Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 519 (31.1.1936)
- Date
- 1936-01-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 519 — 31. Jänner 1936 e ORBISBUI0'reisen POLEN Abfahrt: 3.10. und 23. Feber 1936. Anme düngen Im : Reisebüro ORBIS, I., Kärntnerstr.5l,Tel.R21-5-78 Osterr.Verkehrsböro,I., Friedrichstr. 7,Tel. B 27-500 Üsterr. Verkehrsbüro, I., Graben 20, Tel. U 29-0-35 Reisebüro „IRUI", I., Karlsplatz 1, Tel. U 44-5-79 Katholischer Appell gegen Judenverfolgungen Aus Warschau wird uns gemeldet: Die katholische Presseagentur verurteilt in einem Kommunique die antijiidischen Ausschreitungen, das eine Antwort auf einen Appell des ,}Haint“ und des „Nasz Przeglad“ im Zusammenhang mit den letzten antijüdischen Ausschreitungen darstellt. Das fünfte Gebot Gottes, so heißt es in dem Kommunique, bezieht sich auf alle Menschen, sowohl auf Gläubige wie auf Ungläubige. Alle Exzesse und alle brutalen Kampfmittel sind des christlichen Namens unwürdig und führen nicht zum Ziele. Die katholische Geistlichkeit billigt auf keinen Fall die Gewalttaten und erinnert stets die Gläubigen, daß das höchste Gebot der christlichen Ethik das Gebot der Liebe zu Gott und zum Nächsten sei, ohne Rücksicht auf Rasse, Volksstamm und Religion. Gerade die Verkündung dieses Gebots sichert alle Bürger, nicht nur die Juden, vor der Verwilderung der menschlichen Leidenschaften. GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN l.. Kärlnerstrafce Nr 61 Besitzer Ollo Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise in allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer Deutschlands Schande Aus Prag meldet die JTA: In der Nähe von Grul ich fand am Donnenstag abends der Arbeiter Josef Seifert auf der Straße ein gToßes Paket. Beim öffnen des Ballens erblickte er darin zu seiner größten Überraschung ein lebendes Kind, einen Knab e n. Seifert trug das Kind zur nächsten Gendarmeriestation, die sofort eine Untersuchung einleitete. Hierbei wurde festgestellt, daß es sieh um einen ungefähr sechs Wochen alten Knaben handelt. In der Wäsche des Kindes fand man in einem Briefumschlag 2000 Reichsmark sowie einen Brief, worin die Mutter des Kindes demjenigen, der sich des Kindes annehme, 1000 Tsehechokronen jährlich als Erziehungsbeitrag verspricht. Auf der Stelle, wo das Kind gefunden wurde, hielt, wie mehrere Personen behaupten, an diesem Tage ein reichsdeutsches Auto, dessen Insassen das Kind zweifellos weggelegfc haben. Allen Anzeichen nach handelt es sich bei dem Findling um eine „Rassens c h a n d e“. Offenbar wollte sich die Mutter oder der Vater auf diese Weise einem Strafverfahren entziehen und ihrem Kind die lebenslängliche Ächtung ersparen. m ber» toenbe DreMauer <Zamvbvutm Streicher mit den Nürnberger Gesetzen nicht zufrieden Berlin, 29. Jänner. (2. T. A.) Auf der Nürnberger Kundgebung der Hitler-Jugend hielt Julius Streicher eine Ansprache, in der er erklärte: „Die Nürnberger Gesetze haben die Judenfrage nicht gelöst, weil diese Gesetze eben von den Juden mit List umgangen ■werden. Die antijüdische Aktion müsse deswegen ohne Unterbrechung fortgesetzt werden.