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Die Stimme · 1936-03-27 · Heft 535 (27.3.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 535 (27.3.1936)
Date
1936-03-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ITr. 896 — 17. MSiw 1006 DU STIMM! k Soft* 3 Englands Verantwortung Von Bruno Heilig RR/sef - Wettbewerb der „STIMME“ Die Redaktion der „Stimme“ veranstaltet für die Abonnenten des Blattes einen großzügigen Rätsel-Wettbewerb. Die Bedingungen und die Preise werden wir in der nächsten Nummer mitteüen. Nur so viel sei schon heute verraten: Der Wettbewerb erstreckt sich auf etwa 25 Nummern Das erste Rätsel erscheint in der Pessach-Nummer, 'also am 7. 'April. Das Thema dieser Rätselaktion wird sicher für jeden Juden sehr anregend sein; zu der angenehmen Zerstreuung aber, die ihm das Rätsellösen selbst bietet, erwirbt er noch die Chance, einen der wertvollen Preise zu gewinnen, die für erfolgreiche Auflösungen ausgesetzt werden. Wir sind sicher, daß namentlich der große erste Preis unsere Abonnenten zu sehr reger Beteiligung an dem Wettbewerb anregen wird. Lesen Sie zunächst die Dienstag-Nummer der „Stimme“, daraus erfahren Sie schon Näheres! Sie werden sehen, daß die Preise wirklich das bieten, was Sie sich wünschen. So weit, hat es die englfeohe Politik also gebracht: Frankreich erwägt ernstlich den Austritt aus dem Völkerbund, Frankreich, das völkerbundtreueste Land, das Land, da« immer bereit war, seine ganze Existenz auf den Völkerbund zu setzen. England wird sich nie Feinwäschen können von der Verantwortung, wenn ee den Völkerbund nun tatsächlich lahmlegt. Was die offiziöse französische Presse über die Gründe der Austritteaibsiohten Frankreichs sagt, gilt nämlich ausschließlich England. Es gehe nicht an, eo schreibt man in Paris, daß der Völkerbund dauernd zur Förderung der Machtinteressen irgend eines Staates mißbraucht werde, statt daß er seine Funktion der Schaffung einer kollektiven Frirdenssiöhenheit erfülle. Das ist alles wahr und richtig. In seiner so gründlich verfäl'fht-en Form, wie wir ihn heute sehen, ist der Völkerbund fast eine Kriegsgefahr. * Man hat lang gezögert, die englische Europapolitik als das zu erkennen, was sie ist. Als zu Beginn der nationalsozialistischen Ära die englische Außenpolitik so viel „Verständnis“ für die neue deutsche Barbarei kundgab, bemühte man sich, diese Haltung so umzukommemtieren, daß England sich durch die Pflege guter Beziehungen zum nationalsozialistischen Regime die Möglichkeiten zu dessen Zähmung sichern wolle. Es wagte -niemand, zu glauben, daß das Ziel der englischen Politik die wirkliche Stärkung des neuen Deutschland sein könnte. Heute kann sich aber niemand mehr den Tatsachen verschließen. Deutschland wäre in seiner Außenpolitik nie weitergekommen, wenn England es nicht hätte weiterkommen lassen wollen. Es hat von vornherein ein einheitlicher europäischer Block gegen den Nationalsozialismus bestanden, zu dem nach anfänglichem Zögern auch das faschistische Italien gestoßen ist. Nach seiner historischen Unterredung mit Adolf Hitler bildete sich Mussolini seine endgültige Meinung über den Nationalsozialismus, und nach dieser Meinung hat er seither konsequent gehandelt. Der einheitliche Wille Europas hätte den Nationalsozialismus sicher zur Raison bringen können. Das wäre ohne großen Aufwand möglich gewesen, sicher ohne militärischem Aufwand. Aber immeT, wenn Europa den Versuch einer Aktion unternahm, wurde es von England gehemmt. So konnte Deutschland alles tun, was Hitler beliebte, nichts schadete ihm, und der Nationalsozialismus holte sich Erfolg auf Erfolg. Während die ersten Phasen dieser Entwicklung von England nur passiv gefördert wurden, trat es im vorigen Jahr schon aktiv auf. Deutschland