Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 521 (7.2.1936)
- Date
- 1936-02-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 OIE STIMME Nr. 521 — 7. Februar 1936 Oie Wiener Naumann-Juden Billige Reisen der ORBIS nach POLEN Abfahrt: Alle 14 Tage Reisebüro ORBIS, I.. Kärntnarstr. 51, Tel. R ^1-5-78 östtrr. Verkehrsbüro, I., Friedrichstr. 7, Tel. 8 27-500 und I..Graben 20.Tel.U 29-0-35 Reisebüro IRUT, l.,Karlsplatz1. Tel. U 4-1-5-79 tungen, um nur einige Beispiele anzuführen. Eine Vogel-Strauß-Politik sehen wir auch nicht bei jenen Gesinnungsfreunden Kunschaks, die als Drahtzieher kleine jüdische iGruppen dazu ermuntern, gegen die Autonomie der Juden in ihren eigenen Gemeindeangelegenheiten zu Felde zu ziehen. Und schließlich eine Frage an Herrn Staatsrat Kunschak: Welchen Faktor in Österreich meint er, wenn er die Befürchtung ausspricht, daß die Lösung der Judenfrage ..dem Bereich hem in u n g s 1 o s e r Brutalität" überantwortet werden könnte? Käme es zu einer nationalsozialistischen Regierung, dann würde das nichts daran ändern können, daß die Bestimmunu. Antiquariat G. SzellnskI &Co. Wien, 1. Bezirk, Schoitengasse Nr. 9 bietet dem interessierten Leser reichste Auswahl tn- und ausländischer Literatur. gen des Friedensvertrages unabdingbar sind. Eine nationalsozialistische Regierung ist aber nicht zu befürchten, und das Schicksal der deutschen Juden ward in Österreich keine Wiederholung finden können. Wer könnte also gegen die Juden hemmungslos brutal vorgehen? Man sagt, die Beziehungen Kunschaks zu den derzeitigen Machtfaktoren Österreichs seien nicht die allerbesten. Dessenungeachtet wiederholen wir die Frage: Wer will gegen die Juden hemmungslos brutal vorgehen? Wie dem aber immer sei: Lösung der Judenfrage bedeutet für uns Zionisten, die wir das Recht der Mehrheit respektieren, gleiches Recht für die Minderheit, aber nicht nur auf dem Papier, sondern in der Praxis des öffentlichen und privaten Lebens. Das „Neuigkeits-Weltblatt", ein christlichsoziales Organ, das einmal dem Staatsrat Kunschak sehr nahe stand, veröffentlicht seine Reminiszenz unter dem Titel: „Seipel über die Judenfrage in Österreich“. Dem Blatt fällt auf, daß bei Seipel das Rassenprinzip noch nicht mitspricht, und es findet es als Frage-, ob heute, sofern man überhaupt den Zeitpunkt für eine Lösung der Judenfrage für gekommen erachtet, das Rassenprinzip ausgeschaltet werden könnte. Diese Stellungnahme zeigt, daß es christliche Kreise gibt, die sich von Seipel zu Hitler zu entwickeln beginnen. Ob sich dies mit den Prinzipien der katholischen Kirche vereinbaren läßt, ist eine Frage. Allerdings haben wir sie nicht zu beantworten. ^olüUetn” frefilautr atjiltd) empfohlen Saue«rfu?ttttn Die Schmidl-Mazzoth Der allseits bekannte Inhaber der ..Schmidl- Mazzoth“, Herr Nathan Brodetzky, hat das so beliebte Erzeugnis zu großer Popularität gebracht. Die selbstverständliche Verwendung von nur erstklassigen Mehlsorten ist durch neue Rezepte, neuartige Maschinen und strengste Hygiene bis auf einen kaum noch zu überbietenden Höhepunkt gesteigert worden. Unnötig zu erwähnen, daß die religiö&en Vorschriften auf das strengste eingehalten werden, Hervorzuheben ist besonders die Spezialmarko N. B.- Mazzoth, Gries und Farvel. „Theologia“-Verein jüdischer Hochschüler an der israelitischen theologischen Lehranstalt. Dr. M. L. Kurz predigt Samatag, den 8. Februar, im kleinem Tempel, II., Teinpelgaase Nr. 3. Beginn 8 Uhr. ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!ii!iiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin1’ Die „WIZO" I. entbietet ihrer verdienstvollen Mitarbeiterin Frau i Erna Agdern anläßlich der Geburt 1 des ersten Sohnes dje herzlichsten % Glückwünsche ff Dio elf Union-Mitglieder dea Kultusvotötaiii.les haben ihre Mandate zuriickgelegt. Als Vorwand dient ihnen die bevorstehende Ernennung des früheren Vizepräsidenten der Kult.usgemeiude, Dr. J o s e f L ö w e n li e r z zum Amted Rektor. Sie erklären, es sei unzulässig, daß ein ehrenamtlicher Funktionär Beamter der Gemeinde wird. Dieses Argument wird keinen besonderen Eindruck | machen. Bei Besetzung einer ßo hervorragenden Stelle kommt evs nur darauf an, ob dio hiefür in Aussicht genommene Person dio Eignung hiezu besitzt. Daß hohe öffentliche Funktionäre auf besoldete Bonmtenstellen berufen werden, ist ein Vorgang, der im S t a a t ß d i e n s t mul in sonstigen öffentlichen Diensten gar nicht, selten ist und sich nicht nur bei una in Österl e i c h, sondern auch in anderen Ländern sehr oft wiederholt. Man wird also die Leute, die aus diesem Anlaß von „K o rr u p t i o n“ sprechen, einer genauen Perlustrierung unterziehen müssen. Man wird dann sehr bald finden, daß hinter diesem Getue sich dtinklo Pläne verbergen, die von j M o r a 1 in öffentlichen Angelegenheiten sehr weit e n t f e r n t sind. Dr. L ö w e n h e r z soll aber auch deshalb nicht Amtsdirektor werden, weil er ein „zionistischer Parteimann“ ist. Da es aber weder göttliches noch menschliches Recht ist, daß nur ,.U n i o n i s t. e n“ in der Kultusgemeinde Beamte werden dürfen, wird sich die armselige d e u t s c h -1 i b er a 1 e Clique, clie so tut, als ob die höchsten Regierungsstellen Österreichs es nicht erwarten könnten, ihre Wunschträume zu erfüllen — die da sind: Bestellung eines Regierungskommissärs, Auflösung des Kultus- Für Chamisdia-Assar Palästina-Orangen - Grape Fiuits, sowie sämtliche Palästinaprodukte zu haben bei Samuel Halpern, Wien, II., Förstergasse 6. - Telephon A 46-4-12. Vorstandes, Einschränkung der Autonomie der Kultusgomeinde — damit abfinden müssen, daß ein Zionist erster Beamter der Kultusgeineinde wird. Der jüdischen und auch der nichtjüdisohen Öffentlichkeit ist schließlich nicht unbekannt, daß Dr. Löwenherz durch zwölf Jahre in geradezu fanatischem Arbeitseifer ein treuer Diener dor jüdischen Gemeinde war, daß er durch seinen Fleiß, durch seine hervorragenden Fähigkeiten und seine außerordentliche Tatkraft für diese Gemeinde mehr geleistet hat, als die ganzen Unionißten- Generationen vor ihm, und daß seine unschätzbare Arbeitskraft sich ausgezeichnet bezahlt machen wird. Die Öffentlichkeit wird sich also durch das Verschwinden dor Union aus dem Kultusvorstand durchaus nicht aus ihrer Ruhe bringen lassen, am allerwenigsten wird di es aber bei den Zionisten der Fall sein, die im Kultusvoretand zurückgeblieben sind. Sie werden, wie schon oft, auch diesmal beweisen, daß die g a n z o jüdische Bevölkerung zu ihrem Verantwortungsgefühl, zu ihrer Erfahrungin der Verwaltung der jüdischen Gemeinde und ihrer Tatkraft nach wie vor volles Vertrauen haben kann. In der Verwaltung der Kultusgemeinde wird «ich nicht daß Geringste ändern. Die Hauptlaßt der Arbeit haben dio Zionisten ohnehin immer gotragen, und dies schon zu einer