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Die Stimme · 1936-03-06 · Heft 529 (6.3.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 529 (6.3.1936)
Date
1936-03-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Oll STIMM« Nr. 529 — 6. März 1988 Propagierung der Nürnberger Gesetze in Oesterreich Im Verlag „österreichische Volksgesellschaft M. 0. Groh, Wien“ Ist ein Buch erschienen, das den Titel tragt: „Antisemitismus der Welt in Wort und Bild — Der Weltstreit um die Juden frage“. Das Buch, das schön gedruckt und gebunden ist, gibt sich den Anschein, eine „wissenschaftliche“ Arbeit zu sein. In Wirklichkeit stellt es nichts anderes dar, als eine Propagiening des blutrünstigen Antisemitismus im nationalsozialistischen Stil. Es heißt darin unter anderem: „Die Dissimilation hat die Ausscheidung der Juden aus den Lebensbezirken als Gesetz zur Folge: Aus dem Blutgefüge durch Verbot von rassischen Mischehen; aus dem gesamten Kultur- und Kunstleben durch Einführung des Arierparagraphen; aus dem politischen Leben durch Aufstellung des Grundsatzes von der artgemäßen und blutverwandten Führung in Staat, Verwaltung und Politik; wirtschaftlich durch allmähliche Überleitung der spekulativ erworbenen jüdischen Vermögenswerte in die Hand des deutschen Wirt schaftsführer 8 des deutschen Volkes. Eine ganze Reihe greulicher Bilder aus der Streicherschen Ritualmordliteratur ist dem Buch beigegeben. Die österreichischen Behörden haben bis jetzt nichts gegen den Vertrieb dieses Buches unternommen. Wie wir erfahren, ist die Israelitische Kultusgemeinde gegen diese Hetzschrift be reits bei der kompetenten Rehörde Ginge schritten. Wir erwarten, daß die Staats anwaltschaft die Beschlagnahme dieses nationalsozialistischen Machwerkes ver fügen und gegen den Verfasser straf gerichtliche Schritte einleiten wird. Die Oberhausdebatte Uber den Gesetzgebenden Rat Buchhandlung Antiquariat II., AspembrUckengasse 3, Tel. R 41-0-57 Moderne Literatur, Hebraica, Judalea Ss Rublnsfeln Die nationalsozialistischen Streuzettel Die Streuzettel „Juden, kauft nur bei Glaubensgenossen“ sind, wie die behördlichen Erhebungen ergeben haben, in einer nationalsozialistischen Druckerei hergestellt worden. Diese Druckerei befindet sich in der Hirschengasse; in derselben Gasse bat ten die Nationalsozialisten bis zum Eingreifen des Staates ihr Braunes Haus, wo alle die Attentate auf Österreich, die verschiedenen Morde, Bombenanschläge, Femeakte ausgeheckt wurden, die so lange die Behörden und Gerichte beschäftigt hatten. Aus dieser Zeit stammt auch die Beschäftigung der bezeichneten Druckerei, in der unter anderem auch die verschiedenen Geschäftsweiser hergestellt worden sind, die sich bald arisch, bald christlich nannten, jedenfalls aber im antijüdischen Sinn wirkten. Polnisches Schächtverbot wäre ungesetzlich Aus Warschau meldet die JTA.: In einer Pressekonferenz erklärte Pressechef Lonczkowski, daß der Standpunkt der Regierung in der Schächtfrage keineswegs feststehe. Das Material zeige, daß es sich Purimball Sonntag, den 8. März Rosensäie, X., Favoritenstraße 89 um eine sehr komplizierte Frage handle. Es seien drei Hauptmomente zu berücksichtigen: das humanitäre Moment, das juridisch-religiöse und das wirtschaftliche Moment. Es müsse in Betracht gezogen werden, daß die Verordnung des Staatspräsidenten vom 14. Oktober 1927 die rituelle Schlachtung vorsehe. Daraus müsse geschlossen werden, daß die jüdische Scbächtmethode im polnischen Staat bisher als humanes Schlacbtverfahren beurteilt wurde. Hinsichtlich der juristisch-religiösen Seite ist zu bedeuten, daß in vielen polnischen Gesetzen ausdrücklich bestimmt wird, daß auch die Versorgung der jüdischen Bevölkerung mit Koscher?leisch in den Aufgabenkreis der jüdischen Gemeinden