Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 517 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Soli# 4 Off STIMM! Nr. 517 — 24. Jänner 1936 Heiles von Scltafan AscU Aus Anlaß des bevorstehenden Be suches des berühmten Schriftstellers Schalom Asch befragte einer unserer Mitarbeiter den hier weilenden Übersetzer und Freund des Dichters, Doktor Siegfried Schmitz, über die künstlerischen und sonstigen Pläne Aschs, Wir geben das interessante Gespräch hier wieder, es teilt der großen Leser gemeinde, die Schalom Asch besitzt manches Neue über den populären Autor mit. Vor kurzem hat Schalom Asch ein neues großes Werk vollendet, es ist das Ergebnis fast zweijähriger Arbeit, ln seinem „Trost des Volkes“, dem zuletzt erschienenen Roman aus des Dichters Feder, war Asch in die mystischen Tiefen der jüdischen Volksseele hinabgetaucht. Das jetzt vollendete Werk fii-hrt in die nahe Gegenwart. Es heißt „Der Tanz um das papierene Kalb“ — diesen Titel wählten Autor und Übersetzer für die Ende Februar im Verlage Allert De Lange, Amsterdam, erscheinende deutsche Ausgabe (der Titel des jiddischen Originals ist „In'm Obgrund“), um die Epoche, die der Dichter diesmal gestaltet, zu charak terisieren. Der Roman spielt in den Jahren 1922 bis 1923, im Berlin der ärgsten Inflationszeit. Ein gewaltiges Gemälde wird aufgerollt, in packenden Kontrasten von hilfloser Not und skrupellosem Schiebertum, Ratlosigkeit und Konjunkturschlauheit ersteht . die große Tragödie des inflationistischen Deutschland. Seine stärkste künstlerische Kraft hat Schalom Asch an die Schilderung der furchtbaren Seeleninflation gewendet, die damals entstand und den Keim legte zu allem weiterem Unglück, das Deutschland über sich und die Welt brachte. Diese Teile des Werkes dürften wohl die mächtigste Wirkung üben, ln ihnen hat Schalem Asch auch die ethische Auseinander Setzung z w ischenJudent umundDeutscht u m unternommen. DAS HILFSKOMITEE DES CHAJES-REALGYMNASIUM veranstaltet Samstag, den 2ö. Jänner 1936, präzise 2030 Uhr, in sämtlichen Sälen des Militärkasino,I., Schwarzenbergplatz 1, einen GESELLSCHAFTSABEND MIT TANZ v\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\^ Es wirken mit: Norbert Brainin, Sina Adlersberg, Josef Polnau, Albert Feiler, Hilda Dulitzkaja, Fritz Grünbaum, Boby Weiser Um Mitternacht: Sevilla Pastor Jazzkapelle J. Geiger. Karten erhältlich: Chajes-Realgymnasium, XX. Staudingergasse 2—4 WIZO, L, Schottenring 25 Bücherstube Rath, II., Taboratraße 20a wenig kennt, wo er jedoch viele Freunde ' zur Hilfe für das verwüstete Europa auf, forhat. Auch hier wird der Dichter in Prag und derte im Namen der Menschlichkeit Hilfe für Brünn, wenn es seine Zeit erlaubt, auch in das nieder gebrochene, hungernde Deutschzwei oder drei anderen Städten tragstisch erscheinen. am Vor- Wie es scheint, ist „Der Tanz um das papierene Kalb“ die erste künstlerische For rmmg der Probleme, die gegenwärtig den großen Erzähler geradezu bis zum Rande er füllen. Gesprächen und Briefen aus der letz ten Zeit ist aber zu entnehmen, daß Schalom Asch sich mit der Absicht trägt, die Idee, die seinem neuen Werke zugrundeliegt, in weiteren Romanen fortzuführen, ähnlich wie er das im seinem bekannten Buche „Petersburg“ angeschlagene Grundthema von Schuld und Sühne für Verbrechen am Menschen zu der großen Romantrilogie „Die Sintflut“ ausweitete. MH diesen kiinstleri sehen Plänen, die noch keine fest umrissene Gestalt haben, mag vielleicht die Reise nach Palästina im Zusammenhang stehen, die Schalom Asch gegen Ende Februar antritt. Es ist seine vierte Fahrt nach dem Lande der jüdischen Vergangenheit und Zukunft. Vorher kommt Schalom Asch, einer Einladung des Wiener Bialik-Klub und dessen Leiters