Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 527 (28.2.1936)
- Date
- 1936-02-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIB tTIMMI Nr. 527 — 28. Februar 1036 Erez Jlßroels Aufbau im Liede 8. Mfirs 1936, 8 Uhr abends Konzertsaal „Post“, I., Fleischmarkt 24 Konzertneuiiebrfüstherneupaisstlnensisdier Kunst- und Volkslieder des bekannten hebräischen Lierierinlerpreten I. SegaMtosenbach (Tenor) Die an diesem Abend zum Vortrag gelangenden Lieder illustrieren durch besondere Auswahl und Reihenfolge — zusnmmengehalten durch verbindende Worte — die Entwicklung Erez Jißraels bis zum heutigen Tage. Karten von 60 g bis S 2*50 bei JUd. Kulturstelle. I., Franz- JosefB-Kai 3, Bücherstube Rath, II., TaborstraBe 20a. Hc-hen Fachschulen ermöglichen soll. Entsprechend den Zeitverhältnissen wird auch die Unterbringung von Frauen und Mädchen in der Hauswirtschaft angestrebt. Angesichts des Mangels an jüdischen Hausangestellten ist eine Aktion eingeleitet worden unter Heranziehung der Frauenyereine in den Bezirken I bis XXI zur entsprechenden Heranbildung von Haushaltskräften. Eine Aufforderung, die wir an die Jüdische Kaufmannschaft richteten, uns in unseren Bestrebungen zu unterstützen, hat leider nicht den gewünschten Widerhall gefunden. Zu einer Statistik der jüdischen Arbeitsuchenden sagt der Bericht des Vereines, der dem Kiiltus'vorst.and vorgelegt wurde, folgendes: Die jüdischen Angestellten und Arbeiter sind aus der Urproduktion, wie Bergbau und Landwirtschaft usw., sowie aus den wichtigen verarbeitenden industriellen und gewerblichen Betrieben wie Textilindustrie, Papierindustrie, graphische Industrie usw, fast ausgeschlossen. Durch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit im Handel und Verkehr verschwunden ganze Berufszweige wie Reisende, Spediteure, Vertreter, Ratenhändler, Hausierer, Inkassanten. Ärger aber als die Ausschaltung wirkt die Se1bstausscha1 tu ng durch die Nichtanstelluag von Juden in jüdischen Unternehmungen, durch die die Juden aus dem Wirtsohaftsprozeß ausgeschlossen werden. Dieselben Erscheinungen treten auch im Groß- und Kleinhandel auf, wobei in Großbetrieben die Tatsache, daß Arbeiter und Angestellte der Aufnahme von Juden feindlich gegenüberstellen, zur Erklärung nicht ausreicht. Schließlich muß erwähnt werden, daß unter den zahlreichen jüdischen ungelernten Arbeitern die Vergebung von öffentlichen Arbeiten für Straßenbau, Flußregulierung usw. sich überhaupt nicht ausw irk t. Es ist ein sehr ernstes und höchst wichtiges Problem, mit dem wir uns zu beschäftigen haben. Ausführlich besprach der Redner die übrigen Posten des Voranschlages, um sein Expose mit folgenden Worten zu schließen: Die Gemeinde: das Zentrum jüdischen Lebens Ich habe Ihnen nach Möglichkeit ein übersichtliches Bild über die Gebarung und die Finanzen der Gemeinde gegeben und den Weg aufgezeigt, den wir im Jahre 1936 gehen wollen. Er ist die gerade Fortsetzung des Weges, den wir bisher gegangen sind. Wir wollen auch fernerhin unser Programm verwirklichen, das dahin abzielt, für alles von dieser Gemeinde aus zu sorgen, was jüdische Interessen betrifft, diese Gemeinde ohne Rücksicht auf die Bezeichnung zu dem zu machen, was sie in dieser Zeit sein soll und muß, zum Zentrum jüaa ntoAg&n — Pension% sc&ütyt L b«l BvrafsunfählglMil IMVAllOITXTS.RIMTtN & für «In «orglom All«* AlTIRS’ISHTIff X Im Abl.b.mfaO« HIHTIRBLIIBtNBII.RlirrCN ALLGEMEINE VERSICHERUNG* A.