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Die Stimme · 1936-03-24 · Heft 534 (24.3.1936) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 534 (24.3.1936)
Date
1936-03-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Saft« Z 0» STIMME Nt. 534 — 24. März 1936 SONDERZUGE zu und Czernowitz Abfahrt 31* März und 5. April „ORBIS“, I., Kärntneratrafle 41, Tel. B 21-6-78 OESTcRR. VERXEHRSBÜRO, I., Frledrichstr. 7, Tel. B 27-500 u. 0E8TERR. VERKEHRSBÜRO, I., Graben 20, Tel. ü 29-0-35 f Neue Fahrpreisermäßigungen I 61Ä Millionen Pfund Budget Überschuß in Palästina Alis Jerusalem meldet Palcor: Der Überschuß der Einnahmen der Palästina-Regierung über die Ausgaben betrug bis zum 31. Jänner 6,357.394 Pfund. Der Überschuß erreichte in den ersten zehn Monaten des laufeirden Jahres, das heißt vom 1. April 1935 bis mm 31. Jänner 1936, die Hohe von 1,623.793 Pfund. Die Einnahmen der Regierungbetrugen in diesen zehn Monaten 4.840.505 Pfund, die Ausgaben 3.216.712 Pfund. Den- Geldumlauf Palästinas be trug Ende Februar d. J. G.1S6.134 Pfund darunter 5,614.934 Pfund in Banknoten. In der „Offlcial Gazette“ wird darauf hingewiesen, daß von den Gesaratein nahmen, die für das Budgetjahr 1935/36 mit 5,436..087 Pfund vorgesehen waren, in den ersten zehn Monaten 4.372.588 Pfund eingegangen sind. Nach dem heutigen Betrage der Einnahmen wird daher damit gerechnet, daß in diesem Budgetjahr tatsächlich um 500.000 Pfund mehr, als im Budget vorgesehen waren, eingehen wird. Die Ausgaben, die für das laufende Budgetjahr mit 4,863.077 Pfund vorgesehen waren, betrugen in den ersten neun Monaten des laufenden Budgetjahres 2.287.066 Pfund. Die Ausgaben des gesamten Budget jahres dürften um 1 Million Pfund niedriger werden, als präliminiert war. JUNG ER MAN N 28 Jahre, mit 80.000 Schilling Barver« mS^en, such! zwecks Heirat junges taUb?ches Mädchen aus gutem Hause mit Vermögen oder guter Einheirat. Zuschriften unter 0.000“. Oie Wirtschaftsseite des Pa3ä* stina-Amtes meldet: Eizreisemögllchkeiten für Jugendliche Wie die Jewish Agency, Alija-Departement, mitteilt, hat sie sich an die Regierung wegen der Einwanderungsmöglichkeiten für Schüler, die Verwandte in Erez haben, ge wandt. Die Einreisevorschriften bestimmen, daJä für Schüler bis zum Alter von 15 Jahren ein Einreisevisum der Kategorie D erlangbar ist, wenn sie nachweisbar von ihren Verwandten, die sich bereits längere Zeit in Erez befinden und dort begütert sind, während der Dauer ihres Aufenthaltes in Erez vollständig erhalten werden. Außerdem haben diverse Erziehungsanstalten die Möglichkeit, die Einreiseerlaubnis für diejenigen Schüler zu erwirken, für die die Anstalt die vollkommene Verantwortung für die Aufbringung des Lebensunterhaltes in Erez übernimmt. Zu diesen Schuten gehören neben der Realschule in Haifa einige landwirtschaftliche Schulen sowie die dem Waad Leumi unterstehenden Anstalten. Auf die eingangs erwähnte Anfrage teilte die Regierung mit, daß sie nicht gewillt sei, außer den oben genannten Möglichkeiten eine neue Art von Schülerzertifikaten zuzulassen, sie werde jedoch jeden ihr durch die Jewish Agency vorgelegten Fall genauestens prüfen und die Entscheidung vom Alter des Schülers und von der gesellschaftlichen und finanzielen Lage der Eltern im Ausland abhängig machen. Besonders genau wird die dargebotene Garantie und die Zeit, die der Schüler im Lande zu bleiben beabsichtigt, überprüft werden. Die Ermordung Galuthnaans In Jerusalem sind, wie Palcor meldet, Gerüchte im Umlauf, daß die Polizei eine neue Spur ira Galuthman-Mord verfolgt, die zu der sensationellen Verhaftung des Chauffeurs und des Schaffners des arabischen Omnibusses führte. Ferner wurde eine Reibe von Fahrgästen, die sich in ihren Aussagen vielfach in Widersprüche verwickelten, verhaftet. Man glaubt, diese Verhaftungen seien ein Hinweis darauf, daß die Polizei darüber im Zweifel ist, ob Galnten* i!i wirklich durch Schüsse von d '• r!. a n d s t r a ß e h e r getötet wurde. Sektion und XZJZO J&ernals^Ottakring, XVII., Fraueng. 