Dr. Rothblum folgend, nach Wien, wo er im Großen Konzerthaussaale als Vortragender vor die Öffentlichkeit treten vjird. Schalom Asch liebt seit je die österreichische Landschaft, besonders die ihm künstlerisch sehr zusagende Wienei* Atmosphäre, er dürfte daher einige Zeit in Österreich verbringen. Dann löst er ein schon lange gegebenes Versprechen ein, die Tschechoslowakei zu besuchen, die er nur Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft PHONIX Wien, IX., Otto Wagnerplatz Nr. 5 - Frankhplatz Nr. 3 Verabsäumen Sie es nicht, ln jedem Rechtsstreit sich gegen die Prozeßkosten zu versichern Nähere Auskunft über unsere ProzeBkosten- Versicherung erteilt Ihnen Ihr Rechtsanwalt Dem breiten Publikum in Wien wie in der Tschechoslowakei ist nur der Erzähler, nicht aber d-er Redner und Vortragende Schalom Asch bekannt — hier wie dort ■wird er zum erstenmal mit Vorträgen vor die Öffentlichkeit treten. Anders in den Vereinigten Staaten, in Frankreich und Polen: dort kennt und schätzt man den Redner Schalom Asch, der in seiner jiddischen Muttersprache so wirksam, eindringlich und darum auch dem Fremdesten leicht verständlich zu sprechen weiß. Nach dem Waffenstillstand im November 1918 zog Schalom Asch in den Vereinigten Staaten von Stadt zu Stadt und rief mit mächtigen, menschlichen Worten Amerika hat es ihm nach bestem — seine Bücher wurden land. Deutschland Können gedankt verbrannt. Auf dem Internationalen Penklubkongreß des Jahres 1929 ergriff der jiddische Schriftsteller Schalom Asch das Wort und sprach über die kulturellen und geistigen Rechte der kleinen Nationen. Wohl selten wurde einem Redner so aufmerksam, mit solcher Spannung gelauscht, wie damals Schalom Asch. Er ergreift als Redner, weil er von dem Thema, das er behandelt, stets selbst ergriffen ist — und er redet nur über Dinge, bei denen sein Herz steht. Daher übt Schalom Asch am Vortragstisch stets tiefe Wirkung, er packt, rührt und wird zum Rufer. Wie sein Werk ist sein Wort, zutiefst menschlich bewegt und rührt an des Men sehen göttlichen Teil, die Menschlichkeit. Moderne Anthropologie und die Judenfrage Lemberg, Auf Einladung der „Gesellschaft für Soziologie und Anthropologie der Juden“ sprach gestern Dr. S. Czortkower, Assistent an der Universität in über dieses Thema. Einleitend hob der Vereinepräsident Professor Sicher die Bedeutung des Vortragsthemas hervor und wies auf die Fortschritte hin, die in den letzten Jahren in der Erforschung der rassischen Struktur der europäischen Völker im allgemeinen und der Juden im besonderen erzielt wurden. Polen ■steht durch die Arbeiten der von dem jetzigen Rektor der Universität, Professor Czekanowski, gegründeten Lemberger Schule an hervorragender Stelle. Als Assistent und Mitarbeiter des weit berühmten Lemberger Gelehrten besprach nun der Vortragende, Dr. Czortkower, die neaien wissenschaftlichen Ergebnisse auf Für einen alten, noch gesunden Herrn wird eine Frau gesucht, die ihm die Wirtschaft führt,Frühstück und Nachtmahl kocht Hiefiir erhält sie ein großes, schön eingerichtetes Zimmer, Licht, Heizung und Bad. Für Frauen mit Heimarbeit überaus geeignet. Zuschriften unter „Sofort“ an die Administration des Blattes anthropologischem Gebiet, zu denen er durch eigene Arbeiten sehr viel beigetragen hat. In bezug auf die Juden gelangt Professor Czekanowski zu der Ansicht, daß von einer jüdischen Rasseebensowenig wie von einer deutschen, polnischen oder französischen Rasse gesprochen werden könne. Eine solche Rasse besteht nicht und hat auch niemals bestanden. Ebenso gibt es nicht und hat es niemals eine semitische Rasse gegeben. Seitdem man auf Spuren der Juden in der Geschichte stößt, findet man, daß sie aus mehreren Rassen zusammengesetzt