Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 517 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 817 — 54. ,Tauner 1936 Dil STIMMI Seit« Goebbels fräst Auf der Tagung des Gaues Groß-Berlin hat am letzten Samstag Goebbels eine Rede gehalten, in der er den prekären Zustand des Reiches eingestand, aber doch gemäß der nationalsozialistischen Weltanschauung Witze über die Leute machte, die durchaus Fleisch und Butter haben wollen. „Wir können nicht mit Butter schießen, sondern nur mit Kanonen.“ Was bedeutet, daß auch weiterhin das hungernde Volk sein Geld in die Waffen vergeuden muß. Weil nun Deutschland durch die braune Wirtschaft um Lebensmittel, Devisen und Rohmaterialien betrogen wird, deshalb — so folgert Goebbels — muß Deutschland Kolonien bekommen. Im Interesse der ganzen Welt, sagt Goebbels. Nun sieht aber die Welt, wie Deutschland verwaltet wird, und sie wird es sich wohl überlegen, ehe sie Kulturmenschen in Afrika oder in der Südsee der braunen Rasse überantwortet. Goebbels hat aber auch Gelegenheit genommen, sich zu Roosevelts Äußerungen zu äußern. Er fragt: „Was geht es die Welt an, wie wir mit unseren Juden fertig zu werden suchen? Die Amerikaner sollten, ehe sie sich in unsere Angelegenheiten einmischen, erst dafür sorgen, daß ihr Nationalheld nicht aus Angst um das Leben seines Kindes fliehen m u ß.“ Gerade das hätte Goebbels nicht sagen sollen. Ist nicht Bruno Hauptmann, der wegen der Ermordung des ersten Kindes Lindberghs zum Tode verurteilt worden ist, organisierter Nationalsozialist? Und Lindbergh mußte doch flüchten, weil ihn Hauptmanns Volk- und Rassegenossen mit Drohbriefen bombardierten! Das weiß die Welt, und sie sieht an den Taten der Hauptmann Gütertransporte und Übersledlungen ULLMANN RINK & CO. Wien, I., iudenpiatz 5, Tel. U 22-2-54 Frachtvertretung der Palestine Shipping Co. Ltd.D. „Tel Aviv" und der „Atid Navigation Co." Die nÜ<Htt«n Aufführungen des grollen Palästina-Tonfilms der Fox „DAS LAND DER VERHEISSUNG" Sonntag, 26. Jänner, vormittags 1411 Uhr, im IMPERIAL-KINO I., ROTENTURMSTRASSE Tonfilm-Reportage:RUND UM DEN LUZERNER KONGRESS Ansprache: DR. MAX BROD (Prag) Karten bei: Jüd. Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 3, Telephon R 28-3-38; BücherBtube Rath, II., TaborstraBe 20a, Tel.: R 45-305; Juwelier Lederer, IV., Schleifmühlgasse 12; Installateur Job. Weiß, II., Rotensterngasse 22 und an der Kinokasse Sonntag, 26. Jänner, vormittags 7*12 Uhr Karten nur bei: Buchhantllung Richard Lanyl I., KflrntnerstraOe 44, Telephon B 25-6-75 und an der Kinokasse sind die Hetzereien in Algier und Tunis, die Aufstellung einer nationalsozialistischen Auslandsorganisation, die die Spionage im größten Ausmaß betreibt, nicht nach Gebühr eingeschätzt und abgestellt worden. Wohl scheinen militärische Abmachungen getroffen worden zu sein und die Rüstungen in Frankreich und England zeigen, daß wenigstens die Militärs die Situation überblicken. Aber die Politik der Weststaaten läuft noch in den alten Geleisen und immer wieder taucht die Phrase auf, daß die deutsch französische Verständigung die Panacee wäre. Aber Verständigung mit dem unzuverlässigen, hysterischen Nationalsozia lismus ist ein Trugbild. Im Hintergrund steht clie Lehre, die Hitler in „M e i n Kampf“ aufstellt. Sie führt direkt