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Die Stimme · 1936-03-20 · Heft 533 (20.3.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 533 (20.3.1936)
Date
1936-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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* gfc m — SO. MSffa 1996 Oll STIMMI Salt« 5 2äm*M ri&ääü&jeaBi MM Pg „Der arme Araber“. Eine der gelungenen Karikaturen in den Sofien-Sälen beim Ball des Klubs Erez Israel, miiiiiiiiHiiiiiiiiiiiimiiiiimmiwiiiiimiiiiimimiiiiiimiimmimmiiiiimmm Dse Lage in Palästina Vortrag des Mitgliedes der Exekutive J. L. Fischmann Montag, den 23. d. M., um 8 Uhr abends, findet im Restaurant Kadermann, Prater, eine Massenversammlung, von allen Zionistischen Organisationen Wiens veranstaltet, statt, in der das Mitglied der Exekutive der ZO. Raw J. L. Fischmann (Jerusalem) über das Thema „Die gegenwärtige Lage in Palästina“ sprechen wird. Außerdem werden in dieser Versammlung Vertreter aller Zionistischen Organisationen Wiens das Wort ergreifen. Juden Wiens, erscheinet in Massen! Mmrm zur Scnekel- Zionisten! In ernster Stunde tritt die Zionistische Exekutive an euch mit der Forderung heran, die Schekelaktion dieses Jahres ungesäumt zu beginnen und mit erhöhter Energie durchzuführen. Der gefährliche Angriff der Palästina-Regierung auf die Rechte und Entwicklungsfreiheit des Jischuws einerseits und die Bedrohung der Grundlagen unserer Bewegung durch eine Gruppe, welche die Organisation verlassen hat, anderseits, legen die Pflicht auf, in diesem kongreßlosen Jahr mindestens die gleiche Schekelzahl zu erreichen, wie im vergangenen Kongreßjahre. Es ist der Unfug eingerissen, daß viele Zionisten die Erfüllung der ersten zionistischen Pflicht, den Schekel zu erwerben, im kongreßlosen Jahr verabsäumen. Dieser Zustand ist unerträglich. In völliger Verkennung der hohen Bedeutung des Schekels als Bekenntnis zum Zionismus hat sich in weiten Kreisen der Bewegung die Meinung festgesetzt, der Schekel sei lediglich ein Mittel, um sich das Wahlrecht zum Kongreß zu sichern. Das ist eine unserer großen Bewegung unwürdige Anschauung. Auch bringt sie Zerrüttung der Finanzen unserer Organisation mit sich. In schicksalschwerer Zelt ist es besondere Pfficht aller Teile der Bewegung, den Wert des Schekels als Ausdruck des zionistischen Bekenntnisses und der innigen Verbindung mit der Zionistischen Organisation wieder zu voller Geltung zu bringen. Zionisten! Erwerbet und verbreitet den Schekel! Bekundet so die Treue zur Organisation, stärket die Reihen unserer Organisation, damit sie den schweren Kampf, den ihr die Feinde unserer Bewegung aufgezwungen haben, mit Erfolg bestehe. Die Landesschekelkonimission: Dr. A. Groß (Allg. Zion.), Obmann A. Drlmmer (Binjan Haarez), Obm.-Stellv. Fritz Richter (Jndenst. Z.), Obm.-Stellv. I. Müller (Allg. Zion.), R. Niedermajer, (Rad. Zion.), A. Lewit (Allg. Zion.), H. Klausner CMisrachi), Dr. P. Mayer (Binjan Haarez), J( Schein (AdolfnStan3<Wb)' Das jüdische Kinder-Ambulatorium Im Haus Rauecheretraße 16, in der Nachbarschaft des Augartens, steht das Kindernmbulatornim der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Eigentlich hätte eis ein richtiges Kinderspital werden sollen, alle Pläne waren schon fertig gewesen, und es sollte an die Errichtung der Anstalt geschritten werden, ale der Krieg ausbrach. Nachher ist es, wie in vielen ähnlichen Fällen, nicht mehr zur Verwirklichung der Pläne gekommen. Mit um eo größerer Liebe und Sorgfalt wurde aber das ausgebaut, was man doch machen konnte: das Ambulatorium, dem später eine Sonnentagesheimstätte angeschlossen wurde. Dem Besucher fällt beim Eintritt in das Ambulatorium zunächst eines auf, ein Negatives: Wo ist das Personal? Da gibt es nicht die übliche Kanzlei, keinen Portier, man muß in das Ordinationszimmer hiineingohen, erst dort findet man jemanden, der einen empfängt. Man hört dann später vom Leiter des Ambulatoriums, Univ.