Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 519 (31.1.1936)
- Date
- 1936-01-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Frei« dieser Nummer 20 g V. b. b. /auf Kastein hm sftctdU am 11. Te&cüac im I Qco(kf*ftlü4iUueceiHwaat I JÜDISCHE ZEITUNG Qcscllcckafispeiso n mit dcutjßuxuscckiff Kack Palästina VULCANIA 2.APRIL AB NEAPEL ßondeppneise: FÜft DIEftUDDPAWRT: Z»KLASSE S H35.m i» TOURISTEDKIASSE «/?2lr ODER*. WIDFAHRT MITDE&uVULCADIA" ROCKFAHRT m.t den SCHIFFEO de» 1L0YD TRIESTIDO I*KLASSE smo.-c TOUR! STEH KLASSE 0 EttMXSSIGTE EISEnBAHnFAHP-T DACH DEAPEL 21/SAMMEnSTEU.UnG BILLIGER LATOAUSFLÖGE Pale$ttH,e£xpreTsT&tali&Cosiiliek e|wlin.i.w(#nTBgluun01. ''S 615. Wllll'Z'KOHLHARKT 8, U*26-4-29 ü*A7-5-60 Redaktion und Administration; Wien, u, Maro-Aurei-StraBe 6. Tal.: U 22-3-81 RedaktionsaehluB Montag und Mittwoch vorm. | (7. Schwat 5696) | 9. Jahrgang Erfolge der Samuel-Delegation Nach drei Jahren Am 30. Jänner 1933 hat das Dritte Reich begonnen. Durch einen in der politischen Geschichte aller Zeiten einzigen Handstreich war die Macht dem Nationalsozialismus zugespielt worden, knapp nach Wahlen, die die Partei Hitlers bereits im Rückgang gezeigt hatten. Es. sind viele Erklärungen für die Entschlüsse Hindenburgs gegeben worden, die für die Entlassung des Generals Schleicher und die Berufung Hitlers maßgebend gewesen sein sollen. G-anz aufgehellt ist die Geschichte dieser Jännertage nicht und vielleicht wird sie auch niemals aufgeklärt werden, weil allzu viele ein Interesse daran haben, das Urkundenmaterial nicht ans Licht gelangen ziu lassen. Es ist tatsächlich ein Umbruch geschehen, wenn auch nicht in dem Sinne, wie dies der hochgemute Nationalsozialismus gewöhnlich angibt. Es war ein Umbruch der europäischen Moral, eine Abkehr von Treu und Glauben, und hier krönt, entgegen dem Sprichwort, nicht das Ende, sondern der Anfang das Werk. Denn der Nationalsozialismus hat seinen Höhepunkt mit der Machtübernahme selbst erreicht. Er ist seit diesem ersten Tage im Niedergang, und von den gigantischen Ziffern der seither erfolgten Abstimmungen hat sich niemand bluffen lassen. Heute, drei Jahre nach dem Staatsstreich, ist die Gefolgschaft des Systems, nur auf die direkten Nutznießer beschränkt und nur die bewaffnete Organisation sichert ihren Bestand. Es sind nur mehr die braunen Bataillone, die hinter Hitler stehen. Aber der Schrecken, der von ihnen ausgeht und in den leidvollen Erfahrungen von drei Jahren begründet ist, hat bisher jede Kristallisation der Opposition wirksam verhindert. Könnte heute in Deutschland etwa unter dem Schutz einer Völkerbund-Exekutive eine Abstimmung stattfinden, so wäre das Hitler-Regime in einem einzigen Wahlgang weggefegt. Das nationalsozialistische Programm, das als unwiderruflich erklärt worden ist, hat trotzdem verschiedene,, Korrekturen erfahren. Die Einbeziehung der Deutschen Südtirols ist gestrichen worden, auf den Elsaß hat Hitler verzichtet und eben erst hat er die Anschlußagitation als „nicht akut“ bezeichnet. Auch die lange Liste von Versprechungen goldener Tage, die nach der Machtübernahme dem Volk vorgesetzt wurde, ist auf dem Papier geblieben. Nur zwei Dinge sind erfüllt worden: die Aufrüstung ist im einem noch über die Kaiserzeit hinausgehenden Ausmaß durchgeführt worden, und die Juden sind zu Parias herabgedrückt worden. Auch Katholiken und Protestanten haben den neuartigen furor teutonicus zu verkosten gehabt, aber die volle Wucht wirkte sich gegen die Juden aus. Das war nicht riskant. Die halbe Million Juden hat keine Waffen und konnte an keinen Widerstand denken. Ihre Hoffnung, daß Europa die Situation verstehen und in ihrem Schicksal das seine erkennen würde, hat getrogen. Die europäischen Nationen wurden gezwungen, ihre Steuergelder in Waffen und Giftgase umzuwancleln, im übrigen aber fanden sie sich mit dem System ab, das sde