Talle. Die Einnahmen aus der Schechita decken 30% bis 43% des Ausgabenetats der Gemeinden; im Falle eines Schecbita-Verbots müßte der Staat den ganzen Etat der jüdischen Gemeinden decken« Aus London meldet JTA: Nach der Abgabe der Regierungserklärung in der Debatte Über den Legislative Council, die am 26. Februar im Oberhaus stattfand, führte Lord S n e 11, der den Diskussionsantrag gestellt hatte, aus: „Ich erkläre, daß es Sache der Regierung und letzten Endes des Parlaments ist, zu entscheiden, ob eine große Sache wie diese, die uns Jahre voller Schwierigkeiten, Unruhe und Rassengegensätze bringen kann, gerade in diesem Zeitpunkt unternommen werden soll. Ich habe mein mögliches getan, ich habe der Regierung Gelegenheit gegeben, Buße zu tun, sie aber will auf ihrem Weg weitergehen. Es ist ziemlich zwecklos, von der Regierung eine neuerliche Erwägung zu dem Zweck zu verlangen, daß wenigstens ein Teil der Besorgnisse des jüdischen Volkes behoben werde. Ich fühle mich stark versucht, eine Abstimmung über diese Frage herbeiztiführen. Im großen ganzen aber glaube ich, daß die Erklärungen, die wir abgegeben haben, besser für sich wirken sollen. Wir haben unser Bestes getan. Ich habe versucht, eine parteiische Einstellung in dieser Sache zu verhüten, und ich b e d a u e r e es tief, daß die Regierung keine verständnisvollere Antwort auf eine in guter Absicht unternommene Bemühung gegeben hat.“ Die Wirkung der Erklärung Die aus Palästina und Polen eintreffenden Nachrichten zeigen, daß die Erklärung des Unterstaatssekretärs Lord Plymouth in der Oberhausdebatte bei der jüdischen Be völkerung dieser beiden Länder tiefe Be sttirzung ausgelöst hat. Sowohl in Palä stina als auch in Polen, für dessen Judenheit Palästina die einzige Zufluchtsstätte ist, wird in der jüdischen Presse die Erklärung des Unterstaatssekretärs mit äußerster Bitter kelt als die Absicht der englischen Regie rung kommentiert, das jüdische Volk in Palästina zu einer Minder heit zu stempeln. Die palästinensisch jüdische Presse erklärt, es handle sich nicht um einen Streit zwischen Juden und Arabern sondern zwischen den Juden und der Regierung. Die Tageszeitung „Haarez“ erklärt unter anderem: „Wir brauchen einen eigenen Winkel für uns auf dieser Welt und werden niemals einem Minderheitsstatus in Palästina zustimmen, der die Reisespesen unserer Einwanderer nicht lohnen würde.“ Nationaler Bauernverband gegen Council Tel-Aviv, 4. März. (JTA.) In einer Konferenz des „Nationalen Bauernverbandes“ wurde eine Resolution gegen die Einsetzung eine« Legislative Council und gegen die geplante Verordnung, durch die der Bodenverkauf in Palästina beschränkt werden «oll, gefaßt. Die Konferenz beschloß ferner, eine Herabsetzung der Grundsteuer und der Zölle auf Orangen in England zu verlangen. Oesterreichs Palästina-Export Auf Einladung des Außenhand elsdienstes der österreichischem Handelskammern, denen von der Regierung die Organisierung der österreichischen Ausstellung übertragen wurde, hielt der Vertreter der Levante-Messe für Österreich, Rechtsanwalt Dr. Hugo Groß, im großen Festsaal der Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie einen Vortrag über die Messe in Tel-Aviv, der beifällig aufgenommen wurde. Bei der Siebenten internationalen Levante-Meeae, die vom 30. April bis 30. Mai stattfindet, gibt sich reges Interesse der österreichischen Exporteure kund. Österreich wird diesmal repräsentativ vertreten sein. Sowohl die österreichischen Bundesbahnen und die D. D. S. G wie fremde Bahn Verwaltungen und Schiffahrtsgesellschaften gewähren Besitzern von Messeausweisen Reiseerleichterungen. Die österreichisch-palästinensische Wirtohaffcs- und Handelskammer in Wien, I., Schellinggasse 1, ermöglicht ihren Mitgliedern auf Grund besonderer