Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 529 (6.3.1936)
- Date
- 1936-03-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Ate. m — «. März im Dfl STIMM! fftft« I EREZ ISRAEL Kommt das neue Bodengesetz? Von Dr. J. Adler/ Tel-Avlv Zum Problem des Bodengesetzes stellt unser Korrespondent folgende Untersuchung an. Die erste Frage, die man aufwerfen muß, wird lauten: Würden die arabischen Bauern, die man „schützen“' will, wirklich einen Nutzen davon haben? Nach den praktischen Erfahrungen, die man in Europa, in Ägypten und anderswo mit derartigen Bodengesetzen gemacht hat, die den kleinbäuerlichen Grundbesitz durch ein Verkaufsverbot konservieren wollten, kann die „Wohltat“, die man den Fellachen erweisen möchte, nur als höchst zweifelhaft gelten. Mit dem Verkaufs verbot, das auch ein Verbot der Zwangsversteigerung ist, hört jede normal - geschäftliche Möglichkeit des Realkredits und damit der Modernisierung und Intensivierung des bäuerlichen Betriebes mittels Leihkapitals auf und natürlich entfällt die wichtige Chance, durch Verkauf eines Teiles der von solchen Gesetzen in der Regel viel zu hoch limitierten „Minimalfläche“, eigenes Kapital in die Hand zu bekommen und auf dem verbliebenen Rest des Grundstückes eine absolut auskömmliche, weil intensive Wirtschaft kleineren Maßstabes aufzubauen. Die intensiven jüdischen Wirtschaften gehen heute, bei durchaus kulturwürdiger Existenz des Besitzers bis auf Betriebsgrößen von 7, ja sogar 5 Dunam hinab, während der primitive Fellachenbetrieb, bei kümmerlichem Dasein des Wirtes, ein Mehrfaches davon umfaßt. Weniger Boden pro Betrieb, dafür stärkere Kapitalinvestierung und bessere Bewirtschaftung, das muß die künftige Devise für Palästinas Bodenpolitik sein, bei der sich Raum genug für arabische und jüdische Bauern im Land finden würde, .während das neue Bodenrechteprojekt in der Praxis gerade das Gegenteil bewirken würde, die Verewigung der bisherigen Primitivität, der Armut des Bauern, der Bodenverschwendung. Abgesehen davon, daß das neue Gesetz 'dem Fellachen keineswegs sonderlich nützen würde, kommt hinzu, daß für den palästinensischen Gesetzgeber sachlich nicht die geringste Ursache besteht, den jüdischen Bodenkauf zu erschweren. Obwohl die Juden heute rund 28 Prozent der Gesaratbevölkerung darstellen, besitzen sie erst etwas über 6 Prozent des Gesamtbodens. Die offizielle Kommission Englands, die die palästinensischen Bodenfragen untersuchte und unter der Bezeichnung „Hope Simpson Kommission“ bekannt wurde, hat in ihrem Bericht feststellen müssen, daß eine ziffernmäßig irgendwie wesentliche Verdrängung von Fellachen durch den jüdischen Bodenkauf nicht stattgefunden hat. Wo Juden Boden erworben haben, haben sie ihn auch immer bar und gut bezahlt. Die verstärkte jüdische Siedlungstätigkeit der letzten Jahre hat geradezu eine „goldene Zeit“ für die arabische Bevölkerung gebracht. Mit den erhaltenen Kaufsumraen haben die Fellachen sich neue Häuser und Ställe gebaut sowie überhaupt erstmals in ihrer Wirtschaftsgeschichte sich moderne Maschinen und Geräte angesohafft. Es ist auch festzustellen, daß der Keren Kajemeth im ganzen nur 18 Prozent seiner Bodenkäufo unmittelbar bei Fellachen vorgenommen hat, hingegen 87 Prozent bei den „Effondis“, den Großgrundbesitzern. Welche Konsequenzen sind aus