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Die Stimme · 1936-03-10 · Heft 530 (10.3.1936) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 530 (10.3.1936)
Date
1936-03-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 530 — 10. März 1986 SONDERZUGE zu Ostern mch Polen und Czernowltz Abfahrt 1. und 5. April „ORBIS“, I., KämtneretraBe 41, Tel. R 21-5-78 OESTfiRR. VERKEHRSBÜRO, I., Friedrichstr. 7, Tel. B 27-500 ti. OESTERR. VERXEHRSBÜRO, I., Graben 20, Tel. U 2Ö-0-35 Reisebüro „IRUT", I., Karlsplat* 1, Tel. ü 44-5-79 ständlichkeiten der europäischen Politik. Der französische Außenminister Flarulin hat noch vor zehn Tagen in der Kammer gesagt, bei einem einseitigen Aufheben des Rheinland Statute würde »sieh Deutschland sofort allen Garantiestaaten gegen überstehen; aber er hat hinzugefügt., er sei bereit, die Vereinbarkeit des Russenpaktes mit dem Locarnovertrag (dessen Kern der Rheinpakt bildet) durch den Haager Gerichtshof prüfen zu lassen. Dies verriet eine gewisse Unsicher heit und das Dritte Reich schlug forsch und bieder in die Lücke. Es hat den Vertrag nicht gekündigt, es hat nicht die Ratifizierung des Russenvertrags abgewartet — sondern hat den Vertrag als aufgehoben erklärt. In einem Atem teilte Hitler den Einmarsch seiner Truppen in die Vertragszone mit. Und nachdem er die-sen Vertrag ge broohen hat, lud er gleich die betroffenen Mächte zum Abschluß eines neuen Vertrages ein. Und er ist sogar bereit, nun wo er Deutschlands Gleichberechtigung wieder hergestellt hat, in den Völkerbund „unter gewissen Garantien“ zurückzukehren — den er verlassen hat-, um den Versailler Vertrag zu brechen. Die Mächte stehen jetzt vor einem Scherbenhaufen des internationalen Ver tragssysteons. Sie haben die Apparatur des Völkerbundes gegen Italien aufgeboten, aber selbst die Schwäche ihrer Aufstellung erkennen lassen. Die mühsam eingerichtete Stresa-Front wurde unterhöhlt und dies hat Hitler sofort benützt. England, das in dem Vorgehen gegen Italien der treibende Faktor war, und Italien sind die Goaranten von Locarno. Werden England und Italien jetzt gemeinsam ihre Unterschrift anerkennen? Werden sie gemeinsam mit Frankreich und Belgien Deutschland daran erinnern, daß der Rheinpakt auf Ersuchen Deutschlands abgeschlossen und mit der vorzeitigen Räumung des Rheinlandes honoriert worden war? Und wer Jen sie alle sich daran erinnern, daß Hitlers Versicherungen eine eigentümliche Vorgeschichte haben? Vor 1932 erklärte die deutsche Regierung — daanaLs war Brüning am Ruder —, Deutschland werde zufrieden sein, wenn die Reparationen aufhören. Dies geschah. 1933 naoh der Machtergreifung sagte Hitler, „zwischen Frankreich und uns 6teht nur noch das Saarland“. Dies war in sofeme falsch, als das Saarland vom Völkerbund verwaltet war. Das Saarland ist an Deutschland zurückgeliefert worden. Dann sagte Hitler, die Diskriminierungen des Ver sailler Vertrages müßten verschwinden, wenn dies geschehe, sei die Schmach von Weimar getilgt. Er hat den Vertrag gebrochen und die Mächte haben ihm geglaubt, daß nunmehr Ruhe sein werde. Aber da sind auf einmal die Rheinpaktbestimmungen untragbar. Hitler sagt sich von ihnen los und redet gleichzeitig davon, daß er in Europa nichts mehr zu fordern habe. Aber da spricht er davon, er hätte doch eigentlich von Revanche reden und Anspruch auf alle Gebiete erheben können, die dem Reich gehörten. Wird noch das Lied von Straßburg und von Oberschlesien und vom Korridor drankommen? Und stecken nicht hinter den „gewissen Garantien“ für den Eintritt in den Völkerbund die afrikanischen Kolonien, ohne die das Leben für Hitler untragbar wäre? Werden die Mächte daran denken, daß in der ganzen langen „Friodonsrede“ sich kein W'ort über das Verhältnis zu Österreich fand, eine Frage, die bei den gegenwärtigen Mitteleuropa-V erhandlungen von größter Bedeutung ist? Am Schlüsse seiner erstaunlichen Rede hat Hitler den Sinn seines