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Die Stimme · 1936-02-07 · Heft 521 (7.2.1936) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 521 (7.2.1936)
Date
1936-02-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 521 — 7. Februar 1036 Oll STIMMI m Seite l Chamischa ässar Bischwat ■ Der fünfzehnte Tag des Monats Schwat (Jänner bis Februar) ist das „Neujahr der Bäume“. An diesem Tag wurde im alten Israel die Festsetzung des Maassers (Zehntsteuer) von den Baumfrüchten und des „Zehnten für die Armen“ beendet. Dieser Tag war zugleich Beginn der Neupflanzung von Bäumen. ln der neueren jüdischen Volksüberlieferung gilt der 15. Schwat auch als „Tag des Gerichts“ für die Bäume, mit ähnlicher Bedeutung wie der Jom-Kippur für die Menschen. Im heutigen Palästina wird das Fest mit neuen Formen, insbesondere als Fest der Kinder gefeiert. Es ist der Tag der Neupflanzungen. So werden an diesem Tage auch viele Bäume, die von Juden aus aller Welt gespendet wurden, vom Kerem Kajemeth Lejisrael durch die palästinensische Schuljugend angepflanzt. Dr. E. Meyers Bäume in Palästina Zu Chamischa Assar Bischwat Wqr glaubt, als Charakteristikum des Landes die Palme zu finden, der irrt sich gewaltig. Der Baum, der das Land beherrscht, ist zweifellos die seit Jahrtausenden am Mittelmeer heimische Olive. Sehr passend vergleicht der Araber sie mit der Beduinin, weil sie, wie diese, „überall“ lebt. Denn sie gedeiht in der Ebene ebensogut wie im Gebirge und ist ebenso widerstandsfällig, wie die Frau des herumstreifenden Nomaden. So gilt sie als Symbol der Kraft — die Araber sagen „Butter für die Schönheit, aber öl für die Stärke“ —, was durchaus seine sachliche Berechtigung hat. Denn nachgewiesenermaßen decken die Einbeimsiehen den größten Teil ihres Bedarfes an Kalorien durch den Genuß von Oliven, beziehungsweise öl, das sie in den verschiedensten Formen zu sich nehmen. Wer die arabischen und jüdisch-orientalischen Lastträger tagaus tagein die unvorstellbarsten Gewichte hat schleppen sehen, der wird Respekt bekommen vor der Kraft, die diese dem Europäer zunächst gar nicht sehr behagende Olivennahrung verleiht. Übrigens sagt man über Neueinwanderer: erst wem die Oliven gut schmecken, der kann als heimisch gelten; aber viele brauchen Jahr und Tag, ehe sie sich an diese Frucht gewöhnen. Kein Wunder, daß die für das Land wichtigste Pflanze seit Jahrtausenden als heilig angesehen wird und eine große Rolle in den drei hier sich treffenden Religionen spielt. Das „Salbe n“ mit öl, das in einem so heißen Land als Hautschutz zweifellos von größter gesundheitlicher Bedeutung ist, haben sie alle drei ebenso gemeinsam wie die „ewige Lampe“, die mit öl gespeist wird. In unserer alten Literatur wird der Olive häufig Erwähnung getan. Wir finden in Midrasch und Talmud manche Aussprüche, in denen der öibaum oder seine Frucht als Gleichnis herangezogen werden. So erklärt der Midrasch die Worte im Pentateuch: „In ihrem Munde hielt sie ein frisches Ölblatt...“ wie folgt: Die Taube sprach zum Heiligen, gelobt sei Er: Herr der Welt, lieber sei meine Nahrung bitte wie die Olive, aber aus Deiner Hand, denn süß wie Honig, aber aus Menschenhand. — Ein anderer Ausspruch lautet: „Worin gleicht Israel der Olive? Wie die Olive ihre Blätter nicht verliert im Sommer und auch nicht zur Regenzeit, so wird Israel weder in dieser noch in jener Welt der Vernichtung anheimfallen.“ Im Talmud heißt es: „Wer öl im Traume sieht — darf auf Erleuchtung durch die Thora hoffen. Wer eine Olive sieht, ilhm ist guter Name gewiß. Wem aber die Krone eines Olivonbaumes im Traumo vor Augen steht — Ruhmesglanz ist ihm sichor.