten unserer jungen Künstler-Generation. Er ist ein Schüler MiUler-Hoffmanns und hat die Wiener Gewerbeschule absolviert. #• »Die Stimme« erscheint am Freitag wie gewöhnlich im normalen Umfang. Wegen der christlichen Feiertage, an denen die Druckerei nicht arbeitet, entfällt die Dienstag-Nummer der nächsten Woche. Internationale Levante- Messe Tel-Aviv Die österreichische Regierung hat sich entschlossen, an der diesmaligen Messe in Tel- Aviv, die vom 30. April bis 30. Mai stattfindet, offiziell teilzunehmen und die österreichische Abteilung wird ein repräsentatives Bild bieten. Unter der Ägide des Außenhandelsdienstes wurde von einem österreichischen Architekten die Verteilung und künstlerische Ausgestaltung1 der Kojen vorgenommen, so daß sich die österreichische Ausstellung diesmal würdig an die Beteiligung der anderen Staaten ansohließen wird. Eine besondere Attraktion der österreichischen Abteilung wird die Ausstellung der österreichischen Verkehrsworbung, Worbedienst des Bimdosministeriums für Handel und Verkehr und der Fremdenverkehrsstello der Stadt Wien sein. Die österreichische Abteilung wird offiziell von dem Herrn Generalkonsul in Jerusalem eröffnet worden. Aus Anlaß der Messe haben sämtliche Eisenbahnverwaltungon und Schifffahrtsgosellschaften Fahrpreisermäßigungen bis zu 50 Prozent gewährt, so daß mit einem starken Reiseverkehr zu rechnen ist. Auch bezüglich der Einreisebewilligung hat die palästinensische Regierung weitgehendstes Entgegenkommen bewiesen. Die Fahrpreisermäßigungen, sowie die andoron Bonifikationen im Lande selbst können mir auf Grund eines Messo-Ausweises in Anspruch genommen werden, welche bei der österreichisch-palästinensischen Wirtechafts- und Handelskammer, Wien, I., Schollinggasse 1, erhältlich sind. wie alljährlich auoh heuer zum Treffpunkt SEDER am 8. und 7. April unter Leitung des bekennten Oberkentors Zlmmersplt* Im Restaurant W. SPRITZER II. Hammor-Purgstall-Gaasa (1 Minute vom Ofanabad) Zur Verabreichung gelangen erstklassige Oeter-SpeilalitSton Ausschank von original Paiastine-Wemen zu zeltgemSOen Preisen. Tischbestellungen erbeten unter: A 48-8-42 Eine Monographie über Richard Beer-Hofmann Aus Anlaß des siebzigsten Geburtstages Richard Bcer-Hofmanns wird im Verlag Doktor Heinrich Glanz, Wien, unter dem Titel „Richard Be er- H of mann, Sinn und Gestalt“, die erste ausführliche Auseinandersetzung mit dem Lebenswerk dieses größten national jüdischen Dichters unserer Tage, von Dr, Alfred Werner, erscheinen. ,