Vorgehens enthüllt. Er hat seinem Auditorium den Eid abgenommen, vor keiner Macht und vor keiner Gewalt zurück zu weichen und lieber in Ehren unterzugehen als zu kapitulieren. Der Präsident des Reichßtagsersatzes, der General Goering, hat — das ist in keiner Zeitung erwähnt, war aber im Radio deutlich zu vernehmen — die Versicherung geschlossen, ..daß wir erberem Führer überallhin folgen, auch in den Tod“. Das mögen Feiertagsphrasen sein. Aber der Führer und die Gees zum Krieg kommt und w enn Hitler führten waren jedenfalls der Meinung, daß j siegt-, dann ist Europa ein einziges Konzendiie in der ftedo geschaffenen Tatsachen zum trationslager. Es wird aber nichts geschehen, Krieg führen können. Sic glauben wohl, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, an das Schwert zu appellieren und allen nichtdeutschen Nationen Europas das Schicksal der Juden Deutschlands zu bereiten. Wenn weder das eine noch das andere, und Hitler wird weiter rüsten müssen, bis er auch den letzten Pfennig des deutschen Volkes vertan haben wird. Dann wird der Moment amtreten, wo sich sein Volk erhebt. Aufruf zur nationalen Einigung Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler übergibt uns folgenden Aufruf zur Veröffentlichung: Gestützt auf unsere ruhmreiche Tradition halten wir es für unsere Pflicht, gerade jetzt wieder aktiv ins jüdische Leben einzugreifen. Wir haben deshalb einen Plan ausgearbeitet, den wir nun der jüdisch-nationalen Öffentlichkeit zur Diskussion stellen wollen: Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die Kraft unseres Volkes im gleichen Maße nach außen abnimmt, als sie im Inneren schwindet. Es ist auch eine traurige Wahrheit, daß gerade heute wegen der inneren Zersplitterung unsere Aktionsfähigkeit nach außen äußerst gering ist. Aus uns heraus müssen wir die Kraft schöpfen können, um den Anforderungen, die die Verhältnisse an uns stellen, entsprechen zu können. Es muß ein Weg gefunden werden, um zu verhindern, daß die Kräfte in uns sich lähmen und aufheben, statt summiert, jene Kraftquelle darzustellen, deren wir in der heutigen schweren Zeit bedürfen. Unser Plan geht nun dahin, eine Vereinigung der jüdischen Akademiker aller Parteien zu schaffen, die Wegbereiterin für eine Verbesserung der Lage innerhalb unseres Volkes sein wird. Dies soll ein politischer Bund sein, der von allen Parteien gegründet und gefördert wird, dem Mitglieder aller Parteien angehören, ohne diese zu negieren und der den Willen aller Gruppen zum Ausdruck bringen soll, gemeinsam und stark auf geistiger Grundlage einen Weg in die Zukunft zu suchen. Die Aufgabe und das Ziel dieser Ver einigung muß darin bestehen, die Parteigegensätze zu tiberbrüoken, die Einigkeit unseres Volkes im Sinne der zionistischen Ideologie zu stärken und auf dieser Basis eine auf Vertrauen gestützte Verbindung zwischen der Jugend und der älteren Generation herzustellen. Es ist unsere feste Überzeugung, daß keine andere Gruppe, als die jüdischen Akademiker, besser dazu geeignet wäre, den Anstoß zur organischen Verwachsung der Spaltflächen in unserem Volke zu geben. War und ist es doch die akademische Jugend eines jeden Volkes, die stets größte Aktivität in lebenswichtigen Volksfragen gezeigt hat! Es ist zu hoffen, daß niemand die moralische Belastung auf sich nehmen wird, einen Versuch abzulehnen, der doch nur dahin geht, endlich die Lage unseres Volkes im Inneren zu bessern, auf daß es möglich sei, mit Erfolg den Weg weiterzugehen, dem Ziele entgegen. Wenn der geeignete Zeitpunkt gekommen ist, wird es notwendig sein, daß die einzelnen Parteien Vertreter nominieren zur Konstituierung der Vereinigung der jüdischen Akademiker aller Parteien. Verantwortungsbewußte nationale Juden haben das Wort! Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler. MamMwaauMüs ff Lloyd Triestino verschenkt eine Freikarte nach Palästina gelegentlich des am 14. März in sämtlichen Sofiensälen veranstalteten P u r i m b a 11 e s unter der Devise „EINE NACHT IN TEL des Klubs „Erez Israel”. Jede Eintrittskarte ä S 5*- nimmt an der Verlosung teil u. kann in eine Schiffskarte nach Palästina umgetauscht werden. Sichern Sie sich rechtzeitig durch Kauf von Eintrittskarten diese einzigartige Gewinnchance! Restliche Karten: Zionistischer Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5 (U 22-2-11). Klub „Erez Israel“» |l., Praterstraße 13 (R 42-407). Jüd. Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 3 (R 28-2-36). Bücherstube Rath» Taborstraße 20 a (R 45-305) und in sämtlichen Sektionen. Die Einheit der rumänischen Juden Der Zentralrat der Juden Rumäniens, der vor kurzem aus Vertretern der Union rumänischer Juden und der Jüdischen Reichspartei Rumäniens gebildet wurde und demnach die oberste politische Repräsentanz der rumänischen Judenheit darstellt, hat sich im Hinblick auf die heutige Situation der rumänischen Judenheit entschlossen, zwei Appelle zu erlassen: einen an das rumänische Volk und einen an die Juden Rumäniens. Der „Appell an die Rumänen“ besagt unter anderem: Wir sind nicht Fremde hier. Wir gehören diesem Lande an, ebenso wie unsere Eltern, Großeltern und Urahnen. Wir sind auch nicht Feinde, wir bilden für niemand eine Gefahr; wäre es anders, wir hätten längst alle Strenge des Gesetzes gespürt. Wir tragen keine Verantwortung für die Übel, unter denen das Land leidet. Wir haben es nicht regiert, wir haben es nicht verwaltet. Wir haben uns den Gesetzen, Regierungen und Verwaltungen unterworfen und haben wie Ihr alle unter schlechten Gesetzen, unfähigen Regierungen und unredlichen Verwaltungen gelitten, gerade so wie wir den Vorteil guter Gesetze, weiser Regierungen und gewissenhafter Verwaltungen genossen haben wie Ihr. Der „Appell an die Juden“ lautet: Wir haben den Weg betreten, den ihr uns gewiesen habt; wir haben unsere Kräfte vereinigt zu einer besseren Verteidigung unsere« Lebens und unserer Rechte, die schwer bedroht sind. Unter dem Einfluß auswärtiger, aber geheimer, dem Lande und uns feindlicher Kräfte, die über materielle Mittel verfügen, die jeder Vorstellung spotten, haben sich militärische Formationen mit rein h i 11 e r i s tisch o n Program m e n gebildet. Niemand kann sich cler leeren Illusion hingeben, daß er sich durch eigene Mittel und losgelöst von dem Schicksal der Gemeinschaft verteidigen könnte. Die Guten und die Schlechten, die Reichen und die Armen, die Jungen und die Alten, alle, alle erwartet uns das gleiche Schicksal. Jeder ist daher verpflichtet, in allem, was er tut, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben, nicht zu vergessen, daß er für jede Tat verantwortlich ist; nicht nur seinem Gewissen und für sein eigenes Los, sondern auch für das Schicksal aller anderen. Um unsere Arbeit einem guten Ende zuzuführen, rufen wir euch an unsere Seite, verlangen wir von euch, uns ohne Zaudern und diszipliniert zu folgen. zwar, einen Teil der jüdischen Studenten von der Universität fernzuhalten, aber was tat diese jüdische Jugend?“ (Zwischenruf des PFeilkretizler-Fülirers Graf Festetits: „Sie ließ 8i ch taufen!“) Stefan Friedrich: „Sie ließ sich nicht taufen, aber sie lernte im Ausland drei, vier Sprachen, kam mit einem Diplom nach Hause und wenn auch die Nostrifizierung de9 Diploms ihr verwehrt wurde, so gelang es ihr doch, auf Grund ihrer besseren Kenntnisse in Privatfirmen unterzukommen und dort glänzende Positionen zu erreichen. Das war das Ergebnis des Numerus clausus. Im Leben muß sich jeder die Erfolge selbst erkämpfen. Wir brauchen keine Hindernisse und Dämme. Die christliche Jugend muß zeigen, daß sie der jüdischen überlegen ist, dann wird sie auch bessere Resultate erzielen.