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Die Stimme · 1936-04-03 · Heft 537 (3.4.1936) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 537 (3.4.1936)
Date
1936-04-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 887-8. April 1938 OIB ITIMMI (fclt« 7 gesendet. Drei von den Mitwirkenden haben seinerzeit auch in Wien gespielt, und zwar Miryam Ben-gavriel, Ben-schmuel und Mario Kranz. * Im Garten des österreichischen Hospizes Kurse Nadiriditen aus Eres Israel Ein Wohltäter hat eine große Summe Goldes gespendet, um in Jerusalem ein wür-i di^os Haus für das Oberrabbinat zu erbauen. I in Nazareth wurde durch den österreichi- Diese Spende ist doppelt zu begrüßen, da die I sehen Generalkonsul Dr. J o r d a zur Erbisherige Unterkunft dieser höchsten reliinnerung an den Kanzler Dollfuß ein giösen Behörde nichts weniger als würdig | Baum gepflanzt. Unter den Anwesenden be aussah. « Die Regierung gebt daran, die Hauptverkehrsstraße des Landes, die Straße von I Jerusalem nach Jaffa, stellenweise auf| dreißig Meter zu verbreitern. * Die Regierung Palästinas beschloß, sich an der syrischen Ausstellung, die in Kürze in Damaskus stattfinden wird, aus finanziellen Rücksichten nicht zu beteiligen. DerAusschuß zum Schutz der) heiligen Stätten in Bethlehem beschloß, das Organ des Mufti! von Jerusalem, „El Iiwa“, wegenj Ehrenbeleidigung zu klagen. * Die arabischen Bauern von Jenin sandten, dem Hochkommissär ein Telegramm, in dem sie baten, ihnen den Anbau von Tabak zu| gestatten. fanden sich viele Österreicher und der Vertreter der ' österreichisch-palästinensischen Handelskammer in Tel-Aviv. * Die Irak Petrol Co. baute bisnun in Haifa 30 Ölmagazine im Ausmaß von 60:40:16 Meter. In kurzem wird man mit der Errichtung von drei neuen Magazinen und einer eigenen Petroleumraffinerie beginnen. Von den bis jetzt im Irak geförderten 2,550.000 Tonnen Erdöl gelangten 224 Millionen durch die Wüsfcenrohrleitung nach Haifa und nach Tripoli. * Der Hochkommissär verbot für die nach sten drei Monate die Einfuhr von Gerste nach Palästina, da sich genügend große Mengen von Gerste im Land befinden. * Wie „Ad-difa“ meldet, sucht die Polize im Gebiet von Sichern eine neue Mörder gesellschaft. Cate-Restaurant „Fetzer“ an der Schwedenbrikke Der gute Kaffee, die vorzügliche Küche Das Erlebnis des Antisemitismus Es wird häufig versucht, die verschiedenen Eigenheiten unseres Rassencharakters mit In Sebchem, dessen Stadtrat vor kurzem I der eigenartigen Stellung unseres Volkes in beschloß, die elektrische Beleuchtung der I der Geschichte zu erklären. So stellen sich Straßen einzuführen, liegt ein Memorandum iü Eigen8chatten „jM zur Unterschrift auf, in dem gegen die Ern-I ® t- „ ... führung des elektrischen Lichtes protestiert deö dar’ .,e _ , wird, weil es der Stadt schade! Juden durch dle Jahrhunderte um ihre Exi * I stenz führen mußten, andere, negative Eine neue Regierungsstatistik läßt er- Eigenschaften wieder entschuldigen wir als kennen, daß der Bestand an Automobilen in I ein Vermächtnis des Ghetto«. Hingegen den letzten Jahren sich außerordentlich verscheint es an Untersuchungen zu fehlen, die größerte. Im Jahre 1933 .gab. es nur 60071 einen Zusammenhang zwischen dem indivi- *öi/i^ruar^’ duellen jüdischen Erlebnis und der Oha- 10.189, während im Jahre 1935 bereits1 J 11.879 Fahrzeuge gezählt wurden, von denen 4682 im Privatbesitz waren, während Palestine - Shipping - Co Haifa Zur Lsvanto-Meeso mit Luxusdampfer 99 Tel-Aviv“ 20% Rabatt Aaakft&ft« and Anm«ldangen> „Universal", Wien, I., KBrntnerrlng Nr. 3 und in allen Reisebüros der Rest sich folgendermaßen verteilte: 1087 Taxi, 1251 (!) Autobusse, 2955 Last-| autos und 1724 Motorräder. * Innerhalb des palästinensischen Mandats rakterentwioklung de« Einzelnen