Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 519 (31.1.1936)
- Date
- 1936-01-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 OIE STIMME Nr. 513 - 31. Jänner 1986 EREZ ISRAEL: Palästina und die großarabisdie Politik Von M. y. Ben-Gavriel (Jerusalem) Die erste Mietskaserne im europäischen Sinn in Jerusalem entsteht als Gemeinschaftshaus in der unmittelbaren Nähe von Rehavia. (Photo: M. Y. Ben-Gavriel.) Weltkonferenz der Palästina- Handelskammern In Tel-Aviv Jerusalem (Palcor), im Jänner. Das Handels- und Industrie-Departement der Jewish Agency in Jerusalem beschloß, gelegentlich der bevorstehenden Levante- Messe in Tel-Aviv eine Weltkonferenz aller palästinensischen Handelskammern Palästinas und des Auslandes einzuberufen. Die Aufgabe dieser Konferenz ist, einen lebendigen, dauernden Kontakt zwischen den palästinensischen Handelskammern und dem Handels- und Industrie-Departement der Jewish Agency zu schaffen, um den palästinensischen Außenhandel zu stärken. Die Baubewegtmg in Tel-Aviv im Jahre 1935 Jerusalem (Palcor), im Jänner. Im Jahre 1935 wurden seitens des Magistrats Tel-Aviv 3073 Genehmigungen zum Bau neuer Häuser erteilt, die 14.822 Zimmer und 324 Geschäftslokale auf einer Fläche von 450.706 Quadratmetern umfassen. Im Jahre 1934 wurden 2113 Baugenehmigungen für Häuser mit 13.707 Zimmern und 345 Geschäftslokalen auf einer Fläche von 429.729 Quadratmetern erteilt. Fastaufführung des Films „Das Land der Verheißung" ln diesen Tagen, die im Zeichen des festlichen Gedenkens des Erscheinens von Theodor üerzls „Judenstaat“ stehen, ist es für jeden Freund der zionistischen Idee eine große und erhebende Freude, zu sehen, wie weit Herzls Wunschtraum in der Zwischenzeit Erfüllung geworden ist. Die am 9. Februar, vormittags um 11 Uhr, im Impeiial-Kino, /., Rotenturmstraße, stattfindende Festaufführung des großen Palästina-Tonfilms der Fox „Das Land der Verheißung“ wird darum im besonderen Maße des Interesses aller jener Kreise sicher sein können, die die kulturelle Bedeutung des zionistischen Gedankens erfaßt haben. Die festliche Ansprache an diesem Tag hält Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang. Der Kartenverkauf bei der Jüdischen KnltursleLle, l„ Franz-Josefs-Kai 3, Tel R 28-2-36, Bücherstube Löwit, Wollzeile Nr. 6, Tel. R 25-4-53, und Lanyi, Kärntnerstraße 44, Tel B 26-3-33, hat bereits begonnen. Einige kleine Meldungen der letzten Tage deuten auf gewisse politische Veränderungen in der arabischen Halbinsel hin, die in ihren Auswirkungen von Einfluß auf Palästina, besonders aber auf die Gestaltung der englischen Politik der nächsten Zeit sein können, Wie es im allgemeinen Pflicht des jüdischen Jisehuw in Palästina sein müßte, alle Bewegungen im arabischen Lager mit großer Auf merksamkeit zu betrachten, sind gerade diese kleinen Meldungen, über die hier gesprochen werden soll, von Interesse für Palästina, wenn schon aus keinem andern Grund, so doch deswegen, weil sie irgendwie auf die innerpalästinenslech-arabißche Politik Einfluß nehmen werden. Es ist, dies nur nebenbei bemerkt, von besonderer Wichtigkeit, bei jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß jede Art von splendid isolation unserer politischen Anschauungen in Palästina sich rächen muß, weil, nun weil weder die innerjüdische, noch die innerpalästinensi sehe Politik eine Lokalpolitik ist, sondern unter stetem, richtunggebenden Einfluß von außen steht. Es ist also nicht allein jede Art von Bewegung im arabischen Lager Palästinas, sondern auch alles, was in den großen arabischen Zentren, in Mekka, in Bagdad, in Damaskus geschieht, wichtig für die Bildung eines konstruktiven politischen Weltbildes, das über den Zustand eines Wunschtraumes hinauswuchs. Einerseits, weil Palästina keine abgeschlossene Insel ohne Verbindung mit dem