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Die Stimme · 1936-02-07 · Heft 521 (7.2.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 521 (7.2.1936)
Date
1936-02-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 DIS STIMM! Nr. 521 — 7. Februar 1930 Kaufet Lose zu 1 Schl ling der 2458 Treffer im Werte von S S0.000* in allen Trafiken erhältlich Ziehung: 15- Februar 1936 37. Millionen Dollar fiir Palästina New York, 3. Februar. (Z. T. A.) Die soeben in New York zu Ende gegangene Nationalkonferenz der Vereinigungen für Palästina-Aufbau (United Palestine Campaign) beschloß einmütig, dreieinhalb Millionen Dollar für Palästina aufzubringen, ein Teil des Fonds ßoll zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina verwendet werden. Die Konferenz beschloß ferner, den Boykotdeutscher Waren und Dienste aufrecht zu erhalten. Palisflnafreunde veranstalten zu Purim 1936 (5696), eine Reise nach Ei*<£Z. Abfahrt 27. Februar. Unverbindliche Auskünfte erteilt G. Wittlfn, Wien, II., Aspernbrückengasse 2 (R 43.500) täglich von 9 bis 1 Uhr (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag). Im Jänner 2100 Juden nach Palästina Aus Jerusalem wird gemeldet: Nach vorläufiger Schätzung sind im Monat Jänner 1936 2100 Juden als Einwanderer nach Palästina gekommen. Im Jänner des Jahres 1935 waren laut amtlicher Feststellung 4336 Juden zu ständigem Aufenthalt nach Palästina gekommen. Antiquariat S. Rubinstein II., Aspernbrllekengssse 3, Tel. R 45-0-57 Moderne Literatur, Hebraica, Judalca Weizmamn fährt nach England Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß sich Dr. Weizmann in kurzem nach Europa begibt, um den Kampf gegen die Politik der Mandatsregiorung persönlich zu führen. HEBRÄISCHER LEHRER(IN) wir 1 in ein besseres Haus gesucht. Perfekte Hebräer(innen) geben Offert mit Gehaltsanspruch an Adr. R. Sternfeld, Koprivnica, Jugoslavien. Normale Amtsführung in der Kultusgemeinde Vom Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde Wien wird mitgeteilt, daß durch die Resignation der der „Union österreichischer Juden“ angehörenden Mitglieder des Kultusvorstandes eine Besehlußunfähigkoit des Kultusvorstandes nicht herbeigeführt wird, und daß die Verzichtleistung der erwähnten Mandatare eine Unterbrechung in der Amtsführung der Kultusgemeinde nicht zur Folge hat. Jüdischer Hochschulausschuß, IX„ Alerstraße Nr. 26. Dienstag, den 11. Februar, um 20 Uhr, spricht irn Chajcß.saal des Zentralheimes Dr. Emamifd Keller über „Jüdische bildende Kirnet“ (mit Lichtbildern). Gäste willkommen! Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Wien, IX., Otto Wagnerplatz Nr. 5 - Frankhplatz Nr. 3 Verabsäumen Sie es nicht, in jedem Rechtsstreit sich gegen die Prozeßkosten zu versichern Nähere Auskunft über unsere Prozeßkosten- Versldierung erteilt Ihnen Ihr Rechtsanwalt Kontingentierung des Geistes Von Bruno Heilig Mau muß sich also wieder mit einem Problem befassen, von dem man gern angenommen hätte, daß es in einem Land von kulturellem und geistigem Selbstbewußtsein endgültig erledigt ist. Warum hat Staatsrat Kunsehak seinen Entwurf eines Judengeeetzes, den er vor Jahren Seipel vorgelegt hat, jetzt in die Öffentlichkeit gebracht? Meint er oder meinen die Kreise, die hinter ihm stehen, daß die Zeit günstig wäre für seine Verwirklichung? Es herrscht in der letzten Zeit lebhafte Bewegung ira antisemitischen Lager. Von verschiedenen Seiten kommen die Aktionen, scheinbarunabhängig voneinander, aber zweifellos doch aus einer