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Die Stimme · 1936-03-06 · Heft 529 (6.3.1936) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 529 (6.3.1936)
Date
1936-03-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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»V. 529 — 6. Mftn 1080 0(1 tTtMMI Volta 3 ssseasa Die Sensation des Pessachfcstes sind die weltberühmten HAZZOTH der Fester Israel. Kultusvemelnde unerreicht an Qualität und Geschmack. Nach einem Versuch kauft jeder die gute Pester-Qualität-Mazzoth, in dttnne und (runde) dicke, sowie Mazze-Griefi» Farvel und Mazze-Mehl In allen einschlägigen Geschäften erhältlich Alleinvertretung I ^1 A 7 p D S T Haidgasse 9 iur Oesterreich: ■ * " Telephon A 49-3-84 Ein« Arthur-Ruppin-Kolosiie Die Exekutive der JewMi Agency hat beschlossen, eine Kolonie zu gründen, die den Namen Arthur Kuppins, des Gründers der nationalen landwirtschaftlichen Kolonisation du Palästina, führen soll. Ferner sollen anläßlich seines 60. Geburtetages am 1. März seine Werke und Reden ttber Kolonisation veröffentlicht werden. Am Sonntag wird in Dagania eine kleine Feier veranstaltet. Bei dieser Gelegenheit wird ein Garten für tropische Früchte gepflanzt werden, der nach Arthur Ruppdn benannt wird. niiimfriiMmmmumiiimimiimiiininiHiüimiiiiiiiiiüiiiiiimiüiumiiiiiiiiiiiiiiiiiinmiiiiiiiiiiiiii» »Eine Nacht In Tel-Aviv* Der Repräsentationsball der Wiener Zionisten wird m diesem Jahre vom bekannten Klub Erez Israel am Samstag, den 14. März, m den SopMensälen veranstaltet und verspricht einen glanzvollen Verlauf zu nehmen. Schon die Devise dieses größten jüdischen Ballfestes der letzten Jahre „Eine Nacht in T el- Av iv“ ist vielversprechend. Bekannte Wiener Künstler, Maler, Bildhauer und' Architekten sind am, der Arbeit■, die künstlerische Ausschmückung der Sophiensäle im Sinne der Devise mit viel Geschmack durchzuführen. Die Sophiensäle werden am 14. März beim Besucher die Illusion des herrlichen Tel - Aviver - Mittelmeerstrandes erwecken. Daß es aber nicht allein bei der Illusion bleibe, bringt der veranstaltende Klub eine Freifahrt Triest— 'Haifa—Triest auf einem Dampfer des Lloyd Triestiho zur Verlosung, an der die Eintrittskarte als Los teilnknmt. Eintrittskarten ä S 5.— erhältlich im Klubheim, II., Praterstraße 13, Tel. R 42-4-07, kn Zionistischen Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. U 22-2-11, und m sämtlichen Sektionen. omiimmmiiMiimiiiiiiiimimiimiiiiiimimiMiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiimiiitiiiiiiiiitiitiiiiiiii* „Das Land der Verheißung“ in St. Pölten. Die Zionistische Ortsgruppe St. Pölten bringt den grandiosen Palästina-Tonfilm „Das Land der Verheißung“ am 23. März um 8 Uhr abends im Volksbildungskino, Josefstraße 4b, zur Aufführung. Studienrat Prof. Dr. Moritz Rosenfeld ein Sechziger Professor Rosenfeld, cler Autor des Chajes- Werkes und Verfasser mehrerer religionswiseemschaftlicher Schriften, begeht am 9. März seinen 60. Geburtstag. Der Jubilar, der zur alten zionistischen Garde gehört, erfreut sich der Sympathie weiter Kreise, die sich anläßlich seines Festtage« in den herzlichsten Glückwünschen für sein Wohl und daß seiner Familie vereinen. Der Zionistische Landesverband und die Redaktion dor „Stimme“ gratulieren herzlichst. Anläßlich des 70jährigen Jubiläums ihres Rektors und Lehrers Prof. Samuel Krauß