der jetzigen Lage auf die Zukunft der jüdischen Bodenpolitik, vor allem auf die weitere Aktivität des Keren Kajemeth zu ziehen? Eine Panikstimmung, die Furcht, daß ein weiterer jüdischer Bodenkauf gänzlich unmöglich werden müsse, ist durchaus unangebracht. Selbst in dem Fall, daß die Idee des neuen Bodenrechts vollkommen so, wie sie der High Conunissloner skizzierte, verwirklicht würde, stände man zwar vor neuen erheblichen Erschwerungen des jüdischen Bodenkaufs, aber doch nichtvoreinerretffclosen .Unterbindung des Boden* erwerbs überhaupt. Mail würde nur noch mehr als bisher genötigt sein, die Nachfrage auf Böden der Großgrundbesitzer, neben den gesetzlich überschüssigen Böden der Fellachen, zu konzentrieren, der verknappten Auswahl an Kaufobjekten würden den Arabern noch höhere Preise zu bewilligen sein. In der Tat ist wohl gerade das Letzte der besondere und einzige Grund, weshalb sich arabische Kreise für das Projekt erwärmen, da sie ja die Nachteile für den Fellachen und für die Entwicklung des Landes ebenso klar durchschauen, wie wir selbst. Man darf sich durch die radikalen Parteiparolen der Araber bloß nicht, täuschen lassen. Was sie wirklich wollen, ist nicht das Verbot des jüdischen Bodenkaufs, sondern nur eine Erschwerung desselben, die möglichst preistreibend wirkt. Was unserseits zu geschehen hat, ist klar. Erstens der schärfste politische W i d’e r s t a. n d gegen das in der gleichen Linie mit dem Parlamentsplan stehende Bodenrechtsprojekt — ein für uns absolut nicht aussichtsloser Kampf, da die Zahl der englischen Politiker wächst, die das Berechtigte der jüdischen Abwehr erkennen und zugeben. Zweitens aber gilt es, umfassende Vorbeugungsmaßnahmen zu ergreifen und gerade jetzt so viel Boden zu erwerben, wie wir es beim Aufgebot äußerster Finanzkraft ermöglichen könn e n. In erster Reihe muß der Keren Kajemeth heute von seinen Mitarbeitern und von allen Anhängern seiner Idee verlangen, daß sie ihre Arbeit beschleunigen und verstärken, damit verschiedene wichtige Kaufabschlüsse baldigst perfekt gemacht werden können, um die große Bodenreserve zu beschaffen, von der die A n s i e d 1 u n g der A 1 i j a h der nächsten Jahre abhängt. In einer Lage wie heute, da wichtige Entscheidungen der Bodenpolitik in der Schwebe sind, , muß der Keren Kajemeth in verstärktem Maße alarmbereit und aktionsfähig sein, über besonders hohe disponible Mittel verfügen, um nach Bedarf überraschend auf dem Bodenmarkt mit Käufe« einzugreifen. [ Kurze Nadmdilen aus Erez Israel Die Handelsvertrags-Verhandlungen zwischen dem Irak und Japan haben sich zerschlagen. Irak forderte einen Export nach Japan ln der Höhe von 50 Prozent des japandsohen Importe im Irak und das Recht, die importierten japanischen Waren in andere Länder weitem verkaufen. Japan lehnte dteße Forderungen ab. Dieee Tatsache ist besondere für Palästina wichtig, dessen Export nach dem Irak durch Japan stete gefährdet war. Einer dier bedeutendsten früheren Würdenträger in Transjordanien, Mehroed Pascha Hussein, wandte sich an den Emir und verlangte, daß er eine neue Regierung bilde, die ausschließlich aus Transjordaniem zu bestehen habe und daß er alle ausländischen Beamten, also die Syrier und Palästineneer, wegsende. Diese Forderung erregte den Emir derart, daß eT den Pascha, fortsohickte und