zu der Entrechtung und Vergewaltigung der Welt, Es geht die Menschen Deutschland mit seinen sehr viel an, wie Juden fertig wird Diplomatenaktion für Auslandsjuden in Deutsdiland Berlin, 20. Jänner. und Kameraden, wie sie von Goebbels unterrichtet und erzogen worden sind. Und deshalb geht es die Welt sehr viel an, wenn die Goebbels usw. eine halbe Million Juden martern. Denn in dem Schicksal dieser Minderheit liegt ein warnendes Signal für die nichfcdeutschen Nationen Europas. Die innere Notlage des Dritten Reiches in Verbindung mit der Agressivität des Natio nalsozialismus kann die Herrschenden sehr leicht auf den Gedanken bringen, das Ventil des Krieges und der nationalistischen Expansion zu öffnen. Die Aufmerksamkeit Europas ist schon durch die sich steigernde Diskussion über die Rheinlandzone, in der Deutschland keine Garnisonen halten darf, und durch die immer lauter erhobene Forderung nach Kolonien erregt worden. Man hat allen Grund anzunehmen, daß Berlin die Gelegenheit wird benützen wollen, die ohnedies zum Reißen gespannte internationale Situation noch weiter zu belasten und hier oder dort einen Handstreich zu versuchen. Ob dann der V ölkerbund die Kraft und den Willen aufbringt, mit Sanktionen vorzugehen, ist eine Frage, die wohl niemand derzeit beantworten kann. Wahrscheinlich gibt es Abmachungen Deutschlands mit Japan, um die russischen Armeen zu binden. Wenn Deutschland zum Überfall auf den Frieden sich entschließt, so ändert es gewiß nichts an seiner inneren Verwahrlosung, aber es ginge dann an die Ausführung des Hitler-Programmes, die Herrschaft der nordischen Rasse aufzurichten. Und wenn es siegen sollte, dann droht allen Unterjochten das Schicksal der Juden. Dann ist Europa ein Konzentrationslager. Die Gefahr dieser Entwicklung ist von den europäischen Staaten selbst herbeigeführt worden. Sie haben die Verbrochen an den Juden nur als interne deutsche Angelegenheit betrachtet, obzwar sie die Lektüre der nationalsozialistischen Literatur darüber hätte eines Besseren belehren müssen. Auch die Attacke auf ös t e r r e i c h, die in der Ermordnung des Kanzlers Dollfuß kulminierte, ist eine Lehre gewesen, die aber nicht beherzigt worden ist. Ebenso (2. T. A.) Von autoritativer Seite wurde der Sonderberichterstatter der Jüdischen Telegraphen-Agentur dahin informiert, daß die Regierungen einer Reihe mitteleuropäischer Länder an das deutsche Auswärtige Amt die Warnung gerichtet haben, eie würden auf internationalem Boden eine Aktion gegen Deutschland ergreifen, falls dieses fortfährt. Juden ausländischer Staats Zugehörigkeit zur Liquidierung ihrer Unternehmungen im Reich — nach den glei oben Richtlinien, wie sie für deutsche Juden gelten — zu zwingen, ohne ihnen gleichzeitig zu gestatten, ihr Kapital aus Deutschland auszuführen. Diese Warnung wurde von den diplomatischen Vertretungen der betreffenden Länder in der Form einer Verbalnote dem Aus- 48 Stunden Arbeit in welchem Beruf immer, das ist eine ganze Woche einseitiger Betätigung. Diese einseitige Betätigung führt zu erhöhter Ermüdung der bei der Arbeit besonders beanspruchten Körperpartien, aber auch zur Erschlaffung der minder beanspruchten. Sport und Natur sind der gebotene Ausgleich, aber auch der Gebrauch von DIANA-Franzbranntwein mit Menthol. Tägliche Massage mit