nur allzu gerne als die innere Angelegenheit Deutschlands akzeptierten. Die Rassentheorie würde ihnen allen beweisen, welcher Gefahr der Kontinent, seiner Wohlfahrt und seiner Kultur entgegengeht, da diese Lehre von den Kolonialrassen begierig aufgenommen wurde. Was heute rings um den Abessinienkonflikt — der gleichfalls seine Wurzeln in der Hitler-Doktrin hat — im nahen und fernen Orient vorgeht, ist auf die gleiche giftige Quelle zurückzuführen. Die großen europäischen Staaten stehen unter Waffen, schließen Abkommen gegen die braune Gefahr und starren voll Sorge auf dieses Dritte Reich, das sich aus dem Völkerbund entfernt und aus dem Zusammenleben ausgeschaltet hat. Das Vorgehen gegen die jüdische Minderheit ist der Gradmesser, an dem man das Absinken der deutschen Kultur und Sittlichkeit ablesen kann. Die Praxis hat mit dem Verbrennen der Bücher jüdischer Autoren begonnen. Sie setzte sich fort mit der Verjagung jüdischer Gelehrter und"ging dann in dem Vernichtungskrieg über, so wie das Hitler in „Mein Kampf“ vorschreibt. Der entsetzliche Boykott-Tag des 1. April 1933, an dem Deutschland offiziell den gelben Fleck sanktionierte, ist seither noch weit übertroffen worden. In Konzentrationslagern wurden und werden noch Juden gemartert, ohne daß ihnen irgend eine Schuld vorgebalten, ohne daß gegen sie eine Anklage. erhoben worden wäre. Gegen kranke Frauen, gegen kleine Kinder setzte sich, von den Behörden liebevoll ermuntert, die Maschine des Volkswillens in Bewegung. Tausende sind in den Hunger getrieben worden, alle sind zu Sklaven geworden. Allerdings teilen sie dieses Schicksal mit dem deutschen Volk, das nur mehr eine murrende Masse ist. Deutschland ist ein Nationalzuchthaus, in dem das Volk Goethes und Kants von „Führern“ mißhandelt wird, von der in jeder Beziehung inferiorsten Gesellschaft, die nur zu prügeln und zu morden versteht, aber sich selbst bereichert hat. Größer als ihre Ignoranz ist nur noch ihre Korruption. Das Dritte Reich hat, als es begann, sich eine Dauer von 80.000 Jahren Vorbehalten. Später wurden 1000 Jahre genannt. Aber jetzt sind drei Jahre um, und die ganze Welt ist dessen Zeuge, wie sehr Volk und Staat lieruntergewirtschaftet worden sind. Sie haben keinen Kredit, ihre Währung ist in ein halbes Dutzend verschiedener Kategorien gespalten, ihre Fabriken, insoweit sie nicht fürs Militär arbeiten, stehen still oder müssen Feierschichten einlegen, Fleisch, Butter, Eier sind stillschweigend rationiert, die Arbeitslosigkeit hat wieder die Höhe vom Jänner 1933 erreicht, die Hochschulen sind verdorrt, und draußen ist eine Mauer des Abscheues und der Angst rings um Deutschland aufgerichtet. In diesem Zeichen feiert das Dritte Reich sein Jubiläum. Aus St. Louis meldet die J. T. A.: Die erste offizielle Konferenz zwischen der aus 6ir Herbert Samuel, Viscount Bearsted pud Simon Marks zusammengesetzten Delegation der englischen Judenheit mit jüdischen Führern Amerikas, wurde in St. Louis abgehalten. Uber den Inhalt der Besprechungen gaben der Führer des amerikanischen Teils der Konferenz, Felix M. Warbürg, und der Führer der englischen Delegation, Sir Herbert Samuel, eine Mitteilung heraus, die besagt, daß hinsichtlich der in der Frage der Herausnahme von Juden aus Deutschland zu befolgenden Taktik volle Übereinstimmung erzielt worden ist, und daß die Besprechungen zwischen der englischen Dreier-Delegation und amerikanisch-jüdischen Führern in New York, dlnh vielleicht auch in Washington, fortgeführt werden würden. Auf der Tagung des Rates der jüdischen Förderationen und der Wohlfahrtsinstitutionen Amerikas, die in St. Louis stattfand, hielten Felix M. Warburg und Sir Herbert Samuel Ansprachen, die von den Delegierten mit begeisterter Zustimmung aufgenommen wurden. Felix M. Warburg erklärte, es sei das erste Ziel der Aktion, 100.000 d e u tsche Juden aus Deutschland