Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 528 (3.3.1936)
- Date
- 1936-03-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit« 2 DIB STIMM! Nr. 528 — 8. März 1986 Dr. Jakob Ehrlich rechnet mit der Union ab Wie berichtet, ist das Budget der Kultusgemeinde ln der Sitzung des Vorstandes vom 26. Februar einstimmig genehmigt worden. Im nachfolgenden geben wir die Rede des Stadtrates Dr. Jakob Ehrlich wieder, die sich za einer eindrucksvollen und wuchtigen Abrechnung mit der Union gestaltete. Seine Ausführungen klären die jüdische Öffentlichkeit Wiens und auch die nichtjüdischeit Kreise über die Umtriebe und die Angebereien der „Union“ auf, die es einerseits wagt, die Sauberkeit und Anständigkeit der zionistischen Verwaltung anzugreifen und anderseits die antisemitischen Instinkte gegen die staatsbürgerliche Loyalität der Zionisten in Bewegung setzen will. Dr. Ehrlich hat dieses Treiben an den Pranger gestellt. Er führte aus: Die Rede Dr. Ehrliche SONDERZUGE zu Ostern ««h Polen und Czernowitz Abfahrt 1. und 5. April „ORBIS", I., Kfirntneratraße 41, Tel. R 21-5-78 OESTERR. VERKEHRSBÜRO,1., Friedrichstr. 7, Tel. R.TZ-SOO u. OESTERR. VERKEHRSBÜRO, 1., Graben 20, Tel. U 29-0-35 Reisebüro „IRUT", I., Karlsplatz 1, Tel. U 44-5-.:> ha.be, zu einer dauernden Minderheit zu stempeln, und daß die Araber die ihnen zugebilligte neue Stellung dazu ausnutzen würden, die Durchführung des Mandats unc. die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims zu vereiteln. Die englische Regierung sei entschlossen, ähre Maßnahmen zur Errichtung des Legislative Council fortzusetzen und die jüdische Bevölkerung als dauernde Minderheit zu fixieren. „Dies geschieht“, heißt es an dem Artikel, „gerade zu einer Zeit, in der die Mandatarmacht mehr als je zuvor eine Politik äußerster Großzügigkeit und Rücksichtnahme auf die Juden handhaben sollte, denn niemals haben sie mehr einen Zufluchtsort so nötig gehabt wie heute. Trotz der von allen Seiten dieses Landes kommenden Warnungen ist die Regierung entschlossen, ihren Weg weiter zu gehen, und es gibt noch andere Anzeichen dafür, daß sie geneigt ist, die Meinung der jüdischen Öffentlichkeit außer acht zu lassen, die sowohl im Namen der Gerechtigkeit, als auf Grund des Mandats Anspruch darauf hat, gehört zu werden.“ bestehendes ciiemlsch-phormozeutlsclies nniflOTIAhmntl mit eigenen Spezialartikeln und sehr UlircniBIIlIieil günstiger Konzession für Erzeugung und Handel billigst zu verkaufen. Unter ,10.000“ an die Administration der „Stimme.“ Palästinafragen im Unterhaus 'Aus London meldet die JTA.: Auf eine Anfrage des Abg. Captain C a z a 1 e t im Unterhaus gab der Minister für die Kolonien J. H. Thomas bekannt, daß die geplante Einschränkung des Bodenverkaufs in Palästina sich auf alle Ländereien außerhalb des von der Verordnung ausgenommenen Gebiets von Beer Schewa beziehe, gleichgültig, ob sie im Besitz von Arabern oder Juden, von Großgrundbesitzern oder siedelnden Eigentümern stehen. Captain C a z a 1 e t fragte den Kolonienminister weiter, ob er mitteilen könne, wieviel Boden in Palästina noch in arabischem Eigentum sei und in welcher Weise sich dieser Besitz auf siedelnde Eigentümer, Grundbesitzer und Gemeinschaftseigenfcum verteile. Minister Thomas antwortete, er werde entsprechende Informationen vom High Commissioner einziehen und sie dem Anfrager bekanntgeben. Eine Anfrage des Abgeordneten L e c k i e bezog sich darauf, ob trotz wiederholter Proteste dieEntweihungdes Tiberias- S e e s durch Arbeiten der Palestine Electric Corporation fortgesetzt werde, ob