herstellen und doch ißt es klar, daß das Erlebnis Jude zu sein, welches an keinem von uns vorübergeht, entscheidenden Einfluß auf die Entfaltung unserer Persönlichkeit haben und mit dazu beitragen muß, uns von allen, die dieses Erlebnis nicht haben, neuerdings zu unterscheiden. Die folgende Untersuchung nun stellt sich die Aufgabe, ohne das Rüstzeug wissenschaftlicher Methode einen vorläufigen Lösungsversuch für einen klei nen Ausschnitt aus diesem Problemgebiet zu unternehmen: sie will zeigen, in welcher Weise das Erlebnis des Judeseins an den westlichen, assimilierten Juden herantritt und welches die psychischen Folgen dieses Erlebnisses sein können. Das jüdische Kind der assimilierten Kreise weiß für gewöhnlich nichts von seiner gebietes &ind den letzten . Tagen g e-1 Volks- und Rassen Zugehörigkeit Abgesehen Z ü * l.JF.5“ Pc£ 6 1“ htl ® U “ I ^on, daß ihm der Begriff dm Rasse oder zu beobachten. So liefen in Haifa wieder. , .. .. , DDri . . einige Kriegsschiffe ein, so daß der Gesamt-1 f6? Vo ke8. vwechlMsen ist, weil es no bestand nun vierzehn beträgt. Zwischen Ikeane ^reichende Fähigkeit der Subsumie- Bath galim und Haifa, wie auch zwischen | rung .haben kann, um sein Persönlichkeits- Haifa und Akko werden neuankommende britische Truppen stationiert, während ein) anderer Teil — der arabischen Presse zufolge — nach Akabah abgeht Caf6 Fürstenhof 11*1 Praterstraße 25 Die Histadruth teilt mit, daß in einer I Reihe von jüdischen Dörfern ein ausgespro-1 gefüihl auf andere, gleichgeartete Persön ebener Mangel von jüdischen Arbeitern I liohkeiten aiuszudehnen, fehlt ihm auch fühlbar wird. | jede seiner Altersstufe bereits zugäng _. , _ , lieh« Grundlage für das Erlebnis der , 5,10 starken Regengüsse der letzten Tage I Zugehörigkeit zu einer solchen Gemeinschaft: dürften emen starfcen Einfluß auf die Ge- “» , ErfaJl der jüdi6Chen Tradistaltung der Ernte m diesem Jahr haben. |n Wenn auch die Gerste durch di« lange t10“-^;**>“ als0,de'’ «eseUoMenen Gemein. Trockenheit stark in Mitleidenschaft gezogen I sekaft der Umwelt ohne den Rückhalt einer ist, dürfte die Weizenernte besser ausfallen anderen Gemeinschaft entgegen und wenn als im vorigen Jahr. Man schätzt den Weizen-1 es in den ersten Schultagen, sei es auch nur ertrag in diesem Jahr auf 110.000 bis 120.000 durch die Trennung in der Religionsstunde, Tonnen. I ©rfährt, daß es ,,anders“ ist, daß es nicht T , . . . _ . | dazu gehört, daß es ein Fremdkörper und d®r Strumpfexport I ausgeschlossen, wenn nicht gar ausgestoßen ans Palästina nach Syrien bedeutend ge- . . ® -ikJh-i,,» nvfov,™,™ «unken. Im Jahre 1930 war der Überschuß ist’ 60 fiudet 68 dies'9 des Stnimpfexportes über den Import aus I vollkommen ungewappnet. Mit welch naiver Syrien etwa 10.000 L’ay, 1933 sank er auf I Unbefangenheit das Kind den „anderen* 5000, 1934 auf 700, und in diesem Jahr ursprünglich gegenübensteht, mögen fol dürfte der Import bereits den Export übergende kleine, wahre Anekdoten aufweisen: .wiegen. | Ein Junge fragt bei der Heimkehr vom . ,, , . _ . , ersten Schultag: „Mutter, was ist das, Jude? Eine Anzahl gemeinnütziger Institutionen, jgt e,}n Schimpfwort?“ Dieser ganz *e viele Spenden an* dem Ausland durch k PaU Migt Khkl nicht einmal die Post empfangen, teilten der Postdirektion , 7* ’ in einem Brief mit, daß ihre Briefe seit einem de! Namen seiner VotogememschaJt kennt. Jahr systematisch bestohlen werden, und I ^WQl sechsjährige Mädchen streiten auf schlagen vor, daß auf ihre Kosten ein der Straße. Plötzlich ruft die eine als Aufsiohfcsbeamter angestellt werde, wenn die letztes Argument: ,,Du Jüdin!“ Darauf die Sache anders nicht zu beheben ist. I Antwort: „Du Christin!