Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 529 (6.3.1936)
- Date
- 1936-03-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sott« nt DII STIMM! Nr. 520 — 0. Mär* 1990 Uomach* <Ut Ut~Auli$eH*& Von Dr. Alfred Werner Die Universität von Jerusalem Vortrag Kurt 8lumenfel$Js in Wien Montag hielt Dr. Kurt Blumenfeld, der langjährige Präsident der Zionistischem Organisation für Deutschland in Wien einen Vortrag über die Hebräische Universität von Jerusalem. Er setzte auseinander, daß die. Juden allen Verfolgungen trotzen konnten, weil es immer Bezirke gab, die kein Verfolger zu betreten vermochte, weil der Mißbrauch der Gewalt die Juden nicht überall treffen konnte, und weil sie sich auf einem Gebiet so sicher fühlten, daß sie fähig waren, den Mißbrauch der Gewalt zu verachten und sich ihren Verfolgern überlegen zu fühlen. Diese Überlegenheit gab ihnen ihr unveräußerlicher und ewiger geistiger Besitz. Wir müssen nun einsehen, daß wir heute über diese Widerstandskraft nicht verfügen. Man weiß nicht, durch welche innere Kraft sich die jüdische Welt heute behaupten kann. Wir sind für den Fortschritt, aber wir erwarten ihn immer von den anderen. "Wir sind in der eigentümlichen Lage eines Volkes des Geistes, eines Volkes des Buches, aber das ist nur ein Buch, das im besten Fall in der Bibliothek steht. Verstanden wirdes nur von wenigen. Man stelle sich vor, in Rußland gäbe es nur einige Spezialisten, die Dostojewski lesen können, oder es verstünden in Deutschland nuT die Gelehrten die Werke Goethes. Bei uns ist die Literatur, der wir unsere Geistigkeit und unsere Kraft verdanken, im Besitz einzelner, und nicht im Besitz einer Volksgesamtheit. Blumenfeld sagte, ein Volk ohne allgemein zugängliche Literatur und vor allem ein Volk ohne eigene Wissenschaft könne als Volk nicht bestehen. Darum hat sich das jüdische Volk entschlossen, zusammen mit der Besiedlung Palästinas auch ein wissenschaftliches Institut in Palästina zu schaffen. Das gehört unbedingt dazu, damit Palästina Erez Israel werde. In Palästina ist das erste judaistische Institut entstanden. Es hat zu erforschen, was im Zusammenhang mit den Juden noch zu erforschen ist, und das ist sehr viel. Man muß den Juden in den Stand setzen, antworten zu können, wenn er gefragt wird: Woher bist du eigentlich? Was bist du, was hast du durch die Jahrhunderte getan? Wir wissen wenig davon, und wir sehen vor allem viel mit fremden Augen. Der Vortragende schilderte dann in großen Zügen die Entwicklung der vor zehn Jahren gegründeten Jerusalemer Universität und ihren augenblicklichen Zustand. Er beschrieb die Schwierigkeiten, die man mit der Berufung von Gelehrten hatte, und die ungeheuren Hindernisse, die sich bei der Einrichtung der Institution ergaben. In den ersten zehn Jahren, als sich die Welt wenig um die Hebräische Universität kümmerte, ist trotzdem Erstaunliches geleistet worden. Die archäologische Forschung ist schon sehr weit. Wir wissen heute sehr viel aus der alten Vergangenheit des Landes, wir wissen vor allem, seit wie langer Zeit und wie dicht das Land bevölkert war. Es muß alles organisch und systematisch aufgebaut werden, man muß sich vor einer ungeordneten Aufeinanderschichtung der Lehrfächer und Institute •hüten. Es unterrichten heute 112 Dozenten in Jerusalem. Man denkt an alles, es wird auch zum erstenmal die Kabbala-Forschung betrieben. Es wird aber auch der Gegenwartsforschung größtes Augenmerk zugewendet. Jetzt ist ein Wirtschaftsforschungsinstitut gegründet worden, das unter der Leitung R u p p i n s steht. Ein soziologisches Institut ist im Werden begriffen. Schwierigkeiten bereitet der Aufbau der medizinischen Fakultät, denn dazu braucht man außer der Lehrkanzel und den Laboratorien Kl in ir kenund Krankenhäuser. Aber auch da geht es vorwärts. Gerade jetzt wurde es durch eine amerikanische Gruppe ermöglicht, eine neue Klinik auf dem Skopus zu errichten. Ungeheuer wichtig ist natürlich für die landwirtschaftliche