Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 537 (3.4.1936)
- Date
- 1936-04-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit« 2 DIB STIMME Nr; 537 — 3. April 198« Oie Krisis des „Phönix44 Der Jüdische Nationalfonds Je r« sa I em, dessen Verbindung mit der Wiener Lebensversicherungsgesellschaft ..P h ö n i x“ sich über mehrere europäische Länder und über Nordafrika erstreckt, teilt der Jüdischen Telegraphen-Agentur mit, daß nach seinen Informationen nichts U n korrektes in der Leitung des ,,Phönix bekannt geworden ist. und daß die Sanie rung des ..Phönix“ im Zusammenhang mit der teilweisen Entwertung seiner Prämien reserven normal vor sich geht. Die palästinensische Versicherungsgesell schaft „Phönix“ teilt der JTA mit, daß sie eine völlig autonome Gesell schaft lind nicht ein Zweig des österrei chischen „Phönix“ sei. nos bv ntM Die bestrenom. orth. -ffZO FEINWURSTu. SELCHWARENERZEUGUNG EISEN & HONIGSBER Inh. J. EISEN bringt auch heuer für Pessach ihre Spezialitäten Zu haben in allen ihren Filialen. Fabrik und Postversand, Wien, III., Rabeng. 13,Tel. U 14-1 -68 Keine Hoffnung für die Juden in Deutschland Der „Völkische Beobachter“ brachte am Vorabend der Wahlen zum Reichstag einen Artikel, in dem er ausführt, da« Ausland und die Juden täuschen sich, wenn sie die Hoffnung hegen, daß die antijüdische Politik der Regierung Adolf Hitlers irgend eine M ä ß i g u n g erfahren werde; es bestehe nicht der geringste Grund für eine solche Hoffnung. Die Regierung werde ohne Mil derung ihre Rassenpolitik fortsetzen, und das deutsche Volk wird wie bisher so auch weiter vereint hinter dem Führer stehen. ms 3ttfa$ juttt nic^t fünftlidje jonbern ‘Bein SBöffer Mfauer 6auec6nmn Wiener Jüdische Gelehrte im Ausland Der Primararzt am Spital der Kultus gemeinde, Dr. B o r a k, wurde von der gric chischen Rö n tg e ng e s ells ch aft eingeladen, ih Athen je einen Vortrag aus dem Gebiete der Röntgendiagnostik und der Röntgentherapie zu halten. Dr. Borak wird der Einladung im Anschluß an den Ende dieses Monats in Palästina stattfindenden Weltkongreß jüdischer Ärzte Folge leisten. ▼ KREDITE billigst JL FINKLER & SOHN /.. Dorotheergasse 6 Telephon R 23-2-30 Jüdische Fallschirmspringerinnen verunglückt Aus Moskau, 30. März, wird gemeldet: Zwei der berühmtesten jungen russischen Fallschirmspringerinnen, diie 19jährige Ljuba Berlin und die 20jährige Tamara M as 1 o w a, beide Jüdinnen, stürzten während ihrer Vorführungen aus großer Höhe ab und blieben tot liegen. Sie wollten einen neuen Rekord im Spätöffnen des Fallschirmes aufstellen, der mißlang. Erst vor zehn Tagen sprang Ljuba Berlin mit Fallschirm aus 3000 Meter Höhe und brach damit alle Rekorde der Sowjetunion. WARUM sind die bekannten schwören viele Tausende auf so ausgezeichnet vor allen anderen? Strum-Hazzoth runde Strum-Hazzoth Der Familien- SX/pjl vater sagt; Yr glf Die Hausfrau hebt lobend hervor: Der Sohn spricht: Ich will deshalb nur STRUM-HAZZOTH unter strengster Einhaltung aller orthodoxen Kaschrulh-Vorschrift«n erzeugt werden . . und weil sie besonders delikat schmecken! Besonders praktisch b. Kochen u. Baoken, sehr wohlschmeckend sind STRUM-HAZZOTH Das beste österreichische Erzeugnis flrleO und Fnrvel — und Überdies frische Ware M*8fl STRUM-HAZZOTH essen, weil Bie mir sehr gut munden und vor allem, weil sie sehr hygienisch und nur von lOdleohen Arbeitern erzeugt ' werden! DARUM sollen auoh Sie das Pessach- Pest 1030 nur mit den bet Allen beliebten, vorzüglichen STRUM- MAZZOTH (Jebcrull erhältlich! Wenn nicht in Ihrer Nähe — bestellen Sie direkt bei Mazzothu CTOB1M Bäckerei ML STKlln feiern und beim Einkauf auf die Stampiglie „H. STftUM“ achten die jedes Paket trögt!!! II., Fotensterngasse 11 Telephon Nr, R41-8-71 Der Terror in Polen Feierliche SeMemle unter Leitung eines bewährten Oberkantora im Restaurant Stefanie (vorm. Operer), Wien, U., Taborstr. 