Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 537 (3.4.1936)
- Date
- 1936-04-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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8#tt# 4 DR tttMMI Nr. 587 — 8. April 1908 Die jüdisdte Volkssdiule I>ie Jüdisch« Schule in der Castellezgasse hat noch keine Tradition und keine Routine, denn sie besteht erst seit Beginn des laufenden Schuljahres und hat nur ein Klasse. Es äst eine ganz spezielle Aufgabe und eine Auffabe mit wenig Vorbildern, die sie zu lösen atte. Wer einigen Unterrichtsstunden in dieser Anstalt beigewohnt hat, kann sich aber davon überzeugen, daß hier das Problem des Unterrichtes für das jüdische Kind bereits im Jahre des Experiments bewältigt (Worden ist. Das jüdische Kind hat alles zu lernen, was In den Rahmen der gewöhnlichen Volksschule gehört^ es hat aber gleichzeitig eine jüdische Erziehung zu erhalten. Dieses „aber“ ist eigentlich nicht am Platz, denn ein sachlicher Gegensatz besteht nicht. Wir haben es nur darum gebraucht, well noch immer in ziemlich weiten jüdischen Kreisen ein solcher Begriff von einem Gegensatz zwischen allgemeiner und jüdischer Er Ziehung vorherrscht. Es werden die Kinder jeder Nation in allen Dingen des allgemeinen Wissens unterrichtet und doch gleichzeitig national erzogen, es ist der ganze Unterricht schließlich national pointiert. Warum sollte das in einer jüdischen Schule nicht möglich sein? Es ist möglich und es ist in der Schule in der Castellezgasse ideal durchgeführt. Die eine Seite des Unterrichtes, die religiöse, und auch der Unterricht in der hebräischen Sprache, also das, was von vornherein nur jüdisch an der Schule ist, braucht nicht erst nervorgehoben zu werden. Es ißt selbstverständlich, daß diese Disziplinen mit aller In tensität gepflegt werden. Die Anzahl der Unterrichtsstunden wurde mit Rücksicht auf diese Fächer gegenüber der Stundenzahl in den allgemeinen Volksschulen von 19 auf 22 pro Woche erhöht Es wird um eine .Stunde mehr Religion unterrichtet und dazu kommen zwei Stunden fü hebräische Sprache. Im allgemeinen Unterricht aber hat der Lehrer soviel Gelegenheiten, wie er nur will um die Kinder in der Weise jüdisch zu er ziehen, daß der Unterricht dabei doch ganz allgemein bleibt Ein ganz einfaches Beispiel von heute: Wir sind im Monat April und wir sind in der Woche vor Pessach. Den Kindern wird zunächst einmal alles Lustige Im Zusammen hang mit dem 1. April erzählt, dann wird die Rolle des April in der Gestaltung des Wetters auseinandergesetzt, sie werden darauf hingewiesen, daß es der vierte Monat im Jahr ist und in diesem Zusammenhang Die luden Wiens u. der Provinz sind zur Überzeugung gelangt, daß die Sensation des Pessacllffestes die weltberühmten MAZZOTH der Fester Israel. Kultussemeinde find, unerreicht an Qualität und Geschmack. Nach einem Versuch 'kauft jeder die gute Pester-Qualität-Mazzoth, in dünne und (runde) dicke, sowie Mazze-Grleß, Farvel und Mazze-Mehl In allen einschlägigen Geschäften erhältlich Alleinvertretung I ^5 Kl A 7 C D S T II* Haidgasse 9 lür Oesterreich : ® na O I T«lonhnn A Lebensmlttelhandlung Telephon Ä 49-3-84 Wir erhalten folgendo Zuschrift: An alle Zionisten! Ich habe heute mit der Post die „Jüdische Front“, das Blatt des Bundes jüdischer Frontsoldaten Österreichs, erhalten und mit einiger Verwunderung von einem beilgelegten Bogen Kenntnis genommen, auf dem die Verzeichnung der in dem betreffenden Haue wohnenden jüdischen Parteien erbeten wird. Der Text spricht davon, daß der Einsatz aller Kräfte notwendig sei. Es wird aber nicht angegeben, welchem Zweck das Verzeichnis dienen soll. Solange dies nicht aufgeklärt ist, wird es gut sein, daß die Zionisten die Bogen zurückhalten. —sy RAPPAPORT'S GRAND CAFE NATIONAL II., TABORSTRASSE 18 