Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 524 (18.2.1936)
- Date
- 1936-02-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054243-3054280--5685-3061447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 DIE STIMME Nr. 524 — 18. Februar 1938 Billige Reisen der ORBIS - POLEN Abfahrt: Alle 14 Tage Reisebüro ORBIS, I.. Kürntnerstr. 51, Tel R J-5-78 Österr. Verkehrsbllro, I., Friedrichstr, 7, Tel. B 27-500 und l.,Graben 20. Tel. U 29-0-35 Reisebüro IRUT,!.,Karlsplatzl.Tel.U 44-5-79 Deutscher Unlversliätsprofessor wird Jude sehen Ärzte in d&f ganzen Welt Die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses ist eine Lebensfrage so wohl der Ärzteschaft wie der Gesamtheit und deshalb wird sie eine Hauptfrage auf dem Kongreß sein. Sie wird durch die Ausgestaltung der medizinischen Fakultät in Jerusalem gelöst werden müssen, wo heute schon Ärzte von Weltruf die Kranken des nahen Orients herbeiziehen. Auch die soziale Selbsthilfe für die hart getroffenen jüdischen Ärzte ver sc-hiedener Länder wird der Kongreß durch eine umfassende Organisation verwirklichen müssen: Selbst die kleine Gruppe in Deutschland hat einige hundert Ärzte in England und Amerika unter gebracht; und Rußland erklärt sich auf' nahmsfähig für Z e b n t a u s e n d e. die sonst vielleicht in Europa verhungern. Weitere Fragen sind die der Volksgesundheit, sowohl in Palästina wie in Europa. Für Palästina besonders die Be kämpfung der Malaria, des Typhus, der Augenleiden, die Anpassung der Einwanderer usw. Von theoretischen Fragen soll die Rassenfrage rein wissenschaftlic-h behandelt werden. Der Referent wird voraussichtlich ein Wiener sein. Dr. W u 11 m a n n (Warschau), ein bekannter Praktiker der Gesundheitsfürsorge in Polen, sprach namentlich über das Schicksal der jüdischen Ärzte in Deutschland, das so schwer wurde, weil die Opfer der Verfolgungen ' keine zentrale Organisation hatten. Die auf dem Kongreß zu gründende Weltorganisation der jüdischen Ärzte wird ein nicht zu überhörendes Sprachrohr in solchen Gefahren sein. Der Vorwurf der „Separation" ist nicht zu befürchten, ebenso wie ihn die katholischen oder die protestantischen Ärzte nicht fürchten müssen. Nur die Sonderfragen werden uns beschäftigen. In Polen haben sich schon 250 Teilnehmer gemeldet. Dt. Plaschkes machte schließlich Mitteilung von den erheblichen Reisebegünstigungen in der besten Reisezeit. Der Kongreß beginnt am 21. April. Wege® de6 großen Interesses der österreichischen Ärzte ist. die „Wiener Vereinigung“ mit der Organisation der Reise betraut worden. Wie der „Nowy Dziennik“ mitteilt, ist der deutsche Universitätsprofessor Emil G r e u na u e r, Verfasser mehrerer wissenschaftlicher Geschichtswerke auf dem Gebiete der nitgermanisch - mittelalterlichen deutschen Literatur, zum J u d e n t u m ii h e r g e t r et. e n. Professor Greunauer beschäftigte sich nie mit Politik. Als in Hamburg eine starke antijüdische Hetzkampagne entstand, protestierte Professor Greunauer flugegen und erklärte, daß die Diffamierung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland die Ehre des deutschen Volkes bes c h mutz e. Die Juden — erklärte Profeesor Greunauer — leisteten ihrer deutschen Heimat große Dienste, sie waren gute Patrioten und gaben nicht nur dem deutschen Volke, sondern auch der ganzen Welt große Männer. Als vor einigen Monaten Professor S t