Diana erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft.. Ebenso wertvoll zur Mundnnd Haarpflege Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA“. Weisen Sie minderwertige Nachahmungen zurUck wärtigen Amt überreicht. In der Note wird unterstrichen, daß in allen jenen Fällen, in denen jüdische Bürger der intervenierenden Staaten im Zusammenhang mit dem antijüdischen Feldzug in Deutschland Schaden erleiden, Entschädigung von der deutschen Regierung gefordert werden wird. Wie der JTA-Vertreter weiter erfährt, haben die diplomatischen Vertretungen mitteleuropäischer Länder in Berlin bereits damit begonnen, die den jüdischen Bürgern ihrer Staaten durch die antijüdieche Gesetzgebung und durch Einzelaktionen erwachsenen Schäden zu registrieren, um auf diese Weise eine Unterlage für die an die deutsche Regierung zu richtende Kollektivforderung auf Wiedergutmachung zu erhalten. In diesem Zusammenhang wird betont, daß die polnische Botschaft in Berlin ihre bisherige Haltung der Gleichgültigkeit gegenüber der Depossedierung von annähernd 50.000 Juden polnischer Bürgerschaft in Deutschland aufgeben und sich dem Kollektivechritt der übrigen interessierten Staaten, der schon in naher Zukunft zu erwarten ist, anschließen wird. Eine vorbereitende Maßnahme zu dieser geänderten Haltung Polens wird in der kürzlich in Warschau verkündeten Not Verordnung betreffend Schutz der Interessen polnischer Bürger im Ausland erblickt; diese Notverordnung ermächtigt die polnische Re gierung, Retorsionsmaßnahmen gegen jene Staaten zu ergreifen, in denen die Rechte polnischer Staatsbürger geschädigt werden. Der Mörder von Oranienburg tot? In der „Neuen Weltbühne“ teilt Stephan Szende mit, daß Obersturmführer Stahlkopf, der Leiter des Konzentrationslagers Oranienburg, der Mörder Erich Mühsams und einer Reihe anderer Juden, Selbstmord begangen hat. Szende erzählt u. a.: Stahlkopf — der Name ißt ein Stiiek Geschichte geworden. Für Tausende ist er untrennbar verbunden mit den Greueln, di’e sie im eigenen Körper erlebt haben im Konzentrationslager Oranienburg. Gerhard Seger hat dieses phantastische Gewächs im Garten des braunen Hasses der Weltöffentlichkeit vorgestellt; nach ihm wurde in zahlreichen Veröffentlichungen jene erstickende Atmosphäre geschildert, die dieser Mensch um sich verbreitet hat. Im Zimmer 16 den Konzentrationslagers Oranienburg, wo Stahlkopf herrschte, zitterten mutige Männer. Nun ist Stahlkops tot. Ich erfuhr sein Ende vor einigen Wochen, als ich im Zuchthaus Luckau, im Zellenhaus, lag. Es trat ein neuer Hilfswachtmeister ein, Truppführer Petschner, der berühmte „Himmelstoß“ des Konzentrationslagers Oranienburg. Ein toller Bursche, grob und gemein in der Sprache. Er erzählte, das Lager Oranienburg sei endgültig aufgelöst, die Wachmannschaften seien entlassen worden. Ich fragte, wo Obersturmbannführer Stahlkopf geblieben sei. Er antwortete wörtlich: „Der Saukerl wird keinen mehr prügeln! So ein Haufen Dreck zieht auf das Grab seiner M u ttor und jagt sich eine Kugel durch den Kopf .. Ich weiß nicht, weshalb. Aber auch Hunde haben Gewisse n.