Zeit, als sie noch in der Minderheit waren. Die Tätigkeit der Union bestand aber in den letzten Jahren h bösartiger Opposition, gehässiger und unfruchtbarer Kritik und einer lächorlichon Paria in entsspielerel. Ihr ,,Hauptschlager“ bei den letzten Wahlen war, abgeöohon von der abscheulichen Vemaderung der zionistischen Bewegung und der Verhöhnung des Standpunktes der Zionisten in der Frage der Min derb eitere ebte — worin eben die hoffnungslose Zurückgebliebenheit der Unionleute klar, zutage getreten ißt —, das Argument, daß die Zionisten in dor Kultusgcmeinide „Politik“ ictreiben worden. Nun haben die Zionisten, •venu sie auch sollvd.venstämllich die Rechte!t:r Judenschaft mit Würde und Festigkeit gewahrt haben, in der Kultusgomeinde keine ,Politik“ getrieben, sondern haben eine ans t ä n d i g e und sparsame V e r w a lt u n g geführt, ßie haben nicht bloß, trotz der Schwere dor Zeit, das finanzielle Gleichgewicht aufrecht erhalten, sondern haben noch obendrein die wichtigsten Institutionen der Kultusgemolnde auegobaut, ohne die Mitglieder dor Kultiusgemeinde neu zu belasten. Für religiöse Zwecke gibt die zionistische Verwaltung das Zehnfache von dem aus, was dio frühere — ach so religiöse — „uniionietischo“ hiofür verwendet hat. Ein Netz von Relig i o n s- und B i b e 1 s c h u 1 e n, von Hcbrätech-Kursen ist über alle Wiener Bezirke gebreitet, das W o li 1 f a h r t. s w e r k wurde in großzügiger Welse ausgebaut —- mehr als 40 Prozent dee Budgets dient dor öffentlichen Fürsorge —, und wo immer sich jüdisches Leben in Wien regt, wird es von ler zionistischen Kultusgomeinde gefördert und befruchtet. Und daboi ist es don Zionisten sogar gelungen, einen großen Teil des Defizits, den sie aus der Verwaltung dor Union übernommen hatten, abzutragen. „Politik“ im übelsten Sinn ist also bloß von der, Union getrieben worden, und ihr Treiben wird nunmehr durch die N i e d e r- 1 e g u n g ihrer Mandate gekrönt, die nach ihrem Wunsch in der Wiener Kultusgemeinde ein Chaos herbeifuhren soll, da.s sie dann zu einem schäbigen Beutezug ausnützen wollen. Da sie wissen, daß ßie auf anständige Woiso ihren Einfluß in der Kultusgemeinde nicht erhöhen können, daß sie der Judenschaft nichts mehr zu sagen haben — ihre „Jtigendgruppe“ zählt 46 Menschen unter 18 Jahren —, da sie ßich darüber im Klarensind, daß sie bei den nächsten Wahlen vollständig a u f g e-;Jvi ebenwerden müssen, suchen sie nach Art von B e r u f e s p i e 1 e r n auf andere Weise ihr Glück zu korrigieren. Das ist Sinn und Zweck der Mandatsmiedcrlegung. Eß ist unsere Pflicht, der Öffentlichkeit gegenüber festzußtellen, wer der Hauptrufer im Kampf gegen die Zionisten ist. Wir haben schon letzthin feststellen müssen, daß, seitdem Dr. Oppenheim die Führung der Union übernommen hat, eine in der jüdischen Welt beispiellos dastehende Hetze gegen den Zionismus begonnen hat. Immer und immer wieder wird die Staate treue der Zionisten in Zweifel gezogen. Seine Zeitung hat dio infamo Behauptung aufgestellt, daß Zionismus und Frontkämpf ert u m unvereinbare Dinge seien. Erst jüngst wurde die zionistische Frauen- Organisation in seinem Organ in geradezu ekelerregender Art vernadert. Nicht einmal vor der integern Persönlichkeit, des K ultus gemeind epräß identen hat die Verleumdungssuoht seines Blättchens Halt gemacht. Das Verhalten der Union unterscheidet sich nur im Grade, aber nicht im Wesen von dom der berüchtigten deutschen Naum a n n - J u d e n, die sich zum N a t i onalsozialißmus bekannt, Horrn Hitler bei jeder Gelegenheit angestrudelt, die Ausbürgerung aller „nicht bodenständigen“ Juden und die Anwendung Dr. J. H. Körner Reisebüro City, Wien, I., Kohlmarkt 8, Telephon U 26-4-29. Ermäßigte Purimreisen auf den Dampfern nach Erez Israel am 19., 21.. 