Vereinbarungen sehr billige Reisen mit Arrangements sowohl in Palästina, als auch in den angrenzenden Ländern, Syrien und Ägypten. Die Messe in Tel-Aviv ist eine willkommene Veranlassung für einen Besuch in den Ländern de« Mittelraeeres, als auch im Orient und besonders im Heiligen Lande, das nunmehr seine Wiedererstehung erlebt. Gelegentlich seines Lichtbildervortrages hielt Dr. Groß ein Referat über die Exportmöglichkeiten nach Palästina, dem wir folgendes entnehmen: Palästina hat gegenwärtig 1,200.000 Einwohner, von denen zirka 400.000 als Konsumenten im europäischen Sinne betrachtet werden können. Im Export sind Möglichkeiten gegeben. Das benachbarte französische Mandatsgebiet Syrien hat zirka 3-5 Millionen Einwohner. Auf Grund des bestehenden Handelsvertrages können die Produkte beider Länder jeweils zollfrei in das Nachbarland Güter, die nicht einem Spezialzoll unterliegen oder zollbefreit sind. Auf Grund des Mandats ist Palästina verpflichtet, allen dem Völkerbund angehörenden Staaten gleiche Zölle zu gewähren. Direkte Handelsverträge können derzeit nur mit den Nachfolgestaaten der alten Türkei, soweit sie in Asien gelegen sind, geschlossen werden. Ein derartiger Vertrag besteht mit Syrien und dem Irak, außerdem sind Bestrebungen im Gange, auch mit anderen Staaten Handelsverträge oder zumindest Kompensatiohsübere'mkonimen abzuschließen. Die am 22. Jänner in Kraft getretenen Zollerhöhungen wurden zum Schutze der jungen palästinensischen Industrie, besonders gegen Dumping einge- Protektoren: Staatsrat Dr. Des. Friedmann Rat d. Stadt Wien Dr- Jak. Ehrlich PrSs. Dr. Oskar GrQnbaum das japanische führt, bewegen sich jedoch in mäßigen Grenzen. Der Export Palästinas nach Österreich war bisher belanglos. Im Jahre 1934 hat Österreich palästinensische Waren für bloß S 214.000 aufgenomanen. Im Jahre 1935 betrug die Einfuhr palästinensischer Produkte, trotz erheblicher Steigerung doch nur S 757.000; wir exportierten daher nach Palästina rund zwölfmal soviel Waren, wie wir von dort aufnehmen. Die Orangenproduktion Palästinas betrug im Jahre 1934 6% Millionen Kisten, im Jahre 1935 trotz Mißernte 7% Millionen und steigert sich von Jahr zu Jahr. Außerdem liefert Palästina Wein, öl, Seife und Chemikalien. Österreich hat im Jahre 1934 über 1800 Waggons Orangen eingeführt, davon aus Palästina kaum 10 Waggons. Aus Italien dagegen 1400 und aus Spanien 380 Waggons. Im Jahre 1935 betrug die Gesamteinfuhr von Orangen rund 1700 Waggons, davon entfielen auf Italien wieder 1400, aiif Spanien bloß 150, während die Einfuhr von Palästina auf rund 100 Waggons, also um das Zehnfache, gestiegen ist. Die Einfuhr der in unerreichter Qualität in Palästina wachsender Grapefruit deckt zur Gänze den österreichischen Bedarf. Vom Gesamtimport dieser Citrusfruoht von 8% Waggon« im Jahre 1935 stammten 7-7 Waggons aus Palästina. Wenn sich die von der österreichischen Regierung vor kurzem bewilligte 50% ige Herabsetzung Konzert neu-hebrliiacher neu - palästinensischer Lieder 8. März 1936, 8 Uhr abdt. Konzertäaal „Post“, l„ Fleischmarkt 24 des bekannten hebr.-jidd. Liedertnterpreten Konzert- und Radlosftnger J.Segal-Rosenbach (Tenor) Programm: „Erez Jißraeis Aufbau Im Liede" Die an diesem Auend zum Vortrag gelangenden Lieder illustrieren durch Ihre besondere Auswahl und Reihenfolge - zusannnengchnlten durch verbindende Worte — die Entwicklung Erez J1 ßra61s bis zum heutigen Tage. Am Klavier: L111 RI e g 1 e r. Karten von 60 g bis S 2-SO bei JUd. Kulturstalle, I., Franz- Josefs-Kai 3, Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20a. wird auch in Palästina die Frage ventiliert., die Einfuhr aus den einzelnen Ländern entsprechend der Aufnahme palästinensischer Waren zu regulieren. Da die österreichische Handelsbilanz mit Palästina