Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 530 (10.3.1936)
- Date
- 1936-03-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Salto 4 Oil STIMM! Nr. 530 — 10. März 1036 EREZ ISRAEL Wenh rfieftU und BetU te&endi# we&dett. . . Von Erich Gottgetreu Im „Direktorzimmer“ Joseph Budkos, des Leiters der „Neuen Bezalel Kunst- und Handwerksschule in Jerusa- 1 e m, hängen eine Reihe von Bildern des Malers, die, in einem grauen Klangdes Kummers und der Bedrückung, auf eine vielfältige Weise sein stetes Thema des Gegensatzes zwischen Alt und Jung, der ostjüdischen Not und der ewigen Sehnsucht a-bwandeln-. Aber auf einem der BildeT, das heller und froher ist als die andern (und das nicht, wie jene in Berlin entstand, sondern in Jerusalem), ist der Alterstyp hoffender und glii oksnah er und sein jugendlicher Gegenspieler ins Palästinensisch-Kräftige und Willensstärke transponiert: es ist der Ohaluz in der blauen Bluse, einfach, aufrichtig, arbeitsrüstig. „Zion wird durch Arbeit erlöst, werden“, nennt Budko dieses Bild, das Wort Jesajas variierend. Man kann das neue direktoriale Amt Joseph Budkos nicht von dem Menschen, dem Künstler und seiner Entwicklungsgeschichte trennen. 1888 in Plonsk (Polen) geboren, an der Wilnaer Kunstschule und später an Bruno Pauls „Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums“ in Berlin sowie an der Akademie der Künste ausgebildet, arbeitete Budko in einer namhaften Berliner Fabrik praktisch als Ziseleur wurde das „Neue Bezalel“ seiner Bestimmung übergeben. Kürzlich stattete ihm der High Commissioner den ersten Besuch ab. * Josef Budko möchte aus dem „Neuen Bezalel“ weder eine Kunstgewerbefabrik, noch — vorläufig wenigstens —. |ine Kunstakademie im europäischen Sinn und Umfang machen. Auch hier zeigt sich in der Beschränkung die Meisterschaft. Denn vor allem kommt es Budko darauf an, einer begrenzten, ausbildungswitrdigen Zahl von Ktmsfcsohülern eine breite technische Grundlage zu geben, deren Besitz für ein solides, geschmackvolles, künstlerisches Handwerk ebenso Voraussetzung ist wie für das freie Schaffen der künstlerischen Individualität. „Die Hauptsache“, meint Budko im Gespräch, „ist bei uns ein richtiges Studium auf jedem Gebiete. Wenn wir etwa ein getreues Zeichnen nach der Natur betreiben und alles, was sich um uns herurii begibt, richtig darstellen, bin ich sicher, daß -wir so weit kommen müssen, daß man in unseren Arbeiten immer die palästinensische Landeskunst sehen wird. Das Jüdische wird sich später organisch entwickeln — auf Grund dieser palästinensischen Naturstudien und auf Grund des Studiums der hebräischen Buchstaben.“ „Wieso“, unterbrach ich, „legen Sie dem hebräischen Schriftzeichen solch eine betonte Bedeutung bei?“ „Der hebräische Buchstabe ist die einzige Kunstform, die den Juden der Welt geblieben ist. Sie ist. so schön in ihrer dekorativen, klaren Art, daß sie auch die Grundlage einer modernen Kunst.form bilden kann. Während sie in den letzten Jahrzehnten oft kunstgewerblich verkitscht worden ist, wollen wir sie auch in ihrer dekorativen Verwendung wieder gesund machen und zu ihrer ursprünglichen Schönheit zurückführen. Wenn wir beispielsweise einen Metallgegenstand entwerfen und dabei von den hebräischen Schriftformen ausgehen, muß sich auch in dieser Metallarbeit ein bestimmter jüdischer Ohairakter herausbilden.“ Und lächelnd fügt Budko noch hinzu: Zuerst wollten die Schüler nicht heran an die Schrift-, aber jetzt finden sie schon sehr viel Schönes darin.