9 Samstag, den 28. März, % ,9 Uhr abends Eröffnung des neuen Helmes Festrede: Dr. Oskar GrUnbaum, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Österreich Bodenständige, Betonte und Brückenbauer In der inneren österreichischen Politik ist 11 seit einiger Zeit eine immer stärker werdende Bewegung im Gange, die darauf abziolt, eine neue antisemitische Welle heraufzuführen. Es handelt sich um verschiedene Gruppen, die in einer gewissen Opposition gegen die Regierung stehen und mit Hilfe des ihnen gemeinsamen antisemitischen Programms eine Vereinigung aller gleichgesinnten Elemente anzubahnen versuchen, deren Ziele über den jüdischen Bereich hinausgelien. Da sind einerseits die Führer der en cadre gesetzten christlichsozialen Partei, die zur Regierungsmacht streben, gegen die Vaterländische Front und die Heimwehr ihre Ränke treiben untl politische Anlehnung bei den „Betont Nationalen“ und den Leuten des Papen-Kreises suchen. Natürlich werden diese Ohristliclisozialen von der stärkeren Aktivität der Getarnten und Nichtgetarnten erfaßt, was ihnen nicht sehr angenehm ist, aber doch insoweit in den Kram paßt als sie von dieser Seite her gerade im Juden punkt, erprobte Anweisungen für den unterirdischen Kampf erhalten. In den verschiede nen Aushängen von Zeitungsartikeln Büchern usw. wird mit vollster Offenheit auf die reichsdeutsche Ritualmordmethode aufmerksam gemacht, in Versammlungen treten kultivierte und minder kultivierte Redner auf, die wieder einmal auf den zersetzenden jüdischen Geist aufmerksam machen, die Verdrängung der Juden von den „einflußreichen“ Stellen im Wirtschaft liehen und im geistigen Leben unter aller hand „humanen“ Vorbehalten verlangen und entweder ein eigenes Gesetz oder — wozu hat man denn die nordische List? — prak tische Ausnützung der im Rahmen der be stehenden Verfassung zu dem löblichen Zweck vorschlagen, Juden ums Brot zu bringen. So faßt zum Beispiel Pater Bichl mair, der Leiter des Paulus-Werkes, die Erfüllung der ,.Mission in Israel“ auf. Hübsch ist, wie alle diese Akteure feierlich jeden Rassenantisemitismus abstreiten. Dem Ob jekt der Hetze ist es ja schließlich gleich gültig, ob der Jude als Angehöriger einer Rasse oder als Angehöriger einer Nation oder Konfession geschädigt wird. Aber irgendwie soll doch der Weg zur „Heilung der Erbsünde“ offen gelassen werden. Das ist wenigstens der Gedankengang der religiös Sachverständigen. Ihnen schließen sich andere an, wie etwa der Vizebürgermeister Dr. Kresse, der sieb gegen den Vorwurf verwahrt, er gehe bei der Aufnahme in den Gewerbebund nach rassepolitischen Ge sichtspunkten vor. Was antwortet der auf die Verfassung vereidigte Vizebürgermeister. Er ist niemals nach den Gesichtspunkten des Rasseantisemitdsmus vorgegan gen, aber es ist sein gutes Recht, „wenn ich vom österreichischen Gewerbund die Leute fernhalte, die sich in der roten Ära als die lautesten Rufer im Kampf gegen das bodenständige Bürgertum erwiesen und sich durch ihre Geschäftspraktiken schon von vornherein außerhalb des Kreises des reellen Wiener Handels- und Gewerbestandes gestellt haben. Ich stelle auch ausdrücklich fest, daß nachträgliche Loyalitätserklärungen und Beteuerungen auf mich so lange keinen Eindruck machen können, als ich nicht dafür die Gewähr habe, daß dio aufnahmeheischenden Juden sich auch wirklich innerlich umgestollt haben. Ist aber diese innerliche Umstellung vorhanden, dann habe ich nie gezögert, Gewerbetreibende ohne Rücksicht auf ihre Konfession wie Zugehörigkeit aufzunehmen. Ich kann jedem, der sich dafür interessiert, nachweisen, daß eine Anzahl von Juden in unseren Reihen Platz gefunden haben und daß viele von ihnon Funktionen in der Organisation des Gewerbes erhielten. Sie können also klar ersehen, daß der Rassenantisemitismus und der Rassenhaß niemals für mein Handeln bestimmend waren. Ich leime ausdrücklich die Methode des Dritten Reiches ab. Ich habe aber auch don Mut, w i r klich vorhandene Schäden aufzuzeigen, wobei ich natürlich unter gar keinen Umständen auf Empfindlichkeiten Rücksicht nehmen kann.