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Die Stimme · 1936-01-17 · Heft 515 (17.1.1936) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 515 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 515. - 17. Jänner 1936 OfC STIMME Seite 5 reitenfiEQtARK GABLE CLAUPEIE COltERJ juf ihrer abenteuerre'dien Autobus* Jahrt von Miami nachNÖwYork IT ■tiic/ißOrigir tngtiscn OML^. , beutscht Sassung. ITAIAK INO® \G? [hu&)'erten?mm kornddl^ Nt V* «|N COIUMSIAFIIMIM Kl SA VE&tEIH Wiener Vortrag F. Bernsteins über Palästina Unter dem Titel „Die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Politik und Organisation beim Aufbau Palästinas“ hielt Mittwoch der Leiter der zionistischen Organisation Hollands, F. B e r n s t e i n, der von einer Vortragstourneo in Polen über Wien heimkehrte, vor zionistischen Vertrauensmännern ein tiefschürfendes Referat Uber aktuelle Fragen der zionistischen Politik. Der Vortragende, in weitesten Kreisen bekannt durch seine Untersuchungen über den „Antisemitismus als Gruppenerscheinung“, wußte sein schwieriges Thema mittels geistreicher, oft überraschender Formulierungen und Erläutenin- Organisation. Ebenso wäre *es ihre Aufgabe, stärker als bisher auf dem Gebiet der Steuer* Politik und anderer wichtiger Wirtschaft.«* politischer Komplexe Ordnung zu schaffen. Bernstein rügte den Mangel einer aktiven M a n d a t s p o 1 i t i k; mit dem Beispiel vom armen Kranken, dessen sich seine Familie nur zur Zeit seiner Krankheit annimmfc, während sie sich um den Gesunden nicht kümmert, versinnbildlichte er den Fehler unserer Organisation, nur in Notzeiten (Legislative Council) in Aktion zu treten, nachher aber wieder in Lothargie zu verfallen. Dabei dürfe doch unsere Macht nicht unterschätzt werden: in Palästina ist der Jlschuw unser Machtfaktor, in der Gaiuth gerade unsere Verteilung auf die wichtigsten Punkte der Erde, wo wir imstande sind, die Öffentliche Meinung zu bearbeiten und für uns zu gewinnen. Leider hindere allerdings der innere Hader in der Weltorganisation deren Schlagkraft, es fehle die Einigkeit in einer Zeit, in der alle unsere Kräfte voll und ganz der Erreichung unseres Zieles gewidmet sein müßten. Dem Vortrag Bernsteins folgte herzlicher Beifall. Dr. A. W. Alkoholiker, die an Magenkatarrh leiden, finden ihre Eßlust durch Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef^-Bittcrwasscre — etwa 150 Gramm pro Tag — oft in überraschend kurzer Zeit wieder. Ärztl. empfohlen. R. N. Coudenhove-Kalergi: //Judenhaß von // gen seiner Thesen und Anführung von Beispielen aus der zionistischen Geschichte der letzten zwei Jahrzehnte derart fesselnd zu gestalten, daß clie Zuhörer ihm mit gespannter Aufmerksamkeit folgten. Bernstein erklärte eingangs, er appelliere nicht, wie die meisten zionistischen Redner, an das Gefühl, sondern an den Verstand seines Publikums. Er wies auf die innigen, leider oft und zum Schaden der Bewegung übersehenen Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Politik und zionistischer Organisation in bezug auf Palästina hin, betonte mit Nachdruck die Wichtigkeit der zionistischen Weltorganisation, die immer noch von manchen, auch von pro-palästinensischen Juden für unnötig erklärt wird, und legte ihre Bedeutung als politisches Kampfmittel (Legislative Council, Zertiükatenfrage!), aber auch als wirtschaftlicher Regtilator dar. E3 müsse allerdings zugegeben werden, daß die Funktionsmöglichkeiten der Organisation von den Zionisten selbst noch nicht genügend erkannt seien. Der bekannte Satz im Artikel 2 des Palästinamandats „Der Mandatar soll verantwortlich sein dafür, daß das Land unter diejenigen politischen, administrativen und wirtschaftlichen Bedingungen gestellt wird, welche die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte sichern“ zeige deut- RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Oporer) ii.. Taboretraße 12 Telephon H 46-5-57 Ausgiebige Hraten-Menüs S l*ftO ■»■»<■ „ Geflügel 8 2*20 wJ sowie 5 la Carte, Speisen am Roai Im Theatersaal täglich 8 Uhr abends Theater der Komiker. lieh, daß man keine Frage (etwa das Zertiflkatenproblem) an sich, losgelöst von der Wirtschaftsfrage behandeln könne. Nichts ist so schädlich wie das Wort „In Palästina geht’s von selbst“ — ginge alles selbständig zur Zufriedenheit vonstatten, dann benötigte man freilich keine zionistische