-Prof. Dr. Julius Zappert, daß die Anstalt außer den Personen. die unmittelbar für die Behandlung der Kinder unbedingt notwendig sind, überhaupt kein Personal hat. Man sieht hier wieder, wie mit den Mitteln der Knltusgemeinde gearbeitet wird: größter Effekt bei kleinstem Aufwand. Außer dem Leiter des Ambulatoriums gibt es nur noch eine Assistentin und eine Schwester, die manchmal, wenn der Betrieb zu groß ist, noch eine zweite zur Aushilfe bekommt. Neben der gewöhnlichen ambulanten Behandlung wird im Ambulatorium auch kleine Chirurgie gemacht. Die Kinder, die sich melden, werden, wie in allen Krankenanstalten, ohne Unterschied der Konfession angenommen. Es kommen im Jahr etwa 3000 Patienten zur Behandlung, die Zahl der Ordinationen geht bis 9000. Außerdem werden etwa 200 Impfungen im Jahr vorgenommen. Eine sehr respektable Leistung für ein Ambulatorium mit so kleinem Apparat. In den Frühjahrswochen hat das Ambulatorium noch eine besondere Aufgabe zu erfüllen: Es werden ihm von der Kultusgemeinde alle Kinder, die für die Verschickung in ein Erholungsheim in Betracht kommen, zur Untersuchung zugeschickt. Das Sonnen-Tag esbeim Hinter dem Pavillon des Ambulatoriums, auf der Augartenseite, steht inmitten einer großen Wiese das Sonnentagesheim. Es verdankt seine Entstehung einer gemeinsamen Aktion der K u 11u sg e m e in d e und der Benei Brith-Veranigung „E i n t r a c h t“. Es ist eine einfache, aber sehr nett und mit allem Nötigen eingerichtete Anstalt. An der Sonnenseite ist die langgestreckte Liegehalle, in der etwa hundert Kinder Platz haben. Die eine Seite der Wiase ist vollkommen frei und den Sonnenstrahlen ausgesetzt, die andere Seite ist mit Kastanienbäumen bestanden und im Sommer schattig. Je nach dem Wetter und der Anordnung des Arztes spielen die Kinder auf der einen oder der anderen Wiese. Das Sonnentagesheim ist besonders für lungenverdächtige Kinder eingerichtet. Der Betrieb dauert von Anfang Juni bis Mitte September. Die Kinder werden in drei Partien aufgenommen, so daß je 100 bis 110 auf einmal im Sonnentagesheim sind. Jede Partie ist einen Monat lang in dem Heim. Die Kinder kommen um 8 Uhr früh und hlplhftn bis fi TTbr abends. In einer eierenen Küche wird für sie gekocht. Es handelt sich durchwegs um Kinder, die Ernährungskuren machen müssen. Die Erfolge auf diesem Ge-! biet sind verblüffend. Kein Kind kommt ohne Gewichtszunahme heraus, jedes nimmt mehr als zwei Kilo zu, manche auch vier bis fünf Kilo. Innerhalb eines Monats ein schöner Erfolg! Die Kinder stehen unter der Aufsicht von einer Schwester und sechs Pflegerinnen, die alle als Kindergärtnerinnen geschult sind. Nach ärztlicher Vorschrift machen sie ihre Sonnenliegekur, außerhalb dieser Zeit werden sie kindergärtnoriseh mit allerhand Arbeiten beschäftigt oder sie spielen auf der Wiese. Die meisten Kinder kommen mehrere : Sommer nacheinander in das Sonnentagesheim. Gewöhnlich sind zwei Drittel der | Pfleglinge alte Gäste.! Im Sonnentagesheim sind nur jüdische ■ Kinder. Das ist eine ausschließlich jüdische Aktion, von Juden für bedürftige jüdische | Kinder eingerichtet. | Die Verpflegskosten für ein Kind stellen sich auf S 2.40 täglich, ein Betrag, der aber von dein Eltern dieser Kinder nur in den | seltensten Fällen aufgebracht werden kann. Tatsächlich bewegen sich die Beiträge der Eltern knapp an der 50-Grosehengrenze. j Etwa die Hälfte der Kinder zahlt nichts, j Die Anstalt in der Rauscherstraße gehört zu den schönsten Einrichtungen der Wiener Kultusgemeinde. Hunderte und aber Hunderte von Kindern armer jüdischer Eltern I finden hier ihre Gesundheit wieder, können 1 sich