12 Vorzügliche Pessach-Speisen, Palästina-Weine, ungarische Osterweine offen und in Originalflaschen In Anbetracht des vorjährigen Andrangei wird diesmal rechtzeitige Anmeldung erbaten. Auch telephonisch K 44-5-57 // VlicJUt hüc (Ue> luden Cf&Ut es an ✓/ Das Buch Bruno Heiligs mit zwanzig Aufsätzen zum Judenproblem erscheint Dienstag. Es ist 04 Seiten stark und wird zum Pre'is von S 2.— im normalen Buchhandel zu beziehen sein, ln einem Geleitwort würdigt Oberrabbiner Dr. Feuchtwanq die jüdisch-publizistische Tätigkeit des Autors, Der amerikanisch-jüdische Schriftsteller George Bäcker, Vorsitzender des Direktoriums der Jewish Telegraphie Agency, hat eine Reise durch einen Teil der polnischen Provinz beendet und gibt seine Eindrücke wie folgt wieder: Es drängt sich überall der Eindruck auf, daß die antisemitische Bewegung in Polen wohl organisiert ist und zentral nach einem wohldurchdachten Programm geleitet wird. Die antisemitische Stimmung prägt sich so sehr im täglichen Leben aus, daß ein Pole, der sich nur gegen blutige Pogrome wendet, schon als Pro-Semit gilt. In den kleineren Städten und auf dem Lande gibt es zwei Kräfte, die sich gegen physische Gewalt gegenüber den Juden stemmen: der ältereTeilderBauernschaftund die Kirche. Doch betätigen sich auch diese beileibe nicht philosemitisch; sie predigen lediglich einen „anständigen“ Antisemitismus, der sich der gesellschaftlichen Blockade und des Boykotts bedienen sollte, um die Juden aus Polen zu treiben. Der Ordnungsdienst der Regierung, die Polizei, ist in den kleineren Orten fast ohnmächtig'oder gar nicht vorhanden. Man weiß nicht, ob man das Verhalten der Staatsmacht in diesem Sektor als Gleichgültigkeit, oder als Nachlässigkeit bezeichnen könne. Jedenfalls ist die jüdische Position hier verzweifelt. Aus der Provinz Unweit von Warschau, der Hauptstadt der Polnischen Republik, dem Zentrum der polnischen Kultur und Wissenschaft, liegt die Stadt Karczew mit etwa 2000 Familien, wovon 120 jüdisch sind. Betritt man in den frühen Abendstunden die Stadt, so findet man in jüdischen Häusern Türen und Fenster verrammelt und die Lichter in den Wohnungen ausgelöscht. Betritt ein Jude bends die Straße, so is r seines Lebens nicht sicher. Der antijüdische Boykott ist total. Die jüdische Bevölkerung ist vollkommen verarmt, Handel und Handwerk ruhen. Besäße eine Familie auch nur 40 Dollar, sie würde aus der Stadt fortziehen, aber keine einzige iüdische Familie verfügt über einen solchen Betrag. Als wir in die Stadt kamen, erwarteten die Juden gerade einen Angriff seitens der aufgehetzten christlichen Bevölkerung; sie hatten sich bereits an die Behörden um Schutz gewandt. 12 Stunden, nachdem wir die Stadt verlassen hatten, wurden die jüdischen Häuser geplündert und mehrere jüdische Einwohner tätlich mißhandelt. Der erhoffte Polizeischutz aber kam nicht. Noch weit ernster ist die Lage der Juden in den Distrikten Radom und Czen- 81 o c h a u. Boykott-Terror und Pogrom- Drohung beherrschen das Feld. In T r u s k o- 1 a 8, eine halbe Stunde von Czenstochau entfernt, steht die gesamte jüdische Bevölkerung seit länger als zwei Monaten unter einer Blockade. Will ein Jude die Stadt verlassen, so wird er mit Gewalt daran gehindert. Sechs Juden taten sich zusammen, um als geschlossene Gruppe aus der Stadt zu ziehen; sie wurden angegriffen und drei von ihnen wurden erheblich