“ Hier sieht man, wie * I dieses jüdische Mädchen, das wohl schon Aus den drei deutschen Kolonien In Palä-1 g0|ne Religionszugehörigkeit kennt, noch stina gingen sechzig junge Leute wejß <jiaß judesein und Ohristsein nach Deutschland, um für eine gewisse Zeitig M man einen nuJP n 1 ’ 1 # mit dem Wort Jude beschimpfen kann, nicht Am 3. April hat der Sonder in Jerusalem al)er dem Wort Christ, das eiste heferäische Hörsfiiei Dieselbe Umvoretngenommenhedt zeigt der nachgeplapperte Ausruf eines von Schulkollegen gehänselten Mädchens: „Jud sein heißt gut sein!“ Dasselbe Mädchen verhielt sich schon ganz anders, als ihr ein Jahr darauf eine Mitschülerin auf dem Nach hauseweg sagte: „Du, ich mag die N. N nicht; sie ist eine Jüdin.“ Da erwiderte es nämlich: „Ich bin auch eine“ und ging auf die andere Straßenseite, damit bezeugend, daß es diese verletzende Erfahrung schon bis zur Überempfindlichkeit aufgenommen und zu einem tiefen Erlebnis verarbeitet hatte. Erfahrungen dieser Art bleiben wohl keinem jüdischen Kind erspart und führen zu jener typischen Einstellung, die in jedem Unbekannten den Feind wittern läßt, die dazu bringt, daß man sich von vornherein aus Angst vor solchen nicht zu erwidernden Angriffen zurückzieht und aus Stolz freiwillig absondert. Verschlossenheit, Mißtrauen, Kälte und scheinbare Arroganz können die Folge sein. Die Empfindung, „anders“ zu sein, macht vielleicht erst wirklich anders. Sie zwingt zum Nachdenken äber sich selbst: Was ist anders an mir? Sie legt die Wurzel oder befestigt die Neigung zur Grübelei, zur Selbstbeobachtung und zu jener qualvollen jüdischen Un fäbigkeit, von sich selbst loszukommen, der ewigen Spaltung in Handelndem und Zuschauern, die dem Charakter so verhängnisvoll ist. Sie macht jeden naiven Lebensgenuß unmöglich, untergräbt die Fähigkeit, sich einem Gefühl, einer Sache, einem Men sehen ganz hinziugeben und hemmt so nicht nur alle menschlichen Beziehungen, sondern auch die Entfaltung gesunder sinnlicher Lebensfreude. Wertvolle Glücks- und Leistungsmögliohkeiten gehen so zugrunde. Wurde bisher aufgezeigt, wie die abweisende Haltung von Kameraden sich auf den jüdischen Menschen auswirkt, so soll nun auch davon die Rede sein, wie die ,,andere“ Behandlung von seiten Vorgesetzter Per sonen sich auf die Psyche des Juden auswirkt. Auch dieses Erlebnis tritt in vielen Fällen schon zur Schulzeit ein, wenn man zum Beispiel vom Lehrer ungerecht beurteilt wird. Später handelt es isch um berufliche Hemmungen, Schwierigkeit in der Erlangung einer Stellung und Sehikanienrag durch Vorgesetzte. Der Charakter kann sich dazu auf drei Arten verhalten. Er kann mit „Überkompensation“ antworten. „Ich muß ihnen zeigen, daß ich mehr leisten kann, daß ich mehr bin!“ Verkrampfter Ehrgeiz, Unkollegiaiität, übersteigertes Selbstbewußtsein, Geringschätzung anderer, schließlich, wenn alles nichts hilft, Verbitterung und krankhafter Pessimismus können das Ergebnis sein. Es wurde schon in den einleitenden Sätzen darauf hingewiesen, daß gerade die Härte des Lebenskampfes auch positive, besonders vom Standpunkt der Rassenerhaltung wertvolle Eigenschaften züchtet. Auch können, liier wie bei allen anderen schlechten Erfahrungen, gerade durch sie die guten Eigenschaften zur Entfaltung gelangen. Aber bei einer durchschnittlichen Charakteranlage ist das Gefahrenmoment bedeutend größer als die Ausischt auf Veredlung, vor allem, weil dem Betroffenen an der Stelle der psychischen Verwundung die Widerstandskraft eines sicheren Selbstgefühles fehlt. Die zweite Art des Vorhalten« gegenüber der beruflichen Benachteiligung könnte man mit „Schomkompensation“ bezeichnen: Der Versuch, das ,,Anderssein“ zu verstecken, alle Mittel der Assimilation in Anwendung zu bringen, um die Mitwelt vergessen zu lassen, daß man Judo ist; oder das Bestreben, der Übervorteilung auf krummen Wegen