26. Februar und 4. März. Tour-retour in der I. Klasse 9 5SS» -, in der Touristenklasse S 381*—• Schiffskarten für all« Linien via Triest und Constanza nach Palästina und allen anderen Orienthäfen zu niedrigen Orlglnalprelsen Im Reisebüro „IRUT", I., Karlsplatz 1 Tal. U 44-5-79 Kantor Josef Feuer sin»! ö.i atiif», n. i-e.jiuui, lt> ulir Jo, in Thi-aiurunaJ der Jüdischen KUnst erspiele, begleitet von Oidaon May, liturgische, hebriiische und jiddische Lieder, sowie viwei Uraufführungen von dem b rühmten jüdischen Komponisten Josef MUJet. von Ausnahmegesetzen gegen die Zionißten verlangt haben. Besondere überzeugend wirkt aber der Unionpräsident als Bokämpfer dor sogenannten zionistischen „Korruption“. Wir haben schon letzthin dartun müssen, woher er der Fahrt kam, und wir wollen heute nur das eine feststollen: Er hatte als „Wirtscbaftßfiihrer“, als Verwaltungßrat einer schließlich unter skandalösen Umständen zusammongebrochon e n Bank durch viele Jahre reichlich Gelegenheit, eine geradezu zum Himmel stinkende Korruptionewirtschaft in seiner allernächsten Umgebung, nämlich in dem Verwaltungsrat, zu dessen hervorragendsten Mitgliedern er zählte, zu bekämpfen. Dort wäre es allerdings am Platze gewesen, nach einem amtlichen Funktionär zu rufen. Diese außerordentlich günstige Gelegenheit, im Interesse der öffentlichen Moral zu wirken, hat Herr Oppenheim leider ungenützt Vorbeigehen lassen — zum Schaden unzähliger Menschen, die durch seine Bauk schwer betroffen wurden —, und er muß eß sich also, zumal er nicht bescheiden im Hintergrund bleibt, wie es nach seiner Vergangenheit am Platze wäre, schon sagen lassen, daß wir ihn unter keinen Umständen als Sittenrichter und Wortführer in jüdischen Angelegenheiten anerkennen werden. Aus der Kundgebung deß Präsidenten R o o s o v e 11 an den amerikanischen jüdischen Kongreß haben wir wioder einmal zu unserer großen Genugtuung feststelien können, daß die Sympathien der Besten aller Völker der zionistischen. Bewegung gesichert sind. Dieso Sympathien werden uns auch in Österreich nicht versagt werden. Unsere Stellung zum christlich-deutschen Ständestaat war vom ersten Augenblick an aus unserer zionistischen Einstellung gegeben: Respektierung des Christ liehdeutschen Charakters diesos Staates, don dio Mohrhoit in dor Verfassung vorankert hat, aber Festhalten an unserer eigenen nationalen und religiösen Kultur und an dor Forderung, daß dio uns in der Verfassung gewährleistete Gleichberechtigung auch in dor Praxis durchgosetzt wird. Wir haben Beweise genug dafür, daß dieser Standpunkt, welcher den österreichischen Staat eindeutig bojaht, dio Billigung aller maßgebenden niehtjüdißchon Kreise gefunden hat. Als ihn einer unserer Mandatare freimütig vertrat, wurde er von Aarstlich« Nachricht i Med. unlv. Dr. Desider Oesterreicher om. Bek.-Arzt <I.m Allgemeinen Krankenhauses Ist von Wien, VI., .VI i'eliettigaaeu 14 nach 6. Bezirk, MarSahilferstraQe Nr. 105 ttbersiedelt. Telephon unverändert A 91-B-J8. Ordination 2—4 Uhr. Eine Nacht in Tel* Aviv