Organisation. Aber die Praxis lehrt das Gegenteil: die gegenwärtige Prosperität (oder auch nur Scheinprosperität), die nach Bernsteins Formulierung geradezu durch „Leerlauf“ hervorgerufen wurde (die Neu-EinWanderer nehmen durchschnittlich ein Jahr lang bloß als Kons umenten an der Wirtschaft Palästinas teil), muß folgerichtig aufhören, sobald nicht entweder im Lande selbst neue Produktivkräfte erschlossen werden oder neues Siedlungsland zur Verfügung gestellt und so das Gespenst der Arbeitslosigkeit gebannt wird. Hier in das Tohuwabohu der privatkapitalistischen Wirtschaft regulierend einzugreifen, ist die Aufgabe der zionistischen Der Name Coudenhove-Kailergi hat für alle, diie die Erde menschenwürdig e i ngerichtet sehen möchten5 einen guten Klang: also auch für den Juden. Auch wenn Richard N. Coudenhove-Kalergi nur Paneuropäer wäre und die Judenfrage im besonderen ihn nicht so lebhaft interessierte, wäre er uns sympathisch, denn die Gedanken, die in der paneuropäischen Idee liegen, sind universalistische, menschliche Gedanken, und wenn ihr Geist, der Geist des friedlichen Zusammenlebens der Menschen und der Nationen, der Geist der Ausschaltung der Gewalt in die politische Wirklichkeit umgesetzt würde, müßte sich automatisch auch für uns Juden eine menschenwürdige Behandlung ergeben. Aber es war natürlich, daß der Mann des paneuropäischen Gedankens der Judenfrage gegenüber nicht im Schweigen verharren konnte. Wer die Gewalt als regulierenden Faktor des irdischen Geschehens ausgesohaltet sehen will, muß sich dem Volk zuwenden, das am meisten unter der Gewalt zu leiden hat, weil es vollkommen machtlos ist. Es verpflichtete den Grafen, neben den eigenen Ideen auch eine frühere Arbeit Peines Vaters, des Grafen Heinrich, der in seinem Buch „Das Wesen des Antisemitismus“ ein Standardwerk geschaffen hatte. Zusammen mit dem Buch des Vaters, das damit seine Neuauflage erlebt hat, hat Graf Richard N. Coudenhove- Kalergi eine Schrift über den „Judenhaß von heute“ herausgegeben (Paneuropa-Verlag Wien-Zürich, 1935). * Es ist wieder echt Coudenhovescher Geist, der sich hier zu Wort meldet. Graf Richard bemüht sich ehrlich und mit riickhalteloser Offenheit um eine Analyse der antisemitischen Entwicklung der Nachkriegszeit und um die Antwort auf die Frage, was zu geschehen habe, damit die Juden endlich in Ruhe und Frieden unter den Völkern leben können. Man kann ihm in den meisten Dingen beipflichten. Ein Mensch, der ehrlich sehen will, sieht gewöhnlich richtig. Man möchte dem Grafen nur noch eine Frage zur Beantwortung stellen: Warum haben sich alle die Dinge, die nach seiner Meinung den Antisemitismus verursacht, verschärft oder neu entfacht haben, in so brutaler Weise ausgewirkt? Es gibt auch sonst Menschengnippen, Nationen oder sonstige Gemeinschaften, die den anderen aus diesem oder jenem Grund unangenehm sind. Nie aber exzediiert die Abneigung so brutal wie gegenüber den Juden. Das Endziel des Antisemitismus ist die Ausrottung der Juden. Im allgemeinen pflegt man doch Schuld und Sühne in irgend ein Verhältnis zueinander zu bringen. Uns hat man aber eine furchtbare Sühne auferlegt, die schwerste Sühne der Ausrottung, und es fehlt, selbst wenn man alle Erklärungen des Antisemitismus zur Kenntnis nehmen wollte, die Schuld, die eine solche Sühne hervorrnfen konnte. Wir möchten den Grafen darum auf eine besonders merkwürdige Erscheinung in unserer Leidensgeschichte hinweisen: Man hat bei uns zur Sühne nachträglich die Schuld konstruiert. Das ist psychologisch der Ursprung der Ritualmordlüge. Zuerst waren wir zum Tod verurteilt und dann hat man, um das Urteil zu rechtfertigen, das Verbrechen für uns erfunden, das das Urteil rechtfertigen würde. Denn nur der Ritualmord wäre adequat der Stihne, die wir zu erleiden haben. Der individuelle Ritualmord wurde in neuerer Zeit erweitert zu einer Art kollektiven Ritualmords: In den „P rotok ollen der Weisen von Zio n“, von denen Graf Coudenhove ausführlich und mit dem.;Abscheu, der von ihm zu erwarten ist, in seinem Buch schreibt. In diesem Schandprodukt ausschweifender antisemitischer Phantasie wird uns vorgeworfen, daß wir die Unterjochung der gesamten Menschheit anstreben. Zu diesem Vorwurf, der die kollektive Ausrottung des Judentums begründen soll, führt ein gerader Weg vom Ritualmordmärchen. * Warum tut man das, warum