Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 525 (21.2.1936)
- Date
- 1936-02-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mi dles«r Nummer SO g V. fr. fr. Nr. 52S | Wien, Xi. Februar 193» | | («»• Schwat 5696) | 9. Jahrgang PURIMREISEN NACH PALXSTINA VOM 19. FEBRUAR BIS 26. MÄRZ AUF HIN- UND RÜCKFAHRKARTEN 50% Ermäßigung IQr die I. und II. Klasse 30% Ermäßigung für die Touristenklasse Pi Auskünfte: Generalagentur, Wien, I., Kärntnerring 6 und alle Reisebüros JÜDISCHE ZEITUNG Jeden Sonntag „FrancopoF-Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz Rückf.: 3., 17., 81. März 1036. Erstes Poln. Verkehrsbüro „Francopo 1“, III., Schwarzenbergplatz 7 (Ecke Renn weg), vls-ä-vls dem Poln. Konsulate, Tel. U 16-4-90, Reisebüro Gerngroß, VII., Mariahilferstr. 42. Tel. B 38-2-68. Die Zahl der Juden in Oesterreich: 191.458 Das Matrikelamt der Wiener Kultusgemein.de veröffentlicht für das Ja.hr 1935 statistische Ziffern über die Bevölkerungsbewegung der Juden in Wien. Die Zahl der Juden im ganzen Bundesgebiet beträgt 191.458 Personen, davon in Wien 176.034. Im Jahre 1935 betrug die Anzahl der Geburten 735, denen 2815 Sterbefälle gegenüberstehen. Eingetreten ßind 369, ausgetreten 500 Personen. Vom Jahre 1923 bis inklusive 1933 ergibt sich bei der jüdischen Bevölkerung in Wien, errechnet ans der Differenz zwischen dem Zuwachs und dem Abgang (Geburten, Eintritte, Sterbefälle, Austritte) ein natürlicher Abgang von 18.012 Seelen. Diese Ziffer erhöht sich mit Schluß des Jahres 1935 auf 22.078. In den Wiener Tempeln wurden im Jahre 1935 1211 Trauungen vorgenommen im Rabbinate der israel. Kultuegemeimde fanden 382 Ehescheidungen statt. Die Zahl der Juden in den einzelnen Bundesländern: Wauchope fährt nach London London, 20. Februar. Aus Jerusalem meldet JTA.: In Jerusalemer politischen Kreisen glaubt man, daß der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope im Verlauf des Monats März abermals eine Reise nach London unternehmen wird, um mit den dortigen maßgebenden Faktoren die letzte Wendung in der englischen Palästina-Politik nochmals zu besprechen. Es wird dabei darauf hingewiesen, daß das Zusammenfallen des Aufenthalts des High Commissioner mit dem Dr. W e i z man ns in London nicht zufällig sei. Weizmann von Kaplan und Ruppin begleitet Jerusalem, 20. Februar. Präsident W e i z m a n n begibt sich in den nächsten Tagen in Begleitung des Schatzmeisters der Jewish Agency, Elieser Kaplan — der Kolonisationsfachmann der Agency, Dr. Arthur Ruppin, folgt ihnen in einigen Tagen' nach — nach London, um dort init den maßgebendn Faktoren Besprechungen über die politische und wirtschaftliche Lage Palästinas unter besonderer Berücksichtigung der Aktion zur Ansiedelung jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland zu pflegen. Dr. Weizmann, Kaplan und Dr. Ruppin werden während ihres Aufenthaltes in London mit Sir Herbert Samuel, Viscount Bearsted und Simon Marks grundsätzlich festlegen, welche Rolle Palästina in dem Rettungswerk für die deutschen Juden — Herausnahme von 100.000 Juden und deren Seßhaftmachung in anderen Ländern — zuzuweisen ist. Wien . .. 176.034 Niederösterreioh . . . 7.716 Oberösterreich . . . . 966 Salzburg ...... 239 Steiermark . 2.195 Kärnten.. 269 Tirol . .. 365 Vorarlberg . 42 Burgenland. 3.632 Insgesamt 191.458 Der jüdische Weltkongreß Paris, 17. Februar. Die auswärtigen Mitglieder der Exekutive des Comite des Delegations Juävee und des Jüdischen Weltkongresses werden an der Plenarsitzung, die am 22. und 23. Februar in Pa,riß stattfindet, in großer Ziaihl teilnchmen. Es liegen dem Zentralbüro bereits Zusagen vor von Exekutiv-Mitgliedera aus Polen, Lettland, Tschechoslowakei, Griechenland, Italien, Belgien, Frankreich und England. Zusagen aus den anderen europäischen Ländern werden im Laufe der Woche erwartet. Der American Jewish Cong-ress wird durch Mr. Louis Lipsky, Mitglied des Exekutiv-Komitees, auf dieser Sitzung vertreten sein. Am 3. März spricht Josef ICasbeu* im Offenbach-Saal über „Die Wirklkhkeit Palästinas" Karten im Büro des Zion. Landesverbandes, Wien, I., Marc Aurelstraße 5 (Tel. U 22-2-11); in allen Bezirkssektionen und bei der WIZO, Wien, I., Schottenring 25 (Tel. A 11-6-26); Bücherstube R. Löwit, I., Wolizeile 6 (Tel. R 25-4-53); Jüdische Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 3 (Tel. R 28-2-36); Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20 a (Tel. R 45-305); Bücherstube Lanyi, I., Kärntnerstraße 44 (Tel. B 26-3-33). Brodetsky über Englands Mandatspolitik Aus London, 16. d., meldet JTA.: Professor Dr. Brodetsky, der Leiter der politischen Abteilung der Exekutive, sprach in einer Studentenversammlung über die politische Situation in Palästina. Die Leitung der Zionistischen