durch Schwindel und Betrug zu entgehen. Beide Verhaltungsweißen müssen wieder mit einer Einbuße an Selbstachtung, mit der Verletzung des ungebrochenen Persönlichkeitegefühls verbunden sein und bergen die noch schwerere Gefahr moralischer Schädigung, da sie Feigheit, Verlogenheit und Heuchelei großziehen können. Die dritte Verhaltungsweise endlich ist der Defaitismus; das Versinken in verzweifelter, widerstandsloser Untätigkeit; Unselbständigkeit, die Neigung, sich auf andere zu verlassen, Schnorrertum, wieder verbunden mit einer Einbuße an Stolz und Selbstgefühl. Am wenigsten faßbar und doch zumindest nicht weniger schwerwiegend als diese beiden Erlebnisse des „Andersseins“ ist die ganz besondere Unsicherheit der materiellen und geistigen Existenz, wie sie die Juden heute, teils am eigenen Leib, teils miterlebend, in furchtbar gesteigertem Ausmaß erfahren. Der Jude hat gleichsam immer sein Ränzel gepackt. Seine Heimat ist immer ein Provisorium. Wo er heute wohnt, von dort kann er morgen vertrieben sein, was er heute liebt, kann er morgen verlassen müssen, was er heute besitzt, kann ihm morgen genommen werden. Wie könnte er sich unter solchen Bedingungen irgendwo fest verankert fühlen? Vielleicht macht das seinen Geist beweglich, sein Urteilsvermöglen klar, seine Weltanschauung frei. Aber es verleiht seinem Wesen eine gesteigerte Nervosität, eine tiefe Unrast und birgt die Gefahr in sich, ihn schwankend und wankelmütig, unzuverlässig, launenhaft und undiszipliniert zu machen. Es mag sein, daß hier zu viel bei den Schattenseiten des jüdischen Erlebnisses verweilt wurde. Doch wurde hiemit, wie mir scheint, bewiesen, daß der westliche, assimilierte Jude sich kaum zu einer harmonischen, selbstbewußten, den Dingen der Welt und den menschlichen Beziehungen aufgeschlossenen, lebens- und leistungsfreudigen Persönlichkeit entwickeln kann. Er kann ee nicht, weil er das Judentum nur in seiner negativen Form, als Antisemitismus erlebt. Gibt man ihm aber von vornherein das Bewußtsein, nicht allein „anders“ zu sein, son- SCHIFFSKARTEN für alle Linien nach PALÄSTINA ÄGYPTEN .md AMERIKA su günstigsten Bedingungen durch Reisebüro „Universal“ (Überseeabteilung, Leitg. I. Ginsburg), I. Kärntnerring 3.Tel.R20-4-51 dem einer großen Gemeinschaft der „Anderen“ anzugehören, einer Gemeinschaft, die man lieben, auf die man stolz sein, bei der man sich geborgen fühlen kann, so wird nicht nur jene Einbuße an Selbstgefühl, Kraft und Lebensfreude herabgemindert, sondern auch noch das fruchtbare Erlebnis bewußten Zugehörigkeitsgefühls binzugefügt. Kommt das Kind aus einem traditionsgebundenen Milieu in die Schule, so setzt es dem Spott. die weihevolle Würde der jüdischen Tradition seines Hauses entgegen, geht es gar in eine jüdische Schule, so kann ihm jener erste Zusammenstoß mit dem Antisemitismus bis zu einer Zeit erspart bleiben, wo sein Gemeinschaftsgefühl schon stark genug ist, in der Eingliederung in die nicht so sichtbare, weil nicht durch staatiche Macht organisierte Gemeinschaft der Galuthjudensohaft einen Rückhalt zu finden. Die psychischen Folgen der beruflichen Übervorteilung, vor allem aber die der Unsicherheit und Heimatlosigkeit, finden ein Heilmittel in dem Bewußtsein, in Erez Israel eine Heimat zu besitzen. Das kann sich auf den Charakter auch dann noch günstig auswirkon, wenn die Möglichkeit, von dieser Heimat Besitz zu ergreifen, nicht für die eigene Person realisiert wird. Vollkommen ausgeschaltet aber können auch dadurch die Schäden des negativen jüdischen Erlebnisses nicht sein. Solange man dem Antisemitismus begegnet, muß die Persönlichkeit darunter leiden. Eine restlose Lösung dieser Frage ist n der Galuth nicht möglich. Käftfi Dichtenstem.

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