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Die Stimme · 1936-03-17 · Heft 532 (17.3.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 532 (17.3.1936)
Date
1936-03-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 DIE STIMME Nr. m — 17. Män 1938 EREZ ISRAEL Unter den chinesischen Pfefferbäumen Im Rotschild-Boulevard, in der Nähe des Ausganges zur Herzlstraße, stehen nebeneinander zwei chinesische Pfefferbäume, die auf ihren dünnknorrigen Grundästen gegen die anderen Bäum« gleicher Art, die die Tel- Aviver Stadtverwaltung von „vielen Jahren“ zu beiden Randseiten der Allee pflanzen ließ, besonders reich verzweigte, weit ausholende und blätterdichte Kronen haben. Im Schattenbereich dieser Bäume, unter denen je eine Sitzbank stellt, befindet sich .der ständige Sitz des Tel-Avivei Parlaments. Es ist kaum zu bezweifeln, daß diejenigen unter den Lesern, die schon einmal in Tel- Aviv waren, beim Lesen dieser Zeilen durch ein wissendes Lächeln ihre Informiertheit um diese gesellschaftliche Einrichtung Tel- Avivs zu erkennen geben werden. Für die anderen jedoch, die noch keine Gelegenheit hatten (sie aber auf alle Fälle einmal haben werden), die zauberhafte Atmosphäre dieser Stadt in sich aufzunehmen, muß bemerkt werden, daß es sich hier nicht um den zur Iriah gewählten Rat der Stadt.väter handelt (um diesen kümmern sich die Tel-Aviver Bürger, sehr zu ihrem Schaden, noch viel zu wenig), sondern um das richtige, aus dem Tel-Aviver Boden organisch herausgewachsene Volksparlament, welches, nur von den Schabbath- und Feiertagen unterbrochen, an dieser Stelle permanent tagt. Hier werden die aktuellen Dinge, die die Stadt, das Land, die Welt beschäftigen, besprochen, geprüft, diskutiert — und entschieden. Wenn Tel- Aviv (und, ohne viele Einschränkungen, in ganz Palästina) von der Existenz dieses Beratungskörpers, und es wird derjenige schwer zu erfragen sein, der an ihm, wenig stens passiv und wenigstens eine Weile lang, nicht schon teilgenommen hat. Der seßhafte Tel-Aviver kann sich das Bild unter den chinesischen Pfefferbäumen von dem Gesamtcharakter seiner Stadt schwer wegdeDken. So lange er sich zurück erinnert, sah er die Versammlung in Perma nenz, streitend, gestikulierend oder auch in ernster Stille, von einer zahlreichen Ge meinde lauschender Zuhörer umgeben, die ihn berührenden Probleme behandelnd. In allen Lagen und in allen Konjunkturen war sie auf dem Posten. Die Jahre geben, es kommen Krisen, die sich in Zeiten der Prosperity auflösen, um dann neuen Krisen Platz zu machen. Es wechseln die Oberkommissäre. Die Einwohnerschaft der Stadt wuchs auf 20.000, auf 50.000, sie fiel auf 35.000 zurück und stieg dann auf 60.000, 100.000, 150.000 Seelen. Die Häuser setzten sich in Bewegung und gingen vier Kilometer nach Norden und nicht um vieles weniger nach Osten, die Saronadeutschen umarmend. Sie füllten die Kluft bis Jaffa im Westen, und sie beginnen sich auf dem zehntausend Migraschim umfassenden „erweiterten Tel-Aviv“ bei Mikweh im Süden niederzulassen. Alle diese Wandlungen vermochten keine Änderung in der Allee-Ecke bei der Herzlstraße herbeizuftihren. Wer zum Beispiel im Frühjahr 1925 mit der vierten Alijah ins Land kam, traf das Parlament bei seiner Arbeit an und wenn er der verlästerten Stadt Ende 1926 den Rücken kehrte, so warf er, beim letzten Passieren dieser, ach, so einladenden Ecke, noch einen letzten Blick auf die unermüdlich tagende Versammlung. Und dann kam es vor (oh, wie oft kam dies vor...), daß der untreue Irami- Emigrant' um mannigfache Erlebnisse und Erfahrungen reicher geworden, nach zwei, nach vier, nach sechs