-G. PENSIONS-VEREIN) WIEN, I., SCHElLINGGASSE 1 dischen Lebens, unabhängig davon, ob irgend jemand ohne Rücksicht auf die Zeitverhältnisse sich von unserer Arbeit au9zuschließen wünscht. Der Vorstand wird seine Pflicht erfüllen, auch wenn die Zahl seiner Mitglieder sich vermindert hat. Wir werden die Gemeinde führen nachl den Prinzipien deT Gerechtigkeit, unterschiedsloser Gerechtigkeit gegenüber jedem Mitglied dieser Gemeinde. In dieser traurigen Zeit der Diskriminierung eines Teiles von Juden durch andere erklären wir: Für uns hat es nie Unterschiede gegeben, denn wir haben une in dieser Gemeinde immer nur als Sachwalter aller Gemeindeangehörigen und des gesamten Wiener Judentums gefühlt, als ein Teil des großen Judentums, zu dem von hier aus die Brücken der Verständigung uhd vielfache religiöse, geistige und volksmäßige Zusammenhänge führen. Das ist der Weg, den wir gehen wollen im Jahre 1936. Und ich weiß, daß Sie, meine Herren, diesen Weg unentwegt und unerschrocken mit uns gehen werden. Ich appelliere aber auch an die jüdische Öffentlichkeit, die man versucht hat, irre zu führen. Lassen Sie »ich nicht irreführen, gehen auch Sie diesen Weg mit uns, der unser Volk, der unsere Gemeinde aufwärts führt. Juden-Debatte im Sejm In der letzten Sitzung der Budgetkommission des polnischen Senats, der kein einziger Vertreter der Juden angehört, kam es zu einer Art Judendebatte, die in ganz Polen großes Aufsehen erregte. Die Senatoren Graf Rostworowski und Fürst R a d z i w i 11, beide konservativ, richteten an die Regierung das Ersuchen, sich mit Plänen für eine konstruktive Lösungder Judenfrage in Polen, in der Hauptsache mit Erleichterung für die A u swanderung von Juden und der Ausfindigmachung von Einwanderungsländern für dieselben, zu befassen. Die beiden Redner erklärten, sie hätten für das Treiben der antisemitischen Nationaldemokraten kein Verständnis, aber schon allein die wirtschaftliche Entwicklung erfordere eine verstärkte Abwanderung von Juden aus Polen. Graf Rostworowski schlug vor, daß die polnische Regierung England auf diplomatischem Wege veranlassen solle, eine größere Zahl von Palästina- Zertifikaten für Juden in Polen aiiszugeben. „Die Judenfrage“, erklärte der Redner, „verschärfe sich von Tag zu Tag und mache der Polizei sehr viel Sorge. Es bestehe keine Aussicht auf eine Entspannung der Situation. Die Zahl der Juden in Polen seizu groß. Die wirtschaftliche Entwicklung in Polen verlaufe so, daß immer mehr Juden die Erwerbsmöglichkeit verlieren und die Reihen der Erwerbslosen anschwellen lassen. Die polnische Regierung müsse mit den jüdischen Organisationen Fühlung nehmen, die zurzeit in England und Amerika eine große Kampagne für die Juden aus Deutschland durchführen und zu diesem Zweck 15 Millionen Dollar sammeln. Vielleicht wäre es auch möglich, ein anderes Territorium außerhalb Palästinas zu finden, das von den Kaprizen der englischen Politik, die von verschiedenen Erwägungen diktiert sei, weniger abhängig w ä r e.