Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 536 (31.3.1936)
- Date
- 1936-03-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Z DIE STIMME Nr. 58Ö - 91. Mär* 1Ö86 SONDERZUGE zu Ostern m Polen und Czernowitz Abfahrt 5. April „ORBIS", I., KHrntncrstraße II, Tel. R 21-5-78 OESTERR, VERKEHRSBÜRO, I., Friedrichstr. 7, Tel. B 27-500 u. OESTERR. VERXE1RSBÜRO, I., Graben 20. Tel. U 20-0-35! Neue Fahrpreisermäßigungen! Palästina geplant sei und daß Juden mit einem Vorzeigegeld von 1000 Pfund weiterhin zugelassen werden würden. Der Kolonienminister habe gesagt, England habe sich zur Einsetzung irgend einer Form einer verantwortlichen Regierung in Palästina verpflichtet. Es gebe keinen Grund, warum die Einsetzung des Council nicht hinausgeschoben werden könnte, ohne daß man sich der Gefahr aiissetzte, von den Arabern oder irgendwem in Genf des Bruches eines Versprechens beschuldigt zu werden. Jeder scheine den Wunsch zu haben, aus der gegenwärtigen Situation heraus zu kommen: in England wird er von niemandem unterstützt; der Minister selbst ist von ihm nicht allzu begeistert und es wäre nicht überraschend, wenn der High C'ommissioner froh wäre, die Aktion zurückstellen zu können, wenn er dies mit Ehren könnte. Der frühere Kolomenminister L S. Amery kennzeichnet die Verfassung als Ladenhüter von außerordentlichem Mangel an Originalität. Sie entspreche dem altmodischen Stil, die Beamtenstimmen zum Zünglein an der Waage zu machen. Amery wies darauf hin, daß man die ungeheuere Bedeutung Palästinas als Luftverkehrszentrum für das gesamte Reichs- Kundmachung Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pessach-Koschermilch in allen ihren Filialen zum Verkauf. Die Pessach-Koschermilch wird in ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive einer Schleife versehen mit dem Aufdruck i-idb um abn Vom 6. April bis 14. April in allen Verkaufstellen erhältlich Wiener Molkerei finden werden. Auch wenn der Council erst in fünf Jahren eingesetzt werden wird, werde England das In Genf gegebene Versprechen erfüllen, daß es Palästina die Selbstverwaltung ermöglichen werde, sobald es für diese große Aufgabe fähig geworden sei. Teile man aber jetzt die Macht, dann werde man den Ausbruch bitteren, Streites in Palästina erleben. * Die Debatte hat in der englischen Öffentlichkeit starke Beachtung gefunden. Für die Regierung hat sich nicht eine einzige Stimme erhoben. „Times“ gegen Gesetzgebenden Rat Din ..Times“ befaßt sich iu einem mit dem Conceil-Plan. Das Blatt erklärt, daß die hinsichtlich des Plans der Regierung, in Palästina einen Legislative Counoil zu schaffen, gehegten Befürchtungen durch die Ausführungen des Ministers Thomas im Unterhaus durchaus nicht zerstreut wurden. Mr. Thomas habe dem, was die Sprecher der Regierung vor einigen Wochen gegenüber den im Houso of Lords ausgesprochenen schweren Bedenken vorbrachten, nichts hinzufügen können. Nach Erläuterung von Organisation und Aufgaben des Legislative Council kommen die „Times“ zu dem Schlüsse: Es besteht keine zwingende Notwendigkeit, ein Experiment zu wiederholen, das 1922 so katastrophal fehlschlug. Was hat sich geändert? Die Araber sind wohl jetzt schon bereit, in den Legislative Council zu gehen, sie sind aber immer noch nicht bereit, der Durchführung der Mandatsverpflichtungen zuzustimmen. Ihre Wünsche gehen dahin, die jüdische Einwanderung nach Palästina einzuschränken und Bodenverkauf an Juden zu verhindern. Minister Thomas legte Nachdruck auf den Umstand, daß die Vollmachten des Council sehr begrenzte sein würden: der Council würde nicht über das Mandat und die Jewish Agency diskutieren und sich nicht in die Einwanderungsfrage einmischen dürfen, der Higb