Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 525 (21.2.1936)
- Date
- 1936-02-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Mir. 525 21. Februar 1936 Oll ITIMMI Seit« 3 Wenn Raucher dar Var* fftrbung dar 2ihne vor* bat/gan woIhn, ötnn MM nur di# ragalmtSiga, tag* lieh# Pfleg« mH OOOl* Zahnpaata. Kleine Tube 8 —80 Orete Tube 8 140 Antijüdische Wirtschaftsgesetze in Rumänien Die rumänische Agentur „Rador“ meldet: „Die unter dem Vorsitz des Unterrichtsministers stehende Kommission zur Abfassung eines Gesetzes über die Reorganisierung des Handelsunterrichtes hat dem Entwurf die endgültige Fassung gegeben. Zweck des Gesetzes ist, den Handelsunterricht dermaßen umzugestalten, daß gut ausgebildete rumänische Kaufleute aus ihm hervorgehen, die in der Lage sind, den „fremden“ Elementen, die insbesondere i n den angeschlossenen Gebieten den Handel ganz in den Händen haben, Konkurrenz zu bieten. Der Handelsunterricht wird nicht mehr nur theoretisch sein, sondern die Schüler werden auch zu einer entsprechenden Praxis verhalten werden. Bei der Schaffung von eigenen Handelsunternehmen werden die Absolventen der Handelsschulen nicht nur materiell unterstützt werden, sondern auch gewisse Vorteile genießen, um sich durchsetzen zu können.“ In jüdischen Kreisen hat diese Mitteilung Bestürzung hervorgerufen. Obwohl darin von „fremden“ Elementen schlechthin die Rede ist, so ergibt sich doch aus dem Nachsatz, daß hauptsächlich die Juden gemeint sind, woraus geschlossen werden kann, daß sich das Gesetz insbesondere gegen den jüdischen Handelsstand auswirken wird. 48 Stunden Arbeit in welchem Beruf immer, das ist eine ganze Woche einseitiger Betätigung. Diese einseitige Betätigung führt zu erhöhter Ermüdung der bei der Arbeit besonders beanspruchten Körperpartien, aber auch zur Erschlaffung der minder beanspruchten. Sport und Natur sind der gebotene Ausgleich, ebenso der Gebrauch von DIANA-Franzbranntwein mit Menthol. Tägliche Massage mit Diana erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Gleich wertvoll zur Mundnnd Haarpflege Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA41. Weisen Sie minderwertige Nachahmungen zurück Düsseldorf verbietet den Juden das Baden Aus Berlin wird gemeldet: Außer dem Verbot der Veranstaltungen der Kulturbünde haben verschiedene Stadtverwaltungen in ihrem Bereich einschränkende Maßnahmen gegen die Juden verfügt. Der Oberbürgermeister von Düsseldorf hat den Juden den Eintritt in die Düsseldorfer Bä lur und Schwimmscluilen verboten und dies mit der Notwendigkeit, „Unannehmiielikeiton vorzubeugen“, begründet. OKABSTEINE in würdiger FORM AUS 0 E N WERKSTATT EN WULKAN * NEUBRUNN IHRE NN WEG 110' ST. MARX * SEIT lfty2 Konzert Julius Wolfsohn Nach dem vollständig ausvorkauften Ohopin- Almml I'rof. Julius Wolfsohns hat. die Konzerte!iroktion der Ehrbar-Säle den Künstler für einen zweiten Klavierabend verpflichtet. Julius Wolfsohn spielt diesmal Werke von Sir Haiti, Beethoven, Chopin, Liszt, Scriabine und eine Hoiho eigener Kompositionen nouer jüdischer Musik, darunter auch Novitäten. Das Konzert findet am Donnerstag, den 5. März, um S i hr iin Großen Ehrbar-Saal statt. Karten bei Gtronßw, tobe» 88« LOWEN-KINO, III., LOWENGASSE 23 SONNTAG, 23. FEBRUAR, VORM. 11 UHR: DAS LAND DER VERHEISSUNG ANSPRACHE: OBERBAURAT ROBERT STRICKER VIZEPRÄSIDENT DER ISRAELITISCHEN KULTUSGEMEINDE