Außen ist und anderseits, weil die englische Orientpolitik, deren kleiner Teil nur von der Existenz Palästinas beeinflußt ist, sich vornehmlich an den Dingen, und Interessen im großarabischen Lebensraum orientiert. So fern auch — anscheinend Länder wie Jemen, Irak oder Hedschas von Jerusalem oder gar von Tel-Aviv liegen, ist doch mehr oder weniger alles, was dort politisch geschieht, in seinen Auswirkungen wichtig für die Gestaltung der Dinge in Palästina. Aber selbst Dinge unpolitischer Art, sagen wir eine Mißernte oder die Verringerung des Pilgerzustroms nach Mekka, müssen mit unfehlbarer Sicherheit Bewegungen unter den Stämmen auslösen, die geeignet sind, die politischen Maßnahmen Ihn Sauds zu beeinflussen und, in weiterer Folge, ein Echo in den arabischen Büros der Downing Street in London hervorrufen, das sich bald in den Weisungen an die britische Beamtenschaft in Palästina widerspiegelt. Schon aus diesem Grunde ist die Meldung der letzten Tage mit gebührender Aufmerksamkeit zu registrieren, daß soeben in Bagdad Verhandlungen zwischen Vertretern Ibu Sauds, Jemens und des Iraks stattfinden, die den Abschluß eines militärischen Schutzvertrages zwischen diesen drei größten arabischen Staaten zum Ziel haben. Diese Meldung gewinnt umso größere Bedeutung, als gleichzeitig bekannt wird, daß in diesen Tagen die neuerlichen Vertragsverhandlungen zwischen England und der Regierung Sauds in Djiddah, dem Hafen von Mekka, beginnen. Diese Verhandlungen betreffen auch Palästina, denn hier handelt es sich vornehmlich um die Frage, ob der vor einigen Jahren dem Hedschas abgenommene Rote-Meer-Hafen A k a b a h beim britischen Einflußgebiet verbleibt oder wieder der Saudije einverleibt wird. Es ist kaum zu erwarten, daß dieser wichtige Hafen, der ganz dazu angetan ist, in Hinkunft ein Stützpunkt der britischen Flotte zu werden und in Verbindung mit Haifa den Suez-Kanal irgendwie zu ersetzen, der also ein außerordentlich wichtiger Punkt auf der großen britischen Reichsstraße nach Indien ist, daß dieser wichtige Hafen und seine transjordanische Schlüsselstellung Ma'an britischen Händen wieder entgleiten wird. Aber — es besteht die Möglichkeit, daß dieser Punkt, um die neue saudischtransjordanische Freundschaft nicht zu gefährden, Transjordan ien abgenommen und zur britischen Kolonie erklärt wird, so daß Palästina in allernächster Nähe eine englische Kolonie haben kann, die von gewisser industrieller und verkehrstechnischer Wichtigkeit für Palästina ist. Es gibt einen alten Plan, vom Toten Meer nach Alcabah einen Schiffahrtskanal zu bauen, der den Warentransport von Palästina nach dem zentralen und dem Femen Osten erleichtert und ihm die hohen Kanalgebühren von Suez erspart, ein Plan, der vor allem der Produktion der Potash. Co. zugute käme. Darüber hinausgehend aber ist die Wichtigkeit dieses Hafens, zu dem sowohl von Amman wie vom Sinai bereits ausgebaute Straßen führen, derartig, daß England alles daransetzen wird, eine endgültige Regelung’ mit Ibn Saud zu treffen. Es ist klar, daß der Wahabi Kompensationen auf andern Gebieten verlangen und bekommen wird, die aber, direkt oder indirekt, auf die Lage in Palästina Einfluß nehmen können. Dies um so mehr, als die Verhandlungen in Bagdad nichts anderes als die Schaffung eines g ewaltigen Blocks der arabischen Staaten zur Folge haben soll. Ein Freundschafts-, respekt. militärischer Bündnisvertrag, der dort geschlossen werden soll und der den Beitritt des wahabischen Reiches zu dem kürzlich geschlossenen Vertrag der muslimischen Nordstaaten — Türkei, Irak, Iran und Afghanistan — vorbereiten soll, dieser Vertrag ist imstande, das gesamte politische Bild Arabiens grundlegend zu verändern. Nicht allein, weil dieser Vertrag, unter der Ägide Englands zustande kommend, die Stellung Britanniens in Arabien