“ Leider sind bisher die Anzeichen nicht allzu zahlreich, daß der Neuankömmling von heute dio Eigenart des Landes zu begreifen sich bemüht. So beweisen gerade dio Bauin- Beh konz Realbüro Ing. M. Mühlbauer Kau| und Verkouj von Realiläfen, Hypotheken I.. II. und III Sätze, Bau* und Zwisdienkredile Gebäudeverwaltung ★ Büro i Franz-Jo$e|$-Kal 11 lei. R-2Ö-0-44 Wohnung s II.. Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 Pflanzungen in vielen Gärten der Neueinwanderer, daß man sich wenig den Kopf über die einheimische Flora zerbrochen hat, sondern einfach durcheinander pflanzt, was aus allen Erdteilen in. diesem gesegneten Klima gedeiht. Es ist tröstlich, daß neuerdings die Führer jüdischer Erziehungsanstalten und Fach instiitute (vor allem der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Rechoboth) den größten. Wert auf Erforschung und Berücksichtigung der „mediterranen Flora“ legen und sich ihr mit größter Liebe zu wen den. Wer in anderen Ländern den Erfolg einer Jugenderziehung miterlebt hat, die Vertiefung der Volks- und Heimatkunde planmäßig in den Mittelpunkt stellte, wird den hervorragenden Wert solcher Bestrebungen für die Entwicklung eines echten Heimatgefühles zu schätzen wissen. Unter den echten „mediterranen“ Bäumen stehen neben der Olive als Nadelbäume die Kieferarten, von denen am bekanntesten wohl die Pinie und am wichtigsten für die Wiederaufforstung Palästinas die Aleppokiefer »st, auch Jerusalemkiefer genannt. Sie hat mit der Olive gemeinsam die Genügsamkeit bezüglich Boden- und klimatischen Verhältnissen, denn sie wächst nahezu überall, wo überhaupt etwas wachsen kann. Dank ihres in den KalkfeLsen selbst tief eindringenden Wurzelsystems und ihres sparsamen Wasserhaushaltes nimmt sie mit der allergeringsten Schicht Humus vorldeb. Was das in diesem Land bedeutet, kann nur der ermessen, der es gesehen hat und sich erschüttern ließ von der überwältigenden Tatsache Stein, Stein, Stein — oft viele Stunden Autobusfahrt hintereinander nichts als Stein, soweit das Auge reicht! Was es hier heißt, statt Steinen Brot zu schaffen, dessen erster Anfang ja der Humus ist, das kann man so recht sich vorstellen, wenn man durch das einzige Waldtal -von Jerusalem fährt. Da ist schon eine ziemlich lange Strecke aufgeforstet auf den felsigen Abhängen rechts und links der Straße, teils durch die Regierung, teils durch die Vereinigung ,,Men of the Trees“ (die sich daß erfreuliche Ziel der Baumanpflanzung auf der ganzen Erde gesetzt hat), teile durch den Jüdischen Nationalfonds. Wer nur ein einzigesmal an . dieser Stelle vorbeiluhr und ©ich ausmalte, wie dieser Jungwald mit seinen jetzt so zartnickenden Gräsern und lieblichem Unterholz in 20 Jahren ausseken wird — der kann nur den Hut ziehen vor diesem ebenso kühnen wie gelungenen Versuch und kann nur einen Wunsch haben: Geld, Geld und Geld möge gestiftet werden, damit der ganze gebirgige zu anderen Pflanzungen ungeeignete Teil des Landes durchzogen werden könnte von solchen grünen Oasen, solchen schattigen Ruhestätten für Mensch und Tier. Schatten — was bedeutet daß hier —■ keineswegs nur Annehmlichkeiten, auf die zu verzichten man als Pionier des Äufbaus eines verwüsteten Landes seine Pflicht kennt — nein, an wichtigsten Werten eben gerade für die Weiterentwicklung solchen Aufbaus! Mit Recht ist schon vor Jahren in einer Propagandaechrift des Nationalfonds darauf hingowicßen worden (der Aufsatz heißt „Mehr Bäume, mehr Schatten, mehr Schönheit“), daß