Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 521 (7.2.1936)
- Date
- 1936-02-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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St. m - 7. Febrttaf 1080 DÜ STIMM! Seite 5 Warum verlangen Alle Die Mazzoth werden au* Feinstem Mehl erzeugt I Seit vielen Jahren genießen die »Schmldl-Mazzoth« das beste Renommee und werden von allen bevorzugt I AuF die Extfaqualitlt meiner Fabrikate „Marke Schmldl N. B." auf Mazzoth, Grieß und Farvel wird besonder aufmerksam gemacht. Auch beim Kauf von Mazzoth-Grieß wahren Sie Ihr eigenes Interesse und verlangen Sie ausschließlich Schmidl-Mazzoth-Grieß. Sdimidl-Mazzoth weil Sdimidl-Mazzoth In Geschmack und Qualität unübertroffen sind! Sdimidl-Mazzoth werden unter streng orthodoxer Aufsicht des ran üwz omnn -noa *\ov am hergestellt Zentrale: N. Brodetzky einschlägigen Geschäften erhältlich Iflliilllll! Telephon A 40-0-90, A 60-2-63 u. A 48-4-48 Der Wert des jüdischen Palästina für England Aus New York wird uns gemeldet: „Augur“, der bekannte englische Experte für Außenpolitik, hat in den „New York Times“ einen Artikel über die Bedeutung der jüdischen Siedlung in Palästina für das Prestige de«s britischen Reiches kn Nahen Osten veröffentlicht. Die jüdische Bevölkerung Palästinas sei ein Element, das d i e Sicherheit einer Basis für die englischen Luftstreitkräfte garantiere. Die palästinensischen Juden seien ein isolierter Vorposten Europa s in dem Meer der eingeborenen Bevölkerung Arabiens und, wenn man sie richtig behandelt, ein Element der Stärke für das Weltreich. Trotz der Obstruktion seitens der am Alten festbaltenden Beamten des englischen Kolonialdi e ns t es hätten die Juden eich als mannhaftes, sich vermehrendes Element an der Stelle festgesetzt, die das Nervenzentrum der Verbindungen des Reiches ist. Dies bedeute, daß die englische Luftflotte in Palästina das finden könnte, was sie im Irak, der als zentraler Punkt der Reiohsaktivität in Aussicht genommen war, nicht erlangen konnte: Sicherheit am Standort, So GRABSTEINE IN WÜRDIGE* FORM AUS 0 I N Wf RRSTÄTTCN WULKAM £> NEUBRUNN tu. RE NN WEG 110 - ST. MARX' SEIT i$Q2 sei Palästina vielleicht mit Cypern durch seine Lage und die Beschaffenheit seiner Bevölkerung dazu bestimmt, eine Säule der englischen Luftmacht im Nahen Osten auf dem Hauptweg nach Indien und den Besitzungen im Stillen Ozean zu werden. Die Spannung zwischen England und Italien habe die Politiker in London von der Bedeutung des Palästina- Mandats überzeugt. Palästina sei ein Aktivposten des englischen Reiches. Es biete das einzige Beispiel einer erfolgreichen, großzügigen europäischen Kolonisation nach dem Kriege. Der Erfolg des palästinensischen Unternehmens sei, wenn dies auch noch nicht von allen klar erkannt werde, ein Erfolg für Europa. Er trage dazu bei, das Prestige der weißen Rasse im Osten aufrecht zu erhalten. Unter dem Gesichtspunkt der Aufrechterhaltung dieses Prestiges wäre ein Mißlingen ein Unglück. Magen- und Darmstörungen, Anfälle von Leibweh, Stockungen im Pfortadersystem, Aufgeregtheit, Nervosität, Schwindelgefühl werden durch Gebrauch des natürlichen „Franz- Josef“-Bitterwasserfc behoben und viele Beschwerden des Alters günstig beeinflußt. Ärztlich bestens empfohlen. Ausnahmsgesetz in Palästina? Aus Jerusalem wird gemeldet: Mit Rücksicht auf die allgemeine Lage im Nahen Osten und die Verhältnisse in Palästina bereitet die Palästinaregierung ein neues Gesetz für die Bereitstellung von Verteidigungsmitteln in Palästina für den Notfall vor. Da.s Gesetz soll als „Palästina-Verteidigungsgesetz 1936“ bezeichnet werden. Es handelt sich im Grunde um eine Erneuerung des 1923 zur Zeit der arabischen Demonstrationen erlassenen Gesetzes, durch das die Regierung Vollmacht erhielt, innerhalb von vierundzwanzig Stunden den Ausnahmezustand zu verkünden und die strengste Pressezensur einzuführen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Gesetzes ist noch nicht bestimmt. Man rechnet jedoch mit seiner baldigen Inkraftsetzung. Die Administration hat eine Registrierung aller ständig in Palästina wohnenden britischen Staatsangehörigen