“ Szende erzählt dann weiter Über Stahlkopf: Bei der Einliefrung hat jeder Dresche gekriegt. Die meisten haben dann Ruhe gehabt, mit Ausnahme der Juden. Mit den raffiniertesten Methoden, die nur der höllischen Phantasie eine; Geisteskranken entstammen konnten, peinigte er die Juden. Wenn Raucher der Verfärbung der Zähne verbeugen wollen, dann hilft nur die regelmäßige, tägliche Pflege mH OOOL* Zahnpasta. m m Kleine Tube S -JÖO Groß« Tube 8 t.40 Flüchtlingsfrage und Danzig vor dem Völkerbund Genf, 23. Jänner. Der Völkerbundrat hat gestern in vertraulicher Sitzung das Flüchtlingskomitee gewählt und den Bericht MacDonalds in Beratung genommen. In öffentlicher Sitzung wurde die Debatte über die Danziger Petitionen und den Bericht des Oberkommissärs Lester begonnen. Außenminister E d e n, der den Bericht erstattete, griff den Danziger Senat scharf an. Es könne nicht geduldet werden, daß dieEmpfehlungendesVölkerbwndes mißachtet werden. Senatspräsident Greiser erklärte, die Empfehlungen des Völkerbundes seien zu 75 Prozent durchgeführt. Der Rest beziehe sich auf Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes. Diese 25 Prozent sind aber gerade die Dinge, die sich auf die Juden beziehen. Eden antwortete übrigens, hier könne es keine Prozentverhältnisse gehen, die Autorität des Völkerbundes müsse ungeschmälert gewahrt bleiben. Die Beschlußfassung wurde auf eine spätere Sitzung vertagt. Dank der Ärzte an Dr. Ehrlich Die Vereinigung jüdischer Ärzte, deren Präsident Univ.-Prof. Dr. Ludwig Braun ist, hat beschlossen, zum Zeichen ihrer besonderen Dankbarkeit und Verehrung für den Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich sich an der Eintragung seines Namens in das Goldene Buch des Keren K a j e m e t h zu beteiligen. Neues Wiener Konservatorium I., Bflsendorferstraße 12 (Musikvereinsgebäude) II. Semester (Beginn 3. Februar) Unterricht in allen musikalischen Fächern von den ersten Anfängen bis zur letzten Ausbildung. Klavier, Violine, Gesang und alle Orchesterinstrumente. Oper Schauspiel Operette Tonfilm Jazz Staatsprüfungskurs Eigene Kiuderabteilg. Neueröffnete Abteilung für Klavier, Violine und Theorie in Floridsdorf (in der Hilfsschule Ecke Schloßhofer- und Schöpfleuthnerstraße). Anmeldungen täglich in der Schulkanzlei J., Bösendorferstraßo 12 (Tel. U 46-4-37) 'Prälat Fried so In der katholischen Versammlung über die Rechte der Christen in Palästina, von der wir letzthin berichtet haben, hat der Prälat Fried den Zionismus als Gefahr für den Frieden bezeichnet. Ein Sieg des Zionismus wäre eine Gefahr für die Katholiken. Derselbe Prälat Fried hat im Dezember 1935 in der Wiener Urania, über seine Eindrücke auf einer Palästinareise folgendes berichtet: „Die Zusage maßgebender jüdischer Instanzen, daß auch in einem jüdischen Staat die den Christen heiligen Stätten geschont und geachtet werden würden, halte ich als durchaus vertrauenswiird i g. Oh das Ziel des Zionismus, die Schaffung des Judenstaates, erreicht werden wird, will ich jedoch nicht entscheiden. Ich halte es für möglich, wenn es nur auf die Konsequenz und Zähigkeit der Juden und das jüdische Geld (Opferwilligkeit der Juden) ankommt.“ Was hat sich in der Zwischenzeit von sechs Wochen geändert, daß der Zionismus, der damals vertrauenswürdig war, jetzt eine Gefahr“ sein sollte? Familiennachricht. Eheschließung: Otto Winter mit Otti Mann im Ottakringer Tempel am 19. Jänner 1936. — Bar-Mizwah: ikob S ']mv> 7, in Graz, Sohn des Herrn Karl mul Frau Stephanie Schwarz.