verletzt. Die Synagoge von T r u s k o 1 a s wurde mehrmals mit Steinen bombardiert und liegt teilweise in Trümmern. Den Juden in Truskolas wird keinerlei Polizeischutz zuteil. Bauern, die aus der Umgegend in der Stadt eintreffen, werden scharf bewacht, daß sie nicht einen jüdischen Laden oder eine jüdische Werkstätte betreten. An Marktagen dürfen sich Juden auf dem Markt ü b e rhauptnicht sehen lassen. Steinbombardements gegen die jüdischen Läden sind an der Tagesordnung. Da einerseits die Bauern daran gehindert werden, in die Stadt gebrachte Lebensmittel an Juden zu verkaufen, anderseits die Juden nicht in die Dörfer gehen dürfen, um sich mit Lebens mittein zu versorgen, ist die jüdische Bevölkerung dieses Ortes dem Verhungernnahe. Das Leben eine Hölle Ähnliche Zustände . herrschen in . P ajenczna, einem anderen Ort im Distrikt Czenstochau. Für die im Orte noch zurück gebliebenen dreißig jüdischen Familien i s t das Leben eine Hölle. Nur in einer Straße dürfen sie sich frei bewegen. Ein Jude, der eine andere Straße betritt, wird angegriffen und zurückgetrieben. Aber auch in dieser „Ghetto-Straße“ wurden die jüdischen Wohnungen oft mit Steinen bombardiert. Die Fensterscheiben sind so oft eingeschlagen worden, daß die Juden nicht mehr in der Lage sind, sie zu erneuern; die Fenster sind mit Brettern verschla g e n. Tritt die Nacht ein, so verbarrikadieren sich alle Juden in ihren Wohnungen, weil sie blutige Angriffe befürchten. Es gibt im Orte keine Polizei, und der von der übergeordneten Behörde erbetene Po 1 izeischutz wLrd ,;inicht ge vfä'hrt. Die Juden haben nicht einmal die Möglichkeit, mit jüdischen Zentren in Verbindung zu treten, um diese über ihre Notlage in Kenntnis zu setzen, denn sie befinden sich geradezu in einem Belagerung 8z u s t a nd. BUCHSBAUM IL, Kl. Pfarrgasse 21 Kaffee, Milch, Schokolade Prima Weine und Met nos btt -itD Der Vizebiirgermeister Am Montag hat der Vizebürgermeister Dr. Kresse wieder eine Rede gehalten, diesmal gegen die „Zugereisten“, die „unsere bodenständige brave Bevölkerung bei jeder Gelegenheit schädigen“. Allerdings gibt er zu, daß es auch viele „anständige Juden“ gibt, mit denen er sich auf dieselbe Stufe stellen will. Der Vizebürgermeister hat wiederholt, daß bei Zuteilung von Aufträgen der Gemeinde Wien nur Gewerbebundmitglieder berücksichtigt werden. „Ich muß jedoch sagen — fuhr er fort —, daß auch etliche Juden unter ihnen sind, die Aufträge bekommen, weil sie eben zu den Anständigen zählen. Jene aber, die glauben, mich beschimpfen zu können, erweisen ihren Volksgenossen einen schlechten Dienst; denn dann könnte man wirklich noch eine weitere Auslese treffen und überhaupt nur mehr jene beschäftigen, die früher, unter der sozialistischen Ära, keine Aufträge erhalten haben. Leider muß ich auch feststellen, daß die besten Propagandisten für den Nationalsozialismus jene zugereisten Juden sind, die immerfort schreien, statt ruhig zu sein und sich mit der Stellung als Minderheit zufrieden zu geben. Wenn diese Leute es weiter sö treiben, dann werden sie einmal sehen, daß sie den schlechtesten Dienst sich selbst erwiesen haben. Es kostet schon heute manchmal harte Mühe, die Gewerbetreibenden vor unüberlegtem Radikalismus zurückzuhalten.