gerade uns und nur uns gegenüber? Coudenhove sagt, man verfolge uns, weil wir eine Minderheit sind, und er meint, alle Minderheiten seien verfolgt. Aber so wie uns verfolgt man keine Minderheit. Warum ißt daß? Gegenüber dieser Tatsache muß man doch auf den Gedanken kommen, daß alles, was den Antisemitismus hervorgerufen, verschärft oder wiedererweckt haben soll, doch nur sekundärer Natur sein kann. Es muß da noch etwas sein, was tiefer sitzt. Ein Gegensatz, der die anderen erst dazu gebracht hat, die Dinge, die eie uns vorwerfen zu müssen glauben, als todeswürdige Handlungen aufzufassen: und, weil sie selbst gefühlt haben, daß da noch etwas fehlt, ein todeswtirdiges Verbrechen für uns zu erfinden. Weiß der Graf auf diese Dinge eine Antwort? Er ist bemüht, die Welt davon zu überzeugen, daß die Macht nicht die Grundlage menschlicher Organisationen bleiben könne. Er will an die Stelle einer auf nationaler Macht und nationaler Rivalität ruhenden europäischen Organisation eine Organisation der Solidarität und der Gerechtigkeit setzen. Er weiß, daß seine Gedanken noch weit entfernt sind von der Verwirklichung. Er woiß, daß die Nationen auf das Machtinstrument nicht verzichten wollen. Auf der anderen Seite aber weiß er, der uns doch gut kennt, daß wir seit Jahrtausenden dem Prinzip der Gewalt das Prinzip einer sittlichen, gereohsind eingelangt Wenn Sie eine wirklich saftige Orange wollen, nehmen Sie eine „Jaffa“. Jaffa- Orangen enthalten einen köstlichen Saft von angenehmster Erfrischung. t Der Saft dieser in Sonne gebadeten Frucht wirkt blutreinigend, erhält das Aussehen jung und schützt gegen die Krankheilen des Winters. Was gibt dieser besonders großen Frucht eine so außergewöhnliche Güte? Teils die Sonne, teils die Erde, teils das Klima von Palästina. Achten Sie darauf, die echte Palästina Jaffa- Orange zu erhalten. Verlangen bie Jaffa- Orangen und Grapefruit. sind saftiger us Palästina. Ein Produkt ten Ordnung entgegensetzen. Könnte es nicht sein, daß die letzte Ursache des Antisemitismus in diesem Gegensatz liegt? Daß wir darum störend wirken in dieser Welt? Was uns weiter an den Gedankengängen des Grafen Coudenhove noch besonders interessieren muß, ist seine Stellung zum Zionismus. Wir wollen die Gedanken eines ehrlichen Wahrheitssuehers kennen und wir wollen une mit ihm über dieses große Problem des Judentums auseinandersetzen. Coudenhove hat früher einmal clen Zionismus deutlich abgelehnt und die jüdischen Gegner des Zionismus haben sich gern auf ihn berufen. In seinem neuen Buch zeigt er, daß er seither gelernt hat. Er ist dem Zionismus nähergekommen. Aber er ist nicht klar in seiner Argumenta-tion und er kommt vielfach in Widersprüche. Man sieht, in diesem Punkt ringt er noch um die Wahrheit. Es ist da noch viel zu viel „Einerseitsanderseite“ und es wird der Zionismus einmal als nützlich für die Juden, einmal als schädlich hingestellt, einmal bestätigt, einmal abgelehnt. Man sieht nicht, wie sieh der Graf zum Problem der jüdischen Nation stellt. Er meint, die Ostjuden könnten eine Nation sein, für die Westjuden sei aber der Weg Gegen den Strich zeigt sich die Qualität. Elastisch, rasch und sicher gleitet die i der Assimilation der richtige. Er übersieht, daß gorade die Blüte des Westjudentums, das Judentum Deutschlands, mitten in einem vehementen Assimilationsprozeß von der Katastrophe ereilt worden ist. An einer Stelle sagt er, die Juden müßten aus der Rolle der Minderheit herauskommen, damit rie sich retten können, und er fügt hinzu, daß damit der Weg zur Lösung der Juden- Irage gegeben sei, ohne aber wiederum auszusprechen, daß dieser Weg nur der Zionismus und das eigene jüdische Land sein kann. Er meint, im Westen werde die Auf- ZIONISTISCHER LANDESVERBAND FÜR ÖSTERREICH Samstag, 18. Jänner 1936, 7.9 Uhr abends, OMenbaehseel, IV., Treltlstraße 3 (neben Porrhaus) spricht der berühmte Philosoph und Dichter MAX BROD ab.. „INDIVIDUUM - VOLK- MENSCHHEIT' Karten e rh S I tl i ehr Zion. Landesverband, I., Marc-Aurel-Str. 5, U 22-2-11/Sämtl. Zion. Bezirkssektionen; Wizo, I., Schottenring 25. A 11-6-26/ Jüdische Kunststelle/1., Franz-Joscfs-Kai 3, R 28-2-36/ Bücherstube Rath, ll.,Taborstr. 20a/ R 45-305/ Bücherstube Lanyi, I., Kürntnerstr. 44, B 25-6-75/ Bücherstube Löwit, I., Wollzeile 6, R 21-4-25

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