Comraissioner würde die Gesetzgebung durch sein Veto kontrollieren. Aber die Araber würden jederzeit eine Menge Gelegenheiten haben, die Regierung zu quälen und der Entwicklung der jüdischen Kolonisation entgegenzuarbeiten. Sie werden das Recht haben, d a s Budget und alle Gesetzentwürfe zu erörtern. Natürlich sind die Juden über diese Aussicht beunruhigt und sie widersetzen sich dem Experiment ebenso, wie es die Araber 1922 getan haben. Weizmann über die Zukunft Palästinas System nicht nur in bezug auf den Schutz des Suezkanals und des östlichen Mittelmeeres, sondern auch auf die Verbindung mit Indien und dem Osten nicht vergessen dürfe, Palästina sei auch der einzige Ausgangspunkt im Mittelmeer für die Erdölversorgung unter englischer Kontrolle. Die Bedeutung Haifas als Erdöl- und Flottenbasis könne nicht übersehen werden. Ein glückliches und durch Bande der Dankbarkeit mit England verknüpftes Palästina sei ein der Erwägung wertes Ziel. Zum Schluß betonte Amery, man dürfe keinerlei Schritte unternehmen, die die erfolgreiche Verwirklichung der Politik des jüdischen Nationalheimes, an die England durch sein Versprechen gebunden sei, verhindern würden. Der liidische Abgeordnete Silverman erklärte, diese Debatte werde dem jüdischen Volk als ein Schimmer von Licht und Hoffnung in einer tragisch-verwirrten Welt erscheinen. Die Argumente des Kolonienministers hätten gezeigt, daß die Einsetzung des Legislative Council verfrüht sei, Abgeordneter M. Samuel äußerte die Ansicht, daß London, ebenso wie es der Ort für die Beilegung europäischer Konflikte war und noch sein werde, auch der geeignete Platz wäre für eine Konferenz zwischen Arabern und Juden. Captain Strickland betonte, die Regierung habe äußerst wenig zur Förderung der jüdischen Einwandorung getan. Er hoffe, daß die V o r s c h 1 ä g e niemals die Billigung des Hauses Aus London meldet 2. A. T.: Auf einer Massenversammlung in London East End sprachen der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation Dr. Chaim W e i z m a n n und Lord M e 1 c h e 11 über die Lage der Juden in der Welt und die Möglichkeiten Palästinas. Den Vorsitz führte die Marchioness of Reading. Dr. Weizmann wandte sich gegen Gerüchte, daß das Aufbauwerk Palästinas in Gefahr sei und warnte gleichzeitig diejenigen, die glauben, bei ihrer Ankunft in Palästina alles nur auf sie wartend zu finden. Es gab in Palästina eine Prosperity; aber sie war nu reinePause zwischen zwei Krisen. Diejenigen, die meinen, in Palästina einleichtesLeben führen zu können, sollten besser f o r t b 1 e i b e n. Eine Reihe von Jahren, sagte Dr. Weizmann, waren Staatsmänner und Sachverständige der Ansicht, daß in Palästina kein Raum auch nicht für einen einzigen Juden vorhanden sei. Heute sind ungefähr 400.000 Juden in Palästina — 30 Prozent der Bevölkerung. In Palästina haben die Juden den höchsten Anteil an der Gesamtbevölkerung im Vergleich zu Juden anderer Länder. Das ist nicht nur ein zahlenmäßiger Prozentsatz, sondern der höchste Anteil auf jedem Lebensgebiet ist dabei, einschließlich einem der vitalsten, der Landwirtschaft. Wenn wir diese Anstrengungen Fortsetzen so ist kein Grund vorhanden, weshalb die jüdische Gemeinschaft in Palästina nicht in der Zukunft in gleicher Weise wachsen sollte. Wir haben Mühen und Sorgen gehabt das ist unser historisches Los. Wenn wir eine Million Juden in Palästina haben, dann werden viele unserer gegenwärtigen Schwierigkeiten verschwinden. Das Werk in Erez Israel ist auf gutem Grund gebaut worden. Dr. Weizmann berührte die Vorschläge für die Einsetzung eines Legislative Council in Palästina und sagte: Es gibt noch einen Gott in dieser Welt. Die Historiker kolonialer Be wegungen