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Die Stimme · 1936-03-20 · Heft 533 (20.3.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 533 (20.3.1936)
Date
1936-03-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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feit« 4 Dtt STIMM! Nr. 583 — 20. März 1988 Disziplin, Ordnung und Schulung mitgebracht. Diese Eigenschaften hätten sich bereits durch bedeutende Fortschritte in Landwirtschaft und Industrie ausgewirkt. XHe Hälfte des notwendigen Betrages schon gesichert Lord Bearsted richtete an die Versammlung den Appell, eine Million Pfund für die Arbeit der nächsten vier Jahre aufzubringen. Dies sei keine unmögliche Aufgabe. Etwa die Hälfte dieses Betrages sei bereits gesichert. Die beiden ersten Spenden habe man von zwei nichtjüdischen Engländern erhalten. Unsere glückliche Lage in England, schloß Lord Bearsted. darf uns für das Geschick unserer jüdischen Brüder in anderen Ländern nicht blind machen. 300.000 Dollar für Keren Kajemeth In Amerika New York, 18. März (JTA). Auf der Jahresversammlung des Keren Kajemeth für die Vereinigten Staaten teilte Dr. Israel Goldstein mit, daß im Jahre 1935 in den Vereinigten Staaten 297.000 Dollar für den Keren Kajemeth, das heißt um 50% mehr als im vorangegangenen Jahr, gesammelt wurden. Restaurant Rillet Restrenommierte Küche Reichhaltige Menüs a S 1*90 u. 2*60 11., Hammerpurgstal gasse 3 (nächst Sa'ztorbrücke) Die Tochter des Rabbiners Taglieht enthaftet Wie seinerzeit gemeldet, wurde die Tochter des Wiener Rabbiners Taglicht, Edith Taglicht, in Berlin unter dem Verdachte hochverräterischer Umtriebe im September vorigen Jahres verhaftet. Im Prozeß gegen Schuhmann und Genossen, der jetzt in Berlin zur Verhandlung kam, konnte Edith Taglicht ihre völlige Unschuld beweisen. Sie war nur ganz zufällig mit dem Kreis der wegen Hochverrates in Untersuchung gezogenen Angeklagten in Berührung gekommen. Edith Taglicht, die 6Vz Monate in Haft, war, wurde freigesprochen. Sie kehrte sofort nach Wien zurück. ... Wirtschaftsstelle des Palästina-Amtes. Die ‘Wirtschaftsstelle des Palästina-Amtes te:lt mit, daß nunmehr ein übersichtlich geordnetes Nachschlagewerk über die Z o 11gesetzgebung und deren praktische Handhabung aufliegt. Diesbezügliche Auskünfte werden den Interessenten in den Sprechstunden der Wirtschaftsstelle: Montag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 12 Uhr vormittags, I., Marc- Aurel-Straße 5, erteilt. imjmmiuiuiuni mm Am Sonntag, den 29. März, findet um 11 Uhr vormittags im Kreuz-Kino, W o llz eile 17, die festliche Uraufführung des ersten jüdischen Jugendfilms „W ir jungen Jude n“ statt. Karten erhältlich im Zionistischen Landeskomitee, Wien, /., Marc-Aurel-Straße 5. Zionistische Bezirkssektion, VI., Loqualpiatz 11, Jüdische Kulturstelle, Wien, L, Franz-Josefs-Kai 2. Gdud Z, irim: II., Lassingleitnerplatz 2. IX., Hörigasse 13. VII., Kaiserstraße 30. XX., Denisgasse 33. IL, Innstraße 6. Auf telephonischem Anruf R 41-4-21. an fnoJtg&n — pensCon sc&üfyt vo\ Jotye*1/ t b«i B«rufiuniahlaU«i» IMVAllDintTJ.RIMTIM S. für «In lorglos«* All«. ALTERS-RIM TI II 3. Im Abl.btmfafl« UIHT!R8LimNKH.*INT» % ALLGEMEINE VERSICHERUNG! A.