waren. Es waren immer die gleichen Rassen, aus denen auch ihre jeweiligen Nachbarvölker zusammengesetzt waren. So lassen sich schon in der Zeit, als die Juden noch einen selbständigen Staat hatten, innerhalb des Judentums r e i Rassen nachwelsen, nämlich die orientalische, die mittelmeerländische und die armenoide. Nach dem Verlust der politischen Selbständigkeit zerstreuten sich die Juden zunächst im Bereiche von Nordafrika einerseits, Griechenland, Italien und Spanien anderseits. Durch die in der Spätantike überaus häufigen Übertritte zum Juden tum erfuhr die mittelmeerländische Komponente eine Verstärkung, während die orientalische sich in dem Maße der Entfernung von Palästina abschwäohte. Das gilt auch in bezug auf die zweite Gruppe, die gegen Kleinasien und den Kaukasus auswanderte Hier, in der Urheimat der armenoiden Rasse erfuhr diese Komponente eine Verstärkung Wie die aus Nordafrika und Südeuropa kommenden Juden in Spanien sich berührten, so kamen die aus Spanien vertriebenen, nach Nordeuropa ausgewanderten Juden später in Polen mit derjenigen Gruppe zusammen, die auf dem Kaukasusgebiet naob Osteuropa zog. Auf diesen Wanderungen durch Nord- und Osteuropa kamen die Juden mit Germanen, Slaven und Finnen in Berührung, wobei sie zwei neue Rassenelemente in ihren Volkskörper aufnahmen, und zwar das nordische und das lapponokle Element (nord- und osteuropäische Rasse). Die Juden vereinigen in ihrer Erbmasse somit sämtliche in Europa lebenden Rassen, wie dies auch hinsichtlich aller anderen europäischen Völker gilt. Denn es gibt keine ein rassigen Völker. Von den europäisch en Völkern gilt es zumindest mit voller Sicherheit, daß sie durchwegs mehrrassig sind, und daß es nur einzelne reinrassige Individuen gibt. Es ergaben eingehende Untersuchungen, daß sich innerhalb eines jeden europäischen Volkes zehn verschiedene Typen naohweisen lassen. Donnerstag, den 30. Jännor, 19 Uhr 15, findet im Theatersaal ein Stefan-Zweig - Abend statt. Ee liest Esti Freud; einleitende Worte: Dr. Walter Beamt. Des großen Erfolges wegen spielt, das Jüdische Kulturtheater Sonntag, den 26. Jänner, um 16 Uhr, „Höre Israel“ von Ossip Dymo w, in der Inszenierung von E. J u b a 1. Jüdische Kulturstelle Samstag, den 25. Jänner, 17 Uhr, veranstaltet die Musiksektion einen Nachmittag unter dem Titel W. A. Mozart (zum 180. Geburtstag), Musikalische Leitung: Hans Heimler. — Sonntag, den 26. Jänner, 10 Uhr vormittags, findet im Rahmen einer FeBtmatinee ein Lichtbildervortrag über „Jüdische Kunst“ statt. Es spricht Hugo Friedmann. — Die Kunstausstellung ist ganztägig geöffnet und frei zugänglich. — Kartou für sämtliche Privat- und Bundestheater sowie Konzerte in der Jüdischen Kulturstelle, I., Kai 3. Tel. R 28-2-36. Amtliche Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Predigten in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 24. Jänner 1936, werden bei den um 4 Uhr 40 beginnenden Abendgottesdiensten in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenstettengasse 4: Oberrabbiner Doktor D. Feuchtwang; II., Pazmaiiitengasse 6: Rabbiner Dr. Z. Taubes; III., Untere Viaduktgasse Nr. 13: Rabbiner Dr. K. Kupfer; V., Siebenbrunnengasse 1 a: Rabbiner Dr. M. G. Mehrer; XV., Turnergasse 22: Dozent Dr. II. J. Zimmels; XVHI., Schopenhauerstraße 39: Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz; XIX., Dollingergasse 3; Rabbiner Dr. A. Frankfurter. Samstag, den 25. Jänner ft)36, beim Vormittagsgottesdienste', Schrifterklärungen: XX., Kluckygasse 11: Rabbiner Dr. B. Murmelstein; XXI., Holzmeistergasse 12: Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Israelitische Jugendgottesdienste. Jugendgottesdienst für Volks-, Haupt- und Mittelschüler (inne n): Samstag, den 