“ * Im Unterrichtsplan selbst, bildet das eigentliche „Schriftzeichnen“ naturgemäß nur eine Unterabteilung, desgleichen das „Modellieren“ — das von dem ausgezeichneten Bildhauer Ben-Zwi gelehrt wird — und das „Zeichnen nach der Natur“. Die beiden Hauptlehrgegenstände sind „Angewandte Gra.phik“ und „Metallarbeiten“. Der Lehrer für Angewandte Graphik, worunter besonders dekorative Werbegraphik und Buchschmuck verstanden wird, ist Joseph Budko selbst. Die Abteilung für Metallarbeiten wird von den Herren Rieß und Wolpert geleitet: Ries ist von Beruf Silberschmied, während Wolpert schon in Deutschland, woher er kommt, einen Namen hatte als Nachdruck verboten Metallbiklhauer und als Spezialist für Montagearbeiten in Verbindung mit den verschiedensten Metallen; so fertigte er nach dem Entwurf Erich Mendclssons das Modell für das Universitätshospifal «an, das demnächst auf dem Skopus errichtet werden soll. Eine eigene Malabteilung gibt cs, wenn auch im „Neuen Bezalel“ fleißig gezeichnet und gemalt wird, noch nicht, und somit noch keine direkte Ausbildung von Künstlern der Malerei. Die reine Kunst soll sich (genau wie das Jüdische in ihr$ organisch entwickeln; zeigen sich überdurchschnittliche Begabungen auf diesem Gebiet, so sind die technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten gegeben, eine eigene Malkfasse zu schaffen. Und wahrscheinlich wird es auch einmal dazu kommen. Denn eine kleine Ausstellung von Schiilcrzeichmingen, die anläßlich des Besuches des High Commissioners eröffnet wurde, zeigt, daß schon recht beträchtliche Talente unter den Schülern sind. Die Gesai ptza.hl der Schüler beträgt 20. Gemeldet hatten sich aus Palästina 102 Interessenten, ven denen nach sorgfältiger Prüfung der eingesawdten Unterlagen 27 zum Examen eingeladen u;ncl 17 aufgenommen wurden. Aus dem Ausland hatten sich etwa 50 Interessenten gemeldet, vom denen 3 aufgenommen wurden: einer aus der Tschechoslowakei, einer aus Lettland und einer a.us Italien. Das erste Semester ist ein Pro-bosemester; dann wird abermals gewählt , und der eine oder andere noch ausgeschieden. 'Indessen meint Budko, daß die vor dem ersten Semester getroffene Auslese kaum eine wesentliche Enttäuschung erwarten läßt. Eine englische Kolonie neben Palästina I Von M. y. Ben Gavriel und Metalltreiher. Der breiteren Öffentlichkeit wurde er zunächst bekannt als Graphiker, als Holzschneider, vor allem auch als ausgezeichneter Exlibris-Schöpfer. Stets wair sein Werk Ausdruck eines jüdisch-empfindenden, jüdischgebildeten und jüdisch bildenden Künstlers. Einmal radierte er zwölf Illustrationen zur Pessach-Hagadah, ein andermal einen symbolischen Zyklus „Das Jahr des Jude n“, und schließlich eine Reihe von Illustrationen zur Jubiläumsausgabe von B i a 1 i k s Werken, an der übrigens auch Max Liebermann künstlerisch mitgearbeitet hatte. Im Jahre 1923 begann Budko in öl zu malen. Auch hiebei blieb er, so groß die Verlockung zur Assimilation an andere Schaffenskreise war, dem Gesetz, nach dem er angetreten, treu — blieb er in Themenwahl und Gestaltung Jude. Wenn ihm jetzt die Organisierung und Leitung der Neuen Bezalel-Schule in Jerusalem anvertraut worden ist, so bedurfte es bei ihm keiner „Umstellung“, weder innerlich nooh äußerlich. * Das „Bezalel“ ist im Jahre 1906 auf Boden des Jüdischen Nationalfonds von Prof. Boris Schatz gegründet worden. Auch Schatz hat die Wilnaer Kunstschule besucht — aber sein künstlerisches Wollen strebte nach einer anderen, und zwar weit monumentaleren Ausdrucksform, als die Bemühung seines Nachfolgers Budko: Schatz wurde Bildhauer, sogar Hofbildhauer in Sofia; auch gehörte er zu den Initiatoren der Bulgarischen Akademie. Die Jerusalemer Bezalel-Sohule — sie heißt so nach einem der Miterbauer des biblischen Stiftszeltes — brachte er zu einem beträchtlichen äußeren Aufschwung. Im Jahre 1913 lernten in ihr etwa 400 Schüler; sie umfaßt eine Zeichen-, Mal- und Modellierklasse; wichtiger waren wohl noch die Gipsgießerei und die Teppichweberei, sowie die Abteilungen für Keramik-, Holz- und Intarsienarbeiten — wichtiger, weil das alte Bezalel allmählich zu einer florierenden Kunstgewerbefabrik geworden war; seine Waren, deren Verkaufswert