“ Seit tausend Jahren schon wird der Myrrhe- Extrakt, der sieh gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches besonders wirksam erwiesen hat, verwendet. Odol-Mundwassor enthält neben dem Odol-Anti&eptikum, den Myrrhe-Extrakt. Sokolow gegen Kareski Im „H a o I a m“ beschäftigt sich Sokolow mit der Haltung Kareskis, von dem er sagt, er hülle sich in die Flagge Zions, um die schändlichen Aktionen der nationalsozialistischen Regierung zu verdecken. Die Juden in Deutschland seien zwar hilflos und müßten ihr Schicksal mutig und resigniert ertragen, aber es sei eine scheußliche Sache, wenn ein Jude sich bemühe, die Haltung der Nationalsozialisten zu rechtfertigen. Wenn die Juden in Deutschland unfähig sind, gegen ihre schreckliche Behandlung zu protestieren, so sei das wenigste, was man von ihnen verlangen könne, daß sie sich in würdiges Schweigen hüllen und so von ihrer Selbstachtung Zeugnis ahlegen. Wie sei es möglich, daß Juden in der Frage ihrer Gleichberechtigung auch nur im geringsten Nachgiebigkeit zeigen und welche Impertinenz liege darin, wenn man das schon tue, sich dabei als Zionist auszugeben! Sokolow fährt fort: Uber die Tätigkeit des Herrn Kareski herrschen verschiedene Meinungen. Es wäre nicht fair, ihn auf Grund der verschiedenen einander widersprechenden Berichte zu verurteilen. Auch seine Zustimmung, als Präsident der Kulturbünde entgegen dem allgemeinen Wunsch der deutschen Juden zu fungieren, könne nicht zu seiner Verurteilung führen, weil man nicht wissen kann, ob er nicht etwa zu dieser Stellung durch die nationalsozialistische Regierung gezwungen wurde. Jedenfalls ist das nur eine persönliche Frage. Aber jetzt, nach dem Interview Kareskis, das im „A n g r i f f“ veröffentlicht wurde, handle es sich nicht mehr um eine persönliche Angelegenheit des Herrn Kareski, sondern um eine Angelegenheit, die die Juden in derganzen Welt angeht. Kareskis Erklärungen im ,,Angriff“ bedrohen die Position der Juden nicht nur in Deutschland, sondern auch in Polen, Rumänien und in anderen Ländern. Kareski hat den Mut, sich seines Zionismus zu rühmen, ohne das ABC des Zionismus zu verstehen. Man darf über seine Erklärungen nicht zur Tagesordnung übergehen, man muß sie vielmehr mit besonderem Ernst behandeln, denn dieser Mann wurde durch die nationalsozialistische Regierung als „zionistischer Führer“ proklamiert. u. Antiquariat G. Szellnskl &Co. Wien, 1. Bezirk, SchoStentjasse Nr. 9 bietet dem interessierten Leser reichste Auswahl in- und ausländischer Literatur. Die Welt-Makkabt-Tagung in Basel Aus Basel meldet die JTA: Die narT Basel einberufene Sitzung des Aktionskomitees des Makkabi-Weltverbandes, die teils der Klärung ideologischer Fragen, teils der Erledigung praktischer Aufgaben des Weltverbandes, insbesondere in bezug auf die Errichtung der Makkabisiedlung „Kfar Hamakkabi“ in Palästina gewidmet war, ist nunmehr beendet. An den Beratungen, die zum ersten Male unter der Leitung des neuen Präsidenten des Weltverbandes, Prof. Selig Brodetsky, stattfanden, nahmen 20 Mitglieder des. Aktionskomitees aus 14 Ländern teil. Aus Palästina wai4ü zwei Delegierte gekommen. Die Sitzung am Sonntag vormittags wurde von Prof. Brodetsky eröffnet. Nach einem Nachruf auf König Georg V. von England erörterte der Redner die Motive, die ihn zu aktiver und führender Mitarbeit in der Makkabi-Bewegung bewögen hätten. Der Mäkkabi könne und müsse mehr sein als bloß eine Sportbewegung. Es falle ihm eine große erzieherische Aufgabe im jüdischen Volk 'zu. Das Volk brauche Disziplin; nicht