Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 531 (13.3.1936)
- Date
- 1936-03-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sir, 881 — 18. Man 198« DU STIMM! Seife A Cabaret im Grand Hotel (NEUER SAAL) H«ul« und täglich 10 Uhr ubsnds: 20 lustige Fernsehbilder »Aus der Luft gegriffen« von Willy Trenk-Trebltsch und Martin Lang En ‘ “ “ ' “ Musik:?rwin Strauß Texte: Artur Rebner Inszenierung: Trenk-Trebllseh Cntrea: Schilling 3-—, 5’— und 7*— Platzreservierungen bei den Portiers des Grand Hotels und R 23-6-00 Aufrufeu* dU indischen JUmftOMsten Von Joachim Stutschewskyt Wien Der bekannte jüdische Cellovirtuose und Komponist Prof. Joachim Stufcschewsky übermittelt uns den folgenden Aufruf, dem wir gerne Raum geben. (Die Red.) In dem tiefschürfenden Umwandlungsprozeß, der die Juden unserer Zeit erfaßt und durchflutet, will ein Teil die Zeichen der Wende nicht erkennen, nicht auf sich wirken lassen: Die jüdischen Komponisten. Über die ganze Welt verstreut, schreiben sie noch immer, als ob inzwischen nichts geschehen wäre, französische, deutsche, russische, amerikanische Musik und stellen sich dieserart außerhalb jüdischer Gemeinschaft, jüdischen Schicksals. Diese „Flucht aus dem Judentum“, aus welchen Beweggründen immer, ist die tragischste Erscheinung unserer Geschichte. Eine Zeitlang — wie lange ist es her? — galt dies als die einzige Lösung der Judenfrage, und gerade die bedeutendsten Musiker sind ihr bedenkenlos gefolgt. Die ganze Reihe jüdischer Musiker von Mendelssohn bis Mahler und Schönberg (Letzterer hat erst vor kurzem zum Judentum zurückgefunden) hat dem Judentum den Rücken gekehrt, ihre jüdische Substanz völlig eingebüßt. Sie hatten sich in den letzten hundert Jahren an die verschiedensten Völker assimiliert, eigneten sich die Formen anders gearteter Musikkulturen an — sie teilweise befruchtend und bestimmend — und verloren sich allmählich ganz an die Fremde. Was sie komponierten, schufen sie als Angehörige des betreffenden Landes und seines Kulturgebietes; ihre Werke kamen und kommen nicht dem jüdischen Volk, der jüdischen Kunst zugute. Unsere größten musikalischen Begabungen, unschätzbare künstlerische Werte sind uns unwiedereinbringlich verloren gegangen. Sollen wir diese betrübliche Tatsache weiter ohne Einspruch hinnehmen? Es scheint an der Zeit, hier ein offenes Wort zu wagen. Das jüdische Volk kann es sich nicht mehr leisten, seine bedeutendsten schöpferischen Kräfte anderen Völkern abzutreten. Wir wollen, und das mit vollem Recht, daß die Werke der jüdischen Komponisten Blut von unserem Blute, Geist von unserem Geiste, Ausdruck jüdischen Lebens und Erlebens sind. Wir dürfen nicht länger auf unsere Musiker, unsere Talente Verzicht leisten. Wir wünschen, daß ihre schöpferischen Taten dem jüdischen Volke zugute kommen, als jüdische Schöpfungen gewertet und gebucht worden. Und das wird der Fall sein, wenn der jüdische Musiker sich seines Volkstums, als unmittelbare Triebfeder jeglichen Schaffens, voll bewußt wird, Kuranstalt HELIA, Ischias, Rheuma, Nerven Moderne Hellfaktoren. Verträge mit eilen Krenkenketsen. I.9 Fleischmarkt 17 und lernt seinen künstlerischen Emotionen und Phantasien echten und wahren jüdischen Ausdruck zu geben. Er muß den Weg zur Erfüllung eigenen Wesens suchen und finden: Jude werden, als Jude leben, sich menschlich und schöpferisch als Glied seines Volkes fühlen. „Jude sein, heißt nicht nur einem bestimmten Glaubensbekenntnis angehören, sondern bedeutet auch der Sohn jüdischer Eltern zu sein, in seinen Adern jüdisches Blut haben, auch weit mehr als im Körper in der Soele und im Geist gewisse besondere, einzigartige, unverletzbare Kennzeichen haben, die in seiner Person das Ergebnis einer mehrtausendjährigen Entwicklung seines Volkes sind.