Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1936-02-18 · Heft 524 (18.2.1936) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 524 (18.2.1936)
Date
1936-02-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054243-3054280--5686-3061448
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 501 — 18. Februar 1986 Dü STIMM! Sette 3 arnts seit langen Jahrhunderten der erste praktische Versuch der Realisierung eines geschichtlichen Erlebnisses. Er bedeutet für Palästina die Schaffung einer neuen hißt Griechen Realität, und für die Diaspora den Beginn einer neuen geschichtlichen Projektion. Das heißt, der Geschichtswille der niemals völlig seine dynamische Kraft verlören hat, beginnt in den Ländern der Diaspora mit einer neuen Orientierung, deren Inhalt fortschreitend sich jüdischen Begriffen und jüdischem Wissen annähert. Es handelt sich im Grunde genommen um den Vera eh einer Loslösung aus den europäischen Denkkategorien und um den Versuch, eine neue Gemeinschaft mit neuen Gemeinschaft*,formen aufzurichten. Alles das in dem Bewußtsein, daß dieser Weg d&T Fortsetzung der jüdischen Geschichte zugleich ein Dienst an der Menschheit bedeutet. Generaldirektor Dr. Berliner gestorben Gestern (Montag) früh ißt in einem Wiener Sanatorium der Generaldirektor des „Phönix“ Dr. Wilhelm Berliner im 55. Lebensjahre gestorben. Sein Tod bedeutet einen fast unersetzlichen Verlust im der österreichischen Wirtschaft, zu deren aktivsten und bekanntesten Führern Dr. Berliner zählte. Seine persönliche Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit hat es nicht verhindert, daß die internationale Finanz- und Industrieweit gewöhnt war, auf das Wort dieses bedeutenden Mannes zu hören, der eine tiefe Kenntnis der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge mit einer umfassenden universalen Bildung verband. Das Judentum verliert in Dr. Berliner einen mannhaften, stolzen Angehörigen, eine der immer seltener werdenden Personen, die unter keimen Umständen ihr Judentum Ansehen. Er hat den Geschäftsbereich des „Phönix“ u. a. auf den Balkan, auf Palästina und den Orient ausgedehnt. Dr. Berliner hat sich zeit seines Lebens ein warmfühheftdes Herz für alle Not bewahrt. Vielen Menschen hat er geholfen, viele Entgleiste wieder zurückgeführt und sein Wohltätigkeitssinn kannte kaum eine Grenze. Er ist ziemlich einsam gewesen und man hat ihn einen Sonderling genannt. Aber diese Art seiner Führung entsprang nur aus seiner fanatischen Liebe zur Arbeit, aus dem Drang, für das Gemeinwohl zu Wirkern, Staat und Volk zu dienen. Er hat alle Ehrungen abgelehnt und ist immer das Vorbild des Bürgers gewesen, der nichts al3 seine Pflicht tun will und dies als Ehre empfindet. * Dr. Borliner hat seit längerer Zeit an einer Ohrenerkrankung gelitten. Er setzte jedoch entgegen dem Rat der Ärzte nicht mit seiner Tätigkeit aus. Am Sonntag verschlimmerte sich sein Z-ustanid derart, daß die Überführung in ein Sanatorium notwendig wurde. Dort ist Dr. Berliner kurz nach der Operation gestorben. Die Palästina-Aussprache im Unterhaus Wie bereits kurz berichtet, sind in der Unterhäussitzung vom lö. d. die Fragen des Gesetzgebenden Rates und der Einwanderung zur Sprache gekommen. Der nun vorliegende Bericht gibt das folgende Bild: Auf die Anfrage des Abgeordneten Tom Smith antwortete Minister J. H. Thomas, der High Cömffiissioner habe Ende Dezember den arabischen und jüdischen Führern den