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Die Stimme · 1936-02-11 · Heft 522 (11.2.1936) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 522 (11.2.1936)
Date
1936-02-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 522 — 11. Februar 1936 DU ItlMMI Solle 5 Alle bisherigen Vorstellungen ausverkauft! jpäsLand der Verheißung" Nächste Aufführung: Sonntag, 16. Februar, vorm. 11 Uhr Kolosseum-Kino, IX., Nußdorfentraße 4 Karten bei: indisches Volksheim, XVIII., Weimarerstraße 7, Tel. A 20-1 -54-L (täglich 13 bis 20 Uhr) | Frau Baumeister BorbeVt XVIII., Ger$thofer*traße 131, Tel. B 41-5-13 und B 41-3-39, Frau Dr. Tartakowar, XIX., Silbergasse 23, indische Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R 28-2-36 und an der Kino-Kasse sonders die Universität Heidelberg ergriffen, i die letzten Freiheiten der Menschheit. Man Die jüdischen Professoren, unter ihnen kann es sich nicht vorstellen, dafi die Unisolehe von Weltruf, wurden ihrer Xmter versitäten Großbritanniens, Wächter enthoben und in die Verbannung getrieben. Der wahnwitzige Nationalismus der Nazis gefährdet den Frieden der Welt und bedroht stiger Freiheit, mit den erklärten und schamlosen Feinden dieses Prinzips offen sich verbrüdern. „Barbarei und sinnlose Torheit“ Aus London meldet die JTA: Der Bischof von Durhain, Dr. H. Hensley Henson, hielt in der Stern Hall der Weet London Synagogue Association einen Vortrag über »Die Juden Deutschland«“. Den Vorsitz führte Leonard G. Monteflore. „Gern“, sagte der Bischof, „habe ich die Einladung angenommen, heute zu Ihnen zu sprechen, weil ich die Tragik der Lage eurer Brüder in Deutschland tief fühle- Ich will hier die tiefe und herzliche Sympathie zum Ausdruck bringen, die ich und meine geistlichen Kollegen für unsere jüdischen Mitmenschen hegen, die in Deutschland grausamem Unrecht und unwürdiger Demütigung ausgeeetzt aind- Die Maßnahmen der deutschen Regierung erscheinen uns nicht nur abstoßend wegen ihrer barbarischen Grausamkeit, sondern fast unglaubhaft in ihrer sinnlosen Torheit. Wir tüten dem deutschen Volke selbst einen schlechten Dienet, wenn wir nicht den Abscheu, den wir angesichts solcher Taten empfinden, in die Welt hinauseohreien würden. Die unaufhörlich geübten Diekriminationen und Degradationen der Juden sind die grausamste Beleidigung, die einer der sensitivsten Rassen, die je auf Erden gelebt haben, zugefügt wird. Die nazistische Rassentheorie ist ein Gespött; sie ist derart albern, daß man an der intellektuellen Selbstachtung unserer deutschen Zeitgenossen zweifeln könnte. Die deutschen Juden haben für ihr Land und Volk Leistungen vollbracht, die dem deutschen Namen Ehre einbrachten.“ Der Biachof kam auch auf den Mord in Davos zu sprechen und sagte: „Die Tat war eine unheilvolle Torheit, die einen bösen Einfluß auf die ganze Situation haben wird. Der jüdlsehe Mörder geriet in eine traurige Verirrung, jedoch, unserer Meinung nach, sind letzten Endes die Urheber dieser Tat die gegenwärtigen Herrscher in Deutschland. Ich bin überzeugt, daß die Geschichte, wenn sie über das, heute in Deutschland vor sich geht, ihr Urteil sprechen wird, vorerst die heutigen Herrscher für die Gewaltäfcigkeit verantj wörtlich machen wird.