eingeleitet. Wie es heißt, sollen die britischen Staatsangehörigen zu einer Sonderpolizeitruppe zusammongefaßt und im Notfälle eingesetzt werden, wie dies anläßlich der Unruhen in Palästina im Jahre 1929 der Fall war. J[b heute > JöcutscheÜersion französische Uriginaßfass uhq. •iMriv. I. irhummauhaMnTsvi Neuer Handelsvertrag mit Syrien Am 1. März wird zwischen Palästina und Syrien ein neuer Handelsvertrag unterzeichnet, der gewisse Änderungen des bisher bestandenen enthält. Die jüdischen Wirtschaften forderten einen besonderen Schutz ihrer landwirtschaftlichen Produkte, insbesondere der Gemüse, die durch die syrische Konkurrenz in großer Gefahr sind, da in Syrien einige tausende Duna ausschließlich mit Gemüsen zum Export nach Palästina bepflanzt werden. Überdies wird auf den Schaden hingewiesen, den die palästinensische Bananenkultur durch den syrischen Import erleidet. Nach Palästina zu Purim Billige Gesellschaftsreise mit oder ohne Verpflegung, Ausflüge im Lande, nach Ägypten und Syiien unter bewährter Führung Mäßige Preise ab.... S 450'— Nähere Auskünfte bei Dr. S. Tocker im Reisebüro „ln die Well“ (W. M. Renner), Wien, IX., Liechtensteinstraße 2, Tel. A 14-504 Die syrischen Unruhen und Palästina Aus Jerusalem wird uns gemeldet: Die Ereignisse in Syrien beginnen sich mählich in Palästina auzuwirken, indem von national-arabischer Seite eine starke Agitation getrieben wird, die Solidarität der palästinensischen Araber mit den Opfern der Zusammenstöße in Syrien durch Streiks auszudrücken. Nach einer Versammlung der Istiklalisten in Schohem kam es zu einer Straßendemonstration, die bis Mitternacht dauerte. In Amman wurde ein eintägiger Proteststreik' proklamiert und Protesttelegramme gegen das Vorgehen der Franzosen an die arabischen Könige und an den Völkerbund gerichtet. Auch die palästinensischarabische Presse bemüht sich, einen Sympathiestreik in Palästina hervorzurufen und weist darauf hin, daß in Syrien im Jahre 1933 mehr als vierzig Protestversammlungen gegen die Vorgänge in Palästina stattfanden. Je saftiger die Orangedesto besser ist sie! Verlangen Sie daher ausdrücklich Jaffa- Orangen. Diese prächtige Frucht, so groß, so Büß und voll Saft, kommt aus den sonnigen Orangenhainen des Heiligen Landes. Der Saft der Jaffa-Orangen wirkt vorzüglich auf den ganzen Organismus — erhält Sie frisch, kultiviert Ihren Teint und verleiht Ihnen neue Lebenskräfte. Ueberzeugen Sie sich, daß die Sonne, der Boden und das Klima von Palästina die schmackhaftesten Orangen, die Sie je gegessen haben, hervor bringen. Verlangen Sie daher stets Jaffa » Orangen und Grapefruit sind saftiger Produkt aus Palästina. Dr. Franz Kobler: Josef Kasteius „JUeodes" Von Josef Kasteins geschichtlichem Werk 1 lieferung und oft spärliohstem Bericht erwuchschwingt eine mächtige Welle seelischer Ersen derart neben seiner Geschichte der Juden schiitterung durch die jüdische Welt. Denn in die Bücher von Uriel da Costa, Süßkind von seiner Beschwörung des Vergangenen ist mehr I Trinnberg und Sabbatai Zewi, die Tragödien als die Entschleierung* geschichtlicher Gej der Gesinnung, der Heimatlosigkeit und dos hoimnisse, mehr als erregende Sichtbar-1 Messianismus, in welchen die Versuchungen, die machung versunkener Geschicke. Ein Bogen! Leiden und Sehnsüchte der Galuth aufgefanwird hier gespannt von Gewesenem zu Wergen sind. deiidem, von Gesehenem zu Erschautem. In Diesen* Galuth-Trilogie läßt nun Kastein die Wegweisung steigert sich der Rückblick, in J Geschiohte des Königs Herodes folgen, die aufrüttelnden Anruf der Bericht. Gegenwart und Zukunft sind in die Folge dieser Gesiohtsbildor einbezogen, die, gespannt und pulsiorerid wie das Leben selbst, unmittelbar darin oinmünden gleich einem befruchtenden Strom. „Das Bekenntnis zur Geschiohte eines Volkes als zur Summe seiner Erinnerungen ist ein Akt der Entscheidung“, stellt Kastein in seinem letzten Buch fest, das, wie jedes seiner früheren Werke, den Loser vor solche Entscheidung stellt. Um dieses Bekenntnisses, dieser Entscheidung* willen, nicht zur Befriedigung geschichtlicher Neugier, holt Kastein aus den tiefen Schächten dor Vergangenheit Gestalt