-G. PENSIONS-VEREIN WIEN, SCHELLINCG ASSE 1 Der große deutsche Rezitator LUD1MIQ NARDT liest Sonntag, den 22. März, 20 Uhr, im Saale des Ingenieur- und Architektenvereins (1. Eschenbachgasse 9): „Dichtungen vom Humor der Juden" Karten von S 1*- bis S 41in der Jüdischen Kulturstelle, I., Kai 3, R 28-2-36 / Buchhandlung Mejstrik, I.. Wollzeile 6/ M. Rath, II., Taborstraße 20a und Gronner, I., Graben 28, U 22-4-45 Vortragsabend Ludwig Hardt Ein jüdischer Künstler von Geistes Gnaden wellt in Wien, wohl der begnadetste lebende Rezitator jüdischer Herkunft: Ludwig Hardt. Von den Männern, die heute den jüdischem Kulturbünden Deutschlands ihr Gepräge leihen, ist Hardt, der jahrzehntelang vom gesamten kunstliebenden deutschen Publikum Bejubelte, einer der Stärksten. Sein Vortragsabend im Konzerthaus erklärte die Triumphe seiner Könnerschaft: in der Auswahl der Dichtungen, ihrer Aneinanderreihung (besser gesagt: in dem architektonischen Aufbau des Programms), ja, in jeder Nuance der Wortgestaltung offenbarte sich ein überdimensionaler, fast möchte man sagen: jüdischer, tiefbohrender, zauberartig das „Ding an sich“ enthüllender Verstand — gebändigt durch priesterhaft strenges Bewußtsein der künstlerischen Verantwortung! Hardts Rezitationsweise ist nicht „modern“. (Gibt es überhaupt noch in der Moderne eine Kunst der Rezitation?) Denn er bringt sich in seiner menschlich-künstlerischen Totalität als Opfer dar: mit Stimme, Gebärden, Körper. Er bewegt sich hinter dem Vortragstisch — aber das ist nicht mehr Hardt selbst! Das ist der Geist des Ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts, der mit leidenschaftlich bewegter Stimme über die Verschlechterung der Welt klagt! (Schiller: An die Freunde.) „Die Bretter, die die Welt bedeuten“, das war gewissermaßen das Thema, welches Hardt mit Paraphrasen umwob — welche Welt der Verwandlungsmöglichkeiten! (Hardts große Kunst ist ja das Hineinschlüpfen in andere Gestalten, andere Situationen, andere Epochen. Das Zeitalter der-Minna von Barn heim wird lieblich lebendig in der entzückenden Kritik des seligen Matthias Claudius (erdichteter Briefwechsel zwischen Vater und Sohn über die Hamburger Uraufführung); derselbe Claudius aber vermag es, die weltweite Unterschiedlichkeit zwischen Shakespeare und Voltaire in einem dämonisch hellsichtigen Vierzeiler aufzureißen („Meister Arout sagt: ,Ich weine‘ — und Shakespeare weint!“) — dann ein Sprung über ein Jahrhundert: „Hier (in der Westminster-Abbey) liegt Shakespeare begraben — und die anderen englischen Könige.“ Oder: „Gott, Gott, was bis du für ein Shakespeare!“ Doppeltes Kunstwerk: dieser Ausruf Peter Altenbergs, von Hardt außgerufen! Haften bleibt die gespenstige Beschwörung der Louis-Quinze-Zeit in der Tänzer-Novelle „Menuett“ von Maupassant; Heines Cancan-Tänzerin Pomare wird schicksalhaft lebendig. Grauenhaft selbstmörderisch verwandelt sich der Mann am Vortragstisch in einen Affen — nicht doch: er ist kein Affe mehr, sondern hat eich aus einem Varietöaffen aus eigener Willenskraft zum Menschen empor entwickelt und berichtet nun mit den Worten Franz Kafkas einer Akademie der Wissenschaften über sein äffisches Vorleben: „Offen gesprochen, ihr Affentum, meine Herren, soferne Sie etwas Derartiges hinter sich haben, kann Ihnen nicht ferner sein als mir das meine.“ Verzweifelter GeJäehterstiurm des Publikums. — „Girls“ von Polgar: die Sinnlosigkeit unserer Pseudoerotik, Pseudo-Zivilisation wird offenbarl Man lacht befreit Uber die Schauspiele r p o r t r ä t s, die Hardt bietet, indem er einige Prominente (Wegener, Baseermamn, Pallenberg) die erste Strophe der „Glocke“ aufsagen läßt, deren typische Senk- und Sprechweise karikiert. Bloß wenn er den Schatten Wedeklnds heraufbeschwört, lacht keiner, erfüllt Angst das Publikum: er der da droben lächerlich die Zunge verdreht, ist das noch Hardt? Oder eine Metamorphose Wedekinds? Die Vielzuwenigen, die zu Hardts Vortrag gekommen waren, dankten ihm an Stelle der Mehrzahl, die das Tingeltangel bevorzugt oder zu Hause bleibt... Dr. Alfred Werner. Franz Werfel über sein Bibel-Drama In der Lembcrger „Chwila“ berichtet der Wiener Korrespondent