“ (H. P. Chajes.) Nur wenn wir als Juden leben und fühlen, sind wir fähig, den Sinn unseres Seins und Werdens, unseres vielgestaltigen Schicksals zu begreifen. Wir dürfen auch in der Musik nicht vor uns selbst fliehen, sondern müssen, in Erfüllung eines Naturgesetzes des Volkstums, für den musikalischen Entwicklungsprozeß —» de111 Rishon le Zion nur dieser Name bürgt für Echtheit und Güte beim Einkauf von Palästina-Wein '••*£**:* *''! *y - mm mm VEREINIGTE GROSSKELLEREIEN RISHON LE ZION musikalischen Einfall und dessen Gestaltung einen wesenseigenen Inhalt verleihen. Erst wenn dem jüdischen Musiker sein Judesein voll zum Bewußtsein kommen, er durch Kenntnis jüdischer Lebensformen, Tradition und Wesensart, die innere Ausgeglichenheit, Sicherheit und Ruhe gefunden haben wird, können seine musikalischen Schöpfungen, von diesem neuen Lebensgefühl beseelt und getragen, jüdisch werden. An dieser Stelle möge noch ein Wort von Romain Rolland, der gewiß „ein Feind jeglicher Nationalismen“ ist, Erwähnung finden: „Ich habe fast immer konstatiert, daß die bedeutendsten jüdischen Geister unserer Zeit (wie auch des vergangenen Jahrhunderts) — Denker, Schriftsteller, Künstler, Musiker — etwas unvollständiges an sich haben, nicht in der Form, sondern im Wesen; ein gewisser Mangel an innerem Kern ist an ihnen bemerkseit Generationen lebendig ist, der Musikäußerung beimessen wollen. Ein gewaltiges Erbe trägt der jüdische Künstler in seinem Blut und Geist, das auf Erfüllung im Kunstwerk wartet. Jüdischer Musiker! Dein Schicksal ist als Jude zu leben und zu schaffen. Lerne das Judentum lieben, schätzen und empfinden; erfülle deine heilige Mission dem Volk gegenüber. Dein Volk ruft dich, erhebt auf dich Anspruch! Übernimm endlich die ganze Verantwortung vor dem gewaltigen Genius deines Volkes und schaffe aus den tiefsten Tiefen deine neue, eigene Welt. In ureigenstem Interesse. Denn deine bisherigen Werke irren heimatlos herum oder gehören bestenfalls einem kleinen Kreis intimer Freunde. Die Realität unseres unvermeidlichen Schicksals hat nun auch an deine Pforte gepocht; aus allen Stellen ROBERT 11 '■‘/‘flV-'V flflwlll kiH ö „Das Land der Verheißung” Jean Benoit-Levy, der Schöpfer des französischen Films „La Materneile“ schreibt über den Film „Das Land der Verheißung“. Dieser Film zeigt den beispiellosen Kraftaufwand, den man aus Erzählungen und Berichten über Palästina wohl ahnte, den aber erst der Film in seiner ganzen Wirklichkeit und Wucht offenbart. Dies ist ein Hymnus zum Ruhm der energischen Pionieren, die diese Erde erneuert haben. Ein Beispiel, was die Energie des Menschen vermag, wenn sic von einmütigem Wollen und Handeln gelenkt wird. Und darum glaube ich eben, daß man die Wirkung des Films nicht abschwächen soll, der eine Botschaft an alle Menschen ist. Am Tage, da diese Botschaft verstanden und befolgt wird, wird der göttliche Wille verwirklicht sein: „Es wird nur ein Volk auf Erden geben.“ 14. März: SO Fl EN SÄ LE Eine Nacht inTel-Aviv - der große Purimball Hing der Afit-Herren*Verbände der zionistischen Verbindungen rt Die luden Wiens u. der Provinz sind zur Überzeugung gelangt, daß die Sensation des PeSSaChfQSteS die weltberühmten der Fester Israel. Kultussemelnde sind, unerreicht an Qualität und Geschmack. Nach einem Versuch kauft Jeder die gute Pester-Qualität-Mazzoth, in dünne und (runde) dicke, sowie Mazze-Grieß, Farvel und Mazze-Mehl In allen einschlägigen Geschärten erhältlich Alleinvertretung I N| A 7 p E) ft $ T N., Haidgasse 9 ttr Oesterreich: 1 ** * ’ TelePh°" A49‘3-84 bar. Man könnte sagen, der Boden unter ihren Füßen sei ihnen nicht sicher genug, oder daß diese reichen Ströme von Leidenschaften und Ideen von ihrem natürlichen Fluß abgelenkt, seit Jahrhunderten ihr altes Flußbett suchen, den Weg, den die Natur für sie gebahnt hat. Auch ich sehe ihn (den Zionismus) für euch in der Rückkehr, in der Treue zu sich selbst, in der Übereinstimmung mit sich selbst, in der inneren Aufrichtigkeit, der vollen und absoluten.