“ Für den Vizebürgermeister ist also nicht die Verfassung maßgebend und nicht das Rocht, sondern seine persönliche subjektive Ansicht darüber, ob der Mann, gegen den irgend ein Konkurrent eine anonyme Denunziation geschrieben hat, aufnahmsfähig ist oder nicht. Er gibt auch keine Klarheit darüber, was er unter innerlicher Umstellung versteht. „Was a Jud is, bestimm il“, hat Lueger gesagt. Aber der Vizebiirgermoister bleibt nicht bei diesen sehr, sehr interessanten Geständnissen stehen, die er mit einem solennen Bekenntnis /zu Biehlrnair schmückt, nein, der Vizehürgermeister versteigt sich zu einer für einen verantwortungsbewußten Mann ungeheuerlichen Unwahrheit. Nach dem Bericht des „Neuigkeits-Weltblatt“ hat er gesagt: „Es ist mir auch nicht unbekannt, daß die jüdischen Kreise einen Boykott gegen arische Geschäftsleute durchführen. Ich habe Beweise dafür in den Händen; man kann es daher den christlichen Gewerbetreibenden nicht verbieten, daß sie sich gegen diese Methode zur Wehr setzen.“ OSTER-SONDERFANRT mit der Czcrnowltzer Allffent. Zeltuntf NACH POLEN UND CZERNOWITZ Abfahrt am 3t. Mürz und 5. April Anmeldungen a u » » o h I i e fl11 o h Reisebüro „Marlenbrüclto“, /.Uolentunnstr.afl/ Toi.R24-2-85/87 Wenn der Vizebürgermeister Beweise für seine Behauptung in Händen hat, dann ist es seine Pflicht, sie sofort vorzulegen und die jüdischen Kreise, die Boykott betreiben, unter Anführung aller notwendigen Daten deutlich zu nennen. Die Juden haben es ja nicht notwendig, solches Material zu fürchten. Es gibt keine jüdischen Kreise, die einen Boykott führen, und es gibt keine Beweise. Wohl aber gibt es Beweise dafür, daß von Nationalsozialisten und betont Nationalen Streuzettel mit der Inschrift: „Juden, kauft nur bei jüdischen Glaubensgenossen!“ verbreitet wurden. Der Vizebürgermeister kann sich bei der Polizeidirektion danach erkundigen. Es gibt weiter Geschäftsweiser, die sich das einemal arisoh, das anderemal christlich nennen und mit nordischer List dem Boykottaufruf unterstellen. Es gibt Aufrufe des „Antisemitenbundes“ an die „bodenständigen Österreicher“ (Eigentümer, Herausgeber, Verleger und für den Inhalt verantwortlich Dr. Anton Jerzabek, Wien, VIII., Josefsgasso 4—6, Druck von Emil Gottstein, Wien, XVII., Pezzlgasse 53), in denen zu lesen steht: „Um so mehr müssen wir alle Mittel vorbereiten, die notwendig sind, z u r g egebenen Zeit unsere Ziele mit aller Energie zu verfolgen. Wir rufen Euch daher zu Beginn des neuen .Jahres auf und bitten Euch, zu uns jenes Vertrauen zu haben, das man zu einer großen Sache haben muß. Den Zeitverhältnissen entsprechend, wird unser Bund neu gegliedert. Auf wirtschaftlichem Gebiete werden wir die Propagierung der Innenkolonisation unter dem Motto: Grund und Boden den Bodenständigen, uns besonders angelegen sein lassen. Wir werden eine Liste aller bodenständigen Gewerbetreibenden, Handwerker, Kaufleute und Unternehmungen anlogen, um diese den Mitgliedern und Freunden unseres Bundes zu empfehlen. Auch die Fragen bodenständigen Schrifttums und bodenständiger Kunst bedarf weitestgehender Erörterung. In besonderen Vorträgen werden wir versuchen, dio Wege zu bodenständiger, künstlerischer Betätigung zu weisen und allen Vereinen zur Pflege bodenständiger Kunst nach Möglichkeit unsere Unterstützung angedeihen lassen.