“ Ähnliche Gedankengänge entwickelte Fürst R a d z i w i 11. Auch er fühle sich von den antisemitischen Methoden abgestoßen; man müsse sich aber vor Augen halten, daß der Antisemitismus überall in Europa anwachse; dies könne auch auf Polen nicht ohne Rückwirkung bleiben. Wenn in Deutschland der Antisemitismus i n e i n e r diesem Lande eigenen Art der Anwendung dazu geführt habe, eine verhältnismäßig hohe Palästina-Einwanderungsquote zu erzielen, dann könnte die Meinung Verbreitung finden, daß nur der deutsche Weg zu guten Ergebnissen führen könne und daß man ihn auch in Polen einschlagenmüsse. Darin bestehe eine wirkliche Gefahr. Darum sei es Pflicht der polnischen Regierung, die Initiative zur Erhöhung der Palästina-Einwanderungsquote zu ergreifen und Überhaupt alle Möglichkeiten der Auswanderung von Juden aus Polen in andere Länder in Betracht zu ziehen. Die Reden der beiden Senatoren haben in den Kreisen des Senats und des Sejm tiefen Eindruck gemacht. In jüdischen Kreisen hat diese Art eines „Rettungsversuches“ zugunsten der Juden in Polen in einem gewissen Maße peinlich berührt. Wäre es den beiden Feudalherren wirklich um eine konstruktive Lösung der Judenfrage in Polen zu tun, so müßten sie, abgesehen von der Förderung der Auswanderung als Teillösung, darauf hinwiiken2 daß die Juden nicht aus dem Wirtschaftsleben Polens hinausgedrängt und ihnen auch öffentliche Posten zugänglich gemacht werden, wodurch viele, jetzt noch gebundene wertvolle Energien freigemacht würden. Antwort der Regierung Innenminister Raczkiewicz erklärte, die Regierung begünstige sehr die Anstrengungen der jüdischen Organisationen zur Vergrößerung der jüdischen Auswanderung; doch könne die Initiative der Regierung auf diesem Gebiet infolge des internationalen Charakters der Auswandererfrage nicht immer günstige Resultate erbringen. Keine Fußbesfliwerden mehr!!! Das Neueste: EUPLAN-FUSSTUTZE (nach Dr. Lettermann) Herstellungrsdauer 20 Minuten Kuranstalt »Hella*, I., Fleisch markt 5 Von der Bukarester Universität Der „Zentralrat der Juden Rumäniens“, die Repräsentanz der rumänischen Judenheit, hat an den Ministerpräsidenten, an den Unterrichtsminister und an den Dekan der Medizinischen Fakultät in Bukarest folgendes Protesttelegramm gerichtet: „•Wir protestieren dagegen, daß den jüdischen Studenten durch Gewalt das Recht zu studieren genommen wird. Obwohl im ersten Jahrgang der Medizin der Numerus valachicus in Anwendung gebracht und nur fünf jüdische Studenten zugelassen. wurden, werden auoh diese wenigen Juden durch Gewalt und Mißhandlungen daran gehindert, die Vorlesungen zu besuchen. Alle Interventionen und Versicherungen des Ministers und des Dekans sind auf dem Papier geblieben. Es ist unzulässig, daß in einem geordneten Staat einige junge Burschen die Ausübung legaler Rechte faktisch unmöglich machen.“ Auch an den Ministerpräsidenten und an den Generaldirektor der Krankenkassen wurden Protesttelegramme gerichtet. „61**e Hockt in Tel-Avlv" Am 14. März findet der repräsentative Purim-Ball des Klubs Erez Israel in den Sofiensälen statt. Dem Ehrenkomitee gehören an: Adolf Böhm, Präsident des Keren Kajemeth, Dr. Jakob Ehrlich, Rat der Stadt Wien, Oberrabbiner Dr. David Feuchtwmg, BundesJcuUurrat Hofrat Dr. S. Frankfurter, Staatsrat Dr. Desider Friedmam, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Oskar Grtinbaim, Präsident des Zionistischen