Karten bei sämtlichen Aimduißmltgliedcrn der Bezfrktscktion und WIZO, III., Bund ifld. Frontsoldaten, Gruppe III, Landstraße 9/ Jüdische Kulturstelle, I., Franz-Josefs- Kai 3, Tel. R 28*2-36, Bücherstube Läwit, I., Wollzeile 6, Tel. R 25*4*53, Dav. Heim* berg, III., Löwengasse 45, Tel. B 53-9-55, S. Tonne, III., Landstraßer Hauptstraße 69, Tel. U 10-6*89, Wr. Ring-Cafe, I, Stubenring 18, Tel. R 22-504, Calc Gartenbau,!., Parkring 10, Tel. R 20*0*95, R 20-1-95, und an der Kino-Kassa, Tel. U 15-3-12 Meinl-Kaffee Stets frisch Portorico-Misdiung . 1/4 kg 5.— Dreistern-Mischung . 1/4 „ 4.60 Spezial-Mischung . . 1/4 „ 410 Mocca Arrousa ... 1/4 „ 3.90 Mischung I, Sao Paulo 1/4 „ 3.70 Mischung II.1/4 „ 3.40 Fazenda-Mischung . . 1/4 „ 3.20 Mischung III .... 1/4 „ 3.— Mischung IV .... 1/4 „ 2.80 Mischung V.1/4 „ 2.60 Erich Kahler/ „Iscod de** Vötkeu*"*) Das Schicksal, das die deutschen Juden getroffen bat, mußte die Denkenden unter ihnen zur Frage nach dem Sinn dieses Schicksals zwingen. Kahler, der wohl aus Prag stammt, aber in Deutschland seinen geistigen Lebensraum gefunden hat, versucht eine Antwort zu geben, die aus tiefster Erschütterung heraus den sohioksalshaften Lauf unserer Geschichte deuten möchte. Uns packt in diesem Buch nicht allein deT überströmende Reichtum an Einfällen, an Tiefblicken, an Perspektiven und an Reaktionen auf die Ereignisse, sondern uns erschüttert in den Grundfesten der heroische Emst, mit dem Kahler Wahrheiten über uns verhängt. Wir Zionisten werden uns mit manchen Folgerungen nicht abfinden können, aber schließlich trägt jede Wahrheit die Schranken ihres Finders an sich. Die entscheidende Rückbesinnung wendet sich gegen die Irrtümer einer verfallenden Zeit, obwohl das Negative, nämlich die Polemik gegen die blutleeren Abstraktionen des Assimilationszeitalters kaum deutlich wird, wie auch Kahler das Judentum nicht vor dem Forum seiner Gegner rechtfertigen will. Er sieht in ihnen nur die ephemeren Vertreter eines tiefen Widerparts, der „immer wieder an unserem Wege auftaucht, uns nach Zeiten der Lässigkeit und des Selbstvergessene aufzurütteln und zur Besinnung auf unser ganz besonderes Wesen aufzureizen. Zur Bewährung unserer unbeirrbaren ganz besonderen Menschenpflicht und zum Abtun von falschen und üblen Trieben, die unter uns aufgekommen sind“. Vielmehr wendet sich Kahler an unser eigenes Artgewissen. Denn verantwortlich sind wir letzten Endes unserer Bestimmung und unserer Geschichte. Dieser Abkehr von einer zwecklosen Apologetik, die bis zuletzt außerhalb des positiven Judentums Niveau und Richtung der Auseinandersetzung orientiert hat, entspricht die Grundrichtung von Kahlers Buch überhaupt. Er lehnt die Bezeichnung der jüdischen Gemeinschaft als Volk, Rasse oder Nation ab und faßt die Juden als Stamm, wobei es ihm aber keineswegs um die bloß religiöse oder geistige Einheit zu tun ist, sondern um das Zurückgehen auf den biologischen Urgrund der Gemeinschaft, auf die Schicht des elementaren Lebens, auf den schöpferischen Urboden. Die Bindung des Juden an seinen Stamm hat Schicksalhaftes an sich und unterliegt keiner Wahl und keinen Gründen. Nur von ihrer „Stammheit“ her können die Juden begriffen werden, als eine Art der Gemeinschaft, ,,in deren Blut unentäußerlioh und dauernd brennend das Wirken Gottes eing©siegelt ist“. Daß das materialistisch denkende Europa miit