jetzt am Ufer Dämme errichtet wurden, die den Zugang zu einem Teil des Sees verhindern, ob durch Hebung des Spiegels bis zu einem Meter über den Normalstand weite Gebiete in der Umgebung des Strandes, darunter der Christenheit heilige Stätten, überschwemmt werden würden, und ob der Minister mit Rücksicht auf die b estehende Unzufriedenheit einen unvoreingenommenen englischen Elektroingenieur beauftragen wolle, die gesamte Lage zu untersuchen und zu veranlassen, daß in der Zwischenzeit weitere Veränderungen mit dem See unterlassen werden sollen. In seiner schriftlichen Antwort erklärte Minister Thomas, es sei ihm bekannt, daß an den Ufern des Tiberias-Sees Arbeiten zur Verhinderung der Wiederholung von Überschwemmungen durchgeführt werden. Er erwarte Bemerkungen des High Commissioner zu dem Vorschlag, einen unabhängigen Ingenieur zwecks Erstattung eines Berichtes über die Lage zu bestellen. Billige und bequeme Sonderzüge zu Ostern nach Polen und Czernowitz. Abfahrt am 1. und 5. April, veranstaltet Offizielles Polnisches Reisebüro „Orbis“, I., Kärntneretraöe 41, Telephon R 21-5-78. Es ereignet sich in der Geschichte der Wiener Kultusgemeinde zum erstenmal, daß ein Voranschlag ausschließlich unter zionistischer Verantwortung erstellt wird. Die größere Verantwortung, die uns dadurch auferlegt -worden ist, nehmen wir freudig auf uns. Wir werden mit Pflichteifer, Entschiedenheit und mit jener Umsicht, die wir uns in einer jahrzehntelangen Tätigkeit im Dienste der jüdischen Sache angeeignet haben, auch die Aufgaben erfüllen, die unser in Ausführung des Voranschlages harren. Wir wollen sicherlich nicht überheblich sein, wir haben aber auch keine Veranlassung, unser Licht unter den Scheffel zu stellen, und so können wir bei aller Bescheidenheit heute sagen, daß der Voranschlag, der uns heute hier beschäftigt, dem der bestigefü'hirten öffentlichen Körperschaften an die Seite gestellt werden kann. In dem Voranschlag sind die Einnahmen und Ausgaben auebalanciert, denn der Fehlbetrag, von dem heute die Rede war, wird ja zweifellos seine Deckung finden. Er erbringt auch den Beweis, daß wir von dem aus den Zeiten der Union-Verwaltung stammenden Gebarungsdefizit von S 300.000 mehr als S 200.000 abgebaut haben. Aus dem Voranschlag äst weiter zu ersehen, daß wir trotz der Schwere dter Zeit, ohne ©ine größere Last auf die Gemeindemätglieder zu wälzen, allen Lebensnotwendigkeiten der Gemeinde entgegehkommen und alle Aufgaben der Gemeinde erfüllen können. Das ist die beste Antwort, unsere erste, aber auch unsere schlagkräftigste Antwort auf jenes Pamphlet, das vor kurzem seitens der U n i on an die Gemeindemifcglieder herausgegangen ist. Es ist die Antwort auf jene Hetzschrift, die bei allen Menschen, die nicht das Gefühl für die primitiven Forderungen des öffentlichen Anstandes verloren haben, gerade das Gegenteil von der beabsichtigten Wirkung hervorgerufen hat. Krise in der Kultusgemeinde? Die Union möchte glauben machen, daß eine Krise in der Kultusgemeinde abgebrochen äst, und hat behauptet, daß diese Krise durch das Ausscheiden der elf Mitglieder der Union ihren Höhepunkt erreicht hat. In der Kultusgemeinde gibt es keine Krise und in der Kultusgemeinde wird eg keine Krise geb e n, solange wir Zionisten hier den ausschlaggebenden Einfluß ausüben werden. Allerdings hat es schon einmal eine Krise in der Kultusgemeinde gegeben. Das war vor ungefähr dreizehn oder vierzehn Jahren, zu einer Zeit, in welcher wir Zionisten kaum ein Drittel der Mandate hatten, während die ganze, unbeschränkte Macht der Verwaltung der Union