Doktor Josef Finkeistein über ein Gespräch mit dem Dichter Franz Werfel. Dem Interview entnehmen wir folgendes: „Sie wollen wissen, was mich eigentlich zu einer Bibeldiohtung inspiriert hat? Auf eine ewige jüdische Frage, wollte ich eine ewige Antwort geben. Durch diese Dichtung will ich dem jüdischen Volk Trost und Kräftigung geben. Alles Unglück, alle Verfolgungen und alles Elend, die man seit tausend Jahren bestanden hat, gibt einem Volke Kraft zur Gegenwehr und auch die Möglichkeit, das Unglück der Gegenwart mit dem richtigen Maßetab zu sehen. Die liberale Epoche war für unsere Geschichte nur ein Augenblick. In der Not der Zeit bleibt uns die Bibel, als die wahre Erlösung. Meine Absicht war, auf diese Kraftquelle von der Bühne hinzuweisen. Ich hoffe und habe den Glauben, daß mir mein Ziel gelingen wird. Meine Anwesenheit in Amerika und die Proben, denen ich beigewohnt habe, geben mir die Hoffnung, daß ich mich über die Wirkung meines Werkes -— unter der ausgezeichneten Regie Reinhardts — nicht täusche. Die Aufführungen werden ira Herbst beginnen. Möglicherweise werde ich zu den Aufführungen nach Amerika fahren. Wenn auch nicht im kultischen Sinne, war ich immer von tiefer Religiosität durchdrungen. Das Judentum muß Ijeweisen, daß es der Ursprung und das Ende alles religiösen Glaubens des Abendlandes ist. Ohne das Judentum gäbe es heute keine abendländische Kultur und keine Gesittung.“ Über seine. Eindrücke . vom. Leben der amerikanischen Juden befragt, sagte Werfel: „Ich bewundere die enorme Kraft, die das Ostjudentum in 6ich hat. Und wenn ich auch in Amerika Ansätze des unter fremden Einflüsse kommenden Antisemitismus sehe, habe ich dennoch keine Angst. Das dortige Judentum ist stark und — es ist sich seiner Stärke bewußt.“ In Erez Israel ist Werfel zweimal gewesen. „Zum Zionismus“, sagte er, „stehe ich absolut positiv. Über das Aufbauwerk in Erez Israel werde ich mich immer wieder — schon infolge des tief in mir innewohnenden jüdischen Patriotismus — mit Freude und Genugtuung informieren. Meine letzte Liebe aber gilt der tiefen Religiosität, in der ich Ruhe, Trost und Freude suche im Wirrnis der heutigen Zeit...“ Konzert Es ist erfreulich, wenn man in der Zeit des mangelhaften künstlerischen Nachwuchses über junge verheißungsvolle Künstler sprechen kann, die vielleicht in einer nicht allzu fernen Zukunft zu den „arrivierten“ zählen werden. Duno Tendier, dessen mächtiger, voluminöser Bariton mitunter an Urbano in seiner Glanzzeit erinnert, versteht es mit seinem kostbaren Organ umzugehen. Sowohl die Diktion, als auch das runde, schmiegsame Legato, die dynamischen Übergänge, die musterhafte Atemführung verraten ernstes Studium, Ehrgeiz und Intelligenz. Ein samtweiches Timbre, natürliches Temperament und — trotz der Jugend — kein „Drauflosgehen“, kein übertriebenes „Loslegen“. Das Programm enthielt vorwiegend italienische Lieder und Arien (unter anderem Figaros Cavatine aus „Barbier von Sevilla“ von Rossini, ferner „Rigoletto“ von Verdi, und „Zaza“ und Prolog aus „Bajazzo“ von Leoncavallo). Besonders prächtig sang Tendier eine Arie aus „Elias“ von Mendelssohn und das bekannte „Arioso“ von Händel. Duno Tendier hat schon des öfteren Werke neuer jüdischer Musik gesungen (letzthin im Kammermusikabend des Vereines zur Förderung jüdischer Musik). Diesmal war er ganz besonders gut disponiert und konnte seine nicht alltägliche Stimmbegabung Ins beste Licht setzen. Alles in allem, ein neuer Stern am Sängerflrmament, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Eine ganz aparte Erscheinung ist die junge, bildhübsche Diseuse Beatrice Waghalter< die am Mittwoch (11. März) sich geladenem Publikum und