dieser Sonderart nichts anzufangen weiß, ist Grund genug zu Fremdheit, Haß und Verniichtungswillen. An einem Vergleich zwischen dem europäischen und dem jüdischen Intellektualismus wird der Unterschied zwischen Judentum und Europa sichtbar: die Atheisten des neuen Europa sind Akademiker, Menschen, die gemütsruhig argumentieren und disputieren können über das Heil der Welt wie über eine geistige Streitfrage; gerade die deutschen Begriffstheoretiker waren es, die aus ihrer selbstgerechten Vernunft hevaus alles Lebendige, alles Sinnlich-Leibhaftige bis auf die letzte Faser zersetzt haben. Im Juden aber ist der Intellekt nur das Werkzeug, dessen sich der irrationale Stachel bedient. Der hat den jüdischen Menschen nicht verstanden, der nicht selbst in seiner radikalsten Kritik „den bebenden Kampf um Gott, den selbstquälerischen Kampf um Gott erahnt“. Darum ist auch das Christentum „befriedetes, abgeschlossenes Opferwerk, durch das sich die Weltvölker ein für allemal erlöst fühlen“, während das „Judentum ein fortdauerndes, lebendiges Opferwirken ist, durch das Israel seine Wesensbest-immiung weiter erfüllen und auf die Verwirklichung des Gottes Wortes dringen muß“. Den Juden ist immer von neuem auferlegt, das Heranbringeo, das Hereinbringen Gottes auf Erden zu versuchen, denn sie verstehen die Verwirklichung des Menschentums als eine Verwirklichung Gottes auf Erden. Emanzipation und Assimilation stellten den Juden aus seiner uralten und doch lebendigen Gotteswelt in einen durchaus profanen Erdeairaum und lösten ihn aus seiner stammlichen Lebensgemeinschaft, so daß ihm nur sein Ich und der enge Kreis der Familie bleibt, die alles aufgesogen hat an innigster unverbrüchlich dichter Blutsgemeinschaft. Zugleich aber nehmen sie ihn mit dem Verlust seiner ihm eingeborenen göttlichen Bestimmung jede Würde und jeden Wert und jeden Sinn. Denn durch vorschnelles Eintauchen in die umgebende Volksgemeinschaft glaubt dieser isolierte Jude seinen eigenen Wesensgrund vergessen zu machen, in der Überzeugung, sich eben dadurch an eine allgemeine Menschheit hingeben zu können. Der Marxismus war, meint Kahler, das Beispiel einer solchen Bewegung, in der der Jude seinen ewigen Ursprung und den Adel der religiösen Art verschüttet hat, während der einzige Moses Heß seinen Wesensgrund bewahrte und darum vergessen wurde. Am schärfsten aber entzündet sich der Gegensatz zwischen Deutschtum und Judentum, dem entarteten von heute sowohl, als dem sinnbeschlossenen, wahrhaftigen von einst und morgen. Und in dieser Gegenüberstellung ist Kahlers Buch von feinstem Spürsinn und unermüdlicher Erkenntnisbereitschaft, die seine Wesenssohau des Deutschen zu einer der reifsten und tiefsten Versuche auf dem Gesamtgebiete der Völkerpsychologie macht. Er wird der Lebenswirklichkeit des deutschen Wesens *in höchstem Maße gerecht lind macht uns dadurch einen Ausblick frei, der uns den augenblicklich anhängigen Prozeß zwischen Deutschtum und Judentum nicht in den Zeitrhythmus von mehreren Jahrzehnten oder gar nur von wenigen Jahren einordnen läßt, sondern die Jahrhunderte ihres Zusammenlebens aufrollt, um den wahren Standort dieses Konfliktes zu finden. Das Deutschtum müht sieh von altersher damit ab, zur Reife und Ausgeglichenheit zu kommen, ohne nach einer beinahe zweitausendjährigen Entwicklung die endgültige Form gefunden zu haben. Bis ins