“ Diese Beweise empfehlen wir der Aufmerksamkeit. der Behörden und jener Zeitungen, die immer so schreien, wenn ein jüdisches Blatt, im Ausland auf die Erscheinungsformen des deutschen Geistes in Österreich hinweisen. Wir wissen aber auch, daß diese Hetzereien über dio Juden hinweg gegen don derzeitigen Kurs gerichtet sind, dom Schwierigkeiten bereitet werden sollen. Das ist nicht nur uns klar. D a s Organ der Sturmscharen (deren Führer der Bundeskanzler selbst ist) erklärt in seiner letzten Ausgabe das Folgende: „Wir glauben nicht, durch reinen Negativfemus, als welcher sich uns der Rassenwahn clarstellt, unsere Leute Zusammenhalten zu müssen. Für uns hat das Katholiken tum noch Verbindendes genug. Es erscheint uns hinreichend zugkräftig und mächtig, das katholische Österreich um unsere Fahnen zu scharen. Wir kennen keine Rassenlehre und werden uns stets dagegen wenden, daß diese zu einem Pfeiler unseror Staatsideologio wertlo wie im Dritten Reich; aber auch dagegen, daß Österreich duroh einen Klüngel, der sich durch Intrigen Positionen schaffen will, um seine Stellung ira europäischen Kulturkreis gebracht werde. Es war notwendig, übor dieso Umtriebe der katholischen Gruppe der ,betont Nationalen* ein offenes Wort zu sagen. Sie mögen es sich merken: Wir wissen, was mit diesen Schlagworten bezweckt wird. Nämlich den ,B r ii c k e n b a u e r n* eino Basis in dem sonst gesund denkenden österreichischen Volk zu schaffen.“ Wir haben* einige aus diesem „Klüngel“, der sich durch Intrigen Positionen schaffen will, bezeichnet. Es sind Leute, die ihro Herzenswünsche auf dem Umweg über den Pogrom erreichen wollen. Dieser Antisemit tismus zerstört den Staat und schändet ihn. Es ist Sache des Staates, sich zu wehren und sich nicht von innen heraus sprengen zu lassen. Judenreiner Reichsärzteaasschuß Nach dem Sozialversicherungsgesetz wird bei der Spitzen Organisation der Sozial verslchemngsinstitute ein Reichsärzteausschuß errichtet, der über die Auswahl der Krankenkassenärzte bestimmenden Einfluß auszuüben bat. Wie man nun erfährt, wurde ein vorbereitender Ausschuß berufen, der nur aus nichtjüdischen Ärzten besteht. Dem Reichsärzteausschuß obliegt unter anderem auch die Zulassung von Ärzten zur Krankenkassenpraxis. Eine deutsche Hakenkreuzzeitung in Jerusalem Wie Palcor meldet, beginnt in Jerusalem eine deutsche Tageszeitung zu erscheinen, die im nationalsozialistischen Geist gehalten ist. Die Herausgeber des Blattes sind deutsche Christen. Sektion und WIZO Prater, II., Stuwerstraße 1 Donneret g, den 26. März, % 9 Uhr abends Rat der Stadt Wien DR« JAKOB CHRL CH, Vizapräs'dent der Kultusgemeinde „Aktuelle zionistische Probleme“ Die Märr-Nummer der Zeitschrift „Palästina" Die März-Nummer der Zeitschrift „Palästina“, die von Adolf Böhm herausgegeben wird, bringt einen Aufsatz Adolf Böhms (Iber Dr. Arthur Ru pp in anläßlich seines sechzigsten Geburtstages, einen mit reichen statistischen Daten belegten Aufsatz von Dr, Sigismund Peiler über: „Die jüdische Ärzteschaft in Palästina“, von Dr. Karl S c h w a r z einen Aufsatz über „Dio Einrichtungen de« Museums in Tel-Aviv“, Dr.-Ing. W. Lesser schreibt über „Das Bankenviertel von Te!-Aviiv“ vom Standpunkt des planmäßigen Städtebaues. Herbert Jonas setzt im „Bawäseerungsproblem Palästinas“ die Erörterung der Bewässern) ga« möglichkeiten auf Grund seinor kalifornischen Erfahrungen fort. In der Rundschau berichtet Albert J. Phiebig über die „Entwicklung des deutschen Außenhandels“ mit Palästina, woran Dt. J. Adler seinen allmonatlichen Wirtßohaftsbaroraotor und Bericht Uber Neugründungen anschließt. Mit Nachrichten und Daten, mit einigen Besprechungen schließt das Heft.

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