Presse vorstellte. Aus echter künstlerischer Kinderstubo hervorgegangen, (ihr Vater war Generalmusikdirektor und erster Dirigent der Charlottenburger Oper in Berlin), brachte sie die angeborene Musikalität auf die Welt mit; aber auch eine frische blühende Stimme und ein mimisches, wie auch sonst schauspielerisches Talent kommt ihr zugute. Sie singt in italienischer, französischer, deutscher, englischer, spanischer, jüdischer und hebräischer Sprache. Mit viel Inbrunst sang sie das Freitagabendgebet beim Liohteranzünden, und mit echtem Humor das bekannte Lied „Jome, Jome“. Moisterieistungen waren die französischen und englischen Chansons. Es wäre sehr interessant und begrüßenswert, diese hochtalentierte Künstlerin im Rahmen eines eigenen Abencis am Podium zu hören. Jul. Wolfsohn. Autorenabend Alfred Werner Donnerstag, 26. März, 19 Uhr 15, findet im Jüdischen Kulturtheater ein Autorenabend Alfred Werners statt. Aue den Werken des Dichters liest Maria G u t m a n n. Einleitende Worte: Dr. Oskar Bendiener. Jüdische Künstferspiele II., Pratemtraße 84, Tel. R 45-4-94. Die vielleicht berühmteste Schlagerkomödie aller Zeiten „Ziplte Fajer“ wurde wieder in den Spielplan aufgenommen. „Zipke Fajer“ hat bestimmt mehr als 1000 Aufführungen erreicht und es gibt' kein jüdisches Theaterzentrum, wo diese Komödie von J. Kalich, mit den populären Musiknummer von Rumschinsky nicht schon erfolgreich gespielt wurde. Bei den dieswöohentldchen Aufführungen von „Zipke Fajer“ (Freitag, den 20. d., Samstag, den 21. d., und Sonntag, den 22. d.) wird Sevilla Pastor zum erstenmal die Hauptrolle kreieren. Sonntag, den 22, d., nachmittags halb 4 Uhr, epielt Sevilla Pastor in der musikalischen Komödie „Pojazzenliebe“. Für diese Vorstellung gelten ermäßigte Preise. Der weitere. Spielplan lautet: Montag, den 23. d.: „Tanzt Jüdalech“, Dienstag, den 24. d.: „Masltow“, Mittwoch, den 25. und Donnerstag, den 26. d.: „Die rumänische Chassene“. * „Scha, scha, der Rebbe fuhrt“. Die Premiere dieser musikalischen Komödie, die im chassidischen Milieu spielt, wurde für Freitag, den 27. d., an gesetzt. „Das Land der Verheißung" Die erfolgreiche Serie von Sonntagsaufführungen des großartigen Palästina-Tonfilmes der Fox: „Das Land der Verheißung“ in Wien, findet ihren vorläufigen Abschluß mit der Sonntag, den 22. März, vormittags 11 Uhr, Im Imperial-Kino stattfindenden Vorstellung. Die Ansprache hält an diesem Tage Frau Irene Harand, die große Vorkämpferin gegen den Antisemitismus, und es ist darum mit einem besonders starken Andrang zu rechnen. Besorgen Sie sich rechtzeitig Eintrittskarten im Vorverkauf! Hasmonea-Makkabi—Helmltilfe Vergangenen Sonntag unterlag Hasmonea- Makkabi gegen die Frrmeninannechaft Heimhiife 0:5. Die Reserve gewann nach hübschem Spiel gegen S. C. Krieau 6:5. Kommenden Sonntag spielt Hasmoneo- Makkabi um 10 Uhr am Elektra-Platz gegen Sp. C. Renz, zu welchem Kampf die Vereinsleitung durch Neueinstellungen und Reaktivierungen ein spielstarkes Team stellen wird. Vor dem Meisterschaftsspiel tritt die Reserve gegen Sp. C. Goldschmiedt an, während die zwei Schülermannschaften das Vereines Samstag. 8 Uhr, am Elektra-Platz ein Trainingsspiel gegeneinander absolvieren werden. Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Wien, IX., Otto Wagnerplatz Nr. 5 - Frankhplatz Nr. 3 Verabsäumen Sie es nicht, in jedem Rechtsstreit sich gegen die Prozeßkosten zu versichern Nähere Auskunft über unsere Prozeßkosten* Versicherung erteilt Ihnen Ihr Rechtsanwalt Palästinareise Triest—Haifa and zurück ist der L Preis anläßlich der März-Bttchsenleerung des Keren Kajemeth (Mindestbetrag S 5*—)

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