“ Seriöser pw, der in besten Familien Verbindungen hat, wird von ebensolcher Familie gesucht. Unter „Erstklassig“ an die Adm. des Blattes. Der Oberste Rat der Juden der CSR bei Benesch Am 5. März empfing Präsident Doktor Benesch das Präsidium des Obersten Rates der jüdischen Kultusgemeinden-Verbände der historischen Länder. Dr. Popper als Vorsitzender des Obersten Rates verwies auf die Denkschrift, die er dem Präsidenten übergab, und bezeichnte die darin enthalteten Postulate als solche, die der Oberste Rat nicht nur im Interesse der Judenheit stelle; durch deren Erfüllung soll der Oberste Rat in den Stand gesetzt werden, jene Pflichten gegenüber der Republik erfüllen zu können, die zu erfüllen er verpflichtet und bereit ist. In seiner Antwort wies der Präsident darauf hin, daß er schon als Minister des Äußern immer dafür Sorge trug, daß d i e religiösen und nationalen Rechte der Juden, von deren Ergebenheit zur Republik er überzeugt ist, respektiert werden; Diese Grundsätze werdet: auch weiterhin aufrecht bleiben. Zu den Postulaten des Obersten Rates übergehend, das ist die Schaffung von höheren Organisationsformen der jüdischen Religionsgesellschaft in den historischen Ländern und die Errichtung eines Rabbiner- Seminars in Prag, erklärte der Präsident, daß ihm diese Postulate bekannt sind und daß er sie als richtig und notwendig billige. Die Vorgänge in Ungarn Halbamtlich wird aus Budapest gemeldet: Eine Abordnung der ungarischen Judenheit erschien gestern beim ungarischen Ministerpräsidenten G ö m b ö s und überreichte ihm ein Memorandum des gesamten ungarischen Judentums, in welchem die allgemeine Lage der ungarischen Juden geschildert und die Wünsche derselben aufgezählt werden. Ministerpräsident Gömbös nahm das Memorandum mit der Erklärung entgegen, daß er dessen Inhalt einer sorgfältigen Prüfung unterziehen und, sollte es sich für notwendig erweisen, die entsprechenden Maßnahmen treffen werde. Der sinnlose Numerus clausus Der Abgeordnete Stefan Friedrich wandte sich im ungarischen Parlament gegen die Pläne, einen getarnten Numerus c 1 a u 8 u s für jüdische Arbeitnehmer in Ungarn einzuführen, und erklärte dabei: „Der Numerus clausus für Studenten hat in den 16 Jahren Deines Bestehens überhaupt nichts erreicht. Es gelang Generalversammlung der Mercurbank Am 7. März hat die 48. ordentliche Generalversammlung der Mercurbank stattgefunden. Als Staatskommissär fungierte Herr Ministerialrat Dr. Richard Pfaundler. Der vorgelegte Rechnungsabschluß pro 1935 wurde genehmigt. Von dem ausgewiesenen Gewinn per S 425.105-59 wird ein Betrag von S 250.000.— zur Dotierung des Reservefonds II verwendet und der Rest auf neue Rechnung vorgetragen. Die Generalversammlung hat die Neuwahl der Herren Dr. Alfred Kempf, Sektionschef a. D., Wien, und Direktor Dr. Hans PiJder, stellv. Vorstandsmitglied der Dresdner Bank, Berlin, und die Wiederwahl des Herrn Ing. Josef Rohshaendler, Präsident der Steiermärkischen Elektrizitäts-Gesellschaft, Graz, in den Verwaltungisrat vorgenommen. In der im Anschluß an die Generalversammlung stattgefundenen Sitzung des Verwaltungsrates wurden die Herren Gabriel Neumann und Dr. Hans Schippel zu Vizepräsidenten wiedergewählt. E Rechtshinwelse für die Erwerbs* tätigkelt in Palästina Unter diesem Titel erschien im Fiba-Vwlag eine Broschüre von Walter Klein, Jerusalem. Sie bringt die Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen, Allgemeine« über die Ausübung von Berufen, und im Detail dio gesetzlichen Bestimmungen über Handels-, Handwerks- und Industriebetriebe, die Bestimmungen Über den Erwerb von Grundstücken, über Wechselreoht, Urheberrecht, gewerblichen Rechtsschutz, über Steuern, Rechtshilfe und die Vollstreckung ausländischer Urteile. Dio Broschüre enthält für Palästina-Interessenten und insbesonders für Einwanderer in knapper, aber klarer und übersichtlicher Form viele wissenswerte Daten. Eine Erweiterung der Brosohüro durch eine mehr ins juristische Detail gehende Behandlung würde den vielen jüdischen Juristen in der Galuth willkommen «ein,

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