eine militärische, sondern eine moralische Disziplin. Diese im jüdischen Volke zu verankern, sei die Erziehungsaufgabe des Makkabi. Nach einem Überblick über die Nuancierungen der Makkabi-Bewegung im Osten und im Westen ging Prof. Brodetsky auf die Charakterisierung des Subjekts der nationalen Disziplin ein. Andere Völker sehen in Regierung und Land dieses Subjekt. Auch wir haben ein Land und seit vierzig Jahren in der Zionistischen Organisation die Körperschaft, der gegenüber nationale Disziplin gewahrt werden soll. Diese Forderung bedeutet nicht Parteipolitik, sondern Disziplin gegenüber dem Volk. Über die B r ü n n e r Beschlüsse betreffend die Disziplin und das Primat der Zionistischen Organisation habe der Redner eigentlich nicht Freude empfunden, denn es sei nicht nötig, Beschlüsse zu einer Sache zu fassen, die eigentlich selbstverständlich sei. In der Generaldebatte nahm das Aktionskomitee zu den sogenannten „Brünner Beschlüssen“ Stellung. Es machten sich zwei Richtungen geltend, von denen die eine für radikale Einhaltung-der Brünner Beschlüsse eintrat, während die zweite für ihre Ausweitung in dem Sinne sich einsetzte, daß die nationalen Forderungen insbesondere in bezug auf Keren Kajemeth und Keren Hajessod an die dem Weltverband bereits längere Zeit angehörenden Mitglieder in voller Schärfe zu stellen, den neuen Mitgliedern jedoch eine Karenzzeit zu gewähren sei, um ihnen die Möglichkeit zu geben, zu nationalhewußten Juden erzogen zu werden. Im Schlußwort betonte Professor Brodetsky, es gebe nicht zwei Zionistische Organisationen, sondern nur eine. Wenn aber eine Bewegung wie der Makkabi das Glück hat, umfassenden Charakter zu haben, so solle sie diesen wahren. Vorher waren noch Fragen der W i n t erspiele in Banska Bystrica und erhöhter Aktivität auf dem Gebiet zionistischer Erziehung im Makkabi besprochen worden. Anläßlich der Winterspiele wird eine Vortagung der in Aussicht genommenen Sportkonfurenz stattfinden. Die Nachmittagssitzung war Kfar Hamakkabi und der Jugendbewegung Makkabi-gewidmet. Nach mehreren informativen Referaten wurde beschlossen, daß für den Beginn der Siedlung die Kwuza von Raanana in Kfar Hamakkabi angesiedelt werden solle. Eine Verwaltungskommission für Kfar Hamakkabi wurde eingesetzt. In Erez Israel wird ein Seminar zur Ausbildung von KKL-Arbeitern für die Länder der Diaspora, und in London ein Trainings- Camp für Sportlehrer errichtet. Schließlich würfle auf der Baseler Tagung die Gründung der „Makkabion Ütd.“ für die Erhaltung und Verwaltung des Makkabi- Stadions in Palästina vorgenommen. * Biese Meldung der JTA ist unklar. Die „Brünner Beschlüsse“ beziehen sich nicht nur auf die selbstverständliche Disziplin des Makkabi gegenüber der Zionistischen Weltorganisation, Die Brünner Beschlüsse sind auch ein Resultat des politischen Einflusses der Arbeiterpartei in Palästina, die immer darauf aus ist, einen „unpolitischen(* Zionismus zu lancieren und für sich auszuwerten. Gegen die Brünner Beschlüsse gibt es im Makkabi eine beträchtliche Opposition. Es wird im Interesse des Makkabi liegen, die gerechten Forderungen der Opposition um so mehr zu erfüllen, als in Brünn die Opposition nicht ihrer Stärke entsprechend vertreten war. (Die Red.) ZIONISTISCHE BEZIRKSSEKTION M A R 1A H1 L F-N E U B A U „DAS LAND DER VSRHEJSSUNG“ Sonntag. 