mögen eine Bewegung aufzeigen, die sich mit dem vergleichen könne, was in Palästina mit so geringer staatlicher Unterstützung erreicht worden ist. In den nächsten fünfzehn Jahren wird im Lande für neue 70.000 Familien Raum genug sein. Wenn sie in das Land gebracht werden könnten, dann würde dort noch dreimal so viel Raum in anderen Lebensbezirken geschaffen sein. OSTiK-SONDERFAHRT mit der Czernoivltzcr Allgctn. Zeitung NACH POLEN UND CZERNOWITZ Abfahrt am 5. April Anmeldungen nunaoliUcBUcIi Reisebüro „IWnrlenbrückc“, i.Kotenturmatr.2»!,Tel. R24-2-86/87 Die Wahlen in die jüdische Gemeinde Der Kultusvoratand hat in seiner Sitzung vom 25. März beschlossen, die Neuwahlen für den 8. November 1936 auszuschreiben. Mit der Anlage der Wählerlisten wird sofort begonnen. Die Arbeiten werden mit Rücksicht darauf, daß ein Wählerkataster nicht existiert und daß das Steueraint mit laufenden Arbeiten tiberhäuft Ist, längere Zelt in Anspruch nehmen. Die Wählerliste wird ungefähr 54.000 Wähler enthalten. Frau Gronemann tödlich Schächtgesetz vom Senatsausschuß angenommen Der Verwaltungsausschuß des p o 1 n i sehen Senats stimmte am 26. März dem vom Sejm bereits verabschiedeten Gesetz über die Einschränkung des jüdischen rituellen Scbächtens mit; allen gegen die Stimmen der Ukrainer und der Juden zu. Sämtliche Abänderungsanträge von jüdischer Seite wurden abgelehnt. Anderseits hatte der Landwirtschaftsminister Poniat o w s k i große Mühe, um die Annahme von Zusatzanträgen der Schächtgegner zu vereiteln, darunter einen Antrag des früheren Warschauer Polizeikommandanten Jagrym-Malaszewski auf ein totales Schächteverbot. Maleszewski erklärte, diePoienseieneineArier-Nation und dürfen auf jüdische Gesetze keine Rücksicht nehmen. Senator Maryan Malinowski trat für die Annahme des Regierungsentwurfs ein und mißbilligte die Agitation der Schächtgegner. Es besteht, sagte er, ein Zusammenhang dieser Agitation und den Vorgängen in Przytik, Opoczno und in anderen Unruhezentren. Der jüdische Senator Trokenheim sagte, es sei klar, daß die Tendenz des Gesetzes die Bei, die Juden aus dem Fleischhandel hinauszudrängen, man möge darum wenigstens den jüdischen religiösen Bedürfnissen Rechnung tragen. Das Schächtgesetz wird Zehntausenden jüdischen Familien die Existenzmöglichkeit rauben. Schwer arbeitenden ehrlichen Menschen reißt man das Stückchen Brot v o rif M n u d e wog und erhöht auf diese Weise die Zahl der am Hungertuch Nagenden. Wir protestieren, rief Senator Troken beim, gegen die rücksichtslose Entrechtung der jüdischen Bevölkerung, gegen die systematische Ausstoßung der Juden aus den wirtschaftlichen Positionen. Frankreich lernt „Mein Kampf“ kennen Hitlers „Mein Kampf“ war bisher den Franzosen fast unbekannt. Außer gelegentlichen Zitaten wußte die französische Öffentlichkeit nichts von diesem Buch, das den Haß und den Krieg gegen den „französischen Erbfeind“ predigt. Eine Übersetzung ins Französische wurde von Hitler stets verhindert, der sogar durch ein Gerichtsurteil die Übertragung verbieten ließ. Nun ist im Verlag dos „Pariser Tageblatt4 ein Buch des bekannten Publizisten Manuel Kunibert: „Adolf Hitlers ,Mein Kampf4 — Dichtung und Wahrheit“ erschienen. Das Vorwort schrieb Heinrich Mann. „Mein Kampf“ ist heute das meist zitierte Buch in Europa, das dennoch jenseits der Reichsgrenzen nur von wenigen gekannt wird. Aus zwei dicken Bänden von 700 Seiten ist hier ein Band entstanden, der die wichtigsten Zitate, die Ker.istollen aus dem politischen Werk des Reichsführers, enthält und gleichzeitig eine umfassende Kritik an den Theorien Hitlers liefert. Manuel Humbert zeigt, bis zu welchem Umfang Hitler bereits erfüllt hat, was in seiner Bibel des