hochaktiv ist, besteht für Österreich das größte Interesse an dem Bezug palästinensischer Waren. Zur Intensivierung des Wirtschaftsverkehres zwischen Österreich und Palästina wurde in Wien und Tel-Aviv eine Austro- Palästineneische Handelskammer gegründet. Besondere Möglichkeiten bieten sich für den österreichischen Holz- und Baumate rialien-Export. Intere.ssant ist, daß der Holzimport Palästinas im Vorjahre zirka 300.000 Kubikmeter betragen hat, woran Österreich infolge der hohen Frachtraten fast gar nicht beteiligt war. Auch für Lebensmittelkonserven, Butter und Käse besteht sehr große Nachfrage. Die wachsende Landwirtschaft benötigt dringend Zuchtvieh. Anfangs vorigen Jahres wurde eine Anzahl Zuohtrinder aus Österreich nach Palästina exportiert, wofür die palästinensische Regierung eine spezielle Ednfuhrerlaubnis erteilt hat. Gegenwärtig werden folgende Waren in Palästina gesucht: alle Artikel für den Baubedarf, Galanteriewaren, Toilettegegenstände, Konfektion, Herren- und Damenwäsche, Modewaren aller Art, Strickwaren Wirkwaren, Luxusartikel, chemische und pharmazeutische Produkte, ferner Kinofilme, jedoch nur österreichischer Provenienz. Näheres ist in der österreichisch-palästinensischen Wirtschafts- und Handelskammer in Wien, I., Schellinggasse 1, jederzeit zu erfahren. Restaurant Rillet uw Bestrenommierte Küche ^3 Reichhaltige Menüs a S 1*90 u. 2*60 Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrficke) Trauerfeier zu Ehren Doktor Wilhelm Berliner Der Keren Kajemeth und das Versicherungsdepartement des Hauptbureaus des KKL-Jem* salem veranstalten Donnerstag, den 5. März, S Uhr abends, im Festsaal der Zion. Bureaus, L, Marc-Aurel-Straße 5, eine Gedenkfeier für Dr. Wilhelm Berliner. Ansprachen: Adolf Boeh m, Dr. E. M. Zweig (Jerusalem). emgefiihrt werden. Da in Syrien der Zoll durchschnittlich 25% des Warenwertes beträgt, ist auf diese Weise der palästinensische Fabrikant gegenüber den anderen Exportländern um die Zollspanue im Vorsprung. Irak hat eine Bevölkerung von zirka 3 Millionen Einwohner, doch ist der Lebensstandard und die Kaufkraft derzeit noch gering. Ägypten stellt mit oineT Bevölkerung von zirka 15 Millionen Einwohner an und für sich ein großes Absatzgebiet dar. Die Grundlage des palästinensischen Zolltarife jfit ein Wertzoll von 12% auf alle jene Jazzkapelle I. Geiger NltternachtsRolmrett Sevilla Pastor u. o. m. Arnold Netter gestorben Aus Paris wird gemeldet: Professor Arnold Netter, der erst vor kurzem als Nachfolger von Prof. Sylvain Levy zum Präsidenten der Alliance Israelite Universelle gewählt worden war, ißt am 1. März in Paris während eines Vortrages, den er in der Pariser Ärzte-Gesellsohaft über sein Spezialgebiet, die Bakteriologie, gehalten hat, plötzlich gestorben. Er erreichte ein Alter von 81 Jahren. Prof. Arnold Netter, ein Neffe des 1882 in Mikwe Israel (Palästina) verstorbenen jlxdißchen Philanthropen und Mitschöpfer« der neuen jüdischen Kolonisation Gharles Netter, entstammte einer Familie elsäseißcher Rabbiner. Er wurde in Straßburg im Jahre 1855 geboren, 1889 wurde er außerordentlicher Professor an der Sorbonne, 1898 Mitglied de« Geeundheiterafces van Frankreich. Er war Großoffizier der Ehrenlegion und Mitglied der Medizinischen Akademie. Er schrieb grundlegende Werke über Kinderkrankheiten, die Schlafkrankheit, über Präventiv-Impfungen bei Diphtheriegefahr und über Bakteriologie überhaupt. d3s Grapefruitszolles aiusgewirkt haben wird, ist mit einer weiteren Zunahme ur 1 Popularisierung der Grapefruitoinfuhr zu rechnen. Bei der allgemein herrschenden Tendenz der Ausbalancierung der Handelsbilanzen Karten erhältlich: Zionistischer Landesverband und allen Funktionären Saaleröffnung 7 Uhr abends.

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