e r n b e r g, ein Freund Professor Greunauers, seines Lehrstuhles in Heidelberg enthoben wurde, richtete Greunauer an den Senat das Ersuchen, ma.n möge ihm ebenfalls vom Professorenkollegium ausschließen. Als Protest gegen die Judenverfolgungen beschloß Professor Greunauer gemeinsam mit seiner Frau und sieben Kindern zum Judentum Überzutreten. In seinem Brief an den Senat schreibt Professor Greunauer: „Ich empfinde es als meine Pflicht, die Ehre des deutschen Volkes zu retten und darum nehme ich den jüdischen Glauben an, der durch mein Vaterland in den Kot gezehrt wird. Ich, meine Frau und meine Kinder wollen zum Judaismus übertreten, um in die Reihe der Le 1 d e n d e n einzutreten. Ich bin stolz darauf, daß meine Seele sich unabhängig von meinem arischen Blut mit dem unglücklichen jüdischen Volk verbinden wird." p. Die jüdischen Flüchtlinge in Luxemburg In der letzten Sitzung der Luxemburger Kammer kam es zu einer Debatte über die Ausländer. Der Sprecher der katholischen Partei, der größten Regierungspartei, Deputierter August T h o r n, wies auf die Zuwanderung von Juden aus dem Saargebiet hin und fragte: Was können wir gegen einen Zustrom neuer Ausländer ins Großherzogtum machen? Wenn der Neuhinzugekommene, sagte er, über genügend Geldmittel verfügt und keines Luxemburgers Interessen schädigt, dann soll man ihn hier lassen. Aber der Fremde darf keine Uberfremdungsgefahr fürs Land bilden. Es gibt viele unglückliche gehetzte Fremde beiuns, dienichtwissen, wo sieessen und schlafen sollen. Die Frage bedarf einer baldigen internationalen Regelung durch den Völkerbund in Genf. Der radikal-liberale Innenminister D umont erwiderte u. a.: Die Fremden machten 1914 15 Prozent der Bevölkerung aus, 1933 waren es 14.5 Prozent. Im Jahre 1935 wurden 3694 Aufenthaltsbewilligungen, davon 2467 von Deutschen, beantragt; 2039 wurden erteilt. Die deutschen Ausländer teilen sich in drei Gruppen: l.PolitlscheFlüchtlinge; diesen wird ohne Einschränkung die Gastfreundschaft gewährt; 2. deutsche Juden. Die Behauptung ist falsch, daß wir von Juden überschwemmt werden, und diese Gerüchte bedeuten eine große Gefahr. Von den 3694 Fremden, die im letzten Jahr zu uns kamen, waren im ganzen 651 Juden, wovon nur 304 die Aufenthaltserlaubnis bekamen. 3. Hier ständig lebende Deutsche, die 9ich zum Dritten Reich bekennen. Die Regierung hat zahlreichen Leuten, die provokatorisch tätig waren, das Land verboten. Die Luxemburger Bevölkerung will von der Nazi-Agitation nichts wissen. Zion. Bezirkssektion Leopoldstadt-Club Erez Israel, II., Praterstraßo 13 (Lloydhof) Donnerstag, den 20. Februar 1936 um */j9 Uhr abends, findet im Heime IL, Praterstraßo 18, ein Vortrag des Herrn Dr. Leo Goldhammer statt. Thema: Ein jüdischer Abenteurer „Die katholischen Rechte Palästina“ Vortrag Dr. JoseS Kasteln In Graz Donnerstag, den 20. d. M., 149 Uhr abends, spricht Dr. Josef K a s t e i n im großen Saal der „Thalia" in Graz über „Das Geschichtserlebnis des jüdischen Menschen". Die Zionistische Ortsgruppe Graz als Veranstalterin dieses Vortrages lädt nochmals auf diesem Wege alle Grazer Juden zum Besuch der Veranstaltung ein und verweist auf die besondere Bedeutung des Vortragenden, der zu den bedeutendsten jüdischen Denkern der Gegenwart gerechnet werden kann. DEN PRIVATANGESTELLTEN DIE VORSORGE-VERSICHERUNG MONATLICHE PRÄMIE SCHILLING' STERBEGELD^ ■RtHTEfi^y ÜNFÄLlta mm®® KOSTEN- :/;.:BE!TRÄ<£*, SPITAL,:.:,.