Entwicklung ein entsprechendes wissenschaftliches Institut. Wo Hunderttausrende angesiedelt werden sollen, muß die wissenschaftliche Basis für die landwirtschaftliche Forschung gegeben sein. Ein pädagogisches Institut sollte für den Rabbiner- und Lehrernachwuchs sorgen. Es sollte so sein, daß auch in der Diaspora nur Rabbiner und Lehrer tätig sind, die ein Jahr in Palästina gelernt haben. Die Universität von Jerusalem wird wieder lebendige jüdische Wissenschaft sein, Wissenschaft, die mit dem Leben in Beziehungen steht. Die Universität kann der Prüfstein werden dafür, ob ec’ht ist, was dort unten g e- Zu den umstrittensten Büchern der Heili* gen Schrift gehört die Rolle Esther. Es hat Jahrhunderte gebraucht, bis die Rabbiner es in den Kreis der religiösen Schriften einbezogen — und die Kirche nimmt heute noch, sowohl Katholiken als auch Protestanten, in bezug auf dieses Buch eine ablehnende Haltung ein. Das ist nicht zum Verwundern, denn das Buch Esther ist ja in erster Linie eine glühend nationaljüdische Epopöe, erst in zweiter Linie ein Dokument des Glaubens, obwohl Gottesfurcht und Gottergebenheit die hervorstechenden Eigenschaften der beiden jüdischen Hauptfiguren, Mardochais und Esthers, sind. Auch entspann sich über den historischen Ursprung des Purimfestes unter den Gelehrten ein Streit, der noch nicht beendet ist. Während vor allem von christlicher Seite versucht wird, Purim aus dem persischen oder babylonischen Neujahrsfest abzuleiten und behauptet wird, die Hauptpersonen der Megilla seien identisch mit alten Landesgottheiten: Esther mit Istar, Mardochai mit Marduk, Haman mit Humman, dem Nationalgott der Elamiter, daß sich in dem Buche bloß der Kampf der alten Elamiter gegen die Babylonier wiederspiegle, indem Humman der Feind Marduks genau so sei, wie Haman der Feind Mardochais — halten jüdische Gelehrte diesen und ähnliche Ableitungsversuche für „absolut verfehlt und abenteuerlich“ (Jampel). Andere Gelehrte halten es zwar für möglich, daß eine besondere Errettung der Juden, wie sie geschildert wird, stattgefunden habe, jedoch nicht unter den Achämeniden, in deren Zeit uns das Buch versetzt, sondern unter den Arsaciden. Wie immer diese Gelebrtenstreitigkeiten ausgehen mögen — in den mehr als zweitausend Jahren seit ihrer Entstehung hat die Rolle Esther nichts an Farbenglanz eingebüßt, heute wie je erfreut uns die prächtige Charakterisierungskunst des unbekannt gebliebenen Dichters. ,Vor allem die Gestalt Hamans ist dem Verfasser so trefflich gelungen, daß sein Genie noch bewundernswerte wäre, wenn er — was unwahrscheinlich ist — die ganze Begebenheit frei, ohne Vorbild erfunden hätte. Denn er zeichnet Haman nicht bloß in Sehwarzweißmanier als ruchlosen Bösewicht, sondern er stattete ihn mit jenen einander bedingenden Eigenschaften aus, die auch heute noch für das Gros der Antisemiten typisch sind: Grausamkeit und Verleumdungssucht, Ehrgeiz und Hochmut, Eitelkeit «und Dummheit, Abergläubigkeit und Feigheit! So daß das nachbiblische Schrifttum, wenn es einen Judenfeind kennzeichnen will, mit Fug ihn mit Hamaharascha, dem Bösewicht, in Beziehung setzt. Schon der soziale Ursprung Hamans ist interessant: er stammte aus allereinfacbsten Verhältnissen, war also ein Emporkömmling. Die Bibel berichtet zwar bloß, der König habe ihn nach der Affäre Vasthi und seiner Verheiratung mit Esther „erhöht“ und „seinen Stuhl über alle Fürsten, die bei ihm waren, gesetzt“. Aber die Agada macht genauere Angaben. Danach lebte Haman ursprünglich in Not und verkaufte sich selbst dem Mardochai (also einem Juden!) als Sklaven. Zweiundzwanzig Jahre lang wirkte er als Haarsohneider und Badewärter. Gleichzeitig war er Astrologe und warf als solcher Lose, um den günstigen Tag für die Vernichtung Israels zu ermitteln. Nach anderer Version bestand Hamans Beschäftigung darin, daß er in der Nähe des Tempels saß und für jeden Leichnam, der bestattet werden sollte, dreieinhalb Drachmen einsammelte; als man beim Tode