oder auch noch mehr Jahren, wieder in Tel-Aviv landete und die erste Stelle, bei der er besinnlich stehen blieb, war die Schedeirot-Rothschild-Ecko bei der Herzlstraße, wo im dichten Schatten der chinesischen Pfefferbäume, von einer Zuhörermenge umgeben, die lebhaft eifernden oder ernst darlegendeu Redner die Probleme des Tages behandelten — wie wenn das erst gestern war, daß er sie zum letzten Male gesehen, wie wenn er nicht in der Zwischenzeit in Warschau, in Kowno oder in Berlin all das erlebt hat, was er eben erlebt, hat. Dann schämt er sich wohl im Stillen vor diesen Standhaften seiner i Schwäche und seiner klugen, an den Tag gebundenen Berechnungen, und er fühlte in sich Achtung vor der Durchhaltungskraft dieser echten Palästinenser aufsteigen. Und da beschließt er, ihnen nunmehr gleich* zu sein... Eine Institution, die im Sturm und Wechsel der Ereignisse sich so bewährt hat, verdient mit Recht den Platz, den sie einnimmt. Sie erwies sich als der redende Pol in der Flucht der ehernen Dinge. Wer sich über die aktuellen Fragen informieren will, ist hier an der Quelle. Über die Zeit, die dem Hitlerregime noch verblieben ist, erhält man hier plausiblere Anhaltspunkte, als in Leopold Schwarzschilds „Tagebuch“ und in der „Neuen Weltbühne“: man ist. in der Lage, sich über die Zukunftschancen von Zabotynskis „Nazo“ ein besseres Bild zu machen, als durch das Studium des „Da-var“ und des „Hajarden“. Das Zentrum der Behandlung der Transferfr age befindet sich nicht in den Geschäftszimmern der ..Haavarah“, Schedeirot-Rothj schild Nr. 2a, oder bei der Agency in Jerusalem, sondern gerade hier, und dieses Zen- ] trurn war gar nicht erst auf den Doktunenten-Diebstahl bei der „Haavarah“ angewiesen, um auf die Geheimnisse dieser umstrittenen Institution zu kommen. Die Lust der Menschen, zu sprechen, ist groß. Das Dasein in diesem Lande ist voller Erlebnisse und Spannungen, und es ist schwer, sie allein zu tragen. Aber wer kennt in Tel-Aviv seinen Nächsten? Die Menschen, die herkommen, werden aus ihren gewohnten gesellschaftlichen Bindungen gerissen und hier sind sie zu Einzelgängern geworden. Sie stürmen und wirbeln durch- und aneinander vorbei, wie die Körper im Weltenraum. Die neue Eingesellschaftung ist eben ein langsamer Prozeß. Vielleicht offenbart sich uns hier das Geheimnis, das der Lebenskraft des Tel-Aviver Parlamentes zugrunde liegt. Eine Versammlung von Menschen ist empfänglich. Man zündet sich gegenseitig, man bestätigt und widerspricht, der uninteressierteste öffnet den Mund — und die Verbindung ist hergestellt. Die Schleusen öffnen sich von allen Seiten. Das Mitteilungsbedürfnis hat ein Ventil gefunden. Das Tel-Aviver Parlamentunter den chinesischen Pfefferbäumen erfüllt eine nützliche soziale Aufgabe. Ch. H. Nachdruck verboten! Wichtiges Wirtsdiaftsproblem Palastisias Von M. Y. Ben Gavriel, Jerusalem In den letzten Monaten macht sich im jüdischem Palästina jene nach größtmöglicher wirtschaftlicher Autarkie tendierende Bewegung in bedeutend verstärktem Maße bemerkbar, die „Tozereth-haarez-Bewegung“ genannt wird. Das heißt also jene Bewegung, die dahin zielt, den Import von Fremdwaren, die auch im Lande erzeugt werden, zu unterbinden und gleichzeitig die Verbreitung der Produkte palästinensischjüdischer Wirtschaft zu propagieren. Wie notwendig eine derartige Propaganda ist, zeigt schon ein kurzer Blick im die Handelssta-tistik Palästinas, die eine dem ökonomischen Leben dos Landes, dem Volksvermögen und dem Aufbau ßehr gefährliche Tatsache erkennen läßt. In einem einzigen Monat stieg der Import nach Palästina von 1.239.000 L’ay auf 