die Baiumpüanzungen vor allem aus nationalhygienischen Gründen viel, viel mehr unterstützt werden müßten. Denn ,,Schatten für den Arbeitenden, Schatten für den Rastenden, Schatten für spielende Rinder bedeutet in diesem Land, das acht Monate von der Sonne regiert wird, eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Volkßgesundiheit. Es lohnt, einen Blick auf die Entwicklung zu werfen, die die Arbeit des Nationaifonds im letzten Jahrzehnt durchgemacht hat. Nur wenige eindrucksvolle Zahlen mögen selbst sprechen: Der Verlust an Jungbäumen betrug bei den Pflanzungen vor dem Krieg 40 bis 50%, jetzt höchstens 8%. Die vom Keren Kajemeth aufgeforstete Fläche war: im Jahre 5685 (1925) 2423 Dunam, im Jahre 5690 (1930) 4971 Dunam, im Jahre 5694 (1933) 6913 Dunam. In den Wäldern des Keren Kajemeth wachsen: Fichten . . 1,189.808 Eukalyptus . » 130.346 Zypressen . « 66.310 Kasuarinen . . , 63.261 Verschiedene . . 187.294 Zusammen . . . 1,637.019 Bäume Von den 60 vorhandenen „Hainen“ entfallen 11 auf österreichische Spender und von den Es "ist ein schöner und klarer Tag. An einer Ecke der Hauptstraße ßteht edn alter Mann, der vor kurzer Zeit aus der GoLah ins Land gekommen ist. Dort hat er in Büchern gelesen, daß die Kinder in Erez Israel stark und gesund seien, fröhlich und voller Lebenslust. Als er nach Jerusalem kam und von den Festen der Jugend am 15. Schwat hörte, freute er sdoh sehr. Er hoffte, daß er sie nun sehen würde, die Kinder: schön, ßtark, gesund und hochgewachsen. Die Minuten waren ihm wie Tage verstrichen, und die Tage wie Jahre. Endlich nahte jedoch das Fest der blühenden Bäume heran. Der Greis ist gekommen, um sich den Umzug anzuschauen, und wirklich, da sieht man schon die erste Fahne, von drei großen Knaben getragen. Sein Herz beginnt vor Freude mäohbitg zu schlagen. Der Zug nähert sich immer mehr. Hinter der ersten Fahne schreiten viele Kinder — alle vor Freude singend. Da denkt er an seine Kindheit, am dos Neujahrsfest der Bäume in seinem kleinen Heimatstädtchen, an seine Kameraden — sie waren nicht so lustig, und solche Feiern, solche Freiheit hat man ihnen nicht gegeben. Der Rabbi pflegt seine Schüler mit zornigen Blicken anzusehen, und jede überflüssige Bewegung, die sie machten, wurde ßofort getadelt. „Wenn all unsere Brüder hieher kommen würden“, denkt er bei sich, „könnten sie sich alle über die Freiheit freuen, die man den Kindern Erez Israels gibt.“ Gesang weckt ihn aus seinen Gedanken, musizierenden Schulkindern im Zug. Der Gesamgt macht sein Herz weit, und er geht mit kleinen Schritten wetteifernd neben den Marschierenden her. Er marschiert eine Strecke mit, und plötzlich sieht er, daß die Kinder an ihm vorbeiziehen, er verstärkt seine Anstrengungen — aber vergebens: seine alten Beine halten es nicht mehr aus. Er setzt sich auf einen Stein, seine Augen ruhen auf den Kindern, und sein Schmerz läßt nach, als er eicht, daß der Zug noch immer nicht zu Ende geht. Viele Kinder sind es, der Aufmarsch ist lang, prächtig geschmückt, lärmend, voll Fröhlichkeit; es vergeht eine halbe Stunde, alle sind schon vorbei, und er blickt mit Tränen in den Augon den letzten Kindern nach und spricht: „Was gäbe ich darum, wenn ich wieder ein Kind und so lustig wie ihr sein könnte.