sich in jenem Jahre 1913 auf 250.000 Francs belief, wurden in zahllosen Ländern gezeigt und vertrieben. Der Krieg legte diesen Betrieb still; später wurde die Schule neu aufgebaut, 1928 abermals eingestellt. Des Landes jüngster Aufschwung seit 1933 regte nun bei denen, die wünschen, daß er nicht nur eine Periode kolonisatorischer und kommerzieller Prosperity darstellt, sondern auch eine Epoche der kulturellen Bereicherung und Vertiefung einleitet, die Wiedereröffnung der Bezalel-KunstsohuIe an. Die vernünftige Einsicht einiger führender Persönlichkeiten sowie die finanzielle Hilfe der Palästinaregierung, der Deutschen Abteilung der Jewish Agency und des Keren Kajemeth fanden sich in der Durchführung dieses Planes. Vor etwa drei Monaten Die arabischen Zeitungien melden, daß in den letzten Wochen ein auffallend starker Reiseverkehr englischer und transjordanisch er Beamten auf der Straße Amman— Akabah und Barschewa—Akabah eingesetzt hätte, und daß entlang der letztgenannten Linie eine Reihe von Brunnen gebohrt wurden, die ansreichen würden, große Mengen von Passanten dieser neugeba/uten Straße durch die Wüste mit Wasser zu versorgen. Wer ein wenig die Geschichte der letzten zehn Jahre, die Geschichte nämlich jenes wüsten Grenzgebietes zwischen Transjordanien und dem Hedschas des Wahhabikönigs Ihn Saud kennt, wird über diese merkwürdige Vorliebe englischer Beamten, dieses Wüstenstädtchen aufzusuchen, nicht weiter erstaunt sein, denn dieses Akabah ist nicht nur für den Geschichtsforscher interessant, sondern auch besonders für jene Leute, die etwas mit der Sicherung des indischen Besitzes des Königs von England zu tun haben. Der kleine, am Nordzipfel des Roten Meeres gelegene Hafen — das Ezeongeber der Bibel —, durch seine Lage und durch seine Schlüsselstellung vor allen Eventualitäten geschützt, war schon im Krieg durch die Deutschen, die die enorme strategische Wichtigkeit des Platzes erkannten, befestigt. Nach dem Kriege gehörte Akabah zum neugeschaffenen Staat des Scherifen von Mekka, wurde aber dann, nachdem der große Ibn Saud den Scherif aus Mekka vertrieben hatte, von England zu Transjordanien geschlagen. Natürlich gab der Wahhabi dazu keineswegs seine Zustimmung, da er aber mit der Konsolidierung seiner Herrschaft überaus beschäftigt war, wozu er Englands Hilfe benötigte, unternahm er, abgesehen von zwei durch englische Flieger abgehaltenen Vorstößen seiner Kamelreiter, keinen ernsthaften Versuch, die Sache au regeln. Auch nachher, 1925, im Abkommen von Haddah, erhob er zwar Protest, erklärte sich aber mit der Grenzregulierung als Provisorium einverstanden, wobei eine spätere Regelung Vorbehalten blieb. Transjordanien hatte nun einen — wenn auch nicht allzu eifrig benützten — Ausgang zum Meer, und die aus den Kämpfen zwischen den Deutschen und dem Oberst Lawrence bekannte Eisenbahnstation Mudawarah. Wenn nun auch vor etwa zwei Jahren zwischen Transjordanien und dein Wahhabi-Staaten ein Modus videndi geschaffen wurde, muß aber doch endlich die Akabah-Frage geregelt werden; die Wichtigkeit des Platzes drängt gebieterisch dazu. Worin nun besteht diese Wichtigkeit? In erster und letzter Linie in seiner überragenden geographischen Situation zwischen Ägypten und dem englischen Aden, zwischen England und Indien, also als Scheitelpunkt des arabischen Sicherh eitsdreieckes, dessen anderer Scheitelpunkt Aden im Süden und Kuwet im Osten heißt. Akabah aber ist auch gleichzeitig der Endpunkt einer Linie, die im neuen englischen Kriegshafen Haifa ihren Ausgang nimmt und die eines Tages den Suezkanal vielleicht ersetzen, allenfalls ihn aber für Truppentransporte entbehrlich machen wird. Die Idee, von Palästina, von Ghaza etwa, einen Kanal nach Akabah zu bauen, steht wieder zur Diskussion; allenfalls sind heute bereits erstklassige Autostraßen vorhanden. Um die Wichtigkeit dieses