^ OPERATIOji^ DIE LEISTUNG S 300 — S 15’— S 300*— S 300*— S 5*— S 100’— m Die in Tel-Aviv erscheinende Tageszeitung Faare z“ bringt in ihrer Ausgabe vom 23. Jänner einen Bericht aus Wien über die hier stattgefundene Katbolikenvensammlung über die Rechte der Katholiken in Palästina. Der Berichterstatter des ,,Haarez“ meldet: „In den zionistischen Zeitschriften Österreichs sind sehr heftige Artikel gegen die ■katholischen Führer, welche schon seit langer Zeit als Judenfeinde und Judenbedrücker bekannt sind, erschienen. Die zwei zionistischen Zeitungen .Die Stimme* und .Die Neue Welt1 kritisieren lebhaft die Rede des ehemaligen Ministers Prof. C z e r m a k, welcher voll Haß und Drohungen gegen die Juden war, die den Bestand der Katholiken in Palästina gefährden*. Dieser Haß ist eigentlich dem Grunde nach nicht nach Jerusalem gerichtet, sondern soll eine umfassende Tätigkeit gegen die Juden Österreichs selbst zum Ziele haben. Die Benützung des katholischen Schildes in Palästina soll nur bezwecken, den Haß weiter katholischer Kreise in Österreich gegen die Juden zu schüren.“ Hiezu stellen wir fest, daß „Die Stimme“ gegen die Beschuldigungen Stellung genommen hat, die in der „Reichspost“ und in der Katholikenversammlung gegen die Juden Palästinas erhoben wurden. Wir haben dargelegt, daß von einer Verletzung der Rechte der Katholiken Palästinas durch die Juden keine Rede sein kann und gegen die von der „Reichspost“ eingeleitete Kampagne protestiert. Es ist jedoch unrichtig, daß in der ,.Stimme“ Mitteilungen oder Artikel erschienen sind, die nach Ton und Inhalt dem Bericht der Zeitung „Haarez“ eine Basis geben könnten. Professor Czermaks Rede in der Katholikenversammlung wurde in der „Stimme“ weder zitiert, noch besprochen. LEBENSVER$,.GEV PHÖNIX W ICH. I., -rTcM IRCAI J E 2 Jüdische Abordnung bei Titulescu in Paris Der rumänische Außenminister Nicolae Titulescu hat während seiner Anwesenheit in Paris eine aus Vertretern der Alliance Isra61ite Universelle und des Komitees für die Verteidigung der jüdischen Rechte in Mittel- und Osteuropa bestehende Abordnung empfangen. Die Abordnung stand unter der Führung des Deputierten der französischen Kammer lind Präsidenten de© Komitees für die Verteidigung der jüdischen Rechte, Paul Reyn a u d, und des Vizepräsidenten der Alliance Israölite Universelle, Georg Leven. Es gehörten ihr außerdem die Mitglieder des Zentralkomitees der Alliance Alfred B e r 1, M. L. N o 11 e r und Prof. William Q u a 1 i d, sowie der Vizepräsident des Komitees für die Verteidigung jüdischer Rechte, Boris, Gurewitech, an. | Reiterstandbild General Monash in Melbourne Im Frühjahr 1936 soll in Melbourne ein Reiterstandbild des verstorbenen Oberbefehlshabers des australischen Armeekorps im Weltkrieg, General Sir John Monash, auf gestellt werden. Für die Ausführung des Denkmals wurde ein Preisausschreiben veranstaltet, das der Bildhauer W. L. Bowles gewann. Sir John Monash, der ein Jude war, gilt alß der australische Nafcionalheld des Weltkrieges und einer der hervorragendsten Heerführer der britischen Streitkräfte im Krieg. In seinen Erinnerungen aus den Kriegsjahren nennt ihn der frühere Ministerpräsident Lloyd George den fähigsten Soldaten der englischen A r m e o und erklärt, daß Sir John Monash wahrscheinlich Oberkommandant der