“*) Wir brauchen uns natürlich gar nicht von der europäischen Musik lossagen und können fernerhin leidenschaftliche Anhänger, Freunde und Förderer der Musik anderer Völker, vor allem der deutschen Klassiker, Romantik und Moderne sein. Darüber hinaus erstreben wir eine Musik, die aus der Volksgebundenheit des jüdischen Komponisten gespeist und getragen, im Jüdischen verwurzelt ist. Wenu sich die jüdischen Musiker, und es sind heute ihrer nicht wonige, bemühen wollten, die Liebe zum eigenen Volke zurückzugewinnen, zur jüdischen Geschichte und Kultur zurückzufmden, werden wir in kürzester Zeit eine jüdische Kunstmusik, gleichwertig der anderer Nationen, besitzen. Es liegt ausschließlich an uns selbst. Am jüdischen Musiker und nicht zuletzt natürlich an der Bedeutung, die die Juden, in denen ein ausgeprägter Musiksinn * Aus einem Brief Romain Rolland« an Rabbiner Dr. J. Ziegler. Veröffentlicht in Doktor J. Ziegler, „Romain Rolland in Jean Christof über Men und Judentum“, Wien 1618, hist <iu verdrängt, um die Aufführungen der Werke gebracht, auch der bescheidensten Existenz und Entfaltungsmöglichkeit beraubt. Du stehst nunmehr zwischen zwei Welten: einer fremden, die dich nicht braucht, nicht duldet, vor der du vergebens als Bittender um Aufnahme flehst, die dich jedoch abweißt, abweisen muß, weil sie dich nicht versteht, — und einer eigenen, die dich erwartet, bejaht, mit dir und für dich empfindet, dir Verständnis und Aufnahme gewährt. Dort Empfangender — hier Gebender, dort Mißtrauen — hier Vertrauen, dort „Volksfremder“, Eindringling — hier freudig begrüßt, beheimatet. Kehre um und sichere deinen nächsten Schöpfungen Wirkung und Zukunft. Bahne der jüdischen Musik den Wegl Gegen den Strich zeigt sioh die Qualität. Elustlsch, rasch und sioher gleitet die Hebräische Sendung Im Radio Bratislava Jehuda Ehrenkranz liest Donnerstag, den 19. d., von 20.30 bis 20.55 Uhr in der slowakischen Sendung des Rundfunk von Bratislava in hebräischer Sprache A. Schicnskis Gedicht „Weg“, Lukacß „Den Opfern“, Neruda „Meiner Mutter“, K. Capek „Begnadigt“, und in jüdischer Sprache M. Rosonfelds Gedicht „Die Maschine“. Die Einleitung spricht Primarius Dr, Eugen Roth, Am Montag, den 16. März, findet im Pestsäule des Klubheims, I., Rotenturmstnaße 24, Hotel Excelsior, ein Lichtbildervortrag und Sportbericht über die n. Makkabi-Winterspiele in Banska-Bystrica statt. Es spricht Dr. Moriz H a r n i k. Professor N. H. Ehrlich Ein jüdischer Künstler und Lehrer, den man — sehr zu Unrecht — völlig vergessen hat, sei den Juden in Erinnerung gebracht: der blinde Professor N. H. Ehrlich. Er ißt einer der erfolgreichsten Musiklehrer und erteilt weiters Unterricht in Klavier- und Orgelspiel, Theorie, Harmonielehre, Kontrapunkt, Instrumentation und Blattsingen, übernimmt auch das Stimmen von Klavieren. Wien, H., Kruminbaumgasße Nr. 10/14. Bet gtdjttföen Befcfjinerben unb Äopf» fc^mersen toirft Sogal mfd) unb ftdjer. ^ßrctS S 2.40. $ft $f)neu btefei* Söctrag jubte!, toemt ©te $f)re ©djmeräen Io§ toerbett formen? Sin 23erfitd) überzeugt! £ o g a I betoäfjrt jtcf> immer. $n altert Styotijefeit erfjälfltdj. Israelitischer Humanitätsverein für den X. Bezirk Am 1. März veranstaltete der „Israelitische Humanitäts- und Chewraverein für den X. Bezirk“ seine 58. ordentliche Generalversammlung unter Vorsitz des Obmannes Med.- Rat Dr. Richard Back. Schriftführer Oskar Schmeyer erstattete den Bericht über die humanitäre Wirksamkeit dieser frommen unter der Leitung des zweiten Obmannes Alfred Tonelles stehenden Vereinigung. Kassa- Verwahrer Julius Feßler berichtete an Hand von Zahlen, daß durch den Humanitätsverein viel Not, Elend, Sorge und Hunger gelindert wurde. Dem bisherigen G esamtvorstand wurde der Dank und das vollste Vertrauen ausgesprochen und derselbe abermals gewählt. Der alten Tradition gemäß fand, wie alljährlich. am gleichen Tag der Trauergottesdienst im Humboldttempel statt. Oberkantor Simon Weiß verrichtete die Trauergebete. Während der Trauerfeier erfolgte das Anztinden der Lichter vor der Gedenktafel der im Weltkrieg auf dem Felde der Ehre gefallenen jüdischen Helden des X. Bezirkes. Hiebei leistete die Abteilung der Frontsoldaten die Ehrenbezeugung. Die Gedenkrede hielt Rabbiner Dr. Weiner Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Am 16. März hält im Klublokal der Hakoah, I.. Wiesingerstraßo 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang), Dr. Ch. Sass einen Vortrag über: „Der Tierschutz im jüdischen Schrifttum.“ Eintritt frei, Beginn ‘/>8 Uhr abends.