25. Jänner 1936, um 3 Uhr nachmittags in allen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Besondere Jugendgottesdienste für Mittelschüler- und -s c h fi 1er innen für Unterklassen im II., IX. und XX. Bezirk: Samstag, den 25. Jänner 1936, um Uhr nachmittags, ira Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgasse 3, und in den Bezirkssynagogen, IX., Miillnergasse 21, und XX., Kluckygasse 11. Paläsfftiafreuiide veranstalten zu Purim 1936 (5696), eine Reise nach Erez. Abfahrt 27. Februar. Unverbind-Iiche Auskünfte erteilt G. Wiftlln, Wien, II., Aspernbrückengasse 2 (R 43.500) täglich von 9 bis 1 Uhr (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag). Kundmachung. Die Privati-stenprüfungen aus israelitischer Religion für Schüler und Schülerinnen an Volks- und Hauptschulen für das I. Halbjahr des Schuljahres 1935/36 finden durch die zuständigen Religionslehrer in den Sarnmeb Stationen statt. Die Termine für die Prüfungen können bei den Schulleitungen oder im Schaulamte der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, I. Stock, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags ab 24. Jänner 1936 erfragt werden. Die Prüfungstaxe beträgt S 5 pro Halbjahr und ist im vorhinein an der Kasse der Israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse Nr. 4, I. Stock, oder bei den Bezirksämtern, XV., Turnergasso 22, XVI., Hubergasse 8 und XXL Holzraeistergasse 12, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags, beziehungsweise beim Bezirksamte XVIII., Schopenhauerstraße 39, von 3 bis 5 Uhr nachmittags zu erlegen. Die Quittung ist dem zuständigen Religionslehrer vor der Prüfung zu übergeben. Der schriftliche Bescheid des Stadt-, beziehungsweise Ortsschulrates über die bewilligte Dispens vom Besuche des öffentlichen israelitischen Religionsunterrichtes ist dem Prüfer vorzu wei&en. * Adolf und Julie Marcelline Mautner vou Markhofsche Stiftungen für Wiener Waisenkinder. Verliehen werden: Je ein Stiftplatz zu S 580 an ein israelitisches Waisenmädchen und einen israelitischen Waisenknaben. Zur B ewerbung sind berufen: Arme Waisenknaben im Alter von 12 bis 16 Jahren und arme Waisenmädchon im Alter von 10 bis 14 Jahren, die in Wieii hoimatsberechtigt sind. Dem vom gesetzlichen Vertreter oinzubringenden Gesuche sind beizulogon: Mittellosigkcitszeugnis, Geburtsschein, Nachweis der Zuständigkeit und der Verwaisung, letztes Schulzeugnis und Vormundschaftsdekret. E i n r o i c hs teile: MagistratBabtoilung 13, I., Rathausstraße 9. E i n r e i c h f r is t: Bis 21. Februar 1936. Die Verleihung erfolgt auf Grund einer Verloßung. Wien, 21. Jänner 1936. Der Vorstand der Israelitischen Kultußgemeinde, Wien. Hlstadruth Ivrlth. Infolge des Schalom-Asch- Vortrages im Großen KonzerthauBsualo entfallen für Samstag, den 25. Jänner, alle Veranstaltungen der Histadruth. BIALIK-KLUB, WIEN, I., BRÄUNERSTRASSE 7-10 DER BERÜHMTE DICHTER SCHALOM ASCH spricht als GaBt des Bialik-Klubs. Samstag, den 25. Jänner 1936, um 8 Uhr abds., im Gr. Konzerthaussaal, Wien, III., Lothringerstr.20,Ubüi üasTliewa „Oie geistigen Bestrebungen der Juden und des Judentums” Karten erhältlich von 8 1 — 6: Keren Kajemeth, I., Marc Aurelstr. 5, Tel. U 29-1-29, Zionistischer Landesverband. L, Marc Aurelstr. 5, Tel, U 22-2-11, „Wizo“, I., Schottenring 25, Tel. A lt-o-26, Jüdischo Kunststelle, 1., Franz losefs-Kai 3, Tel. II 28-2-80, Bücherstube Rath, II., Taboratr. 20 a, Tel. R 45-805, BUcberetube Lanyi, 1., Kärntnerot. 44, B 25-6-75. KnrtonMIro Gronner,!., Graben 28, Tel. U22-4-45, Bücherstube Lewit,I.,WollzeiIe6, Tel. Piätident des Jüdischen Pen-Klubs und Ehrenmitglied des Welt-Pen-Klubs 8 31-8-45, uad m Xoitiaguabend b. d. Kwww&asse HL, Letbringerstr. 2Q A A