gemeinsamen Quelle stammend. Was will man? Was hat man vor mit uns? Man liebt es, die Judenfrage als allgemeines soziales Problem aufzuziehen und behauptet-, gewisse Mißstände im sozialen Leben eines Landes fänden ihre automatische Lösung, wenn man für die Juden gewisse soziale Schranken errichte. Es ist mit der „Lösung“ der Judenfrage, wie die Antisemiten sich sie -vorstellen, natürlich nichts gelöst. Aber eine Beziehung hat der Antisemitismus doch zu den großen sozialen Problemen. Er taucht nämlich immer dort auf, wo man in Verlegenheit ist. Der Grad der Judenverfolgung ist oft geradezu ein Barometer der herrschenden allgemeinen Schwierigkeiten. * Die Verfechter -des Numerus clausus sollen sich doch einmal folgendes Exempel ausrechnen: Es leiden hundert Prozent der Bevölkerung eines Landes unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten und man geht her und macht drei Prozent dieser Bevölkerung das Leben schwer oder unmöglich. Was können die siebenundneunz-ig Prozent davon haben? Die Rechnung kann jeder im Kopf machen, man braucht dazu weder sozialpolitische Wissenschaft noch sonst besonderes Können. Es ist ein groteskes Mißverhältnis, aus dem sich jede Antwort von seihst ergibt. Man könnte unsere Gegner auch auf reiche Tatsachenerfahinmgen verweisen. Es stehen einige Jahrhunderte zu diesem Zweck zur Verfügung. Es gehört ja mit zur Tragik des Judentums, daß es immer nach demselben Rezept verfolgt wird, daß man seit zweitausend Jahren immer dasselbe macht, daß nie jemand einen Nutzen aus unserer Verfolgung gehabt hat, und daß man doch immer wieder auf das, was so oft versagt hat, zurüokgreift. Wo soll man anfangen mit der Aufzählung der Versager des Antisemitismus? Bei Spanien, beim mittelalterlichen Deutschland? Man hat die Juden jahrhundertelang aus jeder geregelten wirtschaftlichen Betätigung ferngehalten, man hat sie aus dem Land getrieben: Ist es den Nichtjuden darum besser, gegangen? Wo man mit den Juden am gründlichsten aufgeräumt hat, in Spanien, ist der allgemeine wirtschaftliche und soziale Zusammenbruch-gefolgt. Eß ist nicht wichtig, ob ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Judena-ustreibung und dem Zusammenbruch des Landes besteht. Wichtig ist hier nur die Tatsache, daß der Zusammenbruch erfolgt ist, eine Tatsache, die jedenfalls das eine beweist, daß man nichts davon hat, auch wenn man den Juden alles nimmt. Aber wir haben ein lehrreiches Beispiel auch unmittelbar vor Augen. In Ungarn gibt es seit dem Jahre 1920 den Numerus clausus. Es ist bekannt, daß Ungarn zu den ärmsten Ländern Europas gehört.. Wieder soll nicht behauptet werden, daß der Numerus clausus die Verarmung zur Folge gehabt hätte, es sei nur festgestellt, daß die Niohtjuden Ungarns nichts vom Numerus clausus haben. Ihre Intelligenz sieht auch nach der Ausschaltung der Juden aus den akademischen Berufen einer trostlosen Zukunft entgegen. Der Numerus clausus ist sinnlos. Aber er ist, wenn man ihn bis in seine letzten Konsequenzen durchdenkt, ein vermessenes Attentat auf höchste Güter der Menschheit. Wie können Menschen es wagen, einen derartigen Eingriff ln den empfindlichsten Bezirk menschlicher Betätigung zu machen? Es ist ein Eingriff in das Walten der Vorsehung. Diese Behauptung ist keine Übertreibung. Wer kann denn wissen, welche Begabungen dem Numerus clausus zum Opfer fielen? Wir wollen uns hier nicht auf besondere Begabungen des Judentums berufen, wir wollen uns auch nicht etwa darauf berufen, daß das eine Prozent