Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1936-03-24 · Heft 534 (24.3.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 534 (24.3.1936)
Date
1936-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054243-3054290--5766-3061538
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Preis dfc 'er Nummer 20 g V. 1>. b. JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 534 | Wien, 24. März 1936 I Redaktion und Administration: Wien, U, Marc-Aurel-8traBs 8. Toi.: U 22-3-91, RodaktionaachluB Montag und Mittwooh form. m mmm Außerordentliche Ermäßigungen nach W - PAIXSTI NA PurimroicAn * Hinfahrt b'8 31 März 1930» rllVimiOlSon . Rückfahrt bis 31. Mai 1936, mit 50%, bezw. 30% Ermäßigung von S 350.- aufwärts auf Hin- und Rüdefahrkarten. Frühlingsreisen: ä""hrt vom 1 Apr"b" ite£I Mai 1935, Rückfahrt bis 24. Juni 1936, mit 50% Ermäßigung auf Hin- und Rückfahrkarten von S 250. — aufwärts; mit 20% Ermäßigung auf einfache Hinfahrt von S 200.— aufwärts. Auskünfte: Generalagentur Wien, 1. Bezirk, Kärntnerring 6, Telephon-Nr. U 47-5-60, und in allen Reisebüros I (1. Nissan $696) | 9. Jahrgang Der Oberrabbiner antwortet In einer Ansprache beim letzten Sabbathgottesdienst nahm der Wiener Oborrabbiner Dr. Feucht \v a n g Stellung gegen die verschiedenen Angriffe, denen die jüdische Gemeinschaft in den letzten Tagen aufgesetzt war. Dr. Feuchtwang knüpfte seine Betrach tung an den Bibelabschnitt der Woche, der von dem Auszug der Juden aus Ägypten und von ihrer „Erlösung aus dem Joche der Sklaverei“ spricht. Wenn heutzutage von irgendeiner Seite die Behauptung aufgestellt wird, daß ein Teil der Menschheit erlöst sei, die Juden aber zu den „Unerlösten“ gehören, so können die Juden allerdings zugeben, daß sie selbst sich nicht als erlöst betrachten, weil nach der jüdischen Anschauung und nach den Worten ihrer Propheten die Erlösung für alle Völker der Erde bestimmt ist, und nicht für ein einziges Volk oder eine einzige Glaubensgemeinschaft. Eine Unduldsamkeit, die ein Volk vor dem anderen so bevorzugt-, liegt dem jüdischen Schrifttum fern; sie erwartet solche Unterscheidung der Menschen durchaus nicht von dem Herrn der Welt und seiner Güte. Wenn aber gesagt wird, es sei das „Schicksal“ des jüdischen Volkes, die Folgen seiner Unerlöstheit zu tragen, so darf man sicherlich aus eher solchen, auf religiöse Glaubenssätze sich stützenden Anschauung, aus unserem angeblichen „Schicksal“, nicht so ungerechte'und grausam praktische Schlüsse ziehen, wie es gestern von politischer Seite schon unter Berufung auf die geistliche Autorität geschah, um gegen Gesetz und Recht einfach tigte Klassen bilden. zwei verschieden berechvon Staatsbürgern zu Besonders aber müssen wir dagegen protestieren, daß wir — eben wegen der vor zweitausend Jahren erfolgten Ablehnung der Erlösung — der „Erbsünde“ geziehen werden und daß deshalb heute uns ein verdientes Schicksal trifft, das den Nichtjuden, und besonders einem Volke, das Recht geben sollte, gegen uns vorzugehen. Es entbehrt auch der Konsequenz, wenn man Jeden Sonntag ,Francopol'-Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz Rückfahrten 15., 21. April, 5 u 19. Mai 1936 Spezielle Ermäßigung: 14 Tage RundreisekarSefi Sn ganz Polen nur S 50*- „Francopol“, III., Sohwarzenbergpl. 7,Tel.: U16-4-90; „Ccflok“, I., Kflrntnerslrnße Nr. 32, Tel.: R23-4-8S; „GemoroO“, VII., Mariahilferstr. 