Landesverbandes, Dr. Isidor Klober, Obmann der Schulkommission der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. I. H. Körner, Ehrenpräsident des Sportklubs Hakoah, Dr. Josef Löwenherz, Amlsdirektor der Israelitischen KuUusgemeinde, Oskar Menczel, Präsident des Fußballklubs Hakoah, Sabine Passweg, Vizepräsidentin der WIZO, Dr. Dawid Rothblum, Präsident der Histadruth Iwrith, Dr. Abraham Schmerler, Obmann der Bezirkssektion Leopoldstadt, Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Vizepräsident der Israelitischen KuUusgemeinde, Alfred Wer nt r; TUeadoe Hetzt scUceiU den „Jüdenstaat" Freunde, so überzeugt euch doch selbst: kein Märchen, kein Trug ist’s: jeder von euch trägt ein Stück vom .Gelobten Lande hinüber, dieser in seinem Kopfe und jener in seinen Armen. „übeAs Jahr in Jerusalem!“ — längst isl’s kein Traum mehr, fieberängstlich geträumt in den trüben Nächten der Ghetti, nein, wir folgen erlöst dem Schimmern der eigenen Fahne, welche das neue Leben bedeutet, ein reineres Leben, stolzer Fahne mit sieben goldenen Sternen — den sieben goldenen Stunden der täglichen Arbeit auf eigener Scholle! Brüder, erwacht aus dem dumpfen Brüten, dem trüglichen Hoffen — wenn ihr selbst euch nicht helft, wer denn? Und wann denn, wenn nicht heute? Wenn ih-r's nur wollt, ist es Wirklichkeit, kehren uns wieder. Makkabäer, es wachsen aus blutigem Boden Geschlechter, stark wie Simson und weise wie Hillel, es blüh’n und gedeihen neue Ernten aus Not und Wissen, aus Liebe und Leiden, und wir selbst, zum Volke geworden, e i n Volk, sind der Menschheit gläubige Pioniere — nicht feind, nicht gehaßt, nicht verachtet, einig mit allen, die guten Willens, geeint durch die Gottheit! Der PalästinaVortrag Kasteins Am 3. März spricht Josef Kastein im Offenbaeh-Saale (IV., Treitlstraße 3) über „Die Wirklichkeit Palästinas11. Der Saal wird um!48 Uhr abends geöffnet, der Vertrag beginnt um 3^9 Uhr. Das Publikum wird ersucht, möglichst früh zu erscheinen, damit kein Andrang entsteht. Die reservierten Karten sind bis Sonntag mittags abzuholen, da sie sonst anderweitig vergeben werden. ßefett Sie am näcbftett SKoittag beit Vornan bon ©d&alom „aDcc ete!trif$e im SÖienei: Sftontaablatt im SÖienei: Sftontaablatt Vortrag Kurt Blumenfeld Am 2. März lim K>8 Uhr abends hält Kurt Blumenfeld, der langjährige Präsident der zionistischen Vereinigung Deutschlands, in der Gesellschaft der Freunde der hebräischen Universität in Jerusalem im Großen Saal des Niederöstorreichischen Gewerbevereins einen Vortrag über „Die hebräische Universität in Jerusalem, ihre bisherigen Leistungen und ihre Bedeutung für die gesamte Judenheit“. Dr. Blumenfeld ist als ausgezeichneter Redner bekannt. „Das Land der Verheißung“ in St. Pölten. Die Zionistische Ortsgruppe St. Pölten bringt den grandiosen Palästina-TonSllm „Das Land der Verheißung“ am 33. März um 8 Uhr abends im Volksbildungskino, JoseSstraße 4&, zur Aufführung. GROSSFLEISCHHAUERE i flcGM. KORNMEHL ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 TELEPHONNUMMER A 17-3-99 und A 10-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen f. n^s-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabblnatsder IsraelltlsohenKultufcgemelnde Wien AutozuRtellung kostenlos IX„Bergga8se 16, XVIII.,Währingerstraße 71