Sep. Abteilung; Streng noB bv 1V9 wird neuerlich von der Einteilung des Jahres überhaupt gesprochen. Dann kommt die Frage: Und welches jüdische Fest fällt diesmal in den Monat April? Das haben die Kinder natürlich alle schon erwartet und ßle er zählen auch gleich von den Vorbereitungen, die im Elternhaus zum Fest vor sich gehen. Es herrscht große Begeisterung unter den Kleinen. Jeder will erzählen, wie die Mutter die Wohnung in Ordnung bringt und wie alles weitere sein wird. Das Pessach- F e s t ist augenblicklich auch das Thema des Unterrichtes im Schreiben und in der deutschen Sprache. Andauernd hat man Gelegenheit, festzustellen, wie sehr Oberlehrer J e 11 i n e k darauf bedacht ist, die beiden Ziele der Schule miteinander zu verbinden. Mit großer Sorgfalt wird auf das Sprechen der Kinder geachtet. Ela ist erstaunlich, welche Fortschritte sie in der kurzen Zeit seit Beginn dee Schuljahres gemacht haben. Viele von ihnen haben zu Hause nur jiddisch gehört oder ein vom Jiddischen stark durchsetztes Deutsch. Heute sprechen sie alle korrekt. Auch einer der Jungen, in dessen Elternhaus nur Hebräisch gesprochen wird, hat tadellos Deutsch erlernt. Das Lehrziel der 1. Klasse ist eigentlich schon voll erreicht. Die Kinder schreiben fließend und beherrschen den einfachen Sprachschatz ihrer Klasse auch orthographisch. Sie schreiben nach Diktat, was noch gar nicht in den Lehrplan gehört. Besonders gut sind die Fortschritte der Kinder im Rechnen. Sie addieren und subtrahieren schon jetzt mit den Zahlen von 1 bis 20 und sind auch im Halbieren ganz flott. Besonders hervorzuheben ist der a u s g ezeichnete gesundheitliche Zustand der Kinder in dieser Schule. Die 'Absenzen sind minimal, sie erreichen selten 8 Prozent und steigen nur in Zeiten epidemischer Kinderkrankheiten bis auf 15 Prozent, Das ist »eit unter dem allgemeinem Durchschnitt. Oberlehrer Jellinek meint, das sei neben verschiedenen allgemeinen Umständen auch darauf zurückzuführen, daß der Unterricht erst um 9 Uhr beginnt. Die Kinder sind immer ausgeschlafen und ausgeruht und daher weniger anfällig. In der 1. Klasse sind jetzt 28 Kinder. Am Restaurant Schick, verem Italic! 2. Bezirk, Taborstr. 18 SEDERABENDE im Marmoriaal Tischreservierungen erbeten ersten Tag der Anmeldung für das nächste Schuljahr war schon ziemlich reger B such in der Kanzlei des Oberlehrers. Das Interesse der Juden Wiens an ihrer eigenen Schule wächst ständig, so daß man voraus sichtlich die 1. Klasse schon t e i 1 e n w i r " Der bisherige Erfolg der Schule hat an regend gewirkt und immer mehr jüdische Eltern entschließen sich, ihr Kind dorthin zu geben, wohin es gehört und wo es dem Druck entzogen ist, unter dem wir alle in der Schule gestanden sind, wo es sich frei zum selbstbewußten jüdischen Menschen ent faltet. Die Wirteehaftsstelle des Palästina'Amtes meldet: Das Gesundheitswesen In Palästina Durch die außergewöhnlich große Anzahl von Ärzten, die speziell in der letzten Zeit nach Palästina eingewandert sind, ist bekanntlich Ende vorigen Jahres eine Konzessionierung des Ärztestandes eingeführt worden. Das Gesundheitsamt (Health Departement) gibt die Anzahl der Ärzte zu Sommerbeginn mit 1300 jüdischen und 200 arabischen ah. Es ist den im letzten Jahre eingewanderten Ärzten oft sehr schwer geworden, in ihrem eigenen Berufe unterzukommen, da Steilen in de/ Pupath Cholian (Ar beiterkrankenkasse) und in den Spitälern schon seit längerer Zeit nicht ausgeschrieben wurden Denjenigen Ärzten, die in diesen Institutionen Unterkunft gefunden haben, geht es relativ gut, obwohl die Arbeitsbedingungen oft viel schwieriger sind als in Europa. Die Arbeiterkranken' kasse, die eine private Vereinigung da/stellt erfaßt derzeit schon fast ein Viertel der gesam ten jüdischen Bevölkerung und zählt die stattliche