42, Tel.: B 38-2-68. auf der einen Seite die Rassentheorie ablehnt, auf der anderen Seite aber auf einem Umwege ihr wieder Geltung ver schafft, indem man die Erben die Sünde der Väter büßen lassen will. Durch nichts gerechtfertigt ist aber namentlich eine Anschauung, die als minderwertig eben jenes Volk hinstellt, afis dem der Gedanke ' der E r 1 ösung uhd sogar.jener Erlöser sta mm t, der alle. außer uns erlöst ha-be. Es geht doch nicht an, gerade in diesem Gedankengang die rassische Erblehre zur Geltung gelangen zu lassen. Nicht dem höchsten Geistlichen irgend einer Kirche und nicht dem mächtigsten Orden können wir das Recht zu einem Urteil eimräiimen, das dermaßen Gegensätze aufrichtet und Feindschaften fördert, statt des Friedens. Wir folgen vielmehr den Worten unserer Weisen, wenn wir die Erlösung der Menschheit — ohne jeden Unterschied — in ihrer Höherentwicklung und in der Überwindung jenes Egoismus sehen, der für sich allein, die höchste Stufe der Menschheit beanspruchen und andere von ihr ausschließen will. Der Oberrabbiner schloß mit der Mahnung, daß die von so vielen Seiten drohenden Gefahren die Juden selbst zur größten Einigkeit innerhalb der Gemeinde und zu einer geistigen und göttlichen Haltung mahnt, dio solche Vorwürfe von selbst als ungerecht offenbart. Billige IRUT-Reisen nach CZERNOWITZ über KRAKAU- LEMBERG mit Kollektivpaß am 29. 'März und 6. April; Rückfahrt 21. April 1936 REISEBÜRO „IRBT", KARLSPLATZ NR. 1 Ref. Rosenkranz — Telephon U-44-5-79 sten der würden. Die Ausgewanderten getroffen werden Definition der legalen Lage der Flüchtlinge; 3. Prüfung von Methoden für Erleichterungen in der Erlangung der zivilen Urkunden und anderer Papiere aus dem Herkunftsland. In dem Brief wird daran erinnert, daß das Recht aller eingeladenen Staaten, jede gewünschte Frage vorzubringen, der Tagesordnung hinzuzufügem sei. Schließlich wird die Aufmerksamkeit der Regierungen a.uf die Dringlichkeit der Frage gelenkt. Joint Distribution Committee an Neill Maleolm New York, 23. März. (J. T. A.) Das Joint Distribution Committee veröffentlicht ein Glückwunschschreiben, das der Ehrenpäsident des Joint, Felix M. Warburg, und der Präsident Paul Baerwald an den neuen Völkerbundhochkommissar für Flüchtlingsfürsorge gerichtet haben. In dem Schreimuel, Viscount Bearsted, der Präsident der ben sichern die Führer des Joint dem Hoch- ICA, Sir Osmond Elim d’Avigdor Goldsmid, kommissar Sie Neill Malcolm volle Unterder Präsident der Jewish Agency und der Stützung bei der Durchführung seiner Arbeit ( Zionistischen Organisation Dr. Chaim Weizduroh das Joint Distribution Committee zu.; mann und Simon Marks an. Die englische -au diesem Zweck könne Sir Neill jederzeit Sektion hat ihren Millionen-Drive eröffnet, über die Dienpte des europäischen Direktors j Verhandlungen mit interessierten Gruppen des Joint Distribution Committee, Doktor, aufgenommen und eine Reihe von Projekten Bernhard Kahn, verfügen. Zum Schluß wird erwogen. Die endgültige Entscheidung über der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß „gediese Pläne bleibt dem Gesamt-Council vorsunde und konstruktive Maßnahmen zugimi behalten. Mitglieder des Council Sor German Jewry London, 23. März. (J. T. A.) Die endgültige Zusammensetzung des Council for German Jewry steht noch nicht fest. Der englischen Abteilung des Council gehören der Vorsitzende Sir Herbert Sa- Neue Ausschreitungen in Polen 2. Juli: Flüchtlings-Konferenz in Genf Genf, 39. März (JTA.) Der Generalsekretär des Völkerbundes hat an allo Regierungen der Mitgliedstaaten des Völkerbundes, sowie an die Regierungen der Vereinigten Staaten von Nordamerika und der Vereinigten Staaten von Brasilien ein Rundschreiben gerichtet, in welchem er an die Beschlüsse des Rates vom 24. Jilnnor 1936 bezüglich des Schutzes der Flüchtlinge aus Deutschland erinnert und den Regierungen mitteilt, daß dio in diesen Beschlüssen vorgesehene zwischenstaatliche Konferenz zwecks Festsetzung eines legalen Statutes für die Flüchtlinge aus Deutschland für den 2. Juli 1936 einberufen wird. Die Regierungen werden gebeten, Spätostens bis zum 15. Mai 1936 dem Generalsekretär ( mitzuteilen, ob sie die Absicht haben, sich auf dieser Konferenz vertreten zu lassen, bejahendenfalls die Namen der von ihnen entsandten Vertreter anzugeben. Gleichzeitig überreicht der Generalsekretär den eingeladenen Regierungen eine vom Hochkommissar General