veranstalteten die Hörer dieser Lehranstalt eine imposante Feier, bei der die Profe&sorenschaft, die beiden Oberrabbiner, der Präses des Kuratoriums Dr. Ornstein und andere prominente Persönlichkeiten anwesend waren. Nach Eröffnung der Feier durch den Präses der „Theologia“ H. Groß begrüßte Herr Arie Fränkel, Vizepräsident des K. K. L., den Jubilar im Namen des K. K. L. Sodann ergriff cand. thel. Abraham Badler das Wort , zu seiner Festrede. In einer einetündigen meisterhaften hebräischen Ansprache würdigte der Festredner den Jubilar als Gelehrten und Lehrer, der mit inniger. Liebe und größter Hingabe diese Anstalt seit fast einem Jahrzehnt leitet. Tief gerührt ergriff zum Schluß Prof. Krauß das Wort des Dankes an eeine Hörerschaft, Mit dem Absingen der „Hatikwah“ schloß die eindrucksvolle Feier. Wirtschaftsstelle des Palüstlnaamtes Die Wirtschaftsstelle des Palästina-Amtes gilbt bekannt, daß infolge gesteigerter Inanspruchnahme die Anzahl der Sprechstunden von zwei auf sieben Wochenstunden erhöht wird, und zwar werden ab 2. März die Sprechstunden jeden Montag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 12 Uhr vormit-1 tags und außerdem für dringende Fälle eine i Sprechstunde, in der der Leiter der Wirtsohaftisstelle zur Verfügung steht, in den Räumen der Wirtscha.ftssteile, Wien, I., Marc- Aurel-Straße 5, a.b geh alten. Ebenso wird auch das Betätigungsfeld entsprechend erweitert.! Die seit Jaihren angelegte Kartothek, die reichlich vorhandene Literatur und der enge Kontakt mit: den wirtschaftlichen Organisationen in Palästina und Europa ermöglichen die Erledigung und Beantwortung auch der schwiei rigsten Speziaifragen. Es ist ratsam, auf schriftlichem Wege Anfragen zu richten (Rückporto beilegen), da die Kürze der in den Sprechstunden zur Verfügung stehenden Zeit eine gründliche Behandlung oft nicht ermöglicht. Dem umfangreichen Tätigkeitsfeld _ werden nunmehr neue Zweige angesohlossen, die durch die derzeitige wirtschaftliche Lage bedingt sind. Es ist dies die Beratung über Immobilien, über Pal. Zollrecht, Steuerwesen, Inseratenversorgung, Inkassos, Schul- und Hochschulwesen und allgemeiner Informationsdienst. Die Gebühren für Spezialauskünfte, Ausarbeitung von Exposees und Prosperitätsberechnungen sind äußerst niedrig gehalten und dienen lediglich zur Deckung der Selbstkosten. | Die Kommission des Palästina- | amtes Unter Vorsitz des ehrenamtlichen Leiters des; Palästinaamtes, Herrn Dr. Alois Rothenberg, fand am 20. Februar 1986 die Konstituierung. der Paläatinaamts-Kommission statt. Es wurden gewählt: Zum Präsidenten Herr Dr. Leo Preis, zum ersten Vizepräsidenten Herr Bernhard S c h n i 111 i c h, zum zweiten Vollständig neu renoviert, modernst Stt&U'ß ehemals Cafe Residenz, I. Franz-Josef-Kai 29-31, Ecke Morzinplatz Nr. 5 \\\\\\\\\\\\\\\\\\\\m\\\\\\\« Preise Bridge-Saal o Schach-Zimmer o 4 Seifert-Billards o Kiubräume o Asphaltierte Kegelbahn Kalte und warme Küche Erstklassige Weine Bier vom Faß N G ■aa LACHSTÜRME1M SIMP „KARTE GENÜGT, KOMME SOFORT* L — WIESENTHAL nmBHHHBiI Prot. Krauß-Feier in der IstvTheoL Lehranstalt. VOM 2.