Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 535 (27.3.1936)
- Date
- 1936-03-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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S«lt« 4 DO irrMMt Nr. 885 — 27. Man 193« Jüdische Berufsberatung Von Dr. Ernst Dichter Dr. Ernst Dichter leitet die eipzige private jüdische Berufsberatung Wiepe und hat außerdem bereits in einer Reihe jüdischer Verbände und Organisationen solche Beratungsstellen eingerichtet. Ein jüdischer Junge kommt in die Sprechstunde mit seinen Eltern: „Was «oll ich werden?“ Die Eltern wollen wiesen, ob es einen Sinn hat, wenn er die Mittelschule zu Ende macht oder ob er jetzt schon etwas Praktisches erlernen soll. Ein , jüdisches Mädchen will Rat, ob der Beruf der Kindergärtnerin ln Palästina Aussicht hat, welche Ausblldungamöglichkeiten ee hier gibt und ob sie überhaupt für diesen Beruf geeignet Ist. Ein junger Mann: Er waj bis jetzt Vertreter und Verkäufer und will nun einen neuen Beruf ergreifen, den er dann in Palästina ausüben kann. ,,Für welchen habe ich die besten Fähigkeiten?“ Der Abiturient, die junge Frau, der Mittelschüler und Hauptschüler, alle wollen sie in jüdischem Sinne und unter Berücksichtigung jüdischer Verhältnisse beraten sein. Die Arbeit des jüdischen Psychologen und Berufsberaters ist vielfältig. Was soll ich wer¬ Herz- und Frauenheilbad Bvmuland Tatzmannsdorf Mineral-, Moor- und natOrliche Kohlen- «äure-Sprudelbflder. — Kurbaglnn S, April. ZeltgamaSe Pensionspreise. Auskünfte u. Prospekte b. d. Kurdirektion o. h. d. Generalvertretung,Wien, l.,Kohlmarkt 8, Tel. U-25-104, — Moorpackungen, Moor- /coropreaaon in alleaApotheken erhältlich. den? Die Frag« ist heute schon schwer zu beantworten, wenn sie ein Niehtjude stellt. Noch viel schwieriger Ist es aber, einem jüdischem Menschen zu raten. Seine Berufsmöglichkeiten sind sehr eingeschränkt, viele Ausbildungswege sind ihm überhaupt verschlossen. Seine wirtschaftliche Sicherheit ist um ein Beträchtliches geringer als die des Nichtjuden. Der jüdische Berufsberater muß immer auch die ausländischen Verhältnisse, insbesondere die Palästinas, berücksichtigen. Täte er es nicht von selbst, er würde durch die jüdischen Jugendlichen dazu gezwungen werden. Fast alle von ihnen wollen nach Palästina. Die Berufsumschichtung, die so viel besprochen wird, vollzieht sich bei ihnen von selbst. Der kaufmännische Beruf und ähnliche werden fast ausnahmslos abgelehnt. Da war ein Bulb, nicht besonders kräftig, er wollte durchaus einen Handwerk erberuf. Es war sehr schwer, eine Lehrstelle für ihn zu finden. Aber, obzwar er einige Male als Praktikant in kaufmännischen Betrieben hätte Unterkommen können, blieb er, wenn auch weinend, jedesmal standhaft, bis er schließlich doch seinen Willen durchsetzte. Die Jungen, die sich weigern, den Beruf des Vaters zu ergreifen, selbst wenn ihnen die Wege dadurch sehr geebnet sind, gehören bestimmt nicht zu den Menschen, um die man Angst haben müßte. "WD in Baden bei Wien, im Hotel-Restaurant I DAVID SCHEY ANNAGASSE 23 Pension s pro Person pro Tag 3 0*—. Frühstück: Kaffee, Ei, Mazzea. Mittagmahl: Suppe, Fleischspeise nach Wahl, Beilage, Mehlspeise. Jause: Kaffee, Mazzes. Nachtmahl: Fleischspeise nach Wahl, Beilage. Zimmer inkl. aller Abgaben einbettig 3 9*—’ bis 3 4’—, zweibettig 8 4'— bis S 8‘—. Anerkannt gute Küche. Gute Bedienung. Schön« 8pelselokale. Telephon 810 Anmeldungen werden bis 6. April 1036 entgegengenommen Es ist erstaunlich, manchmal fast erschreckend, wie nüchtern und sachlich der vierzehnjährige Junge von heute denkt. Da gibt es keine phantastischen und kindlichen Bcrufswünsche mehr. Lebensernst und großes Verständnis für die Schwierigkeit der Lage spricht aus allen