Organisation, sagte er, habe die schwere Aufgabe, die britische Regierung dazu zu bringen, daß sie einsehe, daß das zionistische Problem nicht ein Problem des Bodenerwerbs sei, sondern daß es ums Ganze geht: um die Schaffung einer Möglichkeit zur Erlösung und zur Rehabilitierung des jüdischen Volkes. Aufeinanderfolgende englische Regierungen — fuhr Brodetsky fort — haben dieses große Problem mit dem Fall der Pflanzer in Kenya verwechselt, von denen behauptet wurde, daß ihr einziges Ziel die Ausbeutung der Eingeborenen sei. Diese Meinung verdichtete sich, als L o r d Pas sf i e 1 d die Leitung des Colonial Office übernahm, und sie fand ihren Niederschlag in dem berüchtigten Weißbuch. Es fiel nicht schwer, jene Tatsachen anzuführen, die eine auf solchen Irrtümern beruhende Ansicht widerlegten. Schwerer schon war es, die Verwaltung von ihren Irrtümern zu überzeugen. Und darum stößt die Jewish Agency B ASCH IV., ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL :U 47-5.40 KOHLE•KOKS ANTHRAZIT ALLEINIGE LIEFERANTIN DER „ASCA" BUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN K EREN KAJEMETH JÜDISCHE KULTUR STELLE immer auf große Schwierigkeiten, so oft sie eine Erhöhung der Zahl der Einwanderer- Zertifikate verlangt. Dieser vitalen Forderung stellt die Regierung eine kleine fluktuierende Zahl von Arbeitslosen entgegen und erklärt, diese müssen von der Wirtschaft absorbiert werden, bevor eine Erhöhung der Einwanderungsziffer bewilligt wird. Aber gerade die letzte Krise hat bewiesen, daß die Wirtschaft in Palästina solide unterbaut ist. Die Spekulanten sind verschwunden und die künstlich emporgetriebenen Bodenpreise haben normale Proportionen erlangt. * Das Bodengesetz Entgegen der Erklärung des Kolonialministers J. H. T h o m a s im Unterhaus, daß das geplante Gesetz über Einschränkung des Bodenverkaufsrechtes vor dessen Inkrafttreten mit den arabischen und jüdischen Führern erörtert werden wird, behauptet die arabische Tageszeitung „Falastin“, zuverlässig erfahren zu haben, daß dieses Gesetz schon in naher Zukunft in Kraft treten wird. (JTA.) Der Elefant im Porzellanladen Die nationalsozialistische Terminologie bewegt sich gerne in bombastischen Superlativen. Der Überschwang des Ausdrucks, dem die ganze Propaganda dient, soll durch, die täglich« Wiederholung unter gleichzeitiger Ausschaltung jeder Kritik' und Opposition die Massen zur Überzeugung bringen, daß das System, das sie unterworfen hat, das beste der Welt sei: „Alle Völker beneiden uns um den Kaiser“, hat es vor dem Krieg geheißen; heute wird _ so getan, als ob alle Völker keinen anderen Wunsch hegten, als möglichst bald vom braunen Regime beglückt zu werden.' Die. Führung -r~ das kündet der Dentschlandsender etwa sechsmal im Tage in englischer, holländischer und spanischer Sprache auf Kurzwellen den Überseebewohnern — ist ein Vorbild an politischer Kunst und Voraussicht. Wenn trotzdem die ganze Welt sich waffnet und die demokratischen Regierungen des Westens so gar keine Lust zur Abdankung zeigen, so ist das die Schuld der „haßerfüllten Macht unseres jüdischen Feindes“. So hat das Hitler in Schwerin ausgesprochen. # Das Davoser Attentat hat interessante Begleiterscheinungen gehabt und ebenso interessante Folgen gebracht. Die deutschen Vertretungen in der' Schweiz setzten die Flagge auf Halbmast und zeigten damit an, daß sie Gustlöff als einen offiziellen Repräsentanten des Reiches betrachteten. Der Schweizer Bundesrat verlor in der ersten Aufregung die Nerven und kondolierte dem deutschen Botschafter. Dies rief ziemliches Erstaunen hervor, und die gesamte Schweizer Presse beeilte sich, bei aller Ablehnung der Tat, den Sachverhalt klarzustellen. Es wurde also deutlich betont, daß ein Privatmann sich am Leben «ines Privatmannes vergangen hat, und daß der Vorfall von Davos sich in nichts von den tausend anderen politischen Attentaten unterscheide. Erst die Art, wie das Dritte Reich die Sache behandelte, führte einen Frontwechsel in der Schweiz herbei. Die Heimführung Gustloffs nach Schwerin wurde zu einer riesigen nationalsozialistischen Kundgebung aufjgiemacht, an der das ganze Reich teilnahm. Das Begräbnis wurde zu einer Staatsfeier ausgestaltet, zu der sich Hitler selbst einfand. Seine Haßrede wider die Juden (über die hier schon gesprochen worden ist)' hat in der ganzen Welt dio gleiche Ablehnung erfahren, am stärksten aber in der Schweiz, gegen die ein förmliches Bombardement der deutschen Presse eröffnet wurde. Hitlers Organ forderte die sofortige Todesstrafe für den verhafteten Frankfurter. Die Goebbelß- Pres.se schrieb, man werde die „kleinen Schwierigkeiten“ hinwegräumen. Dies hat in der Schweiz derart gewirkt, daß die öffent- £iim Einweichen - zum Waschen ÜEFOCO 23482348485323485323534853