“ | Der Bischof wies auf die solenne Ehrung des, Marquis of Reading im englischen Oberhaus hin und sagte, der Tribut hoher 1 Achtung, der Lord Reading gezollt wird, sei eine wirksame Antwort auf die Verleumdungen, denen Lord Readings Volk in verschiedenen Teilen Europas ausgesetzt ist. Der Bischof schloß mit einem Appell zur Fortführung der Rettungsaktion fUr die deutschen Juden. Der Erfolg der Mission Samuels Zionistische Vereinigung für Deutschland Der Delegiertentag der deutschen Zionisten ist nach dreitägigen Beratungen geschlossen worden. Zum Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wurde einstimmig Dr. Siegfried M o- 6'es wiedergewählt. Ferner setzte der Delegiertentag einen aus 72 Mitgliedern bestehenden Landesvorstand, einen dreizehngliedrigen geschäftsf ährenden Ausschuß, einen mit der Leitung der Arbeit innerhalb der Gemeinden beauftragten Gemeindeaussohuß mit Dr. Alfred Klee an der Spitze, ferner eine Reihe ständiger Kommissionen und ein Hauptehrengericht mit einem Ehrengedchfcsanwalt ein. Aufruf an die deutsche Judenhelt Der Dolegiertentag beschloß den folgenden Aufruf an die Judenheit in Deutschland: ,,Der XXV. Dolegiertentag dm ZVfD wendet sich mit einem brüderlichen Appell an die Judenheit in Deutschland. Das jüdische Schicksal in einer Zeit historischer Wende und Wandlung der gesamten jüdischen Lebensgrundlage, in einer Zeit, wo große Massen des jüdischen Volkes in Bewegung und Wanderschaft geraten sind und eine neue Form unserer Existenz aus eigener Kraft geschaffen werden muß, verlangt die Zusammenfassung aller jüdischer Energien für die Aufgabe der nationalen Erneuerung unseres Volkes, deren Krönung ein friedliches und kulturell schöpferisches jüdisches Nationalhoim in Palästina sein soll. Kein Jude darf heute abseits stehen, wenn es gilt, an der jüdischen Zukunft mitzuarbeiten. Nur eine starke und geschlossene Zionistische Organisation kann dieser geschichtlichen Aufgabe genügen. Durch den Anschluß an die Zionistische Organisation wird jeder, der zu uns kommt, nicht nur seinen Anteil an der großen jüdischen Schöpfung unserer Zelt leisten, sondern auch das beglückende Bewußtsein empfangen, daß es über alle Not der Judenfrage hinweg einen Sinn und eine große Zukunffcsperspektive im Leben dies jüdischen Volkes gibt. Das Wohl des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit ist unser höchstes Ziel. Darum rufen w!t alle Juden, in deren Herzen die Liebe zum Judentum nicht erloschen ist, zur gemeinsamen Arbeit, zur Einreihung in die von Theodor Herzl geschaffene Zionistische Organisation, die durch geeinte Kraft das jüdische Volk zu einem neuen Leben führt“ Jüdischer Kulturbund in Deutschland lahmgclegt Nach einer Meldung des Deutschen Nachrichten-Büros hat der Reichspropagandaminister Dr. Go ebb eie unter Hin weiß auf die Ermordung Gustloffe durch Frankfurter in Davos sämtliche Veranstaltungen des Reiohsverbandes jüdischer Kulturbünde in Deutschland bis auf weiteres verboten. Begründet wird diese Maßnahme damit, daß „etwaigen Zwischenfällen vorgebeugt“ werden soll. Durch das Verbot sind viele Hunderte jüdischer Künstler in ihrer Existenz getroffen worden. Die Veranstaltungen der Kulturbünde waren für die halbe Million Juden in Deutschland die einzige Zerstreuung. Gegen die Teilnahme am Heidelberger Universität«- jubiläum Aus London meldet die JTA: In einem von den „Times“ veröffentlichten Appell fordert der Bischof von Durham, Doktor H. Hensley Henson, die englischen Universitäten auf, der Einladung der Heidelberger Universität zur Teilnahme an der Feier ihres 550jährigen Bestehens nicht Folge zu feisten. Ehe die verantwortlichen Universitätsstellen beschließen, oh sie die Einladung annehmen, mögen sie sich gesagt sein