verhaften ließ. Diese Verhaftung löste besonders in Es-sealt große Erregung aus, die zu Demonstrationen und Proteßttelegrammen an den Emir und an den britischen Vertreter führte. „El falestin“ behauptet, daß hinter dieser Angelegenheit eine auswärtige Macht stünde. *5* „El falestin“ behauptet, daß die Regierung im westlichen Transjordanien und im Bezirk von Ber Schewa seohzigtausend jüdische Familien ansiedeln will. Von der Regierung wird diese Nachricht dementiert. Bis Ende Februar verließen — vom Anj fang der Saison gerechnet — 4,597,296 Kisten Citrusfrücihte das Land, da,s ißt um 72.430 Kisten mehr als im Vorjahr. Rund eine halbe Million Kisten enthielten Grapefruits und etwa 30.000 Zitronen. Thenuva ist nunmehr in der Lage, den gesamten Milchbedarf des Jischuv zu decken. Diese Erklärung wurde in der Jahreskonfereriz der Comparative Marketing Association for Labour Settlements Judea abgegeben. Der von der Regierung eingeführte Schutzzoll gegen den Import von Tomaten au« Ägypten wurde als eine für die jüdische Landwirtschaft wichtige Maßnahme begrüßt. Die Polizei deckte in Tel-Aviv eine Verbrecher Versammlung in einer Privatwohnung auf, wo 37 Einbrecher Alkohol trinkend und ihre Pläne diskutierend aufgefunden wurden. Eine beträchtliche Menge von gestohlenem Eigentum wurde beschlagnahmt. Die Polizei glaubt, der Täter von kürzlich in der Stadt verübten Räubereien habhaft geworden zu sein. * Die neue Histadrutb-Vorstadt südlich Tel-- Avivs wird den Namen Kiriat Haavodah führen. Für 2500 Familien wird Wohnraum auf einer kooperativen Basis geschaffen werden. Außerdem sind 130 kleine Häuschen und Wohnhäuser zur Unterbringung von hundert Familien vorgesehen, deren Bau sofort beginnt. Tausende von Arbeitern sowie Vertreter der Regierung, der Jewish Agency-Exekutive, der Histädruth, der Nationalen Fonds und der Tel-Aviver-Stadtverwaltung waren bei der Grundsteinlegung anwesend. Es sprachen: Remez, Grünbaum, Dov Hob und Arieh Shenkar. * Wie die Presse berichtet, ist in den vergangenen 14 Tagen eine Besserung auf dem Arbeitsmarkt für die Kolonien eingetreten. In einer Reihe von Kolonien wurde sogar gelegentlich ein Arbeitermangel für Pflückarbeiten und andere landwirtschaftliche Tätigkeiten festgestollt. Hi In Amman (Trans Jordanien) wurde eine englische Krankenschwester überfallen und vergewaltigt. Die Polizei verhaftete 130 Personen, unter denen sie einen Tscberkessen und zwei Araber als die Täter bezeichnete. * Die amerikanische Regierung ernannte einen neuen Generalkonsul für Palästina, der im April sein Amt autreten wird. H- Vor einigen Tagen besuchten Diebe di« Büroe der städtischen Polizei in Haifa, untersuchten sie eingehend und verschwanden unter Mitnahme einer Geldsumme und einiger Gewehrpatronen. 1 Die i/tu EJktoCto des Ml£ vvv ' Emek Jesreel. 202.000 Dunam KKL-Boden. Dieses Tal icar bis 1921 Wüste und Sumpf. Heute 24 Siedlungen mit über 7000 jüdischen Seelen. Getreide, Wein, Garten- und Milchwirtschaft, Emek Chefer. 31.000 Dumm KKL-Boden. Gestern noch Sandsteppe, heute IS Siedlungen. Orangen, Gemüse, Milch. ms&. mssssäm Emek Sebulom, 31.000 Dunam KKL-Boden. Au der Haifa Buy gelegen. e i f / * * Emek Hajarden, 40.000 Dunam KKL-Boden. Ftem r Siedlungen und. Arbeiterlager in allen Teilen des Landes, Boden für Schulen und öffentliche Institutionen. ’