Vorschlag der Regierung betreffend die Schaffung eines Legislative Council roitgeteilt. Die Juden hätten klargemacht, daß sie in dieser speziellen Angelegenheit nicht in der Lage seien, mit der Regierung zu kooperieren. Über eine Annahme der Vorschläge durch die Araber habe der Minister vom High Commissioner noch keinen Bericht erhalten. Der Anfrager werde wohl verstehen, daß der Minister in dem gegenwärtigen Stadium keine weitere Erklärung abgeben könne. Colonel Wedgwood fragte, ob dies dahin zu verstehen sei, daß der Minister den Verfassungsplan nicht revidieren wolle, obwohl dazu Zeit sei; wolle er, falle er selbst dazu nicht Zeit habe, seinen Kollegen veranlassen, dies zu tun? Minister Thomas antwortete, daß die in dieser Frage von ihm angedeutete Politik und die gesamte Palästina-Politik von der Gesamtregierung verantwortlich getragen werde. Abg. Wedgwood: Sollen wir verstehen, daß das Kabinett an die von dem High Commissioner vorgelegte besondere Verfassung gebunden ist? Die Frage blieb unbeantwortet. Sir Arohibald Sinclair: Will der Minister dafür sorgen, daß bei der Einsetzung eines Legislative Council für Palästina nicht denjenigen eine statutenmäßige Mehrheit gegeben werde, die den Widerruf des Mandates verlangen? Auch auf diese Frage wurde eine Antwort nicht erteilt. zurückstellen. ■ Diese Eigenschaft hat ihm auch in den niohtjttdiscihen Kreisen respektvolle Anerkennung gebracht. Dr. Berliner hat trotz seiner beruflichen Inanspruchnahme, die seine Stellung als Leiter einer der größten Versicherungsgesellschaften mit sich brachte, für alle jüdischen Fragen das stärkste Interesse bekundet und es war insbesondere das zionistische Palästinawerk, das ihm am Herzen lag, ohne daß er sich einer besonderen Richtung im Zionismus angescblossen hätte. Er nahm sich noch im Vorjahre Zeit, mit dem Flugzeug nach Luzern zu kommen, um denn Zionisfcenkongreß beiwohnen zu können und seine Konferenzen mit Professor Wekwnann wurden damals viel beachtet. Viele internationale politische Fäden sind durch seine Hand gegangen, viele europäische Staatsmänner und Wirtschaftsführer kannten und schätzten diesen klugen und; wölterfahrenen Mann, und sein unbestechliches sachliches Urteil. Er ging ganz in seiner Arbeit auf, verbrachte fast »ein ganzes Leben am Schreibtisch und bediente sich in »einer Rastlosigkeit nur mehr des Flugzeuges. Er ist auch einer der wenigen Männer von Zivilcourage gewesen, der sich auch von .nationalsozialistischen Erpressungen nicht hat einsohüchtern lassen. Dr. Berliner hat seinerzeit als Experte der österreichischen Delegation an dein Friedens- Verhandlungen in St. Germain teilgenommen. Auf internationalen Fachkongressen trat er als Referent wiederholt hervor, wobei ihm die Kenntnis aller Weltsprachen zustatten kam. Er war ein sehr bekannter Währungstheoretiker, gehörte dem Generalrat der Österreichisch-ungarischen Bank und später der österreichischen Natioualbank an und genoß als Versicherungsifachmann größtes an ttiöKg&tt — t SC&iüt}t K04 &QKQ4Jh,t t b«l Serufiunfdhlafcttl IHVAllDITSTt'RINriM a. Mr «In sorglos« Alt«? AITI B S.0INTIN a ha AUl«b«ütla])* MINTIRBlUBCNBR.BINTtN mm Imm. ALLGEMEINE VERSICHERUNG! A.