hera.uszubringen und in anderen Ländern anzusiedeln; eine so hohe Zahl wie nur möglich, soll in Palästina seßhaft gemacht werden. Den Hauptteil der finanziellen Verantwortung übernehmen die englischen und die amerikanischen Juden. Es sei deshalb notwendig, daß die gegenwärtig vom American Jewish Joint Distribution Committee und dem United Palestine Appeal gemachten Anstrengungen zur Aufbringung von Fonds bis zur äußersten Ausnutzung der Kräfte erweitert werden. Zum Schluß forderte Warburg die Zionisten auf, in Palästina mit Arabern'und Christen zu kooperieren. Sir Herbert Samuel bestätigt, man denke vorerst daran, 100.000 deutsche Juden nach Palästina und anderen Ländern zu bringen. Hiezu ist eine zusätzliche Summe zu den Mitteln, über die diese Juden selbst verfügen werden, in der Höhe von 15 Millionen Dollar (drei Millionen Pfund) notwendig. Davon sollen 10 Millionen in Amerika und 5 Millionen in England aufgebracht werden. Endgültige Beschlüsse werden in kurzer Zeit, auf einer wahrscheinlich in Washington abzuhaltenden Beratung zwischen der englischen Delegation und amerikanisch-jüdischen Führern gefaßt werden. Den Flüchtlingen werden die für sie zu verausgabenden Beträge in Form von Darlehen gegeben werden, die an den R ettungsfonds für die Flüchtlinge zurückzuzahlen sind. Mit Hilfe der rückgezahlten Beträge werden weitere Juden aus Deutschland herausgeholt werden können. Sowohl Felix M. Warburg als auch Sir Herbert Samuel versicherten, diese ganze Rettungsaktion habe nichts mit irgend welchen Plänen, deutsche Waren nach dem Ausland zu bringen, zu tun. Billige Reisen nach POLEN u. CZERN0WITZ Abfahrten: 3., 12., 19. Februar 1936 Rückfahrten: .12. Februar, 5. März 1936 mit D-Zug in geheizten Pullmannwagen unter bewährter Führung Poln. Verkehrs - Büro „Francopel" 111,, Rennweg I, Tel. U 16-4-90 Amerikanisches Judentum gegen Legislative Council Aus New York meldet die J. T. A.: Die Führer der großen amerikanisch-jüdischen Körperschaften versammelten sich am 26. Jänner in New York, um durch eine einheitliche Willenskundgebung gegen den Plan der Schaffung eines Pseudo-Parlaments in Palästina in der Form eines Legislative Council zu protestieren. Der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Morris Rothenberg, der den Vorsitz führte, verurteilte die Bestrebungen zur Schaffung des Council als „Unfairness“ und sagte, falls der Council zustande kommt, werden ln ihm Elemente ausschlaggebend sein, die das Mandat zerstören wollen. Nachdem Rothenberg Protest-Bot- R ASCH IV., ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL.: U47-5-40 KOHLE KOKS ANTHRAZIT .ALLEINIGE LIEFERANTIN DER „ASCA" "BUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN KEREN KAJEMETH JÜDISCHE K ULTU R STELLE schäften des American Jewish Committee, des Nationalrats jüdischer Frauen u. a. m. verlesen hatte, nahm die Konferenz eine R e s o 1 u t i o n an, in der der Legislative Council, wie er jetzt projektiert wird, als „u n demokratisch und dem Geiste und den Absichten des Mandates und der Balfour-Deklaration entgegengesetzt“ scharf abgelehnt wird. Die Haltung der Executive der Jewish Agency zum Council-Plan wird rückhaltlos gut geheißen. Schacht auf dem Boden der Nürnberger Gesetze Aus Berlin meldet die J. T. A.: Reichswirtschaftsminister Dr. Hjalmar Schacht versandte an eine Reihe Stadtverwaltungen und Leitungen öffentlicher Institutionen ein Rundschreiben, in welchem das baldige Erscheinen von Verordnungen angekündigt wird, die dio Frage klären werden, ob jüdischen Firmen Arbeits- und Lieferungsaufträge seitens öffentlicher Institutionen zu erteilen seion. Bis zum Erscheinen dieser Verordnungen — heißt es in dem Zirkularschreibeil Dr. Schachts —. seien Arbeits- und Lieferungsaufträge nur an solche Firmen zu vergeben, deren Inhaber als Reichsbürger im Sinne der Nürnberger Qesetae gelten, 139999999999990