Sir Neill Malcolm ausgearbeitete provisorische Tagesordnung der Konferenz. In dieser schlägt der Hoch kommissar — im Hinblick auf die Dringlich keit der zu behandelnden Fragen — vor, daß in erster Linie provisorische zwischenstaatliche Vereinbarungen getroffen werden, die ohne weiteren Aufschub in Kraft treten könnten. In zweiter Linie möge dann die Konferenz die Frage einer internationalen Konvention fiir den rechtlichen Status der Flüchtlinge behandeln und in dritter Linie die Frage der A u s f o 1gung von Identitäts papieren an dio Flüchtlinge. In dem Brief wird ferner eine provisorische, vom Übenkomniiissar emtworf omo Tagesordnung bokanntvegeben, die folgende Punkte enthält: 1. Entwurf eine« vorläufigen Über- ■> i n k o m m e n s über die gesetzliche Lage, das nach Festsetzung sofort in Kraft treten soll; 2. Entwurf einer endgültigen Warschau, 20. März. (Z. T. A.) Aus der Provinz treffen weitere Nachrichten über judenfeindliche Ausschreitungen ein, die sich in den letzten Tagen ereignet haben. In Lodz wurden Juden in den Hauptstraßen von. jugendlichen Nationaldemokraten überfallen, auch Nichtjuden, die jüdische Läden betraten, wurden angegriffen. Vierzehn Nationaldemokraten wurden verhaftet. In dem von 150 jüdischen Familien bewohnten Ort Karczew bei Otwook kam es am Wochenende zu mehrfachen judenfeindlichen Ausschreitungen. Die jüdischen Kinder wurden nach Warschau in Sicherheit gebracht. In Bochnia kam es zu Angriffen auf eine Reihe jüdischer Wohnungen. Die Fenster der Synagoge wurden zertrümmert. Die Rädelsführer der Ausschreitungen wurden verhaftet, aber nach wenigen Stunden freigelassen. In einem Zug zwischen Warschau und Otwoek wurden jüdische Reisende von Handelsschülern angegriffen. Die Exzedenten entzogen sich der Verhaftung durch die Flucht, nachdem sie die Notleino gezogen und den Zug zum Stehen gebracht hatten. Blutbeschuldigungsprozefi in Radom Warschau, 20. März. (2,. T. A.) Vor dom Kreisgerioht in Radom hatte sich der Bauer Jan Koziol aus einem Dorf im Kreis Sandomierz wegen Verbreitung der Blutbeschuldigung gegen Juden zu verantworten. Koziol war der Urheber eines Gerüchtes, daß die Judon in Tarnobrzeg ein 20jähriges christliches Mädchen „zu rituellen Zwecken“ getöet hätten. Koziol forderte die Bauern auf, Rache an den Juden zu nehmen. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis hei vierjährigem Strafaufschub verurteilt. . Fast alle jüdischen Zeitungen in Warschau wurden konfisziert, weil sie Einzelheiten über den Pogrom in Przytik gebracht haben. Eist reuiger Pogromheld Warschau, 20. März. J. T. A.j Ein gewisser Stephan K o 1 c z a k hat aus Amerika der in Warschau lebenden Witwe Meinfeld und ihren vier Kindern 10.000 Dollar überwiesen. Kolczak hatte 1919 an einem Pogrom teilgenommen, bei dem der Gatte der Frau Meinfeld den Tod fand. In einer Anwandlung von Reue beauftragte er nun den Warschauer Anwalt Leon Szliew i n s k i, die Angehörigen des Pogromopfers ausfindig zu machen, um sie zu entschädigen, was dem Anwalt auch gelang. Osterreise noch Polen BILLIG, BEQUEM, D-ZUG AUSKÜNFTE: DR.S.TOCKER „IN DIE WELT;‘ IX. LIECHTENSTEINSTRASSE 2, TEL. A14-504 In Vorbereitung: Zweiwochenfahrten ln ganz Polen um S 50*— Besserung der Arbeitslage in Palästina Aus Jerusalem meldet Palcor. Das Zentralbüro der Histadruth veröffentlicht morgen eine Aufstellung aller Siedlungen in Palästina, in denen die jüdische Arbeitslage eine Besserung erfahren hat, insbesondere der Kolonien, in denen sich mehrfach ein Arbeitsmangel bemerkbar macht. Danach wird es nötig sein, daß städtische Arbeiter aufs Land gebracht werden, um die dringenden Arbeiten in den Pflanzungen zu Ende zu führen. Es wird dort mehr denn je gearbeitet, infolge der guten Preise, die Orangen in London erzielen. Eine bemerkenswerte Besserung ist auch in den Städten zu verzeichnen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.