Unerträgliche hatte sich dieses Bedürfnis nach einer zuchtvollen Form, nach einem Zueinander und Ineinander des deutschen Geistes und des Volkskörpers gesteigert, wie es bei Engländern und Franzosen Hänget geschehen ist, jDa kam <ter Weltkrieg Julius Meinl Kaffee-Import Cegt. 1862 und der Zusammenbruch und damit eine Verzweiflung an all den universellen Werten, die Europa halten: Geist, Frieden, Gerechtigkeit, Menschlichkeit. Für alle diese Werte aber steht letzten Endes das Judentum, das sie Europa gegeben hat. Und nun brach die Erbitterung des sich betrogen fühlenden Körpers los und riß sich heraus aus aller Weltverflochtenhedt und Weltmission. Mensohtum ist eine weichliche Phrase und Europa keinen Gedanken wert, nur Rasse gilt, die ins Physische zurückführt; ,,Wahrheit heißt was man gerade brauchen kann, Recht ißt was dem Staate nützt.“ Das Christentum muß entwurzelt werden, weil es die Quellen der Gewalt noch eindämmt. Das Judentum aber vertritt nicht nur überhaupt die universalen, humanen und geistigen Tendenzen, sondern es vertritt sie „ganz leibhaftig und irnentäußerlich aus dem Antrieb einer besonderen Blutart und wird darum auch noch auf der physischen Ebene spürbar, was all die Reizungen lind Spannungen mobilisiert, die zwischen jüdischem und deutschem Wesen ursprünglich spielen“. Gerade diese tieferen Gegensätze sind aber nicht von heute und gestern. Die Deutschen als Nation, die ihre Nationalität nicht erreicht hat — die Juden, ein Stamm, dessen Bestimmung es ist, seine Werte über die Stammesgrenzen hinaus zu verwirklichen; ein Volk, dem es aufgegeben ist, erst seine konkrete Besonderheit zu formen und ein Stamm, der aus seiner metaphysischen Besonderheit das Gemeinmensehliche entwickeln soll. Mit nicht abreißender Spannung folgen wir Kahlers Bemühung, das Geschehen unserer Zeit auf einige erhellende Leitsätze zu verdichten, sich dessen zu bemächtigen, was sonst dem Zugriff entflieht. Solange er die Diagnose stellt, folgen wir ihm willig, weil sein Buch uns einen befreienden Rückblick bietet. Auch darüber werden wir uns mit ihm einigen können, daß die Kategorien „Volk“, „Nation“ aus der europäischen Begriffswelt genommen sind und nicht auf uns Juden passen können; die Bezeichnung der Juden* als Stamm macht das uralte Mythische, Gottgebundene und darum auch das Einmalige deutlicher. Und noch soweit werden wir mit Kahler gehen, daß auch wir nicht an ein Ende der Galuth glauben, weil Palästina nicht unser umfassender Staat sein kann, wie eben die anderen Staaten ihre Völker fest umschließen. Aber die Rolle, die Kahler Palästina zuweist, lediglich das zu sein „was die geschlossenen Gemeinden des Ostens, *was die alte Synagoge der Galuth war“, das trennt uns von ihm. Für uns liegt auf Palästina das Schwergewicht und nicht auf der Galuth, die, wie schon die Wortbedeutung sagt, nicht den Sinn in sich trägt, sondern ihn erst von Palästina erhält. Wollen wir von allen Widermächten der Wirklichkeit, von aller Not und Qual der Galuth absehen und nur unsere Geschichte befragen: von Ägypten, von Babylon, von allen Enden der Erde kehrt Israel immer wieder nach seinem Lande zurück. Nicht nur, um als „gesicherter Volksbürger auf geschütztem Boden auszuruhen und aufzuruhen“, sondern um hier die Werte zu schaffen, die es dann den anderen Völkern bringen kann. ßt, Wilhelm Stein« $) Zürioh, Bumanitaß-Verlag,