Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1936-02-21 · Heft 525 (21.2.1936) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 525 (21.2.1936)
Date
1936-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054243-3054281--5692-3061455
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite Z OIE STIMME Nr. 525 — 21. Februar 1986 Aufgaben eines Weltverbandes jüdischer Ärzte Von Dr. Benjamin Doll/ praktischer Arzt in Wien Billige Reisen der ORBIS - POLEN Abfahrt: Alle 14 Tage Reisebüro ORBIS, I.. Kärntnerstr. 51, Tel. R 21-5-78 Österr. VerkehrsbUro, I., Friedrichstr. 7, T el. B 27-500 und I.,Graben 20,Tel.U 29-0-35 Reisebüro IRUT, l.,Karlsplatz1,Tel.U 44-5-79 liehe Mein uni"' das sofortige Verbot der „nationalsozialistischen Landesvertretung“ forderte. Die Regierung hat sich diesem kategorischen Imperativ fügen müssen und sämtliche Filialen der deutschen Annexionisten kurzerhand untersagt. Und das ist ein Musterbeispiel für die Großartigkeit der deutschen politischen Führung... Nicht nur in der Schweiz dokumentiert eie ihre Voraussicht. Nein, auch in Dänemark. Dort hat sich der Ministerpräsident Stauning veranlaßt gesehen, in einem Vortrag in Stockholm gegen jede auswärtige Einmengung in dänische Verhältnisse scharfe Verwahrung einzulegen. Ebenso hat Polen jetzt Gelegenheit, die Berliner Freundschaft auf ihre Wahrheit zu prüfen. Bei einer Revision in den Bureaus der Deutschen nationalsozialistischen Arbeiterpartei in Oberschlesien ist zutage gekommen, daß diese unterirdisch arbeitende Verschwörergesellschaft aus Deutschland ihre Gelder bezieht. Frankreich hat den nationalsozialistischen Pressechef in Paris, Norwegen denselben Amtswalter in Oslo ausgewiesen. Die deutsche Presse schreit gewaltig über diese Akte jüdischer Intrigen. Überall ist es, so sagte Hitler seinerzeit bei der Begründung der Nürnberger Gesetze, der Weltjnde, der Deutschland in den Weg tritt. Damals vermutete er ihn in Moskau, und immer wieder betont die nationalsozialistische Diplomatie in ihren Erklärungen an Paris und London, daß der Nationalsozialismus die einzige Rettung Europas vor dem jüdischen Bolschewismus ist. Aber die Regierungen hören nicht darauf. In das System der Verteidigung Europas gegen die deutschen Rüstungen und das in „Mein Kampf“ vorgezeichnete Programm wird jetzt Rußland einbezogen, die Vorkriegsschulden an Frankreich, Rumäniens Sorge um Bessarabien — das alles wird zurückgestellt, nur um die Ostbarriere gegen den Berliner Wahnsinn aufzubauen. Und diesen Moment hält die Führung für den geeigneten, Freundschaft mit Moskau zu suchen und dem „Weltjuden“ nachzulaufen. Auf der Automobilausstellung in Berlin hat am Samstag Hitler noch über den Oststaat gespottet, „der sich deutsche Ingenieure und Techniker ausborgen muß“ — am Dienstag wird eine Äußerung des Führers und Reichskanzlers gemeldet, er habe die Notwendigkeit guter Beziehungen zu. Rußland begriffen, und sei kein grundsätzlicher Gegner mehr einer Kursänderung. Die Heiterkeit, die dieser Umschwung in Moskau und im Westen erregen muß, dringt nicht nach dem unglücklichen Deutschland, dem weiter Hitler als der größte Politiker .aller Zeiten gerühmt wird. Er hat nur die Angst, die seit je in Deutschlands Sphären heimisch war, die Furcht vor den Juden. Um •dieses Zentrum kreist das deutsche Wesen. SRelon&afcSäenten fllfoftfflltl»? ältlich immer triebet empfohlen Sauetörtttttt Keine Purimfestlichkeiten in Tel-Aviv Die Stadtverwaltung von Tel-Aviv hat beschlossen, die für nächsten Monat vorgesehenen Purim-Festlichkeiten a b z u s a g e n und zwar wegen der traurigen Lage der Juden in der Diaspora. Nur die Kinder-Festlichkoiten werden abgehalten werden. Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft PHONIX Wien, IX., Otto Wagnerplatz Nr. 5 - Frankhplatz Nr. 3 Verabsäumen Sie es nicht, in jedem Rechtsstreit sich gegen die Prozeßkosten zu versichern Nähere Auskunft über unsere Prozeßkosten- Versicherung erteilt Ihnen Ihr Rechtsanwalt In kurzer Zeit wird in Jerusalem der Weltkongreß jüdischer Ärzte zum erstenmal tagen. Es ist hier nicht der Raum, sich mit allen Aufgaben dieses Kongresses zu befassen. Ein brennendes Problem, fast möchte ich sagen, das brennendste soll hier besprochen und seine teilweise Lösung angedeutet werden. Zweifellos gibt es eine Reihe von Ländern, in denen eine große Zahl älterer und jüngerer Ärzte ganz einfach durch die wirtschaftliche Krise gezwungen ist, auszuwandem. Nicht viele Länder kommen für diese Einwanderung in Betracht. Eines dieser Einwanderungsländer ist Palästina. Tatsächlich hat dieses kleine Land mit seiner kleipen Bevölkerungszahl in den letzten Jahren die meisten Ärzte aufgenommen und auch mehr oder minder absorbiert. Damit allein hat weder das jüdische Land Palästina noch das jüdische Volk in der Welt, gegenüber einem sehr wichtigen Teile eben dieses Volkes, dem Ärztestande, seine Pflicht erfüllt. Wie oft im Laufe der Jahrhunderte und der letzten Jahrzehnte wurde die nichtjüdische Welt auf die heroischen Leistungen dieses Standes hingewiesen! Wie oft wurden diese Leistungen vom Volksganzen quasi als Wechsel der gesitteten Menschheit und nicht immer ohne Erfolg präsentiert! Ist doch der ärztliche Beruf seit Jahrtausenden eine der Hauptdomänen des jüdischen. Volkes. Es kann daher für die Menschheit im allgemeinen und für das jüdische Volk im besonderen nur von Interesse sein, diese Talente nicht ungenützt untergeben zu lassen; abgesehen davon, daß man aus rein humanitär-sozialen Gründen einen derartig wichtigen Teil der menschlichen Gesellschaft nicht deklassieren lassen darf. Es liegt natürlich nur an der Zahl der Ärzte, die bereits in Palästina leben, daß schon jetzt das Ansehen des Ärztestandes infolge gesteigerten Angebots im Sinken begriffen ist. Das wird mit Zunahme der Erwandernden noch mehr der Fall sein. Die in Palästina bereits im Erwerbsleben stehenden Ärzte haben trotz der schlechten Erwerbsverhältnisse ihre Opfer gebracht. Wie ein Mann protestierten sie alle, leider vergebens, gegen die Beschränkung der Zahl der neueinwandernden Ärzte. Die Reihe zu helfen ist nun an uns jüdischen Ärzten der ganzen Welt. Einmal präsentieren auch wir, durch die Not der Zeit gezwungen, unsere Wechsel an das jüdische Volk. Gelingt es sukzessive, eine größere Anzahl von Ärzten in Palästina und den anderen Ländern standesgemäß und ohne Erniedrigung unterzubringen, so wird automatisch schon dadurch eine Entspannung der Lage und eine Besserung für die in den entsprechenden Auswanderungsländern verbliebenen Ärzte eintreten. Dieser Aufsatz soll nur eine Teillösung andeuten. Wie können wir nun helfen? Zunächst durch Schaffung eines großen komfortablen Heimes in Erez, wo jeder ernwandernde Arzt gegen geringes Entgelt (den Selbstkosten entsprechend) oder ohne ein solches Aufnahme findet. Der hier allein oder mit seiner Familie untergebrachte Arzt soll, der Verhältniszahl der übrigen Volkseinwanderung entsprechend, hier so lange bleiben, bis es möglich ist, ihn in der Privat-, Kassen- oder Spitalspraxis oder sonstwo einzuordnen. Dadurch wird von selbst der übermäßige Zustrom von Ärzten, ein gesteigertes Anbot und somit die Pauperisierung des bereits vorhandenen Ärztestandes teilweise gemindert. Die Zeit dieses Aufenthaltes hat der Arzt zur weiteren Ausbildung zu benützen. Nicht jeder Arzt, namentlich nicht jeder ältere, ist noch in der Lage, Laboratoriumsarbeiten, wie zum Beispiel eine morphologische Blutuntersuchung, eine solche auf Blutzucker, Senkungsgeschwindigkoit, oder die Untersuchung des Magensaftes, Sputums usw., mit absoluter Verläßlichkeit