der Tochter des Königs Ahasveros ihm diesen schuldigen Tribut verweigerte, erhöhte er seine Forderung und wurde im Verlauf der darauffolgenden Auseinandersetzung mit dem König von diesem zum Wesir gemacht. Ist es da nicht naheliegend, sich Haman gleich einem der modernen Diktatoren mit dunklem Ursprung vorzustellen, wenn man bedenkt, daß die Haman-Affäre in eine Epoche fiel, in welcher die persischen Heere jahraus, jahrein an den kleinasiatischen Küsten mit Verzweiflung und Mißerfolg kämpften, eine Niederlage nach der anderen erlitten, das Reich mit jedem Tage sich abbröckelte und die Steuer- und Militärlasten das Volk niederbeugten, während der dem Volke lästige Wüstling auf dem Throne, um das Reich ganz unbekümmert, sich der Wollust ergab . . . Wie immer sich die „Machtergreifung“ Hamans vollzogen haben mag, er war jetzt der erste Mann im Reiche, und „alle Knechte des Königs, die im Tore des Königs waren, beugten die Knie und fielen vor Haman nieder; denn der König hatte es also geboten. Aber Mardochai beugte die Knie nicht und fiel nicht niede r.“ Selbstverständlich benützen die Türhüter" die Gelegenheit, Mardochai zu schaden, und sie erzählen dem Premierminister von Mardochais empörendem Benehmen. Sie tun dies wahrscheinlich — aus Judenhaß! Denn Mardochai hatte ihnen doch unerschrocken erzählt, daß er Jude sei, und als solcher aus religiösen Gründen (und nicht etwa aus Chauvinismus) die Proskynese verweigern müsse. Aber Haman, von Minderwertigkeitskomplexen geplagt, wie jeder Emporkömmling, und in seiner maßlosen Eitelkeit verletzt, gerät daraufhin in Wut. Wie hätte ein anderer an Hamans Stelle daraufhin gehandelt? Vielleicht hätte er mit Berücksichtigung der rein religiösen Motive Mardochais von einer Bestrafung des Unehrerbietigen abgesehen, im schlimmeren Falle jedoch nur den Sünder selbst für seihen Mangel an Respekt bestraft. Aber Hamans Rachsucht gab sich damit nicht zufrieden; in echt antisemitischem Verallgemeinerungsstreben „verachtete er es, daß er an Mardochai allein sollte die Hand legen . . . sondern er trachtete, alle Juden, so im ganzen Königreich des Ahasveros waren, zu vertilgen.“ ' Wie fängt nun Haman sein Werk an? Er verklagt die Juden beim König: Ihr Gesetz sei anders denn das aller anderen Völker — zu allen Zeiten hat man dem Juden, wenn man ihm nichts anderes vorwerfen konnte, sein Jude-Sein vorgehalten (aber sobald er sich von diesem Judentum ablösen wollte, bestand in den Augen der Antisemiten gerade in dieser Entwurzelung seine Hauptschuld!). Selbstverständlich fehlt nicht das materielle Moment — wann hat es denn bei der antisemitischen Demagogie gefehlt! Um des Königs Zustimmung zu dem Massenpogrom zu erlangen, verpflichtet sieh Haman, das hübsche Maß von zehntausend Zentner Silber (das repräsentiert nach Vorkriegsberechnungen einen .Wert von fünfundsiebzig Millionen Mark) in die Schatzkammer zu liefern — nicht aus dem eigenen Vermögen, sondern aus den konfiszierten Gütern der Juden, wodurch er also seinen Massenraubmord bloß selbst besteuerte — dieses Argument, hofft er, wird den prunkliebenden, verschwenderischen Monarchen überzeugen. Aber der König will in seiner Großmut sich für die Genehmigung dieses Erlasses nicht bezahlen lassen, Haman, den er als Retter des Volkes vor der Judengefahr (wie 1933!) preist, habe selbst die fünfundsiebzig Millionen dafür verdient, wenn er das Reich vor diesem staatsgefährlichen Volke erlöst haben werde. Nun wird der Mordplan (eine Art „Nacht der langen Messe r“) monatelang systematisch vorbereitet. Inzwischen greifen jedoch Mardochai und sein Werkzeug Esther ein. Bei dieser Gelegenheit zeigen sich wieder einzelne typische Züge Hamans. Er freut sich ungemein über die Einladung der Königin, mit ihr und dem K.