1,527.000 L’ay, während der Export vom 64.000 auf 59.000 L’ay fiel, das heißt also, daß der Import um 23% stieg, während der Export in der gleichen Periode um 7% fiel. Dies heißt aber weiter, daß in einem einzigen Monat der Abfluß palästinensischen Volks Vermögens nach dem Ausland um nicht weniger als 1,468.000 Pfund die Einkünfte des Landes aus dem Export palästinensischer Produktion überstieg. Was dies bedeutet, nicht allein für die Handelsbilanz des Landes, sondern auch für das allgemeine wirtschaftliche Niveau ist zu klar, um weitere Erklärungen notwendig zu machen. Wohl gibt es Dinge» deren Import nicht zu umgehen ist, weil sie im Lande nicht erzeugt werden, wie z. B. gewisse Rohmaterialien oder besonders Maschinen, wohl drückt auf die Handelsbilanz auch der erzwungene Import im Zusammen hang mit der Transferierung jüdischer Vermögen aus Deutschland, aber bei näherer Untersuchung der Regierungsstatistiken wird man bedeutende Importposten finden, die bei einer geschlossenen patriotischen Haltung der Bevölkerung zu umgehen wären, einmal, weil sie Artikel betreffen, die im Lande erzeugt werden, zum andern, weil es sich vielfach um Waren handelt, die unter jeder Bedingung als lebensunwichtige Luxuswaren bezeichnet werden könnon, deren Import keineswegs den Aufbau, sondern einzig und allein die Privatbedtirfniss-e einer gewissen Schichte von Menschen fördert, welche für den Aufbau des Landes genug getan zu haben glauben, wenn sie ihr Heim im Lande aufgeschlagen habon. Diese passive Handelsbilanz, die in jedem Lando der Welt zu schweren Sorgen Anlaß geben würde, druckt heute noch nicht katastrophal auf die allgemeine Wirtschaft, da sich Palästina eines ständigen Zuflusses von Einwanderervermögen erfreut. Dieser — übrigeus jederzeit der Möglichkeit einer Änderung unterworfene — Vorgang darf aber nicht Entschuldigung sein für eine Tatsache, die mit ökonomischer Überlegung und mit patriotischer Haltung nicht in Einklang zu bringen ist. Natürlich darf man die Tozereth-haarez-Böweg’ung nicht mißverstehen; es handelt sich ihr durchaus nicht um prinzipiellen Boykott ausländischer Produktion, sondern vor allem um die — in jedem Land natürliche — Bevorzugung der Eigenproduktion. Nun macht Moshe Smiilajisky, der Führer der rechtsstehenden Bauern, in seiner Zeitschrift auf eine gewisse Diskrepanz offi zieller wirtschaftlicher Maßnahmen in diesem Zusammenhang aufmerksam. Er fragt wie sich die Aufmunterung fremdländischen Imports nach Palästina durch die Tel- Aviver Messe mit der Tozereth-Haarez-Bewegung in Einklang bringen läßt. Die Frage ist stichhältig und müßte eingehend besprochen werden. Diese Besprechungen müßten in den Beschluß münden, durch die Messe eben nur jene Waren zu fördern, die un Lande entweder gar nicht oder aber in schlechter Qualität hergestellt werden, um im letzteren Fall, durch zeitweise erhöhtem Import auf eine Qualitätserhöhung der Inlandproduktion zu wirken. Natürlich kann die gesamtpalästinensific-he Handelsbilanz kein befriedigendes Bild zeigen, ehe nicht auch der arabische Konsument (und der arabische Produzent) von einer gesaratpalästinensischen Tozeretb- Haa rez-B ewagung erfaßt und aufgeklärt wird, da dtas verbinduugslose Nebeneinanderarbeiten zweier getrennter Wirtschaftskörper im gemeinsamen Lebens-, Konsumtions- und Zollraum eine dauernde Stabilisierung der Landwirtschaft nicht zuläßt. Es wird sich daher über kurz oder lang die jüdische Tozereth-Haarez-Bewegung veranlaßt sehen, der Propaganda einer gesamtpalästinensischen Autarkie näherzutreten (einer Selbstversorgung natürlich nur im Rahmen der dem Lande gegebenen Möglichkeiten) — da die jüdische Industrie ja nicht allein für jüdische Abnehmer produzieren kann und will, während anderseits die Bevorzugung arabischer Produkte, wo jüdische nicht vorhanden sind — zur Stärkung der palästinensischen Handelsbilanz boiträgt. Und — last not least — auch Arbeitsmöglichkeiten für jüdische Arbeitnehmer in arabischen Produktionsstätton schafft, wie es schon heute, zum Beispiel, in der arabischen Zigarettenindustrie Palästinas der Fall ist. Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft PHONIX Wien, IX., Otto Wagnerplatz Nr. 5 - Frankhplatz Nr. 3 Verabsäumen Sie es nicht, in jedem Rechtsstreit sich gegen die Prozeßkosten zu versichern Nähere Auskunft über unsere Prozeßkosten* Versicherung erteilt Ihnen Ihr Rechtsanwalt Dos £*nek-JÜed Ruhe herrscht jetzt für den Müden, Arbeit schwelgt, Ruf und Befehl, Helle Nacht und Abendfrieden Über Emek JesreeL Silbertau und Silbermond im AU Von Beth Alpha, bis Nahalal. Klar klingt zauberhaft die Nacht, Still ruht, Jesreel in Pracht. Schlafe Emek, Heimat du neue, Wir halten Wacht in Treue! Hören wir des Kornfelds Rauschen Und der Herdenglocken Klang, Glauben wir, Musik zu lauschen, Jesreels ureignem Sang. Sei gepriesen stets und überall, Von Beth Alpha bis Nahalal. Klar klingt zauberhaft die Nacht, Still ruht Jesreel in Pracht. Schlafe Emek, Heimat du neue, Wir halten Wacht in Treue! Schwarz Gilboas Berge ragen, Rasch ein Roß im Schatten flieht. Plötzlich tönt ein wehes Klagen, Fern aus Jesreels Gebiet. Fiel ein Scfmß dort jäh mit schrillem Schall?1 ln Beth Alpha? ln Nahalal? — Klar klingt zauberhaft die Nackt, Still ruht Jesreel in Pracht. Schlafe Emek, Heimat du neue, Wir halten Wacht m Treue! (Aus dem Hebräischen übertragen von Rosd Cohn, Basel.) — Aus der „Jttd. Rundschau**< iimiiiiimwmimmwmiimmmmmmwiiwimiiimimimiwitiitmma Kurze Nadiridhten aus Erez Israel Die dänische Regierung erhöhte das Eiraifuhrkontingent für palästinensische Zitrusfrüchte von 60.000 auf 86.000 Kis'tien jährlich. * Die Polizei verhaftete in Jaffa die Führer der arabischen Arbeiterorganisation wegen Aufhetzung gegen die bei den Regierungsbauten in Jaffa beschäftigten, jüdischen Arbeiter. Laut Statistik dürften im Jahre 1985 fünfzehn bis sechzehn Millionen Pfund durch jüdische Einwanderer nach Palästina ge* bracht worden sein. (Gegen zwölf bis fünfzehn Millionen im Jahre vorher.) Die Bankeinlagen stiegen gegen Ende des Jahres uim einundeinhalb bis zwei Millionen gegen Anfang des Jahres 1985. Der Export aus der Tschechoslowakei nach Palästina stieg vorn Jahre 1933 von 82.265 Pfund auf 67.000 Pfund iim Jahre 1935, während der Import aus Palästina im gleichen Zeitraum von 980 auf 8764 Pfund stieg. * Die englische Regierung begann mit dem Bau eines neuen Flugfeldes in El earkah in Transjordanien, das etwa 800 Dunara umfassen wird und rund 45.000 Pfund kostet. * Das nächtliche Absohneiden junger Zitrusbäume hört nicht auf. In den letzten Tagen wurden im Bezirk Tul-karm 72 Bäume abgeschnitten, die dem muslimischen Wakf- Fcnds gehören. In ganz Tel-Aviv wurde am 9. März Dizenoffs 76. Geburtstag gefeiert. Tausende von Schulkindern und Lehrern brachten ihre Gratulationen dar. Abends fand ein Empfang zu Ehren des Bürgermeistern statt. Wauehope teilte der Tol-Aviver Stadtverwaltung mit, daß er zu Ehren von Dizongoffs Geburtstag von den 25.000 zugesagten Pfund 6000 für den Ankauf von weiterem Boden für den Gau-Melr-Park, der zu Ehren Dlzeugoffa geschaffen wurde, bestimmt hat, vorausgesetzt, daß 1000 Pfund von der Stadtverwaltung beschafft wenden können«

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