Hafens am Roten Meer zu beweisen, bedarf es aber gar keines Krieges. Über kurz oder lang wird die Potash Co. am Toten Meer, die größte Konkurrentin des Straßfurter Kali-Syndikats, ganz Ostasien und vielleicht auch Amerika und Australien mit Kaliderivaten und Kunstdünger versorgen können, ohne die enormen Kanalgebühren befahlen zu müssen. Wenn nun die Besuche der Exponenten englischer Orientpolitik in -der südlichen Wüste sich häufen, kann angenommen werden, daß das Provisorium von Akabah bald in ein Definitivum umgewandelt werden wird. Daß dieses Definitivum aber englisch und nicht wahhabisch sein wird, kann schon daraus entnommen werden, daß die Engländer seit neuem in Abakaih Kasernen bauen und daß die Strecke durch die Sinai-Wüste so gut wie benützbar ist. Es ist primär durchaus nicht wichtig, ob Akabah dauernd und offiziell zu Transjordanien kommt oder ob es, wie gewisse englische Kreise Vorschlägen, zur englischen Kolonie erklärt wird, wichtig ist nur, daß es die ErgänzungdesHafens von Haifa s>ein wird, zumindest so lange, wie England Interessen im Indien und daher auch in Arabien hat, solange englische Kriegsschiffe mit öl gefeuert werden — und solange nicht Japan die asiatische Monroe- Doktrin an die Tore Bagdads nagelt. Ibn Saud aber, der sich eben ansohiokt, sich dem großen politischen Block der unabhängigen mohammedanischem Staaten anzuschließen, wird Kompensationen in anderen Gegenden bekommen, denn er ist die Macht Arabiens, die England nichtweniger braucht als er die Unterstützung Englands. An das Interview schloß sich ein Rund-gang durch die Schule. Fleißige H«ande zeichneten, schrieben, formten, schliffen: es war ein Vergnügen, diesies Werken zu sehen und die Freude der Schüler zu spüren. In einem Zimmer saß in seinem faltigen Gewand ein Araber Modell, in einem anderen wurde gerade eine Hand in Ton gebore n, anderswo wieder probte man an einem Exlibris, an vierter Stelle bekam ein Glaskasten "seine Metallverzierung. Der Glaskasten ist ein Modell für einen andern, der etwa einen Meter hoch sein wird: man wird ihn in Moza bei Jerusalem aufstellen, und zwar zum Schutz .jenes Zedernstammes, der der Rest des blühenden Baumes ist, den Herzl hier pflanzte, als er 1898 in Palästina war. Während des Weltkrieges haben ihn die Türken abgeholzt, und dler Stamm ist nun in Gefahr, einzugehen. Er befindet sich jetzt in der Landwirtschaftsstatfion Rechoboth, um konserviert zu werden. Baild wird er in der Bezalel-Hülle behutsam in Moza der Erde wiedergegeben werden. Ein zweiter Auftrag hatauf schmerzliche Weise seinen Sinn verloren... Man zeigt das Modell einer silbernen, mit Gold verzierten Kassette, auf deren Boden in schwerer, charaktervoller hebräischer Schrift die Anpflanzung des König-Geong-Jubiläumswaldes auf Nationalfondsboden bei Nahalal pergamenten beurkundet ist. Es besitand die Absicht, die Kassette kunstvoll auszmfObren und dem König von England überreichen zu lassen. Numerus clausus für jüdische Arbeiter in Palästina Jerusalem, 6. März. (JTA.) „Davar“ werdet sich sehr scharf gegen das von der Palästina-Regierung eingeführte Syistem, bei Aufnahme von Arbeitern zur Durchführung öffentlicher Arbeiten eine Art Numerus clausus für jüdische Arbeiter gelten zu lassen. „Davar“ fordert Beseitigung dieses Systems. Ein neues Gebiet für jüdische Kolonisation Die arabische Presse meldet, daß seitens der Jewish Agency Verhandlungen mit der Palästinaregierung über die Ansiedlung von 60.000 jüdischen Familien auf dem 400.000 Dunam großen Gebiet von Waadi el Araba, das zwischen Beer Schewa und Transjordanien liegt, geführt werden. Archltektcnkongreß des Nahen Ostens In Tel-Avlv Während dar Levante-Messe in Tel-Aviv, die am 30. April eröffnet wird, findet auch eine Konferenz der Architekten Palästinas statt, die einen Architektenkongreß des Nahen Ostens vorbereiten wird»