-fc MÄRZ! Frühjahn-Mantel awengl.Nopijenjför Cr.de Chine gefüfferh auä dm KINDER-ABL VII»Kfl!SERSTR.115 MMJt Vizepräsidenten Herr Theodor Grubner. Die genannten Herren werden von nun an ihre Sprechstunden im Palästinaamte, Wien, I-, Marc-Aurel-Straße 5, an folgenden Tagen abhalten: Herr Dr. Preis: Dienstag von 2 bis 3 Uhr nachmittags Herr Schnittlich: Dienstag von Vi2 bis 2 Uhr nachmittags; Herr Grubner: Mittwoch von 1 bis 2 Uhr nachmittags. — Die Sprechstunde des Leiters des Palästinaamtes, Herr Dr. Alois Rothenberg, findet nach wie vor jeden Freitag von YA bis 2 Uhr nachmittags statt. GRABSTEINE in würdiger FORM AUS DEN W ERKSTÄIIIN WULKAN u NEUBKUNN ÄREN NI WEG 110' ST. MARX ' SEIT 1 &Q2 WohltUtigkeitsveranstaltüng. Dienstag, den. 10. März, um- K9 Uhr abends, ' veranstaltet Cafetier' Buchsbaum eine Wohltätigkeitsvorstellung im Cafe Beclaine, II., Präterstraße 34, bei der „Jantale“ mit Sevilla Pastor aufgeführt wird. Der Reinertrag .wird zur Gänze einem zugrunde gegangenen Kaufmann abgeführt, der mit fünf Kindern und einer kranken .Frau hilflos und vor der Delogierung steht. Der Besuch dieser Veranstaltung wird wänmstens empfohlen. Kommt zum Ptsrim-5-Ulir-Tee . in die Jung-WIZO-Mir)am, welcher Sonntag, den 8. März 1. J», in der Jordangasse 7, stattfindet. Der himmlische Lohn Von Sammy Gronemann „Nicht so eilig, Herr Sanitätsrat — einen Moment müssen Sie mir schenken!“ Der alte Arzt, der in seiner hastigen Art aus der Haustür gefahren und in scharfem Winkel nach rechts abgebogen war, drehte sich unwirsch ob der Störung um. Aber als er in das mild lächelnde Antlitz des Rabbiners sah, kehrte er doch um. „Ich bin etwas eilig, Herr Rabbiner“, knurrte er nicht sehr freundlich, „meine Patienten warten — „Ich will Sie nicht lange aufhalten“, sagte der Rabbiner lächelnd, dem Ungeduldigen die Hand schüttelnd. „Es scheint doch, Sie kommen von dem alten Ohaim, zu dem ich gerade will.“ „Ablösung vor!“ knurrte der Alte. „Das hat gerade noch gefehlt — übernehmen Sie doch ganz die Behandlung!“ „Warum so zornig?“ fragte der Rabbiner freundlich, an die brüske Manier des Arztes gewöhnt. „Meinen Sie, daß mein Besuch dem Kranken schaden kann? — Wie geht es ihm?“ „Schaden! — Was soll da viel schaden! — Achtzig Jahre! — Aber eigensinnig wie ein Kind. — Kann der Mann nicht wenigstens anständig nach meinen Verordnungen leben odeir sterben — aber nein — natürlich, Ihro Fakultät hat’s besser!“ „Was denn? Was denn.? Ich verstehe kein Wort!“ „Hatte ich da ein paar Anordnungen wegen der Diät gegeben — die Pute — die Nichte — wie üreifit sie — di© Hurtig — muß. ihm verraten, daß nicht alles nach den rituellen Rezepten des alten Moses bereitet ist — macht er den größten Skandal und weigert sich —“. „Ja — ein wirklich frommer, gottesfürchtiger Mann, der albe Chaim. Gott erhalte ihn!“ „Wird ihn sehr bald erhalten, wenn er so fortfährt. Ich habe ihm auch das Fasten am Vereöhmmgstag verboten. Meinen Sie, er hat gegessen? — Durchgefastet! Ist ihm übrigens ganz gut bekommen! — Aber ein Patient hat zu parieren!“ „Und wie geht es ihm jetzt?“ „Exitus —- kann jeden Moment eintreten — kann aber auch Tage lang auf sich warten lassen und länger. Ein zäher Bratenl“ „Vertrauen wir auf Gott!“ sagte dor Rabbiner. „Das ist Ihr Ressort!“ rief der alte Arzt. „Gehen Sie rauf, und verarzten Sie ihn nach himmlischen Methoden. Ich muß zu meinen Patienten, sonst werden die mir noch inzwischen gesund. Hab’ die Ehre!