lehnte die zwischen Paris und London vereinbarten Grundlagen eines kollektiven Sicherheitspaktes aib, worauf England mit Hitler einen Vertrag schloß, der Deutschlands Aufrüstung bestätigte. Der nächste Streich Englands ist jetzt gefallen. Es schützt Deutschland klar und konsequent gegen alle unangenehmen Folgen, die aus dem Einmarsch deutscher Truppen in die. Rheinlandzone entstehen könnten- Man muß seine Phantasie wirklich nicht anstrengen, um zu der Überzeugung zu gelangen, daß Deutschland sich der wohlwollenden Haltung Englands versichert haben dürfte, ehe es sich entschloß, den Locarno- .Vertrag zu zerreißen. England betreibt seine Politik immer unter Berufung auf höchste Moralgesetze. Mit seiner Politik Deutschland gegenüber habe es nur dem Frieden dienen wollen. Als Friedensstörer wurde von vornherein jeder verdammt, der auch nur andeutungsweise an der Richtigkeit der englischen Politik zu zweifeln wagte. Begeistert schloß sich England dem Schlagwort von der kollektiven •Sicherheit an. Aber es betrieb die Politik der kollektiven Sicherheit auf merkwürdige Art. ln der Situation, die mit der Machtergreifung durch Adolf Hitler entstanden war, konnte der Begriff einer kollektiven Sicherheit selbstverständlich nur im Sinne der Sicherheit vor dem Staat aufgefaßt werden, der nach dem Programm seines Führers seine Aufgabe in der Unterjochung der übrigen Länder sah. England aber versteifte sich darauf, daß zunächst einmal gerade mit Deutschland kollektive Sicherheit gemacht werden müsse. Das Groteske an der Entwicklung ist, daß England eigentlich genau das getan hat, was iihm Adolf Hitler in seinem Buch „Mein Kampf“ vorgeschrieben hatte. Dort sagt der Führer de« Nationalsozialismus, daß den Engländern ein starkes Frankreich nicht angenehm sein könne, und daß sie darum alles tun müßten, daß Frankreichs Todfeind, das Deutsche Reich, möglichst stark werde. Die Engländer haben so getan, wie Hitler es wünschte. Die •englische Friedenspolitik hat Europa in Kriegsgefahr gebracht. Für dep ohjek^yea Beobachter, dtt eich durch Englands Moralgesänge nicht von der kalten Wertung deT Tatsachen ablenken läßt, Ist Übrigens nichts überraschend gekommen. England kennt seit 250 Jahren nur eine Politik, die Politik des sogenannten europäischen Gleichgewichts. Es hat daraus auch nie ein Hehl gemacht, nur haben die sentimentalen kontinentalen Menschen es nie begreifen können, daß eine solche Politik wirklich konsequent duTohgeführt werden kann und daß ein Land imstande wäre, seiner efeigkalten Machtpolitik alles unterzuordnen. Das schöne Wort Gleichgewicht bedeutet in der politischen Praxis den sicheren Krieg. Das Gleichgewicht kommt so zustande, daß zwei Mächtegruppen entstehen, die mit ihren militärischen Mitteln einander ungefähr gleichwertig sind. Nun ist aber die Gleichwertigkeit natürlich nicht die Absicht der einen oder der anderen Gruppe, und der Sinn aller Grupp enbil dun gen ist von vornherein das Streben nach dem Übergewicht über die andere. Englands Politik war es nun immer, das Entstehen eines entscheidenden Übergewichts auf der einen oder der anderen Seite zu verhindern und die Dinge so zu leiten, daß eine der konkurrierenden Mächtegruppen nur mit Hilfe Englands selbst das Ziel, stärker zu werden als die andere, erreichen könne. So hat England immer den Kontinent beherrscht. Auf Grund dieser Herrschaft aber konnte es dann seine Kolonialpolitik ungestört und ungefährdet betreiben. Die Konkurrenz der Mächtegruppen führte naturgemäß immer wieder zum Krieg. Das Schicksal des Krieges entschied England. Es sorgte nach dem Krieg immer wieder dafür, daß die Gruppe, die mit seiner Hilfe gesiegt hatte, nicht etwa zu einer wirklichen Vorherrschaft in Europa komme. Jedesmal wurde