önig am Hofe zu speisen, seine Eitelkeit wird befriedigt, ihm ahnt nichts Böses — nur der Gedanke, daß ein einziger Mensch, Haman, ihm nicht die nötige Ehre erweise, läßt ihn nicht ruhen. Er lädt seine zahlreichen Freunde zu sich und erzählt ihnen prahlerisch von seinem großen Reichtum und von den Ehrungen, die ihm der König erwiesen: „Und die Königin Esther hat niemand lassen kommen mit dem König zum Mahl, das sie zugerichtet hat, als mich; und ich bin auch morgen zu ihr geladen mit dem König. Aber an dom allen habe ich keine GenUge, solange ich sehen den Juden Mar- SsiUcc hoc dem könig Von Ben-Chorin ln dm Rhythmen ihres hohen Ganges Klang des kerben Leides Lied. Um die Lippen lag ein banges Ahnen, das vom Leben schied. Auf den Wogen der Gebete Ihres Volkes wallte sie Längs der köstlichen Geräte Aus Topas und Lapislazuli. Bis sie in des Raumes Mitte Von des Thrones HeUe überstrahlt Niedersank mit ihrer Bitte Vor. des Königs zeitlicher Gewalt. Noch im Falle ihrer dunklen Haare. Sah er, daß sie nicht wie irgend eine Von den Frauen war: das Wunderbare Lag auf ihren Schultern und das Ungemeine Sprach aus jedem ihrer heißen Worte — Da erkannte er und stieg herab Von des Herrschers hochgetürmten Orte Und gewährte — und vergab. doc-hai am Königstor sitzen.“ Worauf seine Frau ihm, dem Unschlüssigen, Unentschiedenen, rät, einen hohen Galgen zu errichten und Mardochai an den Galgen zu hängen. Hübsch ist auch die Episode, wie der König, der in einer schlaflosen Nacht von den Verdiensten, die sich Mardochai erworben, erfährt, und seinen Minister fragt? „Was soll man dem Mann tun, den der König gern wollte ehren?“, der eitle und egozentrische Haman, der sich denkt? Wem sollte der König anders gern Ehre tun denn mir — für seinen Todfeind Mardochai dem König die herrlichste Ehrung vorschlägt, die er dann selbst ausführen muß... Das war der Anfang vom Ende Hamans. Dennoch ist Haman überzeugt, der König, der seine Zustimmung zur Vernichtung des gesamten jüdischen Volkes gegeben habe, werde diesen einzelnen verdienstvollen Juden seiner Mordgier nicht; vorenthalten. Da wird Haman durch die Königin Esther entlarvt. Während der König, um seinen Zorn abzukühlen, sich einen Augenblick in den Garten begibt, verschmäht es der feige, würdelose Bösewicht nicht, bei der Jüdin um sein .Leben zu bitten. Von der „Beliebtheit“ des Emporkömmlings, des Demagogen und Autokraten zeugt die Tatsache, daß nach seinem Fall einer der Hofbeamten, Charbona, dem König mit Hinweis auf den Übeltäter Mitteilung macht von dem Galgen, der im Garten Hamans von diesem für Mardochai errichtet wurde, der „Gutes für den König geredet hat.“ Worauf der König sprach: „Laßt ihn dran hängen.“ Und man hängte Haman, den Prototyp des Antisemiten, an den Baum, den er, Haman, gemacht hatte. Da legte sich! des Königs Zorn. iiiiiiT^iiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiniiiiig Drautsträuße, .Arrangements 1 KRANZE 1 BLUMENHAUS BENEDIK I Wien, I., Rotenturmstraße 20, Telephon U 29*2*62 1 Flenrop vermittelt Blumen Mdi allen Orten der Welt 1 Orangen in der Küche Orangen sind für die Hausfrau gewiß keine Neuigkeit, aber es gibt doch eine Menge neuer Verwendungsmöglichkeiten für eie. Die feinste Orange, die große, süße und saftige Jaffa- Orange, wurde bisher nur in geringen Mengen und sehr unregelmäßig exportiert, war außerdem auch sehr teuer. Jetzt aber kommt die Jaffa-Orange zu uns in großen Mengen und zu niedrigem Preis, daß sie eine Reihe neuer Verwendungsmöglichkeiten bietet. Tatsächlich ist die Orange diejenige Frucht, welche die weitaus größte Verwendbarkeit bietet. In der Küche zum Beispiel kann Orangensaft genau so gut genommen werden wie etwa Zitronensaft. Die Schale der Orange findet dieselbe Verwendung wie etwa me Zitronenschale. Wo findet man nicht den delikaten Orangensaft als Heilfaktor in Krankenzimmern? Als Orangeade oder als Cocktail mit Orangensaft?, Haben Sie schon Oramgensauce gegessen? Oder Orangensaft zu Pudding? Alles, was Sie mit Zitronen bisher gemacht haben, wie Zitronenauflauf, Zitronengelee, Zitronen-Icecream, all das können Sie mit dem Orangenisaft machen — aber es müssen Jaffa-Orangeqj sein, denn Jaffa-firang^n M aaftigoc.