ungeheuer stärkt, gleichzeitig aber Englands Politik — in Ausführung der Ansichten Edens — den arabischen Wünschen geneigter machen muß, sondern auch, weil er das Selbstbewußtsein des Arabers in Palästina heben wird, der nicht mit Unrecht, seinen Rücken durch den großen Block der arabischen Staaten gedeckt fühlt. Wenn auch Ibn Saud heute wenig Interesse für die internen Angelegenheiten in den andern arabischen Lebensräumen zeigt und dies erst letzthin durch den Mund seines Eine von dem jungen Jerusalemer Bildhauer Zeen Ben-Ztoi stammende Büste Shmaryahu Lewins, die im Jerusalemer „Bezalel“ ausgestellt ist. (Photo: Bernheim.) thronfolgenden Sohnes in Jerusalem erklär ren ließ, ist es doch klar, daß alles, was in; Arabien und bald auch alles, was in; Asien überhaupt geschieht, Ein-i fluß nehmen muß auf die Haltung der Men-! sehen im Mandatsgebiet Palästina. Dies aber, richtig überlegt, müßte ihren politischen Horizont erweitern, wollen wir nicht' Gefahr laufen, zu einer Zeit noch Kirchturmpolitik zu betreiben, da dieser Kirchturm längst nicht mehr Mittelpunkt der Kreise ist, in denen wir uns zu bewegen glauben. Heute handelt es sich nicht allein darum, daß auf Grund der neuen Verträge „die arabisch "n Heere von Saudije, Jemen, Irak und Trans-- jordanien die Küste des Roten Meeres für England schützen werden“, sondern auch darum, welche Stellung die Juden Palästinas in dieser bald lückenlosen Mauer einnehmen werden, die knapp an der Grenze Palästinas von Aden nach Bagdad sich er-: strecken wird. Dies ist eine Frage am Scheideweg. Einwanderer-Statistik e. g., Jerusalem, Ende Jänner. Nach Mitteilung der Statistischen Abteilung der Jewish Agency sind von den Einwanderern des Jahres 1935 fast 30.000 polnischer und nur fünfeinhalbtausend deutscher Staatsangehörigkeit: viele der Einwanderer aus Deutschland besaßen einen ausländischen Paß. Es folgen dann als Herkunftsländer Rumänien, Griechenland, Nordamerika, Jemen, Tschechoslowakei und Lettland. 16’8 Prozent der gesamten jüdischen Einwanderung des Jahres 1935 kamen als Kapitalisten mit 1000 Pfund und mehr — nämlich 9250. 2970 von ihnen stammen aus Deutschland. Preise für Studenten e. g., Jerusalem, Ende Jänner. Die Hebräische Universität verteilte an eine Reihe besonders befähigter Studenten Bialik-Preise (Stiftung Berson) in Höhe von je 50 Pfund für wichtige Arbeiten auf dien Gebieten: Jüdische Geschichte und Soziologie; Hebräische Sprache; Philosophie; Mathematik; Botanik; Zoologie. Ferner wurde einem Studenten der Lord Plumer-Preis für seine Forschungen auf dem Gebiete der in Palästina gesprochenen arabischen Dialekte, einem anderen der Lamport-Preis für Hebräische Literatur zuerteilt. Kurt Blumenfeld begab sich auf eine; Universitäts-Propagandareise nach Europa. Kurz vor seiner Abfahrt wählte man ihn zum Präsidenten der „Hitachduth Olei Ger-i maniaff“. Wasser in Jerusalem! e. g., Jerusalem, Ende Jänner. Die Wasserleitung von Ras-el-Aiu nach Jerusalem funktioniert jetzt endlich. Täglich ergießen sich in die Reservoire von Romema 450.000 und 500.000 Gallonen, und die Tanks auf den Dächern unserer Häuser werden nicht mehr alle sechs oder sieben, sondern alle drei Tage gefüllt. Hin und wieder platzen auf der Strecke bis Jerusalem noch Rohre (Fachleute behaupten, daß man sie zu schlecht eingebettet habe) und müssen ausgewechselt werden, aber diese Zwischenfälle beeinträchtigen nicht mehr die Regelmäßigkeit der Versorgung, auf die man lange genug warten mußte. Die Jerusalemer gowöhnen sich nur langsam an ihr neues Glück und an die Tatsache, daß sie Bäder fast „ä discrötion“ nehmen können. Gegen Leber- und Gallenleiden: Mergou« theimer K a r 1 s c( u e 11 o. Tel. B 24-4-64. )b Spendet fQr unsere (haluzim! und P Verschafft ihnen Arbeit! Telephonische Auskünfte: Landeskomitee U 22-2-11