angehörte, die damals das ganze Präsidium stellte und tun konnte, was sie wollte. Es war damals eine schwere Zeit, die Zeit der Inflation. Die Kultusgemeinde lebte von der Hand in den Mund, die Gehälter zerrannen den Angestellten in den Händen, sie hungerten buchstäblich, es war eine Zeit der Beamtenstreiks, die Kultusgemeinde schien sich dem Abgrund zu nähern. In dieser Gefahr wollte die unlonlstlsche Mehrheit das Hasenpanier ergreifen und davonlauf e n. Es wäre auch dazu gekommen, wenn nicht die zionistische Minderheit am Platz gewesen wäre und die Mehrheit nicht an ihre Pflicht gemahnt hätte. Ohne unser Eingreifen wäre damals tatsächlich eine Krise ausgebrochen und damals wäre wirklich der Regierungskommissär eingezogen. Wir zwangen die mutlosen Unionisten zu bleiben, und unser heutiger Präsident bat damals als Finanzreferent das Ruder der Kultusgemeinde in seine feste Hand genommen, hat die Finanzen in Ordnung gebracht, und hat die Gemeinde aus der Inflationswirtschaft in die Bahnen einer geordneten Verwaltung hinübergeführt. Kultusgemeinde und Union ist aber schon lange nicht mehr dasselbe. Eine Krise in der Union ist noch lange keine Krise in der Kultuegemeinde. Heute ist keine Krise in der Kultusgemeinde ausgebrochen, wohl aber in der Union, infolge des schmählichen Zusammenbruches der Assimilation. Die Assimilationsjuden wissen der Judeneohaft nichts mehr zu sagen und deshalb sind sie gegangen. Die frühere Opposition hat Mer keine sachliche Kritik mehr geübt, es gab nur mehr ein hilfloses Stammeln und bösartiges Keifen. Der Schrei nach dem Regierungskommissär Die Herren der Union sind aus diesem Kultu&voarßtande ausgeschieden, und wenn es ihre Absicht war, der Judenschaft nachzuweisen, daß sie hier im Kultusvorstand überflüssig sind, so haben sie diesen Beweis schon heute restlos erbracht. Vor etwa vier Wochen hat ein führender Unionist dem Präsidenten der Kultusgemeinde angekündigt, es werde drei Tage nach der Zurücklegung der Mandate durch die Union ein Regierungskommissär auf seinem Platze sitzen. Es sind schon weit mehr als drei Tage vergangen, aber siehe da, weder der Bundeskanzler noch der Bürgermeister hat die Union geh orsamst um ihre Befehle gebeten, keine Behörde hat die Absicht, das MißgescMok dieser Herrschaften, die alles auf eine Karte gesetzt haben, zu korrigieren. Auf Hintertreppen, auf Schleichwegen wollten sie ihren Einfluß in der Kultusstube erhöhen, es ward sich aber keine Stelle finden, die ihnen hiebei behilflich sein wird. Die Herren haben wie D e s p e r a d o s gehandelt, die nichts zu verlieren haben, und denen alle Mittel gleich sind, wenn sie ihnen nur einem Erfolg zu versprechen scheinen. Die Juden auf der Wiener Union haben schon lange nacht mehr den Typus des normalen Assimilationsanhängers. Man vergleiche sie beispielsweise mit dem reichsdeutschen Zentralverein. Dieser hat es verstanden, ein erträgliches Verhältnis zum Zionismus herzustellen. Und gerade deshalb sind die Unions- Leute über den Zentralveroin hergefallen, weil es ihnen unerträglich war, daß die deutschen Nichtziomisten der zionistischen Bewegung Gerechtigkeit widerfahren ließen. Die Unionisten folgen dem Spuren der deutschen Naumann-Juden. Auch diese hatten zwischen „bodenständigen“ und andern Juden unterschieden, haben die Zionisten bei Hitler denunziert, haben deren Ausbürgerung verlangt, bis sie dann selbst Herrn Hitler zum Opfer gefallen sind. Die Unionisten sind schwer enttäuscht darüber, daß noch immer kein Regierungskommißvsär hier sitzt und deshalb tröstet ihr Blatt seine Leser damit, daß