Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 537 (3.4.1936)
- Date
- 1936-04-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sfc 887 — a April 1098 DII SflMMI U\f 9 v Der Antisemitismus in Rumänien Von Dr. Manfred Reifer In den letzten Monaten hait die antisemitische Bewegung in Rumänien stark an Boden gewonnen. Die antisemitischen Parteien, die früher getrennt zn marschieren pflegten rund sich gegenseitig bekämpftem, haben eine einheitliche Front geschaffen und bilden nunmehr einen Machtfaktor in der Politik des Landes, Der alte Antisemitenführer Rumäniens, A. C. 0 u z a, hat eich mit der Partei des poeta laureatus, Octaviam G o g a, vereinigt, .hat die akademische Jugend in «einen Bann gezogen und bildet d i e rech tsextreme Partei Rumäniens. Daneben gibt es auch eine antisemitische Partei unter Führung des gewesenen Premiers Vaida V o ev o d, in der nicht weniger als elf gieweseme Minister sitzen, .und die ihren Kampf unter der Parole „Rumänien den Rumän e n“ führt. Der Vollständigkeit halber soll noch die rechts orientierte Partei der Codreanisten erwähnt werden, welche heute unter Führung des Generals Cantacuzino- Graniceri steht und auf ihre Fahne „totul pentru patria“ (alles für das Vaterland) geschrieben hat. Diese reohts-extremistisehen Parteien zu negieren oder ihre Bedeutung verkleinern zu wollen, hieße Vogelstraußpolitik treiben. In manchen Provinzen Rumäniens verfügen sie über große Kaders und werden bei Wahlen ausschlaggebend sein.. Zehn Milliarden Lei aus Deutschland In ihrem Dienst steht eine große Presse, die einen stark antisemitischen Charakter hat und aus Deutschland ihre geistige Nahrung bezieht. Diese Presse erscheint in zehntausenden Exemplaren und wird nicht nur von der rumänischen Universitätsjugend gelesen, sondern auch unter der Masse der bäuerlichen Bevölkerung verteilt. Presse wird in den letzten Monaten ein wütender Kampf gegen die Juden geführt. Die Regierung, die sonst ziemlich scharf die Zensur handhabt, läßt der rechts-extremistisohen Presse freien Lauf und unternimmt nichts, um die jüdische Bevölkerung gegen diese Angriffe und gegen ihre Diffamierung zu schütten. Die Numerus olausus-Bewegtung hat sich seinerzeit bei den Wahlen ins Bukarester Advokatenbarrean in der Weise manifestiert, daß ein Jude nicht einmal auf der Liste der Opposition ins Barrea« kanditieren könnte und daß den jüdischen Advokaten durch den ungeheuerlichen Terror, der am Wahltag ausgeübt wurde, die Möglichkeit genommen war, die demokratische Liste zu unterstützen. Es kam zu offenen Gewalttäti gk eiten gegen die jüdische Bevölkerung, die tagelang anhielten. Die Regierung griff erst dann ein, als das Werk der Rechts-Extremisten vollendet war. Exzesse an den Hochschulen Aber auch an den Universitäten kam es zu Ausschreitungen. Die jüdischen Studenten wurden des öfteren überfallen und mißhandelt, trotzdem der Numerus clausus, ja sogar der Numerus nullus, vorherrscht. Im ersten Jahrgang der medizinischen Fakultät in Bukarest gibt es im ganzen fünf jüdische Studenten, und auch diese wurden aus den Vorlesungen „herausgeprügelt“. Dieser Kampf griff auch auf das Wirtschaftsleben über, wo man teils auf gesetzlichem, teils auf ungesetzlichem Wege, den jüdischen Einfluß zu beseitigen sucht. Gerade in dieser Hochkonjunktur der antisemitischen Bewegung wurde die sogenannte Cagero-Affäre aufgedeckt, einer Rätsel-Wettbewerb der „STIMME" In unserer Pessach-Nummer erscheint das erste Rätsel unseres großen Wettbewerbs. Wir verraten heute zunächst einmal den ersten Preis: EINE