der reiohsdeutschen Juden immerhin flinfunddreißig Prozent der deutschen Nobelpreisträger gestellt hat. Es darf der Entwicklung der Begabungen nie und nirgends und auf keinem Gebiet ein Hindernis in den Weg gelegt werden. Die Vorsehung schenkt der Menschheit geniale Menschen. In allzu großer Zahl sind sie nicht vorhanden. Die Vorsehung wählt nicht die Nationen aus, aus denen sie die großen Geister erstehen läßt. Sie sind überall vorhanden. Damm darf keine Nation aus dem Wettstreit der Begabungen ausgeschaltet werden. Es gibt noch viel ungelöste Probleme in dieser Welt. Wie können es Menschen wagen, den Kreis derer einzueugen, die berufen sein sollen, sich um die Lösung der Probleme zu bemühen? Kein einziger Mensch darf aus der geistigen Betätigung ausgeschlossen werden, weil ma,n nie wissen kann, welche unersetzlichen Werte man damit zerstört. Die geistige Betätigung darf nicht kontingentiert werden. Man kann keinem Volk vorschredben, auf welchen Gebieten es sich zu betätigen hat. Die Juden sind zufällig ein Volk, das noch zerstreut lebt unter den andern Völkern. Das kann aber keine'Handhabe dafür sein, ihm voraisohreibem, wieviel Menschen es für diesen und für jenen Beruf liefern soll oder darf. Es wird niemandem einfallen, irgendein anderes Volk vom Weg seiner natürlichen Begabungen abdrängen zu wollen. Es fällt niemandem ein, zu sagen, daß eine Engländer nicht so viel Industrie und Handel oder etwa die Jugoslawen nicht soviel Ackerbau treiben sollen. Es trägt jedes Volk mit seinen Begabungen und Neigungen zum gesamten Haushalt der Menschheit bei und es wäre ein Verbrechen an der Menschheit, irgendein Volk an der Betätigung seiner Begabungen und Neigungen zu hindern. Die Menschheit hat das Recht, aus allen Begabungen, die in den Menschen leben, ihren Nutzen zu ziehen. * Man stelle sich vor, es hätte in den letzten Jahrzehnten einen allgemeinen Numerus clausus gegen die Juden gegeben. Wer kann garantieren, daß die vielen großen jüdischen Gelehrten und Erfinder, die in dieser Zeit in allen Ländern erstanden sind, alle zum Lernen gekommen wären? Die Verfechter des Numerus clausus sollen sagen, wie sie es verantworten könnten, wenn auch nur einer von ihnen der Menschheit verlorengegangen wäre. Haben sie Ersatz für die jüdischen Begabungen? Einen wirklichen Ersatz gibt es natürlich für keine menschliche Begabung, denn jede Begabung ist einmalig, sie ist unauswechselbar und unvertretbar. Aber selbst wenn man von dieser Wahrheit absohen wollte, bleibt doch, noch zu bedenken, daß die Entwicklung jüdischer Talente nie die Entwicklung nichtjüdischer Talente irgendwie gehemmt hat. Es werden, wenn man die Juden aurUokdrängt, nicht mehr niohtjüdisohe Talente als bisher existieren. Die Menschheit wird unbedingt ärmer, wenn man irgend eine ihrer Grup- Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt — Club Erez Israel * II., Pralersfrußc 13 (Lloydhof) Samstag, den 8. Februar, 8 Uhr abends, findet im Heim, II., Pratorstraße 13 eine große Chamisdia-Assar-Feler mit reichhaltigem Programm statt Donnerstag, den 13. Februar, 7» 9 Uhr abends, findet im Heim, II., Pratorstraße Nr. 13 ein Vortrag Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiner Zicker statt. Thema: Die Apologetik im Altertum Dic Festaufführung des Palästinafilms. In der Reihe der Festveranstaltungen, die aus Anlaß des 40. Gedenktages des Erscheinens von Herzls „Judenstaat“ stattfinden, wird zweifellos die SotideraulTUhrung des Palästina-Tonfilms „Das Land der