Anzahl von 90.000 Mitgliedern. Der Min destsatz beträgt 10.170 UP pro Monat. Sie be sitzt zahlreiche Mobilien wie Häuser, eigene Polikliniken, Laboratorien, moderne Spitäler und Erholungsheime. Die ganztägig beschäftigten Ärzte, zweiund sechzig an der Zahl, haben eine achtstündige Arbeitszeit mit einem Gehalt von 24 LP, das sind zirka 650 Schilling pro Monait. Dieselben dürfen keine wie immer geartete Privatpraxis ausüben. Weiter« finden in der Kasse 108 Ärzte nur teilweise Beschäftigung, wobei die Entlohnung für eine halbtägige Arbeit 18*/io LP, das sind zirka 370 Sohüling be trägt. 60 Ärzte haben in den Hadassahspitälern Stellung gefunden, von diesen sind 32 als Spitalsärzte, 23 schulärzlich und für Säuglingspflege tätig. Diese erhalten eine Entlohnung von 22 bis 30 LP pro Monat, das sind 500 bis 800 Schilling, wobei sie jedoch weder Wohnung noch Kost in den Spitälern erhalten. Andere Ärzte wieder sind an den städtischen Spitälern in Tel-Aviv, Jerusalem, Haifa und in kleineren Sanatorien tätig. Dieselben erhalten freies Quartier, jedoch keine Verpflegung und beziehen hiefür ein Honorar von 6 bis 8 LP, das sind 130 bis 160 Schilling. In Jerusalem wie auch in Tel-Aviv arbeiten die Nathan* und Lina-Strauß-Geaundheite Zentren, Bathe Habriuth, die keine Kranken behandeln, sondern lediglich alle Auskünfte über Gesundheitsfragen erteilen. In den öffentlichen Krankenhäusern ist eine Gebühr von zirka 50 Piastern, das sind zirka 13)4 Schilling pro Tag zu bezahlen, während in den Privatkliniken fü/ die dritte Klasse zirka LP, für die zweite Klasse zirka 10 bi« lß LP und für die erste Klasse zirka 20 bis 25 LP für aoht Tage zu entrichten sind. Bei der Hadassah wird für EntbLndungskosten und Aufenthalt von zirka 8 Tagen eine Gebühr von zirka 3 LP, das sind 82 Schilling berechnet. Einen Ärztetarif gibt es in Palästina nioht, das Honorar für eine Konsultation in dor Sprechstunde beträgt bei praktischen Ärzten zirka 15 Piaster, das sind 4.50 Schilling, bei einem Facharzt zirka 20 bis 80 Piaster, das sind B.50 bis 8 ßchüling. Für Visiten werden zirka £Uster, dm sind 7 Schilling vom praktischen Arzt und zirka 50 Piaster, das sind 14 Schilling vom Facharzt berechnet. Die Unterstützung des Gesundheitswesens seitens der Regierung ist bisher noch nicht in dem Maße erfolgt, wie es für die Entwicklung Palästinas nötig wäre. Im Budget, das bekannt lieh außerordentlich aktiv ist, wurde bisnun für die nichtjüdische Bevölkerung in diesem Sinne wesentlich mehr getan, als für die jüdische doch ist zu hoffen, daß Telle des Überschusses die größtenteils aus jüdischer Hand stammen zur weiteren Schaffung moderner Spitaler und sonstiger sanitärer Institutionen Verwendun finden. PI A'so treffen wir nns bestimmt. an den im Sederabenden Restaurant A.Barschak Wien, II., Grolle Schiffgasae 3, Tel. A 46-4-39 (Inter Aufsldit Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Josef Babad Berühmt sind seine ungarischen Weine, Palästinaweine, Met, Slibowitz, Cognac von S 2'— per Liter aufw. — Besonders empfehlenswert : seine streng koschere Küche. riDS W ntitt Weizmann erhält eine Geldstrafe Jerusalem, 1. April (JTA.) Wegen Verletzung der palästinensischen Einwanderungsvorschriften hatte Dr. Chaim Weizmann ©ine Geldstrafe von einem Pfund zu erlegen. Dr. Weizmann hatte in London ein Touristenvisum für drei Monate erhalten. Er hatte jedoch diese Frist um wenige Tage überschritten. Als er in Haifa das Schiff besteigen wollte, um zu dringenden Beratungen nach London zu reisen, wurde er von den Hafenbeamten angehalten, die ihm erklärten, er habe sich illegal im Palästina aufgehalten und müsse daher nach dem Gesetz bestraft werden, das Gefängnis oder Geldstrafe versehe. In Anbetracht dessen, daß Weizmann „kein gewöhnlicher Tourist“ sei, gab man sich