FREIFAHRT VON TRIEST NACH HAIFA UND ZURÜCK! Es gibt dann noch andere Reisepreise und andere angenehme Gewinne. Wir teilen sie genau demnächst mit. An dem Wettbewerb nehmen alle Abonnenten der „Stimme“ teil. Mit den Lösungen wird gleichzeitig der Nachweis eines ordentlichen Abonnements von wenigstens sechs Monaten einzureichen sein. Wer etwa seine Abonnementbestätigung nicht zur Hand hat, dessen Abonnement kann in unserer Kartothek festgestellt werden. Sie werden zwanzig Rätsel zu lösen haben. Jedes Rätsel ergibt ein Wort, und alle Wörter zusammen einen Satz, der programmatisch ist für die zionistische Bewegung. Es gibt selbstverständlich keine „teilweise“ richtigen Lösungen. Man muß den ganzen Satz ermittelt haben, erst dann kommt man in die endgültige Konkurrenz, die durch Verlosung vor sich geht- Über die Zuteilung der Preise entscheidet die Redaktion der „Stimme“ unter Ausschluß des Rechtsweges. Programme beibehalten dürfen. Diese Tat ist entschieden zu begrüßen, da in dieser Zeit der Not es nur eine jüdische oberste Vertretungskörpersohaft geben darf. Aber auch ein zweiter Schritt wurde — leider erst unter dem Drucke der äußeren Verhältnisse — in den letzten Wochen unternommen: die Schaffung eines jüdischen Gemeindeverbandes Groß-Rumäniens. Bei einer kürzlich stattgefundenen Tagung in Bukarest wurde der Beschluß gefaßt, den jüdi- Persönlichkeiten im rumänischen öffentlichen Leben verfügt, bildet die Säule der Demokratie dieses Landes. Aber auch außenpalj* tische Erwägungen spielen da eine große Rolle. Rumänien, dessen Außenpolitik $n den Händen eines der fähigsten europäischen Staatsmänner liegt, tendiert nacht Frankreich. Der rumänische Außenminister Nicolae T i t u 1 e s c u, die Seele der Kleinen Entente, der Schöpfer des Balkanbun* des, der Mann, der die Verständigung zwfc* Garantiert Kunerol ist vollständig reines Fett Cius Kokosnüssen, es isf nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. 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Trotz dieser Liebedienerei wurden gerade jüngst die letzten deutschen V olkssehulengeschlossen und man verfügte, daß sogar der katholische und protestantische Religionsunterricht von den deutschen Pfarrern in rumänischer Sprache erteilt werden müsse. Daß die ukrainische Bevölkerung den Aposteln des Cuzismus verfallen ist, ist um so weniger zu verstehen, als gerade die Ukrainer auf dem Gebiete ihres nationalen Schulwesens bereits längst alles verloren haben. Die Mitschuld der Regierung1 Dieses starke Anwachsen der antisemitischen Bewegung ist nicht zuletzt der gegenwärtigen . liberalen Regierung zuzuschreiben, welche die antisemitischen Parteien im Kampfe gegen die Demokratische Bauernpartei unter Führung Jon Mihalaches und Dr. L u p u s ausspielt. Trotz Belagerungszustandes und Pressezensur haben die rechtis-extremistischen Parteien große Demonstrationen veranstaltet und bei den Ergänzungswahlen in® Parlament in den Bezirken Suceava, Mehedinti und Hunedioara einen Terror entfaltet, der ohne Beispiel in der Geschichte des rumänischen Wahlkampfes dasteht. Sie hatten besondere Ermäßigungen auf den rumänischen Bahnen unid konzentrierten ihre Massen in den einzelnen Wahlbezirken, wo es zu förmlichen Wahlsehlachten zwischen den Anhängern der Diktatur und der Demokratie kam. Die Regierung griff erst dann eiin, als die Bewegung soweit ausgeartet war, daß man den gewesenen Minister Prof. S a u c i u c - S aveanu bei der Wahlkampagne gefangen nahm und ihn nach Suceava entführte, wo er vom berüchtigten antisemitischen Abgeordneten R o