der österreichische Amtsschimmel langsam reitet und der von der Union ersehnte Tag vielleicht doch noch herankommen wird. Für die Zwischenzeit hat man sich mit einer andern Denunziation geholfen. Ein Unionist hat die Regierung aufgefordert, sie möge wenigstens d i e Gebarung der Kultusgemeinde überprüfen. Denn wir hätten verlangt, daß der Bund auf Grund der M i n derbe! teschutzbestimm ungen gowiese Zwecke der Gemeinde subventioniere. Gewiß haben wir das verlangt, der bezügliche Beschluß der Kultusgemeinde wurde über Antrag des jetzigen Union- Präsidenten vor etwa acht Jahren einhellig gefaßt und die Eingabe an die Regierung war von dem jetzigen Ehrenpräsidenten der Union, Dr. Ornstein unterfertigt. Die Unionisten scheinen etwas konfus geworden zu sein und spekulieren auf das kurze Gedächtnis ihrer Anhänger. Die Bilanzen der Kultus*! gemeinde haben auch die strengste Prüfung nicht zu scheuen, in der Kultusgemeinde werden Bilanzen nacht gefälscht, das Verlangen nach einer Überprüfung durch die Behörden ist aber trotzdem eine Ungeheuerlichkeit, die nicht scharf genug verurteilt werden kann. Da muß man doch die Frage aufwerfenj Wer ist eigentlich diese Union die sich erlaubt, mit derartigem Angriffen gegen die Kultusgemeinde und ihren Vorstand aufzutreten? Ich werde Ihnen die; Antwort mit dem Worten der Union selbst geben. Die Union ist, wie sie sagt, der Sammelpunkt der „Vaterlandstreuen Juden“. Es ist nicht unsere Art, die Vätern landstreue einer jüdischen Gruppe in Zweifel zu ziehen. Wir wissen sehr gut, daß sämtliche Juden in Österreich als vaterlandstreu zu bezeichnen sind und ihre bürgerliche Pflicht erfüllen. Wir haben nichts dagegen, daß die Herren von der Union sich als vaterlandstreu bezeichnen. Wenn siej sich aber damit in Gegensatz setzen wollen zu jenem Juden, welche es vorziehen, außerhalb der Reihen der Union zu bleiben — und das ist doch die erdrückende Mehrheit — und damit sagen wollen, daß wir nicht vaterlandstreu sind, so ist das eine lumpige Denunziation, die nicht; niedrig genug gehängt werden kann. Verschiedene Kriegserinneningen Ich gehöre wohl nicht zu denjenigen, welche die Menschen in solche einteilen, die im Krieg an der Front waren und in solche, die nicht gedient haben. Ich selbst bin zwar lange im Schützengraben gelegen, aber es gibt Menschen, die dies aus irgendeinem triftigen Grund nicht tun konnten, und ich lehne es auch ab, die Fähigkeit eines Menschen für ein Amt nur nach diesem Gesichtspunkt zu beurteilen. Aber wenn wir schon von diesem Kapitel sprechen und wenn es sogar dazu gekommen ist, daß das unionistische Blatt die Kühnheit gehabt hat m sagen, daß Zionismus und Frontkämpfertum unvereinbar sind, so muß ich doch darauf verweisen, daß die Wiener jüdische Lokalgeschichte auf diesem Gebiet einen recht guten Witz gemacht hat. Es hat der in unserer Mitte sitzende P r ä s ident des Zionistischen Landesverbandes, der also nach der Lohre der Union auf dem Gebiet der Vaterlandstreue besondere verdächtig ist, sämtliche Kriegsdekorationen, vom Kronenordon angefangen, vom Felde heimgebraebt, und dasselbe gilt von einem anderen zionistischen Mitgliode dos Kultusvorstandes, ler als Arzt ins Feld gezogen ist und gleichfalls mit dem Kronenorden and sämtlichen anderen Kriegs lekorationi n im diese Stube zurückgekehrfc ist. Wenn ich mir Purimball * Eine Nacht in Tel-Aviv * 14. März 1936 * Sofiensäle Kartenvorverkauf und Loeenreservieruneen: Zionistischer Landesverband, I. Maro Aurelstraße 5 (U 22-2.1t) und all« Sektionen und Klub „Erez Israel", II., Praterstraße 13 (R 42*407).