Äußerungen. Überhaupt ist die Mentalität des jüdischen Kindeß eine ganz andere als die des gleichalterigen Nichtjuden. Heute vielleicht mehr denn je. Schon allein durch diesen Unterschied psychologischer Art wäre die Notwendigkeit einer jüdischen Berufsberatung bewiesen. Denn die wissenschaftliche Berufsberatung — und nur von einer solchen kann überhaupt die Rede sein , ist vor allem eine psychologische Aufgabe. Die wirtschaftlichen Faktoren und die Ausslchtsmttglichkeiten ln den einzelnen Berufszweigen müssen bei der Berufsentscheidung berücksichtigt werden, das ist ganz klar. Aber ehrlich gestanden, ist es fast unmöglich, dies wirklich im einer sicheren Weise zu tun. Welcher Mensch will sich denn unterfangen, heute vorauezusagen, wie die Verdienstmöglichkeiten in fünf oder sechs Jahren, sagen wir im Soblossergewerbe, sein Dl« Juden Wiens u. der Provinz sind zur Überzeugung gelangt, daß die Sensation des Pessachffestes die weltberühmten MAZZOTH der Pester Israel. Kultussemelnde sind, unerreicht an Qualität und Geschmack. Nach einem Versuch kauft jeder die gute Pester-Qualität-Mazzoth, in dünne und (runde) dicke, sowie Mazze-Griefi, Farvel und Mazze-Mehl In allen einschlägigen Geschaffen erhältlich Alleinvertretung’ für Oesterreich: IGNAZ FROST Lebensmitielhancilung II«, Haidgasse 9 Telephon A 49-3-84 werden. Mit einer solchen Zelt aber muß gerechnet werden, denn solange dauert es imbedingt, bis ein Kind vollkommen beruflich ausgebildet ist. Vielleicht kann man darüber Vermutungen anstellen, «aber von Sicherheit kann keine Rede sein, besonders dann nicht, wenn es sich um jüdische Verhältnisse handelt. Außer diesen materiellen Momenten gibt es aber noch eine zweite Gruppe von Anhaltspunkten, die eine sehr große Rolle bei der Berufswahl spielen, das ist die Begabung und die Fähigkeit zu einem bestimmten Beruf. Die ist konstant und verändert eich nicht. Ein Unbegabter kann es sicher auch zu etwas in seinem Beruf bringen. Aber der für diesen Beruf Befähigte wird doch immer einen großen Vorsprunghaben und heute ist vor allem die Tüchtigkeit entscheidend. Gerade wir Juden sind sehr oft geneigt zu sagen, daß wir zu allen Berufen gleich befähigt sind. Das ist besonders im Zusammenhang mit Palästina eine sehr gefährliche Einstellung. Viele gehen hinunter, nachdem sie hier zwei oder drei Berufe in kurz dauernden Umschulungskursen „erlernt“ haben. Für keinen dieser Berufe sind sie aber wirklich geeignet gewesen, keinen beherrschen sie. Es ist dann kein Wunder, wenn sie keine guten Leistungen zustandebringen und schließlich dann wieder bei einem unproduktiven Vertreter- oder Handelsberuf landen und so die Berufsstruktur Palästinas ungünstig beeinflussen. Wenn dies noch bei Erwachsenen, die anscheinend keinen anderen Ausweg haben, zu verzeihen ist, so keinesfalls bei Jugendlichen und Schulentlassenen. Bei denen sollte es nicht Vorkommen, daß säe einen Beruf ergreifen, für den sie nicht geeignet sind. Diese Gefahr ist sehr einfach dadurch zu vermeiden, daß sie sich an den wissenschaftlichen Berufsberater wenden. Dieser bedient sich zur Feststellung der Eignung eines Menschen für einen bestimmten Beruf der Psychologie und eines besonderen Zweiges dieser Wissenschaft, der Psychotechnik. Es würde zu weit führen, ihre Methoden hier zu beschreiben. Mit Hilfe dieser wissenschaftlichen Methoden ist es jedenfalls möglich, weitaus sicherere Diagnosen zu stellen, als es der Laie jemals könnte. Und gerade heute, da die wirtschaftlichen Faktoren so unsicher zu beurteilen sind, darf diese wichtige wissenschaftliche Auswahl und Eignungsfeststellung, die die Paychotechnik darstellt, nicht vernachlässigt werden, am allerwenigsten bei den Juden in Ihrem wirtschaftlichen Kampf, Zu dieser Eignungsfeststellung gehört aber nicht nur die Untersuchung der Fähigkeiten, sondern auch das Verstehen und Berücksichtigen der Charakteranlagen und der persönlichen Eigenart des jungen Menschen. Es ist sicher nicht zuviel behauptet, daß nur der jüdische Berufsberater die Eigenart des jüdischen Jugendlichen voll wird erfassen können. Nicht nur aus diesem psychologischen Grund und aus der Notwendigkeit, die Besonderheit der jüdischen Verhältnisse überhaupt zu berücksichtigen, bezieht eine jüdische Berufsberatung ihre Berechtigung. Sie hat außerdem eine außerordentlich wichtige berufspolitißohe Aufgabe. Da« ist die Berufsumschichtung. Es steht außer Zweifel, daß sie notwendig ist. aber ebenso sicher ist es, daß die Institution der Berufsberatung die wirksamste Maßnahme für dieses Ziel darstellt. Denn nur eie ist imstande, den Strom der Berufsanwärter richtig zu teilen und zu dirigieren. P P PTU U A A DET Palästina-Mazzoth, Kar- FÜF PegfCICh ■ jfcErimBr i H AA Im Er Mm mel-Weine und Cognak, Jaffa-Orangen und Grape-Fruit, Shemen-Qlhren und Salatöl sowie Schmidl-Mazzoth, Inländische Weine, Sliwowitz u. sämtliche Spezereiwaren fiDS “RP3 liefert zu sehr billigen Preisen SAMUEL HALPERN, Wien II., Försters. 6 Die WlrtschaStsstelie des Palästina-Amtes meldet: Statistische Zahlen, die sprechen Das American Economio Committee for Palestine hat in der letzten Zelt sein statistisches Material, das mit amerikanischer Exaktheit geführt wird, teilweise veröffentlicht. Aus dem mit größter Mühe und Fleiß zusammengetragenen Ziffernmaterial ist ersichtlich, wie Palästina, trotzdem in den meisten europäischen Staaten Krise und wirtschaftliche Dekadenzerscheinungen vorherrschen, einen steten Aufschwung nimmt. Während die Industrie, der Handel und das Gewerbe der hochkultivierten und organisatorisch restlos erfaßten Staaten um ihre PHOTO-, RADIO- UND GRAMMOPHONHAUS - EXCELSIOR WIEN, I., FRANZ-JOSEFS-KAI 15 Spezialgeschäft mit indischen und hebräischen Schallplatten. Alle Schlager aus dem Tonfilm „Land der Verheißung“, wie das Emek- und Td-Avlv-Lied, alle Horra’setz. in großer Auswahl lagernd. SPnACHUlVTKnWlCHT AUF SCHAU,»»!,ATTEM Neahebrätoch schnell fjelernt, auch enallieb, französisch, Italienisch und spanisch (auch leihweise) Existenz ringen, ist in Palästina trotz anhaltender Tendenz zu Neugründungen der Wirtschaftskörper ein außergewöhnlich gesunder. So wurden im Jahre 1935 1176 Finnen, 197 Genossenschaften, 287 Aktiengesellschaften, 694 offene Handelsgesellschaften gegründet, wobei ein Kapital von mehr als dreieinviertel Millionen LP. Verwendung fand. Das Interesse für Neugründungen hält nach wie vor an, denn im Jänner 1936 wurden 94, im Februar 1936 sogar 100 neue Firmeneintragungen angegeben. Die Bankdepositen sind trotz der Kapitalien, die für Neugründungen abgezogen wurden, auf 16 Millionen LP. bis zum März 1935 gestiegen, eine fast vierfache Erhöhung seit 1932, da die Bankdepositen zu diesem Zeitpunkt viereinhalb Millionen LP. betragen haben. Gemäß einer Schätzung anläßlich der Tagung der Histadruth sollen die in den letzten vier Jahren investierten Kapitalien 31 Millionen LP. betragen haben, im Jahre 1935 allein zirka 14 Millionen LP. Dieso Zahlen finden ihre Erklärung, wenn bedacht wird, daß im Jahre 1935 4525 Kapitalisten legal in das Land einreisten, die gemäß der Vorschriften ein Mindestkapital von viereinviertel Millionen LP., wahrscheinlich jedoch ein Vielfaches davon, eingeführt haben. Die Einordnung der Kapitalisten in die Wirtschaft vollzieht sich langsam und bedarf gemäß zuverlässiger Schätzung zirka vier bis sechs Monate. Hierdurch wird erklärlich, daß die Summe der Hypothekeneintragungen ins Grundbuch im Jahre 1935 den ansehnlichen Betrag von sieben Millionen LP. erreicht haben, denn viele Kapitalien finden, ehe sie der Wirtschaft zugeführt werden, Veranlagung in Form von Hypotheken oder werden zu Bodenankäufon verwendet. Dies ist ein für die Entwicklung hoch wichtiges Moment, da von den 26 Millionen Dunam westlich des Jordans 13 Millionen besiedelbar sind, jedoch erst l3/io Millionen Dunam in jüdischen Bositz Ubergegangen sind, wobei auf das Jahr 1985 allein zirka 78.000 Dunam entfallen. Mit welchen, auch für europäische Begriffe ansehnlichen Summen Palästina bereits arbeitet, beweist unter anderem das Projekt Kundmachung Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pessach-Koschermüch in allen ihren Filialen zum Verkauf. Die Pessach-Koschermilch wird in ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe DTPJIPJS erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive einer Schleife versehen mit dem Aufdruck nee bw nuo abn Vom 6. April bis 14. April in allen Verkaufstellen erhältlich Wiener Molkerei der Errichtung eines Krankenhauses auf dem Jerusalemer Universitätsberg. Das Bauprogramm sieht die Schaffung von mindestens 270 Betten vor, außerdem die Errichtung einer Fortbildungsschule sowohl für Ärzte als auch für Schwestern. Die Kosten für dieses Projekt wurden mit 150.000 LP. vorangeschlagen. Weiters ist nicht uninteressant, daß die Palestine Investment Corporation, die von der Jewish Agency unter Unterstützung des Arbeitslosenfonds der Histadruth geschaffen wurde, bisher bereits 150.000 LP, gesammelt hat. Wenn wir diese Zahlen betrachten, dann dürfen wir auch ohne den uns aus nationalen Gründen eigenen Optimismus berechtigt stolz sein auf die bisherige Entwicklung Palästinas und wenn nicht Weltkata'strophen hemmend oder zerstörend wirken, sind alle Voraussetzungen für eine weiterhin gesunde Entwicklung gegeben. PI. CafA Fürstenhof II., Praterstrafle 25 „Nicht nur die Juden seht es an" Unter diesem Titel erscheint in den näcfu sten Tagen eine Broschüre, Sie eine Sammlung von Aufsätzen Bruno H eilig s über Sie Judenfrage enthält. Bruno Heilig ist den Juden Wiens aus seiner publizistischen Tätigkeit seit langem bekannt. Die Judenfrage behandelt er nicht als isolierte Angelegenheit der Juden, sondern als eine Frage, die das Weltgewissen angeht. Für die Juden bedeutet der Antisemitismus ungeheueres leid, für die nichtjüdische Welt ein Problem ihrer eigenen moralischen Bewährung. Von dieser Tendern ist alles beherrscht, was der Autor der Broschüre zum Judenthema schreibt. Ring der Alt-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen Am Montag, den 80. d., 8 Uhir abends, spricht Im Festsaalo unseres Klubheims Herr Redakteur Bruno Heilig über „England macht die Weltpolitik“. Die Mitglieder werden gebeten, mit ihren Damen und Gästen pünktlich zu erscheinen. Also treffen wir ans bestimmt... an den Sederabenden im Restaurant A. Barschalt wmmmmmmmmmmmmmmmm Wien. 11., Große Schiffgasse 3, Tel. A 46-4*39 Unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Josef Babad Berühmt sind seine ungarischen Weine, Palästinaweine, Met, Slibowitz. Cognac von S 2*—- per Liter aufw. — Besonders empfehlenswert : seine streng koschere Küche. HDS Tennis Hakoah-J, K. J. Durch die Zusammenarbeit der Tennis-Sektionen des Sportklub Hakoah und J. K. J ist die Möglichkeit gegeben, zu besonders günstigen Bedingungen sowohl auf den zentral gelegenen Ballhausplätzen als auch auf der bekannt schönen Anlage der Hakoah in der Krieau den Tennissport auszutiben. Der Spielbetriob wird am 29. ds. im vollem Umfango auf beiden Anlagen aufgonommon. Alle Auskünfte im Klubheim der Hakoah, I., Wfesiiiigerstraßo 11, TcJ. R 25-0-10, und Im Klubbeim des J. K, J., I., Goldsohmledgaese 0,