“ Niemand kann die Drohung übersehen, die in diesen Ausführungen des Vizebürgermeisters einer europäischen Hauptstadt enthalten ist. Er vertritt die Theorie vom kleineren Übel... Er hat aber die Gelegene heit nicht wahrgenommen, seine Behauptung, er habe Beweise in Händen, daß die Juden einen Boykott gegen christliche Gewerbetreibende durchführen, öffentlich zu beweisen. Dies sei festgestellt. An die Regierung wollen wir die Frage richten, ob sie glaubt, daß solche Reden, die eine offenkundige Verletzung der verfassungsmäßig gewährleisteten Gleichberechtigung darstellen, im Ausland dem Ruf Österreichs und seiner Wirtschaft nützen. der Antisemitischer Exzeß Cuzisten Czernowltz, 1. April (JTA.) In Czudyn, einer Stadt in der Bukowina, kam es zu schweren antijüdischen Ausschreitungen im Anschluß an eine Konferenz der Cuza-Goga-Partei. Etwa 600 Cuzisten drangen in die jüdischen Wohnviertel ein, zertrümmerten die Fenster der jüdischen Häuser und clor Synagoge und mißhandelten die jüdische Bevölkerung. Schwer verletzt wurden Froirn Singer, Solly Wagner, Feiwisch Idelman, Josef Dickstein, Feiwisch Ibner, Schloime Katz, Frau Male Schneider und eine Reihe anderer jüdischer Einwohner, außerdem zählt man zahlreiche leichter Verletzte. Als die Führer der Exzedenten wurden die Cuzisten Baloschescu und Frunzo verhaftet und dem Polizeirichter übergeben. Snrncttunterrithf ouf Wallolntien Neuhebrflisch schnell gelernt, auoh englisch, französisch, Italienisch und spanisch (auch leihweise) Photo-, Radio- und Grammophonhaus EXCELSIOR Wien, I., Franz - Josefs - Kai Nr. 15 Spezialgesohäft mit jQdlflohen und hebräischen Schallplatten. Alle Schlager aus dem Tonfilm „Land der Verheißung“, wie das Emek- und Tel-Ävlv-Lied, alle Horra'setz. ln großer Auswahl lagernd. Goebbels Zeitung in Palästina Dr. Reichert, der allgemein als der Palästina-Vertreter des deutschen Propagandaministeriums gilt, erhielt die Erlaubnis zur Herausgabe einer dreisprachigen (deutsch, englisch, arabisch) Zeitung in Jerusalem. Hungerstreik Illegaler Jerusalem, 2. April. (JTA.) Im Gefängnis von Akko sind dreizehn wegen illegaler Einwanderung nach Palästina zu Gefängnis verurteilte Juden, die nach Verbüßung ihrer StraJe nicht freigelassen wurden, in den Hungerstreik getreten. Einkommensteuer ln Palästina? Jerusalem, 2. April. (JTA.) Die Zeitung „Chadaschot Aoharonot“ will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die Palästina-Regierung gegenwärtig ein Gesetz über die Einführung der Einkommensteuer vorbereitet. Es sei möglich, daß das Gesetz schon im Oktober in Kraft treten wird. Araber kaufen Boden in Trans]ordanlen Jerusalem, 2. April. (JTA.) „Haarez“ meldet aus Aman, daß in Transjordanien sehr viel fruchtbarer Boden von arabischen Kaufleuten aus Palästina gekauft wird. Ein Araber aus Bethlehem ist vor kurzem in Begleitung eines Geologen nach Aman gekommen, um Boden zu kaufen, auf dem Mineralquellen erschlossen werden sollen. MMMMMNMMMMMMMWNMNMMI Decken Sie Ihren Bedarf an nos -um ... . PEssACH-Weine zu billigsten Preisen in den Weinkellereien SAMUEL MARKUS SILBER II., Rotensterngasse 22 (Tel. R 47-2-26) UnterAufsicht dei Gemelndcrobblnen Mayeriohn Das Pessach-Fest ist da! und mit ihm die ungesäuerten Brote, die nach der religiösen Vorschrift durch aoht Tage das jüdische Haus beherrschen. Es kommt dabei immer auf die Art und Präzision der Herstellungan, und in dieser Hinsicht habon die beliebten S o h m i d 1 - M a z z o t h den Höhepunkt erreicht. Sie sind so hergestellt, wio os der Ritus, der Geschmack und die Reinlichkeit verlangen. Sie sind ein Edelprodukt heimischer jildischor Arboit. Wor die von Herrn Nathan B r o d e t z k y modornisierto und ausgestaltete Fabrik besichtigt, ist überrascht von der Großzügigkeit der Anlage, von der strengen Einhaltung aller hygienischen Forderungen und von dem Ineinandurgreifen aller bei der Erzeugung beschäftigten Kräfte. Dio kluge jüdische Hausfrau weiß aus gutor Erfahrung, daß sie gut tut, gorade diese Mazzoth zum Sedor auf don Tisch zu logen.