gesamten englischen Streitkräfte geworden wäre, wenn der Krieg weitergedauert hätte. Kasteins Vortrag Aus dem bei R. Löwlt-Verlag in Kürze erscheinenden Vortrag „Das ueschichtserlebnis des Juden“ bringen wir hiemit die nachfolgenden Leitsätze. Das Weltbild des Juden hat im Gegensatz zum historischen Weltbild anderer Völker infolge der Besonderheit de© jüdischen Schicksale eine Reihe von Variationen zu erdulden gehabt. Die erste historische Konzeption des Juden beginnt in der Wüste und richtet ©ich auf ein Land, dessen Eroberung ein national-religiöses Ziel darstel.lt. Tausend Jahre Geschichte dienen dem Juden dazu, dieses projizierte Weltbild zu realisieren und zugleich den Begriff der Geschichte einen einzigartigen Inhalt zu geben: Geschichte zu erleben, nicht als eine soziologische Funktion, sondern als eine direkte Funktion de© Glaubens. Da.s heißt, da© Schicksal der Völker ißt eine direkte Folge ihres religiös zureichenden oder unzureichenden Verhaltens. Vom babylonischen Exil an wird das Weltbild des Juden verdoppelt, und der Gesohichtsraum in eine Diaspora und ein Zentrum aufgeteilt. Es geschieht im Zentrum die eigentliche und in der Diaspora die zürn Lande hin projizierte Geschichte. Die endgültige Zerstörung des jüdischen Zentrums in seiner staatlichen Selbständigkeit fuhrt zu einem Zwischenraum der Erwartung, in dem der Jude keine eigene Gegenwartsgeschichte notiert, sondern seine Geschichte von einst in die Zukunft hinein projiziert. In dem Maße, wie die Realisationsversuche dieses geschichtlichen Erlebens, nämlich die meseianischen Bewegungen an den Tatsachen scheitern, tritt ein Ermüdungsprozeß ein, der zur Zeit der Emanzipation dazu führt, daß die nationale Konzeption des Judentums an gegenwärtiger Kraft verhört und einer Auffassung Raum gibt, in der das nur religiöse Bekenntnis zum Judentum als für die Zugehörigkeit und für den Charakter des Judentums ausreichend angesehen wird. An Stelle der nationalen Zukunftshoffnung tritt die Idee einer Mission, die das Judentum durch das Faktum der Zerstreuung und durch ©ein regiliöses Bekenntnis zu erfüllen ha.be. Somit tritt an Stolle des projizierten Weltbilde© ein gespaltenes, das heißt der Jude setzt eine religiöse Vergangenheitsgeschichte fort, während er zugleich die nationale Geschichte seiner Umwelt als Gegenwartserlebnis weiterführen will. Die nationale Gegenwart wird ihm aber von der Umwelt, die die endgültige Möglichkeit einer Angleichung bezweifelt, immer wieder streitig gemacht, so daß der Jude nur auf dem Wege der Überkompensation, das heißt durch eine formale Überbetonung, seine religiösen Vergangenheitswerte, das seelische Gleichgewicht mühsam erhalten kann. Auf dem Wege der kulturellen Angleichung in den verschiedenen Wohnländern und unter den verschiedenen Wohnbedingungen wird das jüdische Weltbild letzten Endes vollkommen atomi- ©iert. Es spricht für die Lebenskraft des unterirdischen Judentums, daß es sich in unserer Gegenwart wieder eine ReaUsationsmögliohkeit zu schaffen im Begriffo steht. Als historische Erscheinung gesehen, ist dor Zionis- T)ie zionißijehe Beamtenfchalt drückt ihrem Kollegen Herrn Ephraim Bartfeld anläßlich des Ablebens feiner Mutier, Frau Jente Jeh udith Bartfeld, ihr innigjles Beileid aus. Eine Palästinareise für S 5’- können Sie erhalten, PURIM-BALL wenn Sie am 14 März d. J. zum in die SOFIaNSÄLE kommen