mit einer zufrieden. Geldstrafe von einem Pfund Diese Bestrafung des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation kann nur als Verhöhnung der Zionistischen Organisation aufgefaßt werden und charakterisiert so recht die Mentalität der Bürokratie in Palästina. Konferenz aller arabischen Länder? Aus Jerusalem meldet Palcor: Wie berichtet wird, planen die führenden arabischen Kreise, in Kürze in eineB der arabischen Länder eine arabische Gesamtkonforenz einzuberufen. Dio Konferenz soll sich nach diesen Nachrichten vor allem mit der Frage der Haltung der arabischen Länder im Falle des Ausbruchs eines neuen Weltkriege« befassen. Neu renoviert Restaurant „zum Braten" “IW3 streng orthodox -lüO Reichhaltige Menüs $ 1'30, 1*50 Sedcrabendc blUI„.< Ujgjflggjjjj ||f# 2 Anmeldungen; Die Anleihe der Stadt Tel-Aviv Aus Tel-Aviv wird der JTA. gemeldet: Aus der großen Anleihe, die die Stadt Tel- Aviv bei der Prudential Insurance Company aufgenommem hat, wurden bereits 425.000 Pfund der Stadtverwaltung übergeben. Der Restbetrag soll später ausgezahlt werden. Die Anleihe beträgt insgesamt eine Million Pfund. wie alljährlich auch heuer zum Treffpunkt SEDER am 6« und 7. April unter Leitung des bekannten Oborkantor« 2lmmerspltz im “hp 3 - Restaurant W. SPRITZER II. Hammar-Purgstall-Gasse (t Minute vom Dianabad) Zur Varabrelohung gelangen eratklassfge Oster-Spezialitäten Ausschank von original Palästina-Weinen zu zeitgemäBen Preisen. Tlsehbestellungen erbeten unter: A 45-5-42 Wir erhalten die folgende Zuschrift: Wien, 30. März. Im Namen meiner Mandantin, der Oesterreichischen Journal-ActienGesellschaft als der Eigentümerin und Herausgeberin der Zeitung „Neue Freie Presse“, fordere ich Sie auf, im Sinne des Paragraphen 23 des Preßgesetzes (in der Fassung der Preßgesetznoveile vom Jahre 1934), folgende Entgegnung ohne Einschaltungen und Weglassungen zu veröffentlichen, und zwar in der ersten oder zweiten nach ihrem Einlangen erscheinenden Nummer in demselben Teile der Zeitung und in der gleichen Schrift wie die ursprüngliche Mitteilung: Zwei Ausgaben der „Neuen Freien Presse" Sie schreiben in Nr. 535 der Zeitung „Die Stimme“ vom 27. März 1936: hat die ,Neu© Freie Presse4 eine zweite Ausgabe gemacht, in der der Bericht über den Sieg der Juden verschwunden und durch eine Nachricht über die Fußballmeisterschaft in Wien ersetzt ist. Es gibt also ein© österreichische und eine für Deutschland bestimmte Ausgabe der ,Neuen Freien Presse4.“ Diese Mitteilungen sind unwahr. Wahr ist, daß es nicht eine österreichische und eine für Deutschland bestimmte Ausgabe der „Nonen Freien Presse“ gibt, sondern daß die Ausgaben der „Neuen Freien Presse“ ohne Unterschied des Bestimmungslandes gleichlautend horgesteilt und versendet werden. Sie schreiben ferner: „Die österreichische ist für die israelitischen Bezieher berechnet.. Für das Dritte Reich arbeitet ©ine sorgliche Redaktion, indem sie einen jüdischen Sportsieg verschweigt.“ Auch diiese Mitteilungen sind unwahr. Wahr ist, daß die Nachricht von dem Sieg der österreichischen Mannschaft in den Weltmeisterschaften im Tisch-Tenniis am 12. März 1936 erst um 1 Uhr mittags in Wien einlangte und daß — ebenso wie bei allen anderen Wiener Tageszeitungen — auch bei der „Neuen Freien Presse“ der Druck des Abendblattes unterbrochen wurde, um diese Nachricht in dem noch nicht fertiggestellten Teil der Ausgabe aufzunelunon. Wahr ist, daß gerade jene Exemplare, in denen di© verspätet eingetroffene Nachricht enthalten war, nach Deutschland vorsendet wurden. Wahr ist endlich, daß die Teilnohm©r an den Kämpfen um die Weltmeisterschaften im Tisch Tennis und ihre Leistungen im Abendblatt der „Neuen Freien Presse“ vom 20. März 1936 ausführlich gewürdigt wurden. Hochachtungsvoll Pr. Josef Herbert Fürth,