b u förmlich gefangen gehalten wurde. In der Kammer betreiben die cuzistischen Abgeordneten von der Parilamentetnibüne aus eine stark antisemitische Propaganda, ohne daß ihnen von jüdischer Seite entgegengetreten wurde. Wohl sitzen zwei Juden von Regierungsgnaden (Michelsohn und S m u c k) im Parlament, allem sie sind g t u m m und haben noch nie das Wort für die Juden ergriffen, Aber auch du der Gesellschaft, an deren Spitze der Jude Eugen Groß stand, und die den Staat durch verschiedene Devisenmachinationen um Millionen geschädigt hat. Der Jude Groß, mit dem, sich die jüdische Öffentlichkeit niemals solidarisiert hat, und der niemals im jüdischen Leben irgendwie hervortrat, gab Anlaß zu neuer antisemitischer Hetze, wiewohl an den Geschäften des Groß führende rumänische und deutsche Nazi-Persönlichkeiten beteiligt waren. Der Präsident der Gesellschaft war das Mitglied der liberalen Partei und gewesene Präsident des Senates, Senator Leonte M o 1 d o v a n. Zentralrat und Gemeindeverband Angesichts dieser die ganze Judensohaft Rumäniens bedrohenden Bewegung haben die jüdischen Parteien sich nun zu einer Partei geeinigt. Die Jüdische Reichspartei und die Union der Rumänischen Juden schufen aus ihrer Mitth einen Zentralrat, der als oberste jüdische Repräsentanz anzusehen ist. Diesem Zentralrat wurde die politische Führung der Judenschaft des Landes übertragen, unbeschadet dessen, daß die beddon Partetea noch weiter ihre taeGodaraai sehen Gemeindeverband ins Leben zu rufen. In der Tat fanden in den angeschlossenen Provinzen Rumäniens Konferenzen der Kultusgemeinden statt, welche ein gemeinsames Programm akzeptierten und ihre Delegierten in den Obersten Rat des Jüdischen Gemeiindeverfoanides Rumäniens entsandten. Wiederkehr der Demokraten? Im allgemeinen sieht es sehr düster am politischen Horizont der Juden aus. Immerhin besteht jedoch die Hoffnung, daß es in Rumänien zu einer Regierung der äußersten Rechten nicht kommen wird. Das, was in Deutschland geschehen ist, dazu kann und wird es in Rumänien wohl niemals kommen. Die Ursachen hiefiir liegen klar zutage. Zunächst ist es die Krone, welche die Gleichberechtigung aller Bürger Rumäniens garantiert; dann kommt als starker Faktor die demokratische Partei der Natioiialzaranisten in Betracht, welche früher oder später zur Regierung berufen werden wird, und welche die Gewähr dafür bietet, daß die Bestimmungen der Konstitution hinsichtlich der Gleichberechtigung aller Bürger des Landes auch in bezug auf die Juden respektiert wewtoo. DjeeeRarted, die übe« die Mtatea I sahen Rumänien, Rußland und Frankreich I herbeiführte, bietet genug Garantie dafür, daß Rumänien und die rumänische Politik nicht ins Fahrwasser Deutschlands geraten werden. Das ist die einzige Hoffnung der jüdischen Bevölkerung, die jetzt schwere Tage durchmacht, in sich aber dennoch die moralische Kraft aufbringt, auf die Überwindung dieser Ära des Hasses und der Verfolgung zu hoffen. Goebbels kontrolliert die Touristen Prag, 1. April. (JTA.) Wie aus Berlin gemeldet wird, erließ der Propagandaminister Dr. Goebbels eine Verordnung, wonach die Reichsvereinigung der Touristenämter, die jetzt in Bildung begriffen ist, als eine staatliche Körperschaft fungieren und der direkten Kontrolle des Reichs - Propagandaministerium® unterstellt sein wird. Der Präsident der Vereinigung wird von Dr. Goebbels ernannt werden. Auf diese Weise werden alte aus Europa und Übersee nach Deutschland kommenden Touristen und Vergnügungsreisende vom Reichs-Propagandaministerium kontrolliert s&tfdea*