-G. PENSIONS-VEREIN WIEN, I., SCHELUNGG^SSE Offiziöse englische Stimme über Palästina Als die letzte Hoffnung Palästinas und, sie ihre Verpflichtungen erfüllen; diejenigen leichzeitig als das Ziel der Politik der welche, von welcher Seite immer, einen lglisohen Verwaltung wird im Leitartikel a« »AAiLAn Ai«cAhiAnn.nAn Numni ÖT* riftr nrn- 'Druck dahin auszuüiben versuchen, daß sie ziösen Zeitschrift „Great Britadn and the East“ die Vereinigung der Völker Palästinas zu einem organischen Ganzen bezeichnet. Wenn ee jemals ein bestimmtes Versprechen an die Bevölkerung Palästinas gab, schreibt das Blatt unter anderem, so war ös in bezug amf diesen Legislative Council. Dieser Plan, der in dem inhaltlich, wenn schon nicht formal, bewundernswerten Weißbuch von 1980 angekündigt und drei Jahre später von dem Sprecher der Palästina- Regierung vor dem Völkerbund in Genf wiederholt wurde, mußte in Angriff genommen werden, sollte nicht das Wort der Mandatarmaoht als ein Fetzen Papier behandelt werden. Und annehmen, daß der „Mann an Ort und Stelle“ die Zeit ftir die Durchführung des Planes schlecht gewählt hat, daß er durch seine Bemühung, ihn zu verwirklichen, den Interessen des Heiligen Landes entgegen handelt, heißt, etwas annehmen, was die Gesamtheit des englischen Volkes nicht für berechtigt halten wird. Wie zu den weitverbreiteten Gerüchten oder inoffiziellen Veröffentlichungen über Änderung der Bestimmungen für Einwanderung und Bodenkauf schreibt „Great Britain and the Eaet“: ,,Was immer die Regierung in Kürze auf dem Weg der Änderung von E inwanderungsb ecchränkungen tun sollte, wird mit dem Ziel geschehen, die wirtschaftliche Stabilität des Landes im allgemeinen und damit des jüdischen Natkmalheims“ zu festigen. Und was immer sie tun sollte, um ein Bodenminimum für den arabischen Bauern zu erhalten, wird in ähnlicher Absicht und damit zum Wohle der arabischen Bevölkerung geschehen.“ Der Artikel schließt: „Sowohl die Araber als die Juden wollen, wenn sie Gerechtigkeit fordern, Bevorzugung; und gerade das ist es, was die Regierung, eben auf Grund der Bestimmungen des Mandats, nicht gewähren kann. Bedeutsame Handlungen der Verwaltung könen nicht an sich, sondern nur in ihrem weiteren Aspekt beurteilt werden. Würde die Regierung sich auf Diskriminierung einlassen, würde eie ihren Sinn für Gleichgewicht aufgeben, dann würde sie ihre raison d'ötre verlieren und verdientermaßen zum Sturz kommen. Nur dadurch, daß sie aufrecht bleibt und es ablehut, das Gleichgewicht zu stören^ kann von dieser Stellung abgehe, dürften ©me Enttäuschung erleiden.“ In einem zweiten Artikel schreibt „Great Britain and the East“ unter anderem: „Der geplante Legislative Council geht nur Palästina an; den Rahmen für eine Vertretung der Weitjudenheit gibt die verfassungsmäßig anerkannte Jewish Agency ab. Die Ansicht — und sie besteht lediglich in der Theorie —, daß die Zionisten das Weltjudentum repräsentieren, darf nicht so weit gehen, daß sie das politische Leben eines von Arabern bewohnten Palästina ftir immer tangiert.“ # Diese Auslassungen des offiziösen englischen Regierungsorgans werden am Widerstand des jüdischen Volkes nichts ändern. Viel bestimmter als die Zusicherung eines Gesetzgebenden Rates ist die von England im Mandatsvertrag gegenüber dem jüdischen Volk — und nicht nur gegenüber den Juden in Palästina — übernommene Verpflichtung zur Wiedererrichtung des jüdischen Nationalhehns zur Erleichterung der jüdischen Einwanderung und zur Förderung einer geschlossenen jüdischen Ansiedlung. Diese Verpflichtungen will England abschütteln, aber kein Druck, keine Ungerechtigkeit und keine Drohung werden das jüdische Volk zum Verzicht auf Sinn und Wortlaut des Palästina-Mandats zwingen. Es wird nicht das erste Beispiel in der Weltgeschichte und schon gar nicht in der jüdischen Geschichte sein, daß ein kleines Volk, das um seinen Lebensraum und seine Existenz kämpfendes Volk, auch gegen eine erdrückende Übermacht siegreich bleibt. Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Wien, IX., Otto Wagnerplatz Nr. 5 - Frankhplatz Nr. 3 Verabsäumen Sie es nicht, in jedem Rechtsstreit sich gegen die . Prozeßkosten zu versichern Nähere Auskunft über unsere Prozeßkosten* Versicherung erteilt ihnen ihr Rechtsanwalt LOWEN-KINO III., LÖWENGASSE NR. 23 Sonntag, 23. Februar, vormitt. 11 Uhr Das Land der Ansprache: Oberbaurat Robert Stricker Verheißung Karten bei sämtlichen Ausschußmitgliedern der Bezirkssektion und WIZO,l!l., Bund jüd. Frontsoldaten, Gruppe lli, Landstraße 9.; Jüdische Kulturstelle, I., Franz-Josefs- Kai 3, Tel. R 28-2-36; Bücherstube Löwit, I. Wollzeile 6, Tel. R 25-4-53; Dav. Heimberg, III., Löweng. 45, Tel. B 53-9-55, S.Tanne, lll.,Landstraßer Hauptsr. 69, U10-6-89; Wr. Ring-Cafe, I., Stubenring 18, Tel. R 22-504; Cafe Gartenbau, I., Parkring 10, Teleph. R 20-0-95, R 20-1-95, und an der Kino- Kassa, Tel. U 15-3-12 Flüchtlingskommissär Neil Malcolm Aus Genf wird gemeldet: General Sir Neil Malcolm hat clem Generalsekretariat des Völkerbundes mitgeteilt, daß er bereit sei, das Hoohkommißsariat für die deutschen Flüchtlinge zu übernehmen. Aufschub der Reise Doktor Weizmanns Aus Jerusalem wird gemeldet: Wie zuverlässig mitgeteilt wird, hat Dr. Wedzmann seine für den 14. Februar festgesetzte Reise nach London verschoben. Der Arbeitsmarkt in Haifa Aus Haifa meldet die JTA: In einer außerordentlichen Sitzung des Gewerkßchaftsrätes von Haifa wurden Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit besprochen. Aus dem erstatteten Bericht ging hervor, daß die Hauptarbeitezweige, Industrie, Kleinindustrie und Beamtentum, unter der wirtschaftlichen Erschütterung wenig zu leiden hatten. In einer Reihe von Fabriken hat sich die Zahl der Arbeiter sogar erhöht. In den letzten Monaten sind 300 Arbeiter und Arbeiterinnen neu eingestellt worden. Schwer betroffen wurde nur das Baugewerbe, in dem tausend Arbeiter arbeitslos geworden sind. In Acoo und bei der Elektrizitätsstation sind in der letzten Zeit 250 Arbeiter neu eingestellt worden. Außerdem wurden im Hafen und bei der Stadtverwaltung 800 Arbeiter neu beschäftigt. Die Histadrnth trifft alle Maßnahmen, um die Arbeitslosigkeit vollständig zu beseitigen. Es wurden mehrere Beschlüsse angenommen, von denen einer die Mitglieder der Histadruth in Haifa verpflichtet, monatlich den Lohn von zwei Arbeitstagen dem Arbeitslosenfonds zuzuftthren. Die Touristik ist Erez Israel Die Beruhigung über die Lage in Palästina hat, wie uns aus Tel-Aviv gemeldet wird, den Strom der Touristen wieder in« jüdische Land gelenkt. In Erez Israel herrscht im Gegensatz zu Syrien und Ägypten vollkommene Ruhe. Nach der Aushebung der Terroristengruppe haben die Überfälle ganz aufgehört. Man erwartet zu Purim und zum Weltkongreß der jüdischen Ärzte im Lande ein neues, starkes Anschwellen des Touristenzustroms. Orbis-Reisen nach Polen. Wie wir erfahren, veranstaltet, das Polnische Reisebureau Orbis. I., Kärntneretraße 41, im Jahre 1936 besonders billige Helsen naoh Polen. Abfahrt alle 14 T a g el

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.