2. Februar, 11 Uhr vormittag» STAFA-KINO VII., MARIAHILFERSTRASSE 120 Im Beiprogramm» „DER 4UZERNER KONGRESS" Karten an der Klnokasja, Tel. B 33-0-98, Im Helme, Vl./ Loqualplatz 11, Tel. B 25-1 -84-Z Palästinafreunde veranstalten zu Purim 1936 (5696), eine Reise nach Erez. Abfahrt 27. Februar, l’nverbind liehe Auskünfte erteilt Q* Wiftlln, Wien, II., Aspernbrückengasae 2 (R 43.500) täglich von 9 bis 1 Uhr (mit Ausnahme von Wird’s was helfen? Wir losen im „Tiroler Anzeiger“: Zu gleicher Zeit und in offenkundiger Unkenntnis von einander erscheinen soeben zwei eingehende kritische Berichte über die geschichtlichen und schöngeistigen Darstellungen der angeblichen Ritualmorde in den neuesten Lieferungen des „Handwörterbuches für deutschen Aberglauben“ und des „Verfasserlexikons der deutschen Literatur des Mittelalters.“ Die eine Arbeit stammt von dem Breslauer Universitäts-Professor Dr. Peuckert, die andere von dem Innsbrucker Universitäts-Bibliothekar Dr. D ö r r e r. Beide Gelehrte kommen zu dem Ergebnis, daß die religiösen, wirtschaftlichen und rechtlichen Gegensätze zwischen Christen und Juden, vor allem die privilegierte Geldwirtschaft der letzteren, mitsamt dem Blutaberglauben den Anlaß zu den Ritualmordbeschuldigungen gaben und daß kein einwandfrei erwiesener Fall bisher vorliegt. Die Legenden und Dramen über die Fälle aus der Zeit des Herzogs Siegmund des Münzreichen und ihre weiteren Bearbeitungen haben für die Volkskunde Tirols gesonderte Bedeutung. Es ist erfreulich, sagt der Verfasser der Besprechung Dr. L. P., daß in einer Zeit gesteigerter Erregung diese eindeutigen, rein sachlichen Forschungsergebnisse aus der Feder von Katholiken, die dank ihrer Abstammung und Weltanschauung nicht in den Verdacht irgend einer Beziehung zum Semitismu3 gebracht werden können, in einem der größten und ausgesprochen wissenschaftlichen reichsdeutschen Verlage herausgebracht wurden (W. de Gruyter u. C., Berlin). Eine jüdische Gemeinde ln Polen vor dem Untergang Warschau, 29. Jänner. (Z. T. A.) Der Zentral verband der jüdischen Kleinhändler Polens übergab der JTA im Namen der 600 jüdischen Familien in P s z y t i k ein Schreiben, in welchem darauf hingewiesen wird, daß die gesamte jüdische Gemeinde der Stadt, etwa 2500 Seelen, vor dem Untergang steht. Die jüdische Bevölkerung wird seit Monaton terrorisiert, vor jedem Laden und jeder Werkstätte stehen jugendliche Boykottposten und hindern die bäuerlichen Käufer, hineinzugehen. Unsere Interventionen, heißt es in dem Schreiben, an die wirtschaftlichen Verbände, an den Starosta und an die jüdischen Parlamentarier haben bis jetzt keinerlei Resultat erbracht. Die Boykotteure werden durch niemanden gehindert. Wir haben uns deshalb entschlossen, einen Appell m die Öffentlichkeit zu richten, uns in unserer tragischen Lage zu helfen und den Untergang von 2500 jüdischen Seelen zu verhindern. Familiennachricht. Ernst Schenkelbach, Sohn des Herrn Isidor und der Frau Saiy Schenkolbach, feiert am 1. Februar im Tempelverein, VI., Mille rgasso 43 (nicht, wie irrtümlich mitgetoilt, Mittersteig Nr. 43), seine Barmizwah. oh tnotym — ßeajlaa 6c(Uü}t vok l b«l l«ru(>un(ahlqk«li INVAUBITSTS.RINTIK t. für «In sorglos«» All«» AiTiRi.a miii I. Im Abl«b«mfan» HINTIRBlllBRNtn.RIHTnt ALLGEMEINE VERSICHERUNG! A-C. PENSIONS-VEREIN WIEN,' I., SCHELL I NGC ASSE 1