Nationalsozialismus versprochen wurde, und liefert sodann eine Analyse dessen, was noch zu tun übrig bleibt. Dabei stellt sich heraus, daß Hitler fast stets Wort gehalten hat und daß der Welt 1 e d i g 1 i c h noch die K r i egstiberrasohung bevorsteht. Billige und bequeme Sonderzüge zu Ostern nach Polen und Czernowitz. Abfahrt am April, voranstaUefc Offizielle« Polnisches Kchebiii'o „Orbis“, I., Känitnerstraßo 41, Telephon lt 21-5-78. Neue Fahrpreisermäßigungen. Tel-Aviv, 29. März. (2. T. A.) Frau Gronemann, die Gattin des bekannten Schriftstellers und Juristen Sammy Gronemann, langjährigen Präsidenten des Zionistischen Kongreß-Gerichts, die selbst als Schriftstellerin einen guten Namen hatte, ist in Tel-Aviv tödlich verunglückt Dr. Sammy Gronemann wendet sich die allgemeine Teilnahme des Jischuw zu. * Sammy Gronemann war bis vor kurzer Zeit in Wien. Er hat hier und in der Provinz zahlreiche Vorträge gehalten, mit denen er sich die Sympathien der österreichischen Judenschaft erwarb. Seine Frau war mit ihm hier. Man kannte auch di« stille Dame in der Wiener zionistischen Gesellschaft. Sie erfreute sich allgemeiner Verehrung. Die Wiener Juden teilen aufrichtig den Schmerz Sammy Groneraanns um seine Gattin. ncs in Baden bei Wien, im Hotel-Restaurant DAVID SCHEY ANNAGASSE 2 3 Pension s pro Person pro Tag S 0'—. Frühstück; Kaffee, Ei, Mazres. Mittaßinahl: Suppe, Fleischspeise nach Wahl. Beilage, Mehlspeise. Jause: Kaffee. Mazzes. Nachtmahl: Fleischspeise nach Wahl, Beilage. Zimmer InkJ. aller Abgaben einbettig S 3"— bis S 4'—, zwelbettig S 4‘— bis B 0 —, Anerkannt gute Küche. Gute Bedienung. SohOne Speiselokale. Telephon 310 Anmeldungen werden bis 8.April 1036 entgegengenomnjen Die WirtscJiaftssteUe des Palästina-Amtes meldet: Wie uns von verschiedenen Emigranten mifcfeteilt wurde, sollen die Zollbehörden bei der usbootung in palästinensischen Häfen seit Inkrafttreten der Sanktionen, auch für das sogenannte Umzugsgut und Handgepäck „Ursprungszeugnisse“ verlangt haben. Da uns dies unwahrscheinlich schien, haben wir uns direkt an das Zollamt in Erez gewandt und erhielten nunmehr die Auskunft, daß die Emigranten bei Vorweisung ihres Passes weder für Umzugsgut noch für das mitgefiibrte Handgepäck ein „Ursprungszeugnis“ benötigen. Wir haben veranlaßt, daß wir sofort hievon verständigt werden, wonn eine Änderung dieser Bestimmungen eintritt. James de Rothschild in Palästina Aus Toi-Aviv, 24. d., wird uns gemeldet: James de Rothschild traf heute mittags in Haifa ein. Es ist dies sein erster Besuch in Palästina ßeit 1918. Damals war er Major in der britischen Armee lind beteiligte sich an der Gründung der Jüdischen Legion. Rothschilds jetziger Besuch gilt der Organisierung der künftigen Tätigkeit der PICA; außerdem sucht er nach einer geeigneten Grabstätte für seine Eltern, deren Gebeine nach Palästina überführt werden sollen. Woiters wird uns aus Jerusalem vom 16. d. gemeldet: James de Rothschild besuchte die PICA-Siedlungon in S a m a r i a, wo er begeistert bogrüßt wurde. Er besichtigte die Grabstätte für seine Eltern in Zichron Jacob. Rothschild bat, keine offiziellem Empfänge zu veranstalten, da das Trauerjahr für seine Mutter noch nicht vollondot sei, auch im Hinblick auf die tragische Lage der Juden solle dies unterbleiben. Wie Palcor erfährt, werden als Resultat seines Besuches Änderungen in der Verwaltung der Pica in Aussicht genommen. „Nicht nur die Juden geht es an" Zu dem Buch Bruno Helligs, das in den nächsten Tagen m Wien erscheint, hat Ober* rabbiner Dr. David Feuchtwang ein Geleitwort geschrieben, in dem er seine An* sicht Über die Judenverfolgung knapp m* summenfaßt und' den Kampf des Autor# gegen den Antisemitismus würdigt%