naoh Gestalt hervor, wählt er als Stoff für seine formende Kraft Sein und Schicksal j jener, die an den Grenzscheiden jüdischer j Geschichto standen, ja, die seihet zu Grenzzeichen dieses weitesten Landes wurden, Aus Überj! Geschiohte also einer Begebenheit aus der Zeit vor der großen Diaspora, zudem die Geschichte eines Halbjuden, eines fremden Königs, wie der Untertitel des Buches sagt*). Das Ferne, das Andersartige, läßt dennoch die innere Verwandtschaft mit den Stoffen der früheren Werke unberührt. Denn auch in diesem Buch geht es um einen großen geistigen Grenzstreife, und Herodes, der Idumäer, der König Judäas aus nichtjüdischem Gesohlecht, steht hier als Symbol des verhängnisvollen Einbruchs einer fremden Welt in den jüdischen Bereioh. Anderes hat Kastein, den jüdischen Historiker, an dieser Gestalt gelockt, als Hebbel, den deutschen Dichter. Friedrich Hebbel hat dem auf „dampfendem, vulkanischem Boden“ ste-!li) Josef Käst ein, Herodes, Die Geschichte eines fvomden Königs. 1936. R. Löwit Verlag, .Wien und Jerusalem. henden, fiebernden Herodes den überlegenen Adel Mariamnens gegenübergestellt, aber für Kastein ist weder Mariamne, dor letzte große Sproß aus dem Makkabäer-Geschlecht, noch irgend eine andere der zahllosen Gestalten, die in diesem menschenverzehrenden Schauspiel auftreten und verschwinden, der Gegenspieler des Königs — außer dem jüdischen Volk. Noch lebt das Gesohlecht der Priester, die einst das Volk zur höchsten Erhebung emporgefübrt haben, aber in den hundert Jahren, die seit dem Tage der Tat des Mattathias verstrichen sind, haben sich die glaubensstarken Makkabäer in sadduzäisohe Hasmonäer verwandelt, und „was Makkabäer gebaut haben, können Hasmonäer vernichten“. Der Geist des Heidentums, um dessen Überwindung willen sie aufgestanden waren, herrscht im Lande. „Das Fremde“ betitelt Kastein den ersten der beiden Teile, in die sein Werk gegliedert ist. Hier wird über den Hellenismus Gericht gehalten, sein Antlitz, das er in den letzten zwei Jahrhunderten vor der heutigen Zeitrechnung dem vorderen Orient darbot, mit der Ersoheinung des Judentums konfrontiert und das Urteil gefällt. Es lautet, ohn jeden Vorbehalt: zu leicht befunden. Kastein sieht die hellenistische Welt dieser Zeit „aiufgerissen zwischen einem Individualismus, der keine Ge meinscliaft formen kann, und einem kollektivistischen Gebaren, hinter dem die uneingostandene Hoffnung steht, aus der unfruchtbaren Freiheit, sioh in die Gebundenheit einer größeren Gemeinschaft zu retten; zwischen lautem Pomp, der Welt zugewandtem Schmuck und Dekorum, und einer v eltabgowandten, der Mystik ausgelieferten Stille; zwischen Orgie und Askese; zwischen Vielgötterei und. Monotheismus“. Übereinstimmend mit diesem seelischen Tatbestand ist nach Kasteins Urteil auch die politische Grundhaltung der Epoche — Verfall: „diese hellenistische Welt hat die Einheitsidee des großen Alexander verstiim-i melt, um daraus despotische Einzelleistungen zu macheu.“ Wie Judäa nach der erlösenden Tat der Makkabäer durch die Untreue ihrer Nachfahren dieser Welt ausgeliefert wurde, wie iu unentrinnbarer Folge hievon die „unterirdische Dynastie“ der idumäischen Antipatriden die Hasmonäer verdrängt und wie in Herodes der Mörder der letzten Hasmonäer den Thron besteigt — das wird von Kastein im ersten Teil seines Werkes in überwältigender Steigerung dargestellt. Der zweite Teil „Der Fremde“ zeigt die Vollendung dieses von hunderten aus ihm hervorbrechenden Toden begleitenden Lebens. Gowalt und Lüge sind die „Fundamente“ — so nennt Kasteln das Einleitungskapitel des zweiten Teiles —, auf welchen die Herrschaft des Mannes ruht, der, vom jüdischen Volk durch ein Gebirge von Verachtung geschieden, däs Land der Theokratie, das Reich der die Gerechtigkeit Gottes kündenden Propheten fn eine von Roms Gnaden abhängige Despotie verwandelt. Mit. unerbittlicher Sachlichkeit, streng und iir großen Freskostrichen, die fürchterlichsten Geschehnisse oft nur in knappen Nebensätzen vermerkend, zeichnet Kastein die nach einem treffenden Worte Hebbels „trotz ihrer dokumentarisch naclmnveisenden Richtigkeit unglaublich und unwahrscheinlich