erholen und kräftigen. Die Mittel und : die Energien, die hier investiert werden, | sind fruchtbar investiert. Auch dieses Haus verläßt man mit dem einen Gedanken:: so schöne und nützliche jüdische Anstalten müßte es in allen Vierteln Wiens geben, damit alle jüdischen Kinder Wiens, die der . Pflege bedürftig sind, des Segens dieser Fürj sorge teilhaftig werden können. rein Kuneroi ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsieget der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kuneroi unter Aufsicht Sr. Ehrwurden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. Das100%reine Kokosnußfett Nur echt in Originalpackung! Die Sammlungen fiir Aus London wird gemeldet: Mit einer eindrucksvollen Veranstaltung im Dorchester Hotel in London wurde am 15. März dio Sammlung des Council for German Jewry zur Aufbringung von einer Million Pfund für die berufliche Umschichtung und Auswanderung von Juden. aus Deutschland feierlich eröffnet. Zu der Konferenz waren über tausend repräsentative Persönlichkeiten der englischen Judenheit erschienen. Den Vorsitz führte Anthony de Rothschild. Anthony de Rothschild über die Lage der Judenheit Anthony de Rothschild erklärte in seiner Eröffnungsansprache u. a.: Unser Plan nimmt die Herausforderung der Nürnberger Gesetze auf und erstrebt den geordneten Auszug einer großen Zahl von Juden aus Deutschland nach Palästina und anderen Ländern, die bereit sind, sie aufzunehmen. Viel Geld *wird benötigt, um durch Umschulung der Einwanderer sicherzustellen, daß sie wertvolle Bürger ihrer künftigen Heimat werden. Ein leitendes Prinzip wird BfiiA) daa Geld aa Mimenden, d&ß eiofic die deutschen Juden möglichst großen Zahl von Menschen Auswanderungsmöglichkeit geboten wird. Sir Herbert Samuel erklärte, die Konferenz werde ihre Arbeiten bis zur Erreichung ihrer Ziele fortsetzen, falls nicht schwere Ereignisse Europa erschüttern sollten. Sollen wir warten, rief Sir Herbert Samuel, bis Deutschland sich selbst frei macht von der Schande, die auf seinem Namen ruht und die charakterisiert ist durch die Existenz eines Julius Streicher und eines „Stürmer“. Sollen wir warten, bis der Völkerbund und dio Mächte eine Aktion ergreifen, um Deutschland zu einer Änderung seiner Politik zu veranlassen? Ich sehe keine Anzeichen zu einer Änderung in absehbarer Zeit. Während der letzten drei Jahre, fuhr Sir Herbert fort, haben über 30.000 Juden aus Deutschland in Palästina Zuflucht gefunden. Unsere Aufgabe ist es, diese Aufnahmefähigkeit zp entwickeln und zu erhöhen, damit Palästina hunderttausenden Auswanderern äiUfi Europa zur Heimstätte merdeu kann* Ich hoffe, sagte Sir Herbert, daß in vier Jahren 50.000 Juden aus Deutschland nach Palästina kommen werden, das heißt, über 12.000 jährlich. Wir können es nicht zulassen, daß die Angehörigen einer großen jüdischen Gemeinschaft leiden, nur weil sie Juden sind. Es genügt nicht, ihnen Sympathie zu zeigen oder unsere Erbitterung auszudrücken. Wir müssen durch Hilfe in jeder Form zu ihrer Rettung beitragen. Dr. Chalm Weizmann setzte auseinander, daß Palästina imstande sei, jährlich 12.000 bis 15.000 Juden aus Deutschland aufzunehmen. Während andere Länder Auswanderer nur in kleiner Zahl und nur allmählich würden aufnehmen können, brauche Palästina Einwanderer in großer Zahl und sofort. Noch ein zweiter großer Unterschied bestehe zwischen der Einwanderung nach Palästina und der nach anderen Ländern: Palästina sei das einzige Land, in das die Juden kraft rechtlichen Anspruchs und nicht auf Grund von Duldung kommen. Im weiteren Verlauf seiner Ansprache zollte Dr. Weizmann den aus Deutschland stammenden jüdischen Siedlern in Palästina Anerkennung für ihre Leistungen. Sie hätten ■ 4549999999

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