“ Der Rabbiner blickte ihm lächelnd nach, wie er in seinem komischen Trab davoneilte. Dann stieg er die Treppen zur Wohnung des alten Chaim hinauf. — Er betrat das Krankenzimmer auf den Zehenspitzen. Der alte Chaim lag, auf dem Kopf das schwarze Käppchen, halb sitzend im Bett. Die Augen hatte er geschlossen. An dem kleinen Tischchen neben dem Bett, das die Reste des Frühstücks trug, hantierte Fräulein Hurtig, die nicht mehr jugendliche Nichte des Alten. „Wie geht es unserem lieben Patienten?“ fragte der Rabbiner, ihr die Hand schüttelnd. „Unverändert, Herr Rabbiner“, sagte Fräulein Hurtig und nahm ihm Hut und Schirm aus der Hand. „Er hat wieder mit dem Arzt herumgestritten.“ „Nun, das ist ja ein gutes Zeichen“, sagte der Rabbiner, aus der hinteren Rocktasche ein schwarzes Käppchen holend und es sich aufsetzend. „So lange der Mensch sich ärgert — hat er noch Lebenskraft.“ „Recht haben Sie“, sagte der Alte, die Augen aufsohlagend. „Aber was versteht so ein neumodischer Doktor! Mit Ihnen kann man sprechen — setzen Sie sich zu mir!* Der Rabbiner holte sich einen Stuhl ans Bett und setzte sich dicht zu dem Kranken. Wohlgefällig weilten seine Augen auf den beiden Beuteln mit Gebetmantel und Gebetrieinen, die zur Seite lagen und deren Anwesenheit bewies, daß der Kranke auch heute sein Morgengebet in vorgesohdobener Weise erledigt hatte. „Tina“, sagte der Alte. „Ich muß mit dem Rabbiner reden. Laß uns allein!“ Fräulein Hurtig zögerte. „Ja, Onkel“, sagte sie. „Ich habe hier so ein schönes Stüde Huhn. Der Doktor hat gesagt—“ „Der Doktor weiß viel!“ brummte der Alte. „Jetzt will ich reden und nicht essen! Na — stell’s hin, mein Kind. — Nicht auf den Tisch es kann, Gott behüte, die. Butter ’rankommen. — Hieber aufs Bett. — So — nun geh schon!“ Die Nichte verschwand, und es trat eine lange Stille ein. Der Kranke hatte wieder die Augen geschlossen. — Der Rabbiner sah ihn unschlüssig au. Allzuviel Zeit hatte er nicht — er mußte sich noch zur morgigen Trauung vorbereiten. Ganz wider seinen Willen aber kamen ihm auch Überlegungen, was er am Grabe des frommen alten. Mannes sagen würde, der hier vor ihm lag. — Mit einer gewissen Ergriffenheit hörte er sich von diesem seinem letzten Besuche erzählen, wie bis zuletzt der alte Mann noch an die Beobachtung aller religiösen Pflichten gedacht hatte. War es nicht ein rührendes und erhebendes Beispiel für das jüngere Geschlecht, wie unser heimgegangener Bruder — „Nu, woran denken Sie?“ fragte auf -einmal Chaim und schlug die Augen auf. Der Rabbiner fuhr zusammen. „Ich dachte — ich denke“, sagte er, sich zusammennehmend, „welch ein gesegnetes Leben Sie hinter sich haben, mehl liebet Freund. Der Barmherzige wird Sie genesen lassen und Ihnen noch lange Jahre schenken — so hoffe ich und bete ich. Aber noch. — wahrlich ein Jude, der wie 'Sie mit solcher Zuversicht-, solchem Vertrauen, solcher Reinheit vor das Antlitz des Allerhöchsten treten kann, ist zu beneiden und zu bewundern. Möge uns allen der Selige —“ Er hielt entsetzt inne. Aber der Alte hatte nichts gemerkt. „Nu“, sagte er, „ich glaube selbst, ich bin ein ganz anständiger Mensch gewesen. Es ’iist mir auch gar nicht einmal so schlecht gegangen— nu — manchmal hab’ ich mich gequält. — Was Schlechtes hab’ ich nie tun wollen! Zu bereuen habe ich nichts!“ „Jeder von uns ist ein Sünder“, sagte der Rabbiner sanft. „Aber wenn schon der Sünder die Gnade erwarten kann — kehr um, einen Tag vor deinem Tode, heißt es und es wird dir vergeben — der himmlische Lohn — “ (Fortsetzung folgt.)

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