Verheißung“ an hervorragender Stelle stehen. Zeigt doch dieser Film ln überzeugender Welse, wie Herzls Idee zur Wirklichkeit geworden Ist. Diese FestaulTUhrung, die Sonntag, den 9. d. M„ vormittags 11 Uhr, Im Imperial-Kino, I., Rotenturmstraße, stattfimlet, erhält besondere Bedeutung durch die Ansprache an das Publikum, zu der sich Herr Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang in freundlicher Weise bereTerkliirt hat. Im Beiprogramm wird außerdem die hochinteressante Tonfilm-Reportage „Rund um den Luzerner Kongreß“ gezeigt. pen an der Entwicklung ihrer natürlichen Gaben hindert. Der Numerus clausus wäre eine himmelschreiende Ungerechtigkeit gegen das jüdische Volk. Das wäre, sollte man meinen, auch schon ein ausreichendes Argument gegen ihn. Aber wir wissen, daß unsere Schmerzen den andern nicht wehtun. Mögen sie sich auch jetzt über unsere Schmerzen hinwegsetzen, wir sind es gewöhnt. Aber sie treffen auch sich selbst, sie treffen alle Menschen, indem sie uns das antun. Das müßte sie doch zur Einsicht bringen. Wer den Geist kontingentieren will, nimmt eine Verantwortung auf sich, die kein Mensch tragen kann. Jüdischer Nationalrat einmütig in der Ablehnung Auf Initiative der Exekutive fand am 4. Februar eine geschlossene Sitzung des Waad Leumi statt, die der Erörterung der neuesten politischen Entwicklung gewidmet war. Die Exekutive gab Aufklärungen über die letzten Schritte der Mandatsregierung und eine Beleuchtung des offiziellen Kommuniques des KoloniaJamtes über den Besuch der englisch-jüdischen Delegation, die gegen den Legislative Council protestiert hat. Präsident W eizraann beleuchtete die Politik der Mandatarmacht gegenüber den vitalen jüdischen Fragen in Palästina und unterstrich die dringende Notwendigkeit, daß der gesamte Jischuw in der Opposition gegen diese Politik fest verharre. Die Sitzung, an der außer den Mitgliedern des Waad Leumi die Führer der jüdischen Gemeinden Palästinas und andere prominente Persönlichkeiten des Jischuw beiwohnten, billigte einmütig den von der Jewisli Agency eingenommenen Standpunkt. Der Mufti bildet Sturmtruppen In Haifa fand am 3. Februar eine geschlossene Versammlung der vorkurzem geschaffenen „Grünhemde n“-V e r b ä n d e statt. Die Organisation wurde von der palästinensisch-arabischen Partei, deren Präsident Dschemal el Husseini uud deren eigentlicher Führer der Großmufti von Jerusalem Haj Amin el Husseini ist, nach dem Muster der Wafdiston in Ägypten, als Sturmtruppenverband ins Leben gerufen. An der Versammlung nahmen Vertreter einer Reihe von Ortsgruppen in Palästina und Führer der Bewegung aus dem ganzen Lande teil. Es wurde ein Arbeitsprogramm des Verbandes anlgestellt. Meldungen der arabischen Presse zufolge wird die Tätigkeit dos neuen Vorbandes von der Polizei aufmerksam überwacht. Aus Triest wird uns mit* geteilt: Die jüdische Auswanderung nach Palästina hat im Jahre 1935 die Zahl von 50.000 Personen überschritten, womit ein neuer Rekord geschaffen wurde. Mit den Schiffen dos Lloyd Triestino wurdon in Triest über 26.000 Auswanderer eingeBchifft, eine Zahl, die bisher niemals erreicht wurde und die den neuerlichen Beweis der Beliebtheit der italienischen Schifffahrt orbringt. Die Zion. Bezirkssektion und „WIZO“ Prater kondolieren ihren Mitgliedern Edith Walbeg und Julius Walbeg anläßlich des Hinscheidons ihres Gatten, resp. soines Bruders Walter Walbeg StatioiiHvorstand dor Oeatorr. Hundesbalmon 1. R.

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