lassen, daß die nichtakademischen Kreise der gebildeten Öffentlichkeit diesem Beschluß mit Besorgnis entgegensehen. Der Raaeenfanatteraus hat, so schreibt der Bischof, die deutschen Universitäten und he- Aus New York wird gemeldet'. Sfcr Herbert Samuel und Viscount Beareted haben nach Beendigung ihrer Beratungen mit den amerikanisch-jüdischen Führern über eine neue Rettungsaktion für die deutschen Juden die Vereinigten Staaten verlassen, während das dritte Mitglied der englisch-jüdischen Abordnung, Simon Marke, noch einige Zeit in USA verbleibt. Herbert Samuel gab auf einer Pressekonferenz eine Erklärung über das Ergebnis seiner Mission ia den USA ab und sagte, die Mitglieder der von ihm geführten Abordnung englischer Juden seien mit den Ergebnissen ihrer Mission zufrieden. Den deutschen Juden soll nicht durch Mildtätigkeit und zeitweilige Unterstützung, sondern mit konstruktiven Maßnahmen geholfen werden. Es sei keine Verbindung mit der deutschen Regierung hergestellt worden, aber es sei bekannt, daß die deutsche Regierung ihre Bereitschaft erklärt habe, Erleichterungen in der Arbeit für Berufsausbildung der Juden zu gewähren, falls man ihr eine Garantie dafür gebe, daß die auf diese Weise ausgebildeten Juden Deutschland verlassen. Wo Aussicht bestehe, daß die ausgebildete« Juden in Deutschland verbleibe« werden, werde sie diese Ausbildung nicht zulassen, Bezüglich des Transfers jüdischen Vermögens aus Deutschland bestehen keine Pläne, es sei den deutschen Juden überlassen, diesbezüglich ihre eigenen Arrangements zu treffen, Samuel wies auf die hohe Bedeutung hin, die Palästina in dem Rettungsplan zukommt. Trotzdem, fuhr Sir Herbert Samuel fort, befürchte er, daß die arabische Bevölkerung, die immer in der Frage der jüdischen Einwanderung eine Unruhe an den Tag legte, diese Unruhe auch gegenüber dem neuen Plan zeigen wird. Auf die Frage, ob Anstrengungen gemacht werden würden, um die strengen palästinensischen Ein wand erungegesetze zu mildern, erklärte Sir Herbert, für die Höhe der Einwanderung sei nach wie vordieAufnahmefähigkeit Palästina« maßgebend- Sir Herbert Samuel erklärte weiter, in Großbritannien werde die Aktion zur Aufbringung einer Million Pfund sofort edngeieltet werde«, ähnliche Aktionen werde man in Frankreich, Belgien und Holland durchführen. Der Drive zur Aufbringung der drei Millionen Pfund werde sich über vier Jahre erstrecken. Arbeitsschutz Siir Frauen und Kinder in Palästina Aus Jerusalem meldet die JTA: Eine Regie rungsverordnung hat die Schwerarbeit für Frauen und Kinder unter 16 Jahren verboten. Der arablsebe Streik in Palästina Aus Jerusalem wird gemeldet: Arabische Jugendliche versuchten am 4. Februar die Durchführung des zum Zeichen der Sympathie mit den arabischen Nationalisten in Syrien proklamierten Streiks su erzwingen. Hierbei wurden mehrere Jugendliche featgenommeu. Versuche, Straßendemonstrationen von Schülern und Studenten zu organisieren, wurden an drei Stellen von der Polizei verhindert. In J a I f a hat das arabische Streikkomitee einen Aufruf zur Solidarität mit den Syrern erlassen. Der Streik in der Stadt wurde voll durchgeführt. In Nabiu» lat die Straikparole streng emgehalteo worden. Bier kam es auch su Dank des englischen Gesandten an den Zionistischen Landesverband Der großbritannische Gesandte in Wien, Herr S e l h y, hat an Dr. Oskar Grünbaum das folgende Schreiben gerichtet: Englischo Gesandtschaft, Wien. 6. Februar, 1936. Herrn Präsident des Zionistischen Landesverband für Österreich. Wien, I., Ma.rc-Anrel-Straße 5. Sehr geehrter Herr Präsident! Ich anerkenne auf das wärmste Ihren gütigen Ausdruck der Teilnahme des österreichischen Zionistischen Landesverbandes aus Anlaß des tragischen Verlustes, welchen mein Land erlitten hat. Wollen Sie, bitte, meinen aufrichtigsten Dank entgegennehmen für die gütige Übermittlung der Kondolenz des Zionistischen Landesverbandes, welche ich an meine Regierung weiterleiten werde. Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung W. Selby. Unruhen, die Fenster des Gebäudes der Polizeietation wurden durch Steinwürfe zertrümmert. Im Dezember 4300 Einwanderer Aus Jerusalem meldet JTA: Offiziell wird mitgeteilt, daß im Dezember 1935 4312 Personen, davon 286 zur Kapitalistenkategorie gehörend, in Palästina eingewandert sind, (Die Einwanderung im Jänner 1936 wird bekanntlich auf 2100 geschätzt.) Laut „Paiestine Gazette“ wurden im Dezember 1935 295 Lizenzen an jüdische Arzte ausgegeben. Vermehrung der landwirtschaftlichen Produktion Aus Jerusalem wird une gemeldet: Eine eben erschienene Statistik läßt erkennen, daß die letzten drei Jahre eine namhafte Steigerung auf dem Gebiet landwirtschaftlicher Produktion ln Palästina mit sieh brachten. So stieg die Weizenproduktion von 44.000 Tonnen im Jahre 1933 auf 103.000 Tonnen im Jahre 1935, Gerste von 34.000 auf 68,000, Melonen von 20.000 auf 69.000, Durrha von 8800 auf 46.000, Sesam von 214 auf 6900 und Olivenöl von 270 auf 8818 Tonnen. Besonders lehrreich sind die Zahlen, die sich mit Tomatenanfaau beschäftigen. Hier etieg die angebaute Fläche von 22.865 Dunam mit einem Ertrag von 7978 Tonnen im Jahre 1931/32 auf 80.092 Dunam mit .14.535 Tonnen Frucht im Jahre 1934/35. Der Durchschnittsertrag pro Dunam stieg in diesen Jahren von 360 Kilogramm auf 483 Kilogramm, Dw mm golltarts Aus Jerusalem wird uns gemeldet: Die neuen Zollvorschriften, die eine stellenweise bedeutende Erhöhung der Zollsätze vorsehen, werden eich auf eine große Zahl von palästinensischen. Industrieunternehmungen günstig auswirken, so daß die Existenz von zumindest 57Q0 Arbeitern gesichert erscheint, Unter diesen Unternehmungen befinden sich bekannte Fabriken wie „Lodziah“, Eisengießerei Kraemer, Seidenfabrik „Mesehi“ und andere. Das Jerusalemer Radio Die Radiostation Jerusalem wird ihre Arbeit Ende Februar aufnehmen. Es wird fünf Stunden täglich gesendet werden, davon eine Stunde Hebräisch, eine Stunde Arabisch, eine Stunde Englisch, der Rest wird zu Übertraf gungen aus dem Ausland, besonders Ägypten, verwendet werden. Vorläufig aber wird die Station in Europa nicht gehört werden können. Palästina- und Orientreisende tun gut, wenn sie vor Ankauf der Sohiffakarten eich vom Reieebureau „IRUT“ informieren lassen. Sohiffakarten der bekanntesten Linien via Konstanza und Triest zu niedrigen Originalpreise« Im Reieebureau „IRUT“, Wien, I., Karlsplatz Nr. 1 (Eoke Kärutnerstraße), Telephon U 44-5-79. fU&d-Feie» und Ifasleut-Vodca# Wie bereite angekündigt, findet die Uerzl-Feier am Anlaß des vierzigjährigen Jubiläums von Hereis Buch „Der Judenstaal" Dienstag, den U. Februar, um präzise halb 9 Uhr abends, im Großen Musikvereinssaal statt, Orgelvortrag: Kapellmeister Siegmund Löwenherz. An diesem Festabend spricht J)r. Josef Kastein über das Thema: „Das Geschichtserlebnis des jüdischen Menschen.** Restliche Karten Im landeskomttee, Marc-Aurel-Straße 3, und an der Abendkasse.

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