vorzunohmen. Da alle dieso Untersuchungen mit relativ wenig Material durchführbar sind, könnten sie im Heimo gelehrt, beziehungsweise intensiviert werden. Außerdem wären diese Ärzte turnusweise — etwa ein- bis zweimal wöchontlich — auf sämtliche Spitäler des Landes als Gäste zu verteilen. Eine besondere Ausbildung wäro in den klimatischen, crnäbrungsfcechnischen Fragen des Landes und insbesondere in der Säuglingsbehandlung vorzunehmen, lauter theoretische Fächer, die leicht und fast ohne Kosten hier gelehrt werden können. Nicht zu vergessen an dem Unterricht in hehräischerj arabischer und englischer Sprache, sowie die praktische Einführung in Boden-, Feld-, Gartenarbeit. Ein solcherart aus- und nachgebildeter Arzt stellt dann und insbesondere am Lande das Ideal eines Arztes dar, der seine freie Zeit nicht nur zu diesen Untersuchungen, sondern auch zur weiteren. Forschung verwenden könnte und somit das beste für seinen Kranken erreichen. Es ist klar, daß trotzdem ein Arzt nicht mit allzu großen Einnahmen wird rechnen können. Um ihm ein halbwegs auskömmliches Dasein zu ermöglichen, müßten der Keren Kajemeth und der Keren Hajessod dem Arzt helfen, mit relativ geringen Mitteln sehr bald in Besitz von Haus und Boden zu kommen. Letzteren müßte er mit seiner Familie selbst bearbeiten und der Ertrag soll zur Deckung des Haushaltes mithelfen. Durch die selbsttätige Bearbeitung des Bodens soll aber noch erreicht werden, die Denkart des Arztes zu beeinflussen und ihn den Menschen und der Natur wesentlich näher zu bringen. Waren doch im Altertum und im Mittelalter die großen jüdischen Ärzte zumeist in ganz einfachen anderen Berufen noch tätig. Um weiter einerseits mehr Ärzte in Palästina unterbringen zu können, und anderseits das Anbot nicht zu steigern, müßten namentlich ältere Ärzte nach entsprechender, gewiß leicht durchführbarer und auch erreichbarer Schulung, in allen administrativen Fächern beschäftigt werden, die mit dem ärztlichen Beruf irgendwie im Zusammenhang stehen; also in neuen Spitälern, Krankenheimen, Krankenkassen usw. müßte der administrative Dienst auch durch Ärzte versehen werden, soferne diese Institute von der öffentlichen Hand erhalten oder nur zum Teil subventioniert werden. Es sind gerade elf Jahre her, seitdem d i e hebräische Universität feierlich eröffnet wurde. Wer von uns dachte da nicht daran, daß gar bald der Zeitpunkt kommen -werde, daß unsere jüdische Jugend im eigenen Lande in der Lage sein wird, ihren Studien zu obliegen. Weiter denn je davon entfernt ist unsere Jugend, hoffen zu können, in absehbarer Zeit ihr Studium in Palästina zu beenden. Gerade eine medizinische Fakultät wäre da dringend von nöten. Man sage nicht, derartige Fächer erfordern Unsummen von Geld und die Erhaltung solcher Institute wäre unerschwinglich. Wo ein Wille, dort ist auch ein Weg. Was macht es, wenn diese Institute nach außenhin nicht erstklassig aussehen werden? Haben etwa Robert Koch, Pasteur, Metschnikoff sich erst Forschungsinstitute geschaffen, oder gingen sie gar mit der Absicht hin, ihre ungeheuren Entdeckungen zu machen? Kam ihnen nicht die Erleuchtung, mitten in der Arbeit unter den ärmlichsten und für die heutige Zeit unglaublichsten Verhältnissen?! Nur mit der Arbeit und nur durch die Arbeit kommt der Erfolg. Aber sie muß geleistet sein. Gewiß muß unser Volk sich umschichten, aber deswegen in den Fehler verfallen, unsere jüdische akademische Jugend mit ihren Sorgen und brennendsten Problemen auf Gedeih und Verderb sich selbst zu überlassen, wäre ein nio gutzumaoliender Fehler am Volkstänzen. Noch ist es Zeit! GASTSTÄTTE FOR JEDERMANN I.. Kärlnersfrafce Nr 61 Besitzer Ollo Kaserer WIENER RAFHAUSKELLER volkstümliche Preise in allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer „Die katl, olischen