“ Eva Birmanin, 6. Klasse, Bebh Hafoarem. Das Neujahrsfest der Bäume war herangekommen, und au diesem Tag, wißt ihr, stehen alle Bäume des Waldes vor Gericht. Der Mandolbaum. hüllt sich im seinen Tallis und singt Lobpreisungen, Die Fichte sagt: 1404 „Gärte n“ (zu je mindestens 100 Bäu-! men) sind 276 von Österreich gestiftet worden, während sich der Rest auf alle übrigen Länder der Welt verteilt. Mitteleuropa hat hier aleo offensichtlich die Führung, weil seine Bewohner durch ihre bisherige Heimat am stärksten ihren „Baumverstand“ entwickelt haben. Es fehlt nur noch, daß ©ie sich dieser Tatsache voll bewußt werden und planmäßig an die Spitze stellen beim W erben für die Wi oderaufforetung des Heiligen Land e sl Eines der schönsten Feste, das durch alle Jahrhunderte besonders stark den Zusammenhang der Menschen im Ga.luth mit ihrer einstigen Heimat zum Ausdruck kommen ließ und das heute in Erez Israel eindrucksvoll gefeiert wird, ist• das Neu-! jahrefest der Bäume am 15. Schwat! Möge es in diesem und allen folgenden Jahren Anlaß sein, daß mit erneuter Intensität gesammelt wird für dio Anpflanzung von WaldJbäumen; mögen alle, die obiges gelesen haben, es weitergeben und in- und außerhalb Palästinas werben für die Parole: Jederstifte alljährlich wenigstens einen Waldbaum für die Aufforstung Erez Israels durch den Jüdischen Nationalfonds! „Uv’chen ton Paohdoho.“ Alle Bäume stehen still, sie regen und rühren sich nicht. Alle fürchten sich vor diesem zornigen Tag, dem Tag, der da kommt, sein Urteil über sie zu sprechen. Der Mandelbaum sieht so aus, als ob er von Ort zu Ort hüpfen wollte, und ich, ich gehe nach Haaise, frühlich, weil ich weiß, daß wir heute ein Fest feiern werden. Schau nur, die Mamdelbäume mit weißfcnospenden Blüten, — die Bäume haben ihre Prachfcgewänder angezogen, und in den Zweigen hört mau das jubelnde Gezwitscher der Vögel. Da erhebe ich meine Augen und sehe eine Wolkenwand am Himmel -heraufziehen. „Werden diese Wolken es wagen, uns unser Fest zu zerstören?“ dachte ich. Immer wieder lief ich auf die Straße hinaus, um zu sehen, ob die Wolken schon verschwunden seien oder nicht. So oft ich sie vorbeiziehen sah, hüpfte ich vor Freude, und es schien mir, als ob die Wolken, die ich anfangs als Unglücksboten angesehen hatte, ihren Mund auf täten und sagten: „Wir kommen nicht, um eure Freude zu zerstören. Du brauchst keine Angst haben.“ Und noch nachts im Bett konnte ich nicht einschlafen, denn ich bangte für den morgigen Tag. Der Morgen dämmerte, und die Sonne schickte ihre Strahlen durch mein Fenster, loh erwachte und lief in die Schule. Als ich in unseren Schulhof kam, traf ich schon geschmückte und schön gekleidete Kinder. Bald darauf ertönte die Glocke, und alle stellten sich nach Klassen in Reih und Glied auf. Nach langem Hin und Her verließen wir unseren Schulhof und gingen in den Hof der Lemei-Sohule, dem Treffpunkt aller Schulen. Männer und Frauen, Greise und Kinder waren dort am frühen Morgen zusammengekommen, um die geschmückten Schulkinder zu sehen. Die Gassen waren von Menschen überfüllt. Die Bewegung in deu Straßen wuchs, und wir waren bald außerhalb der Stadt. Von weitem sah man Felsen und Schluchten, ioh schaute zum blauen Himmel hinauf und zu den bunt gefärbten Bergen. Dio Zaiil der Schüler und Schülerinnen war sehr groß- Alle Leute schämten zu, und eine festliche Stimmung ruhte über uns. Als wir nach Beth-Hakerem kamen, machten wir eine Raet und verzehrten den Proviant, den wir mitgenommen hatten. Nachdem wir so unßenen Tag froh und zufrieden verbracht hatten, ordneten wir uns und kehrten in die Stadt zurück. Dort trennten wir uns und gingen nach Hause. Hoffentlich können wir auch im nächsten Jaihr das Fest der Bäumo ebenso schön feiern. Arjeh Kolm; Friedknski. Schüleraufsatze aus Erez Israel

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