nach dem Krieg der Besiegte protegiert, und so gelang die Wiederherstellung des Gleichgewichts — bis zum nächsten Krieg. Klar und deutlich hat sich diese Politik Englands auch jetzt wieder bewährt. Die Erkenntnis der rein maohtpolitischen Motive aller englischen Politik ist der Schlüssel zum Verstehen der vielen Unverständlich- Von maßgebender Stelle in Jerusalem wird nach Warschau mitgeteilt, daß das Hauptbureau des Keren Kajemeth soeben eine Bodentransaktion durchgeführt hat, die zu den größten der letzten Jahre gehört. Der Keren Kajemeth bat rund 40.000 Dunam Boden neu in seinen Besitz gebracht und bereits eine Anzahlung von 86.000 Pfund geleistet. Erst nach Zahlung der Restsumme wird die Transaktion als abgeschlossen gelten. Zur Beschaffung dieser Summe hat der Keren Kajemttb Ule den Monat Mai d* «1. eine keiten, die man in den letzten Jahren erlebt hat. Geht der Völkerbund an England zugrunde? Alles menschliche Gefühl sträubt sich, an solche Möglichkeit au glauben. Die Gefahr ist da und man muß fürchten, daß sie auch dann nicht endgültig gebannt ist, wenn es jetzt noch nicht zum Bruch kommt. England kann einen wirklichen Völkerbund nicht brauchen, denn Völkerbund und Gleichgewicht schließen einander aus. Es könnte höchstens einen Völkerbund brauchen, der ihm die Gleichgewiohtspolitik besorgt. Das wäre aber kein Völkerbund mehr. Die Juden müssen wachsam die Ereignisse verfolgen. Sie wünschen den Frieden und den Völkerbund, als Europäer einmalige große Sammelaktion proklamiert, für die alle nationalen jüdischen Kräfte mobilisiert werden. Araber beeilen sich mit dem Verkauf von Boden In der letzten Zeit ist eine starke Belebung auf dem Gebiete des Bodenhandels in Palästina zu verzeichnen. Viele Araber beeilen sich, Teile ihres Bodens, die sie nicht bearbeiten können, zu verkaufen, weil sie fürchten, daß nach Inkrafttreten der angekündigten Bodenverkauf6b?schran- und als Juden. Palästina ist Mandatsgebiet des Völkerbundes. Wir sehen, wae England schon jetzt mit uns macht, wo ee doch an die Möglichkeit eines Freispruches von seiten des Völkerbundes denken müßte. Es ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Solange ee keine vollendeten Tatsachen gibt, muß man noch immer hoffen. Soll man es wagen, angesichts der grauenhaften Aussichten, die sich aus der unerbittlichen Fortführung der englischen Machtpolitik eigäben, diesmal doch zu denken, daß selbst England im letzten Augenblick, wenn es sein eigenes Handeln richtig zu Ende denkt, umkehrt? Es ist — das muß man gestehen — doch nur eine Hoffnung, die weniger aus der Erwägung als aus dem leidenschaftlichen seelischen Widerstand gegen den Glauben an die letzte Katastrophe geboren ist. kungen ihnen der Verkauf verwehrt sein wird. Arabische Bodenbesitzer erklären, daß die Bodenpolitik der Regierung ihre Interessen schädigt. Viele Araber haben ihren Boden hei den Etfendis verpfändet und befürchten nun, daß nach Inkrafttreten der Bodenverkaufsbeschränkungen sie nicht mehr in der Lage sein werden, ihre Schulden zu bezahlen und in eine Art Hörigkeit gegenüber den Effendis verfallen werden. Die unter den arabischen Bodenbesitzern jetzt herrschende Verkaufstendenz hat ein S i nken der Bodenpreise mit sich gebracht, m leichtverdaulich Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Streng-' gläubigen ohne Bedenken zur Zu« bereitung von Milch- und Fleischspeisen för den Festtagstisch vor* wendet werden. Das Verschluß- Siegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwurden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mottersburg hergesteiit wird. MIM Das 100% reine Kokosnußfett K1$ Nur echt In Originalpackung 1 Neue Bodentransaktion des Nationalfonds

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