Rechte in Palästina“ Der Wiener Berichterstatter der in Tel- Aviv erscheinenden Tageszeitung „Haare«“, Herr M. Agaf, ersucht uns, festzustellen, daß der in der „Stimmo“ vom 18. Februar 1986 zitierte Bericht des „Haare«“ vorn 28. Jänner 1936 über die Katholikenveraara,mlung in Wien und über die Stellung der „Stimmo“ zu der Rode des ehemaligen Ministers Prof. Czcnnak^ nicht von ihm «taimmt, Schiffskarten fOr olle Linien via Tries« und Constanta nach Palästina und allen onderen Orienthären zu niedrigen Orlglnolpreisen Im Reisebüro „IRUT“, I., Karlsplatz 1 Tel. U-44-5-79 Das Attentat in Davos In einem Leitartikel, betitelt „Wie war’s denn mit Potempa?“ erinnert die „B a s eler Nation al-Zcitung“ an dio Ermordung des polnischen kommunistischen Arbeiters Piecuch vor den Augen seiner Mutter durch fünf Nationalsozialisten in Potempa. Diese Meuchelmörder, die vom Gericht zum Tode verurteilt wurden, sind von Hitler nach seiner .Machtübernahme befreit und, als Helden geehrt, mit hoben Parteiposten belohnt worden. Das Blatt erinnert auch an die Ehrungen, die den nach Ungarn entflohenen lind 1933 nach Deutschland zurückge,kehrten Mördern Erzbergers zuteil wurden. Der Artikel schließt mit den folgenden Worten.: „Potempa und das andere dazu. Was für ein Material für den kommenden Prozeß gegen den Davoser politischen Mörder! Der wohlgrößteundwichtigstepolitisch© Prozeß seit langer Zeit steht bevor, ein Prozeß der Anklage nicht nur gegen den Attentäter, sondern vor allem auch gegen eine Herrschaft, die wohl aus der furchtbaren Verwirrung der letzten Jahre zu begreifen ist, dio aber wohl nur als ein Übergang in der leidvollen Geschichte des deutschen Volkes aufgefaßt werden kann, eines Volkes, das wir alle mindestens respektieren und von dem wir alle hoffen, daß es «eines Tages den Platz in der Welt einnehmen wird, der ihm gebührt.“ u. Antiquariat G. Szellnski &Co. Wien, 1. Bezirk, Schottengasse f£r. 9 bietet dem interessierten Leser reichste Auswahl in- und ausländischer Literatur. Alle Werke von Kastein und HerzI lagernd. Die Gefahr eines Schacht- Verbotes in Polen Aus Warschau wird gemeldet: Die autoritative polnische Rabbinerkonferenz in Warschau hat folgende Resolutionen angenommen: 1. Die gemeinschaftliche Beratung des polnischen Rabbinerverbandes und der Rabbis, die die gesamte Rabbinerschaft Polens vertreten, erklärt feierlich, daß die Schechita eines der Gr u-n dgese tz e der jüdischen Religion sei und daß auch nur dio mindeste Änderung der Schächtgesetze, geschweige denn die Betäubung der Tiere vor der Sohächtung, das Fleisch „trefe“ und ftir jeden Genuß durch Juden unbrauchbar macht. Deswegen bedeutet das in den Sejm eingebrachte Projekt zur Änderungder Schechita ein Attentat auf eines der Grundgesetze der jüdischen Religion. 2. Die Konferenz appelliert an das Gerechtigkeitsgefühl des polnischen Volkes, der Regierung und des Sejm und bittet, nicht zu erlauben, daß mehr als drei Millionen Juden in Polen des Fleischgenusses beraubt werden; dies würde auch die polnische Landwirtschaft schwerstens schädigen. Posen hat schon begonnen Der Stadtpräsident von Posen, Oberst Wjenckowski, hat auf Grund eines alten „preußischen Gesetzes betreffend allgemeine Verwaltung“ ein Verbot der Schlachtung von Tieren ohne vorherige Betäubung erlassen, womit praktisch für die Stadt Posen das Schächtverbot eingeführt ist. Unter der Judenschaft von Posen herrscht über diesen Beschluß große Aufregung. Eine Abordnung der jüdischen Gemeinde und des Rabbinats begab sich nach Warschau, um ein Einschreiten der Regierung zu